Kleiner Sauerampfer

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Kleiner Sauerampfer
Kleiner Sauerampfer (Rumex acetosella), Habitus

Kleiner Sauerampfer (Rumex acetosella), Habitus

Systematik
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Knöterichgewächse (Polygonaceae)
Unterfamilie: Polygonoideae
Gattung: Ampfer (Rumex)
Art: Kleiner Sauerampfer
Wissenschaftlicher Name
Rumex acetosella
L.

Der Kleine Sauerampfer (Rumex acetosella), auch Zwerg-Sauerampfer oder Kleiner Ampfer genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Ampfer (Rumex).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Budd's flora of the Canadian Prairie Provinces, 1987
Laubblatt mit spießförmiger Basis
Blüten
Früchte und Samen
Illustration aus Flora Batava, Volume 1

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kleine Sauerampfer ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 10 und 40 Zentimetern erreicht. Aus einem horizontalen Rhizom treiben für gewöhnlich mehrere Stängel bogig bis aufrecht aufsteigend aus. Die Stängel sind in der unteren Hälfte unverzweigt, oben aber oft verzweigend und rötlich überlaufen.

Die Laubblätter sind in Größe und Form sehr variabel, zwischen 1,5 und 5 cm lang, das Verhältnis zwischen Länge und Breite liegt zwischen drei und acht. An der Pflanzenbasis sind die Blätter oft lang gestielt, oberhalb der Stängelmitte aber nur kurzstielig oder sitzend. Die Grundblätter haben häufig eine deutlich spießförmige Basis mit zwei waagerecht abstehenden Basallappen, wohingegen bei den Stängelblättern oder inneren Rosettenblättern der Blattgrund oft abgestutzt ist. An den Blättern, die eine spießförmige Basis haben, ist der Mittellappen lanzettförmig und häufig spitz, keinesfalls aber eiförmig. Die Nebenblattscheiden haben eine lanzettlich zerschlitzte Spitze. Die Blätter haben einen bitteren Geschmack.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Der rispige Blütenstand besitzt zahlreiche aufrechte oder leicht bogig abstehende, wenig verzweigten Seitenästen. Die Blüten sind in locker stehenden Knäueln angeordnet und entspringen in der Regel nicht der Achsel eines Tragblattes. Die Blüten sind meist eingeschlechtig und sehr selten zwittrig. In der Regel stehen männliche und weibliche Blüten auf verschiedenen Pflanzen.

Die Valven sind nicht oder nur kaum größer als die Frucht und mit dieser nicht verwachsen. Die Valven tragen erhabene Nerven und keine Schwielen. Die dunkelbraun-glänzende Nüssfrüchte sind mit einer Länge von 1,3 bis 1,5 Millimetern immer länger als breit. Die Fruchtreife beginnt erst ab Ende Juni, ein wichtiges Detail zur Abgrenzung vom Hüllfrüchtigen Sauerampfer (Rumex angiocarpus).

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kleine Sauerampfer ist in fast ganz Europa beheimatet. Die Südgrenze des Verbreitungsgebietes ist Kreta, die Nordgrenze das Nordkap. Nach Osten hin ist Rumex acetosella durch ganz Sibirien bis zur Mandschurei und nach Japan verbreitet. Teilareale gibt es im Atlasgebirge, in Südwest- und Zentralasien sowie im nordöstlichen Kleinasien. In den USA gibt es neophytische Vorkommen, dort breitet sich Rumex acetosella invasiv aus und gilt als schädliches Unkraut („noxious weed“).

Der Kleine Sauerampfer braucht nährstoffarme, am besten leicht saure Böden, die optimalerweise eher locker als fest sind. Am häufigsten gedeiht der Kleine Sauerampfer in Heiden, auf sandigen Wiesen, Schotterflächen, sauren Matten, sauren Äckern oder Mauerritzen. In den Alpen steigt der Kleine Sauerampfer bis in Höhenlagen von etwa 1500 Metern auf.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die morphologischen Unterschiede zwischen Hüllfrüchtigen Sauerampfer (Rumex angiocarpus), Schmalblättrigem Ampfer (Rumex tenuifolius), Kleinem Sauerampfer (Rumex acetosella) und Rumex graminifolius sind nicht scharf herauszuarbeiten und rechtfertigen keine eigenen Arten. Genetisch bilden die vier Arten eine polyploide Reihe:

  • Rumex angiocarpus Murb., 2n = 14 (diploid)
  • Rumex tenuifolius (Wallr.) A.Löve, 2n = 28 (tetraploid)
  • Rumex acetosella L., 2n = 42 (hexaploid)
  • Rumex graminifolius Georgi ex Lamb., 2n = 56 (oktoploid)

Diese verschiedenartigen Chromosomensätze und existierende Sterilitätsbarrieren rechtfertigen jedoch eine Einordnung in vier verschiedene Arten. Gelegentlich werden sie jedoch dennoch in eine Sammelart Rumex acetosella agg. zusammengefasst.

Es gibt von Rumex acetosella etwa vier Unterarten:[1]

  • Rumex acetosella L. subsp. acetosella
  • Rumex acetosella subsp. acetoselloides (Balansa) Den Nijs
  • Rumex acetosella subsp. multifidus (L.) Arcang.
  • Rumex acetosella subsp. pyrenaicus (Pourr. ex Lapeyr.) Akeroyd

Kleiner Sauerampfer und der Mensch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Der Kleine Sauerampfer gehört je nach Naturraum zu den häufigen bis sehr häufigen oder nur zerstreut auftretenden Arten. Aufgrund seiner breiten ökologischen Valenz und der Eigenschaft sich gut auf von Menschen neu geschaffenen Standorten anzusiedeln und zumindest vorübergehend auch zu behaupten, ist die Art weder rückläufig noch schutzbedürftig. Der Kleine Sauerampfer verträgt eine zweifache Mahd ab Juni und ist gegen Brände nur wenig empfindlich.

Pflanzenteile enthalten reichlich Oxalsäure, die in größeren Mengen für den Menschen, besonders für Nierenkranke, gesundheitsschädlich ist. Wird er vom Vieh in großen Mengen gefressen, verursacht er Durchfall.

Der älteste fossile Nachweis der Kleine Sauerampfer stammt aus dem Boreal/Atlantikum und wurde 1931 bei Moosburg (Federsee) gefunden. Die älteste literarische Erwähnung ist von Johann Bauhin aus dem Jahr 1592. Auch Hieronymus Harder sammelte diese Art in Baden-Württemberg im 16. Jahrhundert.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rumex acetosella In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 6. Oktober 2015.Vorlage:InfoFlora/Wartung/Pflichtparameter ID fehlt

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. Band 2: Eibengewächse bis Schmetterlingsblütengewächse. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1994, ISBN 3-440-06192-2.
  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 1: Allgemeiner Teil, Spezieller Teil (Pteridophyta, Spermatophyta). 2., ergänzte Aufl., Eugen Ulmer, Stuttgart 1993, ISBN 3-8001-3322-9.
  • Sergei L. Mosyakin: Rumex. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 5: Magnoliophyta: Caryophyllidae, part 2. Oxford University Press, New York/Oxford u. a. 2005, ISBN 0-19-522211-3 (englisch). (online) (in englischer Sprache).
  • Li Anjen, Alisa E. Grabovskaya-Borodina, Sergei L. Mosyakin: Rumex. In: Wu Zhengyi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 5: Ulmaceae through Basellaceae. Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 2003, ISBN 1-930723-27-X, S. 335 (englisch). (online) (in englischer Sprache).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kleiner Sauerampfer (Rumex acetosella) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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