Park an der Ilm

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Übersichtsplan
Der Park an der Ilm von der Schlossbrücke aus gesehen mit Blick zum großen Stern (links der kurze Leutrabach)
Goethes Gartenhaus am östlichen Hang des Ilmparks

Der Park an der Ilm (kurz „Ilmpark“) ist der größte und bekannteste Landschaftspark in Weimar (Thüringen). Er wurde seit seiner Errichtung im 18. Jahrhundert unter Beteiligung von Johann Wolfgang von Goethe kaum verändert und zählt damit zu den am besten erhaltenen Parkanlagen des Klassizismus und der Romantik. Charakteristisch sind seine Sichtachsen, die Brücken über die Ilm-Bögen, die vielseitigen Parkarchitekturen und der wertvolle Baumbestand, der zum Teil aus Übersee stammt. Der Ilmpark ist Teil des Ensembles „Klassisches Weimar“, das 1998 von der UNESCO in die Welterbeliste aufgenommen wurde.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Park an der Ilm hat eine Fläche von 48 Hektar und erstreckt sich beiderseits der Ilm über eine Länge von 1,6 km und eine Breite von ca. 300 m vom Weimarer Stadtschloss im Norden bis zum Weimarer Stadtteil Oberweimar im Süden. Dabei ist der Park Teil eines kilometerlangen Grünzugs, der ilmaufwärts bis zum Fuße des Schlossparks Belvedere und ilmabwärts bis zum Schlosspark Tiefurt reicht.[1] Der eigentliche Park an der Ilm unterteilt sich nochmal in den sogenannten „Goethe-Park“ und den „Dux-Garten“. Diese beiden Teile sind mit einer über die Ilm führende Brücke, der sog. „Dux-Brücke“ miteinander verbunden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorgänger des Parks an der Ilm war der Lustgarten, Stich von Caspar Merian (um 1650)

Der Park an der Ilm hat Vorgänger. Das sind die Schlossgärten wie der Baumgarten um 1370 bis zu seinem Untergang 1613 und der sog. Welsche Garten, ein Barockgarten, der jenem folgte. Die Entwicklung der Schlossgärten und des späteren Ilmparkes ist eng verbunden mit der Entwicklung des Schlosses selbst. Zu bemerken ist hierbei, dass diese Gärten nicht nur Gärten als Parkanlagen, sondern auch Nutzgärten waren. Bevor der Ilmpark in Angriff genommen wurde, ging dem eine lange Verfallsphase der Schlossgärten voraus. Überreste von denen gibt es nicht, da sie vollständig durch die Umgestaltung entfernt wurden. Der Baumgarten war in seiner Gründungsphase zunächst ein Obstgarten, der auch als Lustgarten genutzt wurde. Er geht zurück zu Zeiten der Burg Weimar. Die erste Nennung von Gärten reicht in die Zeit als Weimar von den Wettinern übernommen wurde. Die Besitzungen des Grafen Hermann VIII. von Weimar und Orlamünde gingen nach dessen Tod 1373 in die Hände der Markgrafen Friedrich III., Balthasar und Wilhelm über. In unmittelbarer Nähe der Burg wurde ein baumgarten gensyt der Ylmena erwähnt.[2] 1487 ist von einem nuwen Baumgarten die Rede.[3] Um 1512 soll der Baumgarten auch Renngarten geheißen haben, weil sich dort eine Rennbahn befand.[4] Das Ende des Baumgartens kam mit der als Thüringer Sintflut bezeichnetem Unwetter vom 29. Mai 1613, dass sowohl die Lustgärten als auch die wirtschaftlich genutzten Anlagen derart vollständig zerstört wurden, dass die Herzogin Dorothea Maria auf deren Wiederaufbau verzichtete. Danach verfiel dieser Bereich in eine Art Dornröschenschlaf, und blieb zunächst reiner Nutzgarten, zumal der Dreißigjährige Krieg gartenkünslerischen Aktivitäten im Wage stand.[5] Diese kamen erst ab 1648 unter Herzog Wilhelm langsam in Gang[6] Ab 1685 kommt ein Begriff wie der sog. Sterngarten vor, obwohl offenbar existent, wurde er zunächst nicht unter die herzoglichen Gärten gezählt.[7] Der Stern sollte trotzdem für die weitere Geschichte insbesondere bei der Gestaltung des Ilmparks eine Rolle spielen. Auch die „Schnecke“, die im Hintergrund des etwa 1650 entstandenen Stichs von C. Merian, dargestellt ist,[8] spielte noch bei der Umgestaltung des Welschen Gartens eine Rolle, weil eine 1794 entstandene Darstellung des oberen Einganges zur Schnecke im Park von Georg Melchior Kraus gibt, der allerdings bereits eine gewisse Reduzierung erfuhr.[9] Ab 1739 sprach der Chronist G.A. Wette von einer Stern-Wiese. In der Nähe lagen auch Fischteiche. Der Floßgraben und die Floßbrücke werden in den Quellen häufiger erwähnt.[10] Nach einer Blütephase unter der Regentschaft Herzog Wilhelm Ernst 1683 bis 1728 und einer letzten Blütezeit unter Herzog Johann Ernst 1728 bis 1748 ging es in gartenkünstlerischer Beziehung abwärts. Auch an den Beeten und Anlagen, die nicht direkt wirtschaftlich genutzt wurden, wurde wenig getan. Das war bis 1775 der Fall.[11] Der Siebenjährige Krieg ist zwar nicht direkt dafür verantwortlich zu machen. Hilfreich war er aber auch nicht um den Verfallsprozess zu beenden.

Die Gestaltung des Parks begann 1776 unter maßgeblicher Einflussnahme durch Johann Wolfgang Goethe im Stil eines sentimentalen englischen Landschaftsgartens. Der ehemalige Lustgarten, der zuvor noch an die Formensprache des Barock angelehnt war, erfuhr damit eine radikale Umgestaltung. Die ältesten erhaltengebliebenen Teile des Parks ist die Felsentreppe also sog. Nadelöhr nahe der Floßbrücke, welches Goethe in Erinnerung an den Freitod der Christiane Henriette Sophie von Laßberg, von Goethe genannt Christel von Laßberg, anlegen ließ.[12] Es soll sich um den livländischen Baron von Wrangel gehandelt haben, in den sie sich unglücklich verliebte.[13] Außer der Felsentreppe ist das Borkenhäuschen, welches ein Rückzugsort für Karl August war, der älteste erhaltene Bestandteil des Ilmparks.[14] Dieses ist der einzig übriggebliebene Teil des sogenannten Luisenklosters, wo zuvor der alte Pulverturm stand, welcher in das Luisenkloster einbezogen wurde. Es diente gewissermaßen als Theaterkulisse. In dessen Nähe wurde auch die „künstliche Ruine“ 1784 errichtet, in welche die alte Schießmauer[15] einbezogen bzw. umgestaltet wurde.[16] Namensgeberin war die Herzogin Luise, zu deren Namenstag, dem 9. Juli 1778 dieses angelegt wurde. Im Frühjahr 1776 erwarb Goethe auch das heute nach ihm benannte Gartenhaus am Osthang des Parks, das möglicherweise vormals ein Winzerhaus war, zumal dort Weinbau bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts getrieben wurde. Das war zur Zeit Goethes aber nicht mehr der Fall. Danach wurde der Hang gewissermaßen eine Obstwiese, wo auch Gemüse angebaut wurde. Eine Darstellung von Georg Melchior Kraus, von dem es einige Darstellungen von Teilen des Ilmparks gibt, von 1777 zeigt das. Im Garten befindet sich der Stein des guten Glücks. Bei der Parkgestaltung wurde auf die Erfahrungen bei der Anlage des Wörlitzer Parks zurückgegriffen, was auf die engen Beziehungen zwischen dem Weimarer Großherzog Karl August und Fürst Franz von Anhalt-Dessau zurückzuführen ist. Zur Erinnerung und als Symbol seiner Freundschaft mit dem Fürsten von Dessau ließ Karl August 1782 am Westufer der Ilm aus einer fünf Meter hohen Travertinplatte den sogenannten „Dessauer Stein“ im Park errichten, welcher auf einer eingelassenen Tafel aus Sandstein die Inschrift „Francisco Dessaviae Principi“ trägt, die 1787 angebracht wurde. Dieser große Stein wurde bereits November 1782 an einer Wegbiegung in der „Kalten Küche“ aufgerichtet. Dieses wiederum ist Adam Friedrich Oesers letzte Arbeit für Weimar im Zusammenwirken mit Goethe überhaupt.[17] Überhaupt läßt sich die Weimarer Parklandschaft kaum denken ohne dass nicht problemfreie Zusammenwirken zwischen Goethe und Oeser. Oeser fertigte allerdings auch danach für Tiefurt für die Herzogin Anna Amalia noch mehrere Entwürfe.[18]

Goethes Gartenhaus[19] und das ihm am anderen Ilmufer gegenüber liegende Römische Haus, welche beide zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Weimars gehören, bilden die eindrücklichsten Akzente der Parkgestaltung, die durch nachdrückliche Sichtbeziehungen und zahlreiche architektonische Details wie Denkmale, Figuren und Brücken (z. B. die Schaukelbrücke) bestimmt werden. Im Teil des sogenannten Dux-Gartens befindet sich u. a. das 1904 vom Bildhauer Otto Lessing im Auftrag der 1864 in Weimar gegründeten Deutschen Shakespeare-Gesellschaft geschaffene erste Shakespeare-Denkmal auf europäischem Festland. Weitere Dichter, denen Büsten im Ilmpark geweiht wurden, sind Louis Fürnberg, Adam Mickiewicz, Sándor Petőfi und Alexander Puschkin, die sich allerdings im sog. Goethe-Park befinden. Neben den Büsten gibt es an verschiedenen Stellen im Park noch weitere Gestaltungselemente, so den Schlangenstein von Martin Gottlieb Klauer oder auch das Löwenkämpferportal von Johann Peter Kaufmann. Über die vielen Wanderwege im Ilmpark führt unter anderem auch der sogenannte Ilmtal-Radweg. Im Untergrund befindet sich die sogenannte Parkhöhle[20], die sich aus mehreren Stollen des ehemaligen Travertin-Abbaus zusammensetzt und erst seit 1997 für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Der Eingang befindet sich unweit des Liszt-Hauses Weimar, in dessen Nähe wiederum 1902 auch ein Denkmal für den Komponisten, geschaffen vom Bildhauer Hermann Hahn, errichtet wurde. 1803/04 bekam das unweit der Herzogin Anna Amalia Bibliothek befindliche Reithaus seine heutige Gestalt durch den Architekten Heinrich Gentz. Zusätzlich hinzuweisen ist auf die 1912 entstandene Kopie des Euphrosyne-Denkmals unweit des Goethe-Gartenhaus. In dessen Nachbarschaft sich das Pogwisch-Haus befindet.

Mit dem Umbau des Tempelherrenhauses 1823 war, abgesehen von der 1833 erfolgten Errichtung der Hängebrücke, die architektonische Entwicklung des Parkes im Wesentlichen abgeschlossen. Zuvor wurden 1808 die Schnecke und 1811 der sog. Gotische Salon abgebrochen.[21] Unter dem Hofgärtner Eduard Petzold erfolgte zwischen 1848 und 1852 eine Umgestaltung der Parkbepflanzung dergestalt, dass die Parkarchitekturen wie das Goethesche Gartenhaus und das Römische Haus durch Sichtachsen – bewusst wahrnehmbar – in Beziehung gesetzt wurden. Eine gewisse Ausnahme bildet der von 1883 bis 1885 errichtete Bau des Hauptstaatsarchiv Weimar durch Carl Heinrich Ferdinand Streichhan auf dem Beethovenplatz, auf dem sich der sog. „Welsche Garten“ befand und durch die Baumstellungen noch etwas daran erinnert wird. Dort befindet sich seit 2000 auch das Goethe-Hafis-Denkmal, welches von der UNESCO gestiftet und von dem iranischen Präsidenten Mohammed Chatami und dem Bundespräsidenten Johannes Rau eingeweiht wurde.[22]

Zu bemerken ist auch das Haus Ithaka, das 1907 für den Dichter Ernst von Wildenbruch vom Architekten Paul Schultze-Naumburg auf einer Anhöhe oberhalb des Osthanges erbaut wurde, welches einen Blick auf den Park hatte. Diese Blickbeziehung ist jedoch ab 1997 unterhalb der Villa durch sog. „Investorenarchitektur[23] verbaut, wie es auch mit dem Gelände um das Schießhaus nach 2013 geschah.

Nicht nur die Parkarchitektur wurde durch Folgen des Zweiten Weltkrieges zerstört oder beschädigt, sondern auch die Bepflanzungen wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. Unter der Leitung von Hermann Schüttauf erfolgte die Rekonstruktion.

1945/1946 wurde ein sowjetischer Ehrenfriedhof eingerichtet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Park an der Ilm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Huschke/Wolfgang Vulpius: Park um Weimar, Weimar 1955. Außer diesen wird auch der Park Ettersburg darin beschrieben. Eine gut lesbare Darstellung der Parkanlagen mit zahlreichen Illustrationen. Wichtiger ist jedoch Wolfgang Huschke: Die Geschichte des Parkes von Weimar. (= Thüringische Archivstudien, Bd. 2) Hrsg. von Willy Flach, Weimar 1951. Die nachfolgenden auf Huschke sich berufenden Belege beziehen sich auf dieses Werk!
  2. Huschke, S. 13.
  3. Huschke, S. 15.
  4. Huschke, S. 15.
  5. Huschke, S. 25.
  6. Huschke, S. 29.
  7. Huschke, S. 30.
  8. Um 1650 entstand noch ein weiterer Stich von W. Richter. Huschke, Taf. IV.
  9. Georg Melchior Kraus: Aussichten und Parthien des Herzogl. Parks bey Weimar. Hft. 3, Blatt III, hrsg. von Ernst-Gerhard Güse und Margarete Oppel. Weimar 2006, S. 18. -Müller-Wolff, Taf. XLI.
  10. Huschke, S. 31 f.
  11. Huschke, S. 36–48.
  12. Dieses war gewissermaßen Ausdruck der Empfindsamkeit. Christiane stürzte am 16. Januar 1778 in die Ilm bei der Floßbrücke. Sie soll angeblich ein Exemplar von Goethes Roman Die Leiden des jungen Werther bei sich gehabt haben. Motiv war dabei unerfüllte Liebe. Müller-Wolff, S. 40 f.
  13. Florian Kühnel: Kranke Ehre?: Adelige Selbsttötung im Übergang zur Moderne. Oldenbourg Verlag, München 2013, S. 30.
  14. Müller-Wolff, S. 40 ff. und S. 67.
  15. Das Schießhaus für die Büchsenschützengesellschaft unweit des Webicht war gewissermaßen dafür ein Ersatz.
  16. Müller-Wolff, S. 49 ff.
  17. Timo John: Adam Friedrich Oeser 1717-1799: Studie über einen Künstler der Empfindsamkeit, Beucha 2001, S. 160 f. ISBN 978-3-934544-17-8
  18. Müller-Wolff, S. 133 ff.
  19. Marc Hirschfell: Goethes Gartenhaus - in: Das ist das Haus vom Nikolaus: Die Geschichte des Walmdachhauses als Urform und Idealtyp. Dissertation zur Erlangung des akademischen Doctor philosophiae (Dr. phil.) vorgelegt an der Philosophischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg verteidigt am 04.02.2005. In: sundoc.bibliothek.uni-halle.de. 4. Februar 2005, S. 11–47, abgerufen am 28. August 2014.
  20. Zu den geologischen Besonderheiten des Spaltenquellen- und Höhlensystems http://www.geogruppehamburg.de/Exkursionen/Exkursion_2012_Netz_01.pdf S. 43 ff.
  21. Huschke, S. 107 f. u. S. 204.
  22. https://www.weimar-lese.de/index.php?article_id=396
  23. Christoph Schwarzkopf: Episoden aus 100 Jahren Heimatschutz und Denkmalpflege in Thüringen. (Memento des Originals vom 9. September 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/denkmalpfleger.de Auf: Denkmalpfleger.de.
  24. Mit der Arbeit von Susanne Müller-Wolff ist Huschkes Geschichte des Ilmparks nicht überflüssig geworden, weil Müller-Wolff nicht die Geschichte der Parkerhaltung und Parkpflege im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert behandelt, sondern mit dem beginnenden 19. Jahrhundert endet. Auch beginnt Wolf erst mit der Anlage der englischen Partien, während die jahrhundertelange Vorgeschichte seit 1370 ausgeblendet bleibt. Das ist bei Huschke aber beschrieben.
  25. Bis 1965 erschienen 5 unveränderte Auflagen!

Koordinaten: 50° 58′ 29″ N, 11° 20′ 4″ O