Kim Jong-nam

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Dieser Artikel betrifft den ältesten Sohn des ehemaligen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-il. Zum nordkoreanischen Politiker ähnlichen Namens siehe Kim Yŏng-nam.
Koreanische Schreibweise
Chosŏn’gŭl 김정남
Hancha 金正男
Revidierte Romanisierung Gim Jeong-nam
McCune-Reischauer Kim Chŏngnam
siehe auch: Koreanischer Name

Kim Jong-nam (* 10. Mai 1971 in Pjöngjang, Nordkorea; † 13. Februar 2017 in Sepang, Malaysia) war der älteste Sohn von Kim Jong-il, dem ehemaligen Machthaber von Nordkorea. Seine Mutter war Sung Hae-rim, die zweite Frau Kim Jong-ils.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kim Jong-nam soll Anfang 2000 in Ungnade gefallen sein.[1] Er machte 2001 Schlagzeilen, als er, angeblich auf dem Weg ins Tokioter Disneyland, mit einem gefälschten Pass der Dominikanischen Republik in Japan aufgegriffen wurde.[2] Medienberichten zufolge lebte Kim seitdem in Macau. Dort soll er laut dem Bericht einer japanischen Zeitung im Juni 2009 um politisches Asyl gebeten haben, nachdem am 3. April des Jahres in Pjöngjang zahlreiche Menschen aus seinem Umfeld verhaftet worden waren.[3]

Lange wurde vermutet, dass Kim Jong-nam einst die Nachfolge seines Vaters als Staatschef antreten werde.[2] 2009 mehrten sich jedoch Anzeichen dafür, dass Kim Jong-il seinen jüngsten Sohn Kim Jong-un als Nachfolger aufbauen wollte. Nachdem sich dies Ende September 2010 bestätigt hatte, soll Kim Jong-nam im Oktober 2010 die „Erbdynastie“ der Kims in Frage gestellt haben.[4] In dem 2012 erschienenen Buch „Mein Vater Kim Jong-il und ich: Kim Jong-nams exklusive Geständnisse“[5] des japanischen Journalisten Yōji Gomi der Zeitung Tōkyō Shimbun wurde Kim Jong-nam mit kritischen Äußerungen über Nordkorea zitiert. Sein jüngerer Halbbruder sei nur eine Symbolfigur der Machteliten. Nordkorea sei ein instabiles System und Wirtschaftsreformen wie in der Volksrepublik China seien notwendig.[6][7]

Anschlag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. Februar 2017 wurde Kim Jong-nam vom Flughafen Kuala Lumpur in Malaysia wegen Unwohlseins ins örtliche Putrajaya Hospital gebracht und starb dort kurz nach der Ankunft.[8] Ihm sei eine Flüssigkeit ins Gesicht gespritzt worden, hatte er dem Flughafenpersonal erklärt.[9]

Der Direktor der Abteilung Strafverfolgung der Polis Diraja Malaysia hatte zunächst angegeben, dass es noch keine Anzeichen für einen Mordanschlag gebe.[10] Wenig später, am 14. Februar, verhaftete die Polizei in Zusammenhang mit Kims Tod eine Frau auf dem Flughafen Kuala Lumpur. Bei der Frau handelt es sich um eine 28-Jährige mit einem vietnamesischen Pass.[11] Am 15. Februar wurde eine zweite Frau festgenommen, die mit einem indonesischen Pass unterwegs war.[12] Zwei Tage später nahm Malaysias Polizei im Zusammenhang mit dem Anschlag einen nordkoreanischen Mann fest und schrieb drei weitere zur Fahndung aus.[13] Eine der Frauen soll zu dem Anschlag verleitet worden sein, indem ihr vorgetäuscht wurde, es handle sich um einen Scherz mit versteckter Kamera.[14] Die malaysische Polizei ging jedoch nach Auswertung des Videomaterials davon aus, dass die Frauen wussten, dass sie mit Gift hantierten, als sie Kim angriffen. In einer Erklärung an die Presse vom 22. Februar teilte sie mit, die Frauen hätten die Hände vom Körper weg gehalten und sich nach dem Angriff sofort in einen Waschraum begeben, um die Hände zu waschen.[15]

Die Obduktion der Leiche wurde, trotz des Versuchs nordkoreanischer Diplomaten sie zu verhindern,[13] am 14. und 15. Februar 2017 im Kuala Lumpur General Hospital durchgeführt. Demnach wurden in Gewebeproben des Gesichtes und der Augen des Toten Rückstände des Nervenkampfstoffs VX nachgewiesen, der aufgenommen binnen weniger Minuten zum Tod führen kann. Auch eine der verhafteten Frauen habe Symptome einer VX-Vergiftung gezeigt.[16]

Nordkorea bestreitet offiziell jegliche Beteiligung an dem Vorfall.[17] Die Umstände der Ermordung führten Anfang März 2017 zu einer diplomatischen Krise zwischen beiden Staaten. Nachdem zunächst die jeweiligen Botschafter des Landes verwiesen worden waren, verhängten sowohl Malaysia als auch Nordkorea ein Ausreiseverbot für die Staatsangehörigen des anderen Landes.[18]

Kim Jong-nams Leiche wurde nach Berichten Ende März 2017 nach Nordkorea überführt. Die Überstellung sei demnach Teil eines Abkommens gewesen, bei dem auch mehreren Nordkoreanern gestattet wurde, das Land zu verlassen. Im Gegenzug sei neun Bürgern Malaysias die Ausreise aus Nordkorea erlaubt worden.[19]

Ein Polizist sagte am 12. Oktober 2017 in Malaysia vor Gericht aus, dass auf einer Überwachungskamera 2 Männer zu sehen sind, wie diese den Frauen vor dem Anschlag die Flüssigkeit gegeben haben. "Ein dritter Mann werde verdächtigt, die beiden Frauen angeheuert zu haben. Ein vierter soll einen der beiden Männer im Flughafen beauftragt haben."[20]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Großer Bruder lästert über Herrscher Kim Jong-un. Welt Online, 12. Januar 2012, abgerufen am 14. Februar 2017.
  2. a b Nordkorea: Kim Jong-ils Sohn führt Luxusleben in Macao. Spiegel Online, 2. Februar 2007, abgerufen am 14. Februar 2017.
  3. Park Sung Kook: Did Kim Jong Nam Seek Asylum in Macau? In: Daily NK, 5. Juni 2009, abgerufen am 14. Februar 2017 (englisch).
  4. Ältester Diktatorsohn stellt Kim-Dynastie in Frage. Spiegel Online, 12. Oktober 2010, abgerufen am 14. Februar 2017.
    Till Fähnders: Kim Jong-nam im Porträt: Übergangen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Oktober 2010, abgerufen am 14. Februar 2017.
  5. Yōji Gomi: 父・金正日と私 金正男独占告白 Chichi Kim Jong-il to watashi: Kim Jong-nam dokusen kokuhaku. ISBN 978-4-16-375190-0
  6. Scott Snyder: Kim Jong-un’s Dangerous Brother. The Diplomat, 22. Januar 2012, abgerufen am 14. Februar 2017 (englisch).
  7. Doubts on North Korea From Dead Leader’s Son. The New York Times, 18. Januar 2012, abgerufen am 14. Februar 2017 (englisch).
  8. Kim Jong-un's half-brother Kim Jong-nam assassinated in Malaysia by 'female North Korean spies with poison needle'. The Telegraph, 14. Februar 2017, abgerufen am 14. Februar 2017.
  9. Kim Jong Uns Halbbruder in Malaysia vergiftet. Neue Zürcher Zeitung, 14. Februar 2017, abgerufen am 14. Februar 2017.
  10. Kim Jong Un’s half-brother Kim Jong Nam dead in Malaysia, local police confirm. In: North Korea News. 14. Februar 2017, abgerufen am 15. Februar 2017.
  11. Kim Jong-nam death: Malaysia police hold female suspect. In: BBC News, 15. Februar 2017. 
  12. Julian Ryall: "Kim Jong-nam assassination: Autopsy completed on North Korean leader's brother as second woman arrested" The Telegraph, 16. Februar 2017.
  13. a b Emily Chow und Joseph Sipalan: "Malaysia arrests North Korean man as row over Kim Jong Nam's death escalates" Reuters, 18. Februar 2017
  14. Malaysia verhaftet Nordkoreaner. faz.net, 18. Februar 2017
  15. Eileen Ng, AP: Police: Suspects in N. Korean death coated hands with poison Washington Post vom 22. Februar 2017.
  16. Ermittler finden Nervengift an Kim Jong Nams Leiche Spiegel Online vom 23. Februar 2017.
  17. The New York Times (International Edition), 24. Februar 2017, S. 6.
  18. Nordkorea und Malaysia verhängen gegenseitige Ausreisesperren. Spiegel Online, 7. März 2017, abgerufen am gleichen Tage.
  19. "Malaysia agrees to release body of Kim Jong-nam to North Korea in trade for nine Malaysians held in Pyongyang" The Telegraph vom 30. März 2017
  20. Zeuge: Vier Männer an Ermordung des Kim-Bruders beteiligt orf.at, 12. Oktober 2017, abgerufen 12. Oktober 2017.
Koreanischer Name Anmerkung: Bei diesem Artikel wird der Familienname vor den Vornamen der Person gesetzt. Dies ist die übliche Reihenfolge im Koreanischen. Kim ist hier somit der Familienname, Jong-nam ist der Vorname.