Klaus Kunze

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Klaus Kunze (* 1953 in Bahrendorf) ist ein deutscher Jurist, Heimatforscher, Genealoge und Autor. Er gilt als Protagonist der Neuen Rechten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klaus Kunze legte sein Abitur 1972 am Hölderlin-Gymnasium in Köln ab. Anschließend trat er in den Polizeidienst und war zuletzt 1975 als Hauptwachtmeister im Polizeipräsidium Köln tätig. 1974 begann er gleichzeitig das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln. Seit 1976 wurde er als Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert.[1] Er war aktiv in der Kölner Burschenschaft Germania und engagierte sich im hochschulpolitischen Ausschuss der Deutschen Burschenschaft. 1977 war er einer der Mitbegründer des extrem rechten Ring Freiheitlicher Studenten. Er war dort auch Korrespondent der extrem rechten Zeitschrift student.[2] 1979 legte er die erste Staatsprüfung, 1981 die zweite Staatsprüfung ab.[3]

Als Rechtsanwalt ließ er sich zunächst in Göttingen, dann ab 1984 in Uslar nieder. Er verteidigte unter anderem neonationalsozialistische Aktivisten, Vertreter rechter Parteien, einige Revisionisten sowie in spektakulären Mordprozessen wie 2008 gegen die Vierfachmörderin "Schwarze Witwe" und 2010 im Jeetzel-Mordfall. Unter anderem wurde er auf einer Anwaltsliste der mittlerweile verbotenen Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige geführt. Armin Pfahl-Traughber sieht ihn zwar nicht als neonazistisch an, wohl aber als einen Anwalt, der eine gewisse politisch-ideologische Nähe zu seiner Klientel habe.[4] Als Rechtsbeistand der Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck versuchte er Gericht und Publikum „die metaphysische Gedankenwelt“ seiner Klientin näherzubringen und davon zu überzeugen, dass seine Mandantin keine „Nähe zum Nationalsozialismus“ hätte und ihre Verehrung für Rudolf Heß auf rein „persönlichen Beziehungen“ beruhen würde.[5]

Kunze selbst trat den Republikanern bei, für die er 1990 bei der niedersächsischen Landtagswahl antrat. Er war außerdem eine Zeitlang Landespressesprecher. Als Autor schrieb er für das Zentralorgan Der Republikaner. Zudem vertrat er die Republikaner in diversen Verfahren gegen den Verfassungsschutz.[6]

1977 begann er sich publizistisch zu betätigen, nachdem er bereits als Jugendlicher ein Fanmagazin für Science-Fiction veröffentlicht hatte. Insbesondere betrieb er Heimatforschung und Genealogie. Seine Beiträge erschienen in verschiedenen Fachzeitschriften. Ab 1989 waren seine Werke stärker politisch geprägt und erschienen unter anderem in der Jungen Freiheit, Nation und Europa und Deutsche Geschichte. Als Referent trat er 1996 bei einer Veranstaltungen der Gesellschaft für freie Publizistik auf[6] und sprach über Meinungsfreiheit in Deutschland.[7]

Die weiteren Werke nach 1998[8] beschäftigen sich hauptsächlich mit Genealogie, insbesondere 2000 ein Werk zur Personengeschichte der Glasmacher des Weserberglandes, 11 regionale historische Personenlexika, eine Ortschronik und ein Buch über Schmetterlinge im Bramwald. In ihm beschreibt der Autor "in liebevoller, den zartgliedrigen Wesen angepaßter Sprache" und mit "detailreichen farbigen Aufnahmen" die "kleine, oft unscheinbare Welt der Falter".[9]

2017 publizierte er über den Dichter Karl Henckell als Protagonist der Arbeiterbewegung.[10]

Bei den niedersächsischen Landes-Seniorenmeisterschaften im Gerätturnen am 28. April 2014 wurde Klaus Kunze in der Altersklasse der 60- bis 64-Jährigen Landesmeister[11] und verteidigte diesen Titel am 26. April 2015 in Oker. Bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften am 17. Mai 2014 in Sulzbach errang er in derselben Altersklasse (M60) den 5. Platz [12] und am 4. Juli 2015 bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften in Pirna den 3. Platz [13].

Standpunkte und Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während andere Autoren der Neuen Rechten oft einen essayistischen Stil pflegen, entwickelt Kunze relativ geschlossene und systematische Darstellungen, insbesondere zum Themenkomplex Parlamentarismus- und Parteienstaatskritik. Darüber hinaus hebt sich Kunze ab, insofern er Klassiker wie etwa Robert Michels und Carl Schmitt für seine Argumentationen verwendet.[14] Zu seinen Hauptwerken zählen die politischen Bücher Der totale Parteienstaat (1994) und Mut zur Freiheit – Ruf zur Ordnung (1995). In diesen Büchern vertrat er die Idee eines starken Machtstaates nach preußischem Vorbild.

„Es bleibt mit der Idee der preußischen, der absoluten Republik das Modell eines streng disziplinierenden Machtstaates, das nur zur Zeit nicht aktuell ist, eines Staates, den man nicht liebt und nach dem sich sicherlich auch nur wenige sehnen, der aber dereinst einmal die Ultima ratio sein könnte, wenn die Alternative zu ihm nur noch das Chaos ist.“

Klaus Kunze: Der totale Parteienstaat[15]

In seinem Buch Mut zur Freiheit – Ruf zur Ordnung argumentiere Kunze, so Armin Pfahl-Traughber, ganz im Sinne seiner geistigen Vorbilder Juan Donoso Cortés und Carl Schmitt zugunsten des Dezisionismus und verwirft den „Normativismus als von Anfang an intolerant. ‚Es gibt keine universalisierbare Ethik ohne Metaphysik. Diese kann aber jeder nur in sich erzeugen, darum ist sie subjektiv und relativ. Also gelten alle Werte erst ab positiver Entscheidung für sie‘ (S.59). Wenn es gelinge, solche Wertsetzungen in Form von staatlichen Normen zu allgemeinen Gesetzen zu erheben, dann habe man seinem Machtanspruch erfolgreich Geltung verschafft. Der Normativismus gilt Kunze somit als reiner Ausdruck der Herrschaftslegitimation.“[16] Kunze lehne die Gültigkeit universeller Werte als quasireligiöser Ausdruck ab. Konsequenz dieser Einstellung sei die Ablehnung der Menschenrechte als individualistisch geprägt, naturrechtlich begründet und universell gültig.[17]

„Die Eroberung des Staates durch die Parteien als gesellschaftliche Kampfverbände“, zitiert Pfahl-Traughber Kunze, führte zur totalen Machtergreifung des Parteiensystems und machte den Staat selbst weitgehend handlungsunfähig. Kunze fordere eine „das System überwindende Vorgehensweise.“[18] Kunze verfolge, so Pfahl-Traughber, eine Delegitimationsstrategie, die in der Diffamierung oder Umdeutung von Wertvorstellungen des demokratischen Verfassungsstaates wie Demokratieprinzip, Gleichheitsgedanke, Menschenrechte, Repräsentativprinzip und Volkssouveränität bestehen würde.[19]

Kritiker sehen in Kunzes Position selbst eine Ideologie, die aus einer „Umwertung der Werte“ bestehe, den Verfassungsstaat angreife und eine Strategie der „Systemüberwindung“ darstelle. Innerhalb der Neuen Rechten nehme er daher eine Position ein, die als rechtsextremistisch bewertet werden könne.[20]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Absicht einer „Überwindung des demokratischen Verfassungsstaates“[21] wird von Kunze, so Pfahl-Traughber, deutlich und ohne taktische Rücksichtnahmen formuliert. So waren Klaus Kunzes Beiträge in der Jungen Freiheit maßgeblich verantwortlich für die Erwähnung der Jungen Freiheit und der Person Kunze in der Rubrik Rechtsextremismus in den Verfassungsschutzberichten des Landes Nordrhein-Westfalen der Jahre 1994 und 1995. Kunze, so ein Bericht, versuche in seinen Artikeln das parlamentarische System als undemokratisch zu diskreditieren.[22] Gegen diese Erwähnung klagte die Junge Freiheit vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf, das die Klage zunächst abwies. Das Urteil wurde acht Jahre später vom Bundesverfassungsgericht aufgehoben. Im Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf von 1997 zur Jungen Freiheit (1K 9318/96) hatte das Gericht angeführt, dass Kunzes Artikel „Anhaltspunkte für den Verdacht von Bestrebungen gegen das Demokratieprinzip“ sowie für den Verdacht der Ausländerfeindlichkeit gäben.[23]

Nach Ansicht von Stephan Braun und Anton Maegerle spielt Kunze „nach außen den Biedermann“, würde an anderer Stelle jedoch gegen „alliierte Umerziehung“ und „das Dogma von der Alleinschuld Deutschlands und von der Einzigartigkeit seiner Verbrechen“ Stellung beziehen. Er berufe sich auf Helmut Quaritsch, wenn er davon überzeugt sei, „daß ‚die Bundesrepublik […] sich seit ihrer Gründung im ideologischen Kriegszustand mit dem Dritten Reich [befände]. Darum würden alle damaligen Werte zu Unwerten erklärt und ihr Gegenteil zum Wert‘.“[24]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politische/Juristische/Rechtsphilosophische Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der totale Parteienstaat – Abschied vom idealen Staat: Der Weg aus der Krise des deutschen Parteiensystems. Deugro, Esslingen 1994, ISBN 3-924396-29-9. (online).
  • Mut zur Freiheit – Ruf zur Ordnung: Rechtsphilosophie auf dem schmalen Grat zwischen Fundamentalismus und Nihilismus. Deugro, Esslingen 1995, ISBN 3-924396-43-4; 2., erweiterte Auflage: HeiKun, Uslar 1998 (PDF-Version; 14 MB).
  • Geheimsache Politprozesse – Systemwechsel durch Uminterpretation: Verfassungsschutz und Gerichtsbarkeit nach dem linken Marsch durch die Institutionen. HeiKun, Uslar 1998, ISBN 3-933334-05-5 (PDF-Version; 15 MB).

Genealogische Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstige Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. K. Kunze: Der totale Parteienstaat. S. 226 "Über den Autor".
  2. Wolfgang Gessenharter, Thomas Pfeiffer: Die neue Rechte: eine Gefahr für die Demokratie? Springer 2004, S. 125, dort die rechtsextreme Zeitschrift Student
  3. Armin Pfahl-Traughber: „Konservative Revolution“ und „Neue Rechte“. Rechtsextreme Intellektuelle gegen den demokratischen Verfassungsstaat. Leske + Budrich, Opladen 1998, ISBN 3-8100-1888-0, S. 170−171.
  4. „Gleichwohl kann Kunze nicht als Neonationalsozialist bezeichnet werden.“ Armin Pfahl-Traughber: „Konservative Revolution“ und „Neue Rechte“. Rechtsextreme Intellektuelle gegen den demokratischen Verfassungsstaat. Leske + Budrich, Opladen 1998, ISBN 3-8100-1888-0, S. 171.
  5. Andreas Speit, Andrea Röpke: Mädelssache – Frauen in der Neonazi-Szene. Bundeszentrale für politische Bildung (Lizenzausgabe), Bonn 2011, ISBN 978-3-8389-0146-6, S. 133.
  6. a b Armin Pfahl-Traughber: „Konservative Revolution“ und „Neue Rechte“. Rechtsextreme Intellektuelle gegen den demokratischen Verfassungsstaat. 1998, S. 171.
  7. K.Kunze, Meinungsfreiheit in Deutschland (Vortragstext), http://klauskunze.com/kanzlei/presse/gfp1996.html
  8. Verlagsprogramm. Heikun-Verlag, abgerufen am 7. Mai 2013.
  9. Karin Hahn, Dem Himmel und seinen Mächten näher als wir, Ein Buch über Schmetterlinge im Bramwald, Rezension in: Sollingkurier, Ausgabe April 2014, S.28.
  10. Gegensätzliche Brüder - der Großindustrielle und der Sozialrevolutionär, in: Regula Schenkel und Edi Goetschel (Hrg.), Karl Henckell - Literatur- und Sozialrevolutionär, Zürich 2017, S.13-30, Monsalvat-Verlag, ISBN 978-3-9523855-1-7.
  11. Kunze souveräner Senioren-Landesmeister, Göttinger Tageblatt 2. Mai 2014, S.19
  12. http://www.dtb-online.de/portal/fileadmin/user_upload/dtb.redaktion/TK-Geraetturnen/WK-Ergebnisse/2014/Ergebnis_Einzel_DSEN_2014__DG1M60-80.pdf, Klaus Kunze turnt sich auf Platz fünf, Sollinger Allgemeine 20. Mai 2014, S.27.
  13. Ergebnisliste des Deutschen Turnerbundes, http://www.dtb-online.de/portal/fileadmin/user_upload/dtb.redaktion/Internet-PDFs/TURNEN/Geraetturnen/Nachwuchs_maennlich/Ergebnis_Einzel_m_neu.pdf
  14. Armin Pfahl-Traughber: Konservative Revolution und neue Rechte. Opladen 1998, S. 170.
  15. zitiert nach Armin Pfahl-Traughber: „Konservative Revolution“ und „Neue Rechte“. Rechtsextreme Intellektuelle gegen den demokratischen Verfassungsstaat. 1998, S. 173.
  16. Armin Pfahl-Traughber: Geistige Partisanen von rechts. In: Blick nach Rechts. 13. Jahrgang, Nr. 3, 7. Februar 1996, S. 8.
  17. Armin Pfahl-Traughber: Konservative Revolution und neue Rechte. Opladen 1998, S. 193.
  18. Armin Pfahl-Traughber, Konservative Revolution und Neue Rechte, 1998, S.172.
  19. Armin Pfahl-Traughber: Die Umwertung der Werte als Bestandteil einer Strategie der „Kulturrevolution“. Die Begriffsumdeutung von „Demokratie“ durch rechtsextremistische Intellektuelle. In: Wolfgang Gessenharter, Thomas Pfeiffer Die neue Rechte: eine Gefahr für die Demokratie? Springer, 2004, S. 82f.
  20. Wolfgang Cremer: Aspekte des verfassungschützerischen Umgangs mit der Neuen Rechten. In: Wolfgang Gessenharter, Helmut Fröchling (Hrsg.): Rechtsextremismus und Neue Rechte in Deutschland. Neuvermessung eines politisch-ideologischen Raumes? Leske + Budrich, Opladen 1998, ISBN 3-8100-2053-2, S. 73 f.
  21. Armin Pfahl-Traughber: Die Umwertung der Werte als Bestandteil einer Strategie der „Kulturrevolution“. Die Begriffsumdeutung von „Demokratie“ durch rechtsextremistische Intellektuelle. In: Wolfgang Gessenharter, Thomas Pfeiffer Die neue Rechte: eine Gefahr für die Demokratie? Springer, 2004, S. 82
  22. Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 1995, S. 117.
  23. Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Klageverfahren der 'Jungen Freiheit'. Juli 2006, S. 54–56 (nrw.de [PDF]).
  24. Stephan Braun, Anton Maegerle: Rechtsanwälte der extremen Rechten. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der Extremen Rechten: Hintergründe - Analysen - Antworten. VS Verlag, 2009, S. 399. (Klaus Kunze)