Kiron Open Higher Education

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Kiron Open Higher Education

Kiron Uni Logo.png

Motto World-Class Education For Refugees
Gründung 2014
Ort Berlin, Deutschland
Netzwerke (Hasso-Plattner-Institut / Harvard University, MIT, Stanford University, Yale University / RWTH Aachen, Hochschule Heilbronn)
Website kiron.ngo

Kiron Open Higher Education gGmbH (frühere Namen: Kiron University, davor Wings University) ist ein 2014 gegründetes Social Start-Up mit dem Ziel, bestehende Barrieren auf dem Weg zur Hochschulbildung für Geflüchtete abzubauen.[1][2][3]

Die Einrichtung ist selbst keine staatlich anerkannte Universität, sondern bietet den Teilnehmern ihres Programms die Möglichkeit, nach zwei Jahren an eine der Partnerhochschulen zu wechseln, die nach dem dritten Studienjahr im Erfolgsfall den Bachelor-Abschluss verleihen kann (sog. „2+1 Modell“). Kiron kooperiert derzeit (Stand: April 2017) mit 16 Hochschulen und Instituten.[4] Das Studium begann im Wintersemester 2015/2016. Der Name Kiron ist abgeleitet von Cheiron, einer Figur aus der griechischen Mythologie.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Konzept wurde erstmals von Vincent Zimmer auf einer Konferenz zur Flüchtlingsthematik am 16. September 2014 öffentlich vorgestellt. Im März 2015 wurde Kiron gegründet, zunächst noch unter dem später aus markenrechtlichen Gründen aufgegebenen Namen „Wings University“. Kurz darauf erhielt das Gründerteam, bestehend aus den Gesellschaftern der gGmbH Vincent Zimmer, Markus Kreßler und Christoph Staudt, ein Stipendium der Agentur Social Impact.[5] Im ersten Jahr nach der Gründung waren laut Angaben von Kiron 1 250 Studenten im Programm.[6][7] Im November 2016 zählte Kiron 1500 aktive Studenten.[8]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kiron bietet eine Plattform, die ihren Studierenden virtuelle Lernumgebungen bereitstellt und um regionale Konzepte des integrierten Lernens sowie um gezieltes Mentoring ergänzt. Das Studium erfolgt dabei für die ersten zwei Jahre im Rahmen von onlinebasierten Kursformaten (Massive Open Online Courses, MOOCs).

Team[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kiron wird von einem etwa 20-köpfigen Kernteam in Berlin und einem 250-köpfigen Team[6] von Freiwilligen und Unterstützern – Social Entrepreneurs, Geflüchteten, Studierenden, Praktikern aus der Flüchtlingsarbeit, Wissenschaftlern und Partnern aus Wirtschaft und Politik – getragen, mit Regionalgruppen in Stockholm, London, Paris, Istanbul und Brüssel. Begleitet wird diese Arbeit durch die externe Beratung von Partnerunternehmen, durch Förderprogramme sowie einen Beirat.[9]

Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Bereitstellung der Studieninhalte werden Kooperationen mit etablierten Anbietern von MOOCs unterhalten, wie openHPI des Hasso-Plattner-Instituts, coursera und iversity.[2] Zusätzlich werden über edX Kurse der Universitäten Harvard, Stanford und Yale sowie des MIT zur Verfügung gestellt. Partneruniversitäten sind die RWTH Aachen,[10] die Hochschule Heilbronn, im ersten Jahr insgesamt 14 Hochschulen in Deutschland[6] unterschiedlicher Qualität.[11]

Seit 2016 arbeitet Kiron mit Workeer zusammen, einer deutschen online Ausbildungs- und Arbeitsplatzbörse für Flüchtlinge, die sie auch unterstützt.[12]

Psychosoziale Beratung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Programm „Kiron emPower“ berät Studierende zudem psychosozial bzw. leitet an professionelle Hilfestellen weiter. Dabei sollen die Erlebnisse der Geflüchteten aufgearbeitet werden.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Studium ist für Studierende durch ein Freemium-Modell zunächst kostenfrei. Langfristig soll die Finanzierung von etwa 400 Euro pro Student im Jahr[2] durch einen umgekehrten Generationen-Vertrag sichergestellt werden. Im ersten Jahr nach der Gründung konnte Kiron rund drei Millionen Euro einsammeln, die Schöpflin-Stiftung hat 1,5 Millionen Euro für die nächsten Jahre zugesichert.[6] Im September 2016 stellte das Bundesministerium für Bildung und Forschung für zunächst 13 Monate rund 2,1 Millionen Euro zur Verfügung.[13] Die Industrie- und Handelskammer Berlin unterstützte Kiron und 22 weitere Bildungsprojekte im Jahr 2016 mit insgesamt 15 Millionen Euro.[14] Sponsoring-Partner sind darüber hinaus unter anderem die Bertelsmann Stiftung, die BMW Stiftung Herbert Quandt, e&co und ESG.[15]

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kiron nimmt Studienwillige zur Probe auch ohne geklärten Aufenthaltsstatus auf, der Flüchtlings-Status muss jedoch innerhalb von zwei Jahren nachgewiesen werden.

Das Studium gliedert sich in zwei Jahre Onlinestudium und in ein Studienjahr an einer Partneruniversität. Danach müssen sich die Studierenden regulär an einer der Partneruniversitäten immatrikulieren, um dort einen staatlich anerkannten Studienabschluss zu erlangen. Hierfür werden die zuvor absolvierten Onlinekurse von den Partneruniversitäten angerechnet.

Die meisten Kurse werden auf Englisch angeboten.

Studienaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstes akademisches Jahr
Im ersten akademischen Jahr belegen Studierende im Rahmen eines Studium Generale verschiedene, den Interessen entsprechende Online-Kurse. Daneben können Online-Sprachkurse absolviert werden.[16]
Zweites akademisches Jahr
Im zweiten akademischen Jahr belegen Studierende Online-Kurse, die auf das Wunschstudienfach bei einer der Partnerhochschulen vorbereiten. Die Kurse sind in Lernmodulen zusammengefasst und können so zusammengestellt werden, dass sie die fachlichen Anforderungen der Partnerhochschulen erfüllen.
Drittes akademisches Jahr
Die Studierenden sind im dritten Studienjahr an einer der Partner-Hochschulen eingeschrieben. Dort belegen sie Präsenz-Kurse und absolvieren eine Bachelor-Prüfung. Das Bachelor-Studium wird im Erfolgsfall von der Partner-Hochschule mit dem Bachelor-Abschluss bescheinigt.

Studienangebote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bisher werden fünf Studien-Fachrichtungen angeboten:

  • Engineering
  • Architecture
  • Business Economics
  • Computer Science
  • Intercultural Studies[17]

Blended Learning[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kiron folgt dem Konzept des Integrierten Lernens („blended learning“), das die Verknüpfung von Präsenzveranstaltungen und virtuellem Lernen auf der Basis neuer Informations- und Kommunikationsmedien vorsieht.[18] Die Zertifikate der MOOCs erhalten die Studierenden kostenlos.

Literatur / Video[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Laura Hofmann: Berliner gründen Universität nur für Flüchtlinge. In: Berliner Zeitung, 22. September 2015. (Onlinefassung)
  • Norbert Lübbers: Berliner Crowdfunding-Projekt. Eine Online-Uni für Flüchtlinge. In: ARD Nachtmagazin, 6. Oktober 2015. (Video (Memento vom 7. Oktober 2015 im Internet Archive))
  • Bernd Kramer (Text) und Robert Ackermann (Video): Kiron University. Wo Flüchtlinge studieren können – gratis und auf Englisch. In: Spiegel Online, 8. November 2015. (Artikel und Video)
  • Felix S. Schulz: Eine Uni aus dem Nichts. In: liberal Magazin, 29. Dezember 2015. (Onlinefassung)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stifterverband für die deutsche Wissenschaft Abgerufen am 26. September 2015.
  2. a b c Ralf Pauli: Kiron University: Die Pionier-Uni, die nur 400 Euro pro Flüchtling kostet, Die Zeit 11. September 2015
  3. ZDF heute Abgerufen am 20. September 2015.
  4. Kiron Open Higher Education: Partner universities. Abgerufen am 11. April 2017.
  5. Social Impact Abgerufen am 7. Oktober 2015.
  6. a b c d Anant Agarwala: Kiron: Sie ändern alles, Die Zeit 19/16, 28. April/15. Mai 2016
  7. Virginia Kirst: So lief das erste Semester an der Flüchtlingsuni, Bilanz 15. April 2016
  8. Louisa Schmidt: Wie ein Start-up Flüchtlinge auf die Uni vorbereitet. In: Süddeutsche Zeitung. 20. November 2016, abgerufen am 26. November 2016.
  9. Virginia Kirst: Hier könnten Flüchtlinge bald gratis studieren. Die Welt, 10. September 2015, abgerufen am 8. Oktober 2015.
  10. Akademische Flüchtlingshilfe – Die RWTH kooperiert mit der Berliner Kiron University, um Flüchtlingen mittels Online- und Präsenzstudium einen Hochschulabschluss zu ermöglichen, Pressemitteilung RWTH 28.9.15
  11. Support us as an Academic Institution > Our Academic Partners – auf kiron.ngo
  12. workeer.de, Träger Kiron: workeer.de/unterstuetzen/, workeer.de/impressum/
  13. BMBF fördert soziales Start-up "Kiron" für Flüchtlinge. In: bmbf.de, Bundesministerium für Bildung und Forschung vom 2. September 2016. Abgerufen am 12. November 2016.
  14. Alfons Frese: 15 Millionen Euro für den Nachwuchs. In: tagesspiegel.de, Der Tagesspiegel vom 4. August 2016, abgerufen am 12. November 2016.
  15. Our Partners. In: kiron.ngo, Kiron Open Higher Education. Abgerufen am 12. November 2016.
  16. Language School @ Kiron
  17. Auf Bachelor hinführende Studienprogramme der Kiron
  18. Deutschlandfunk online Abgerufen am 20. September 2015.