Klimaschutz-Index

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Der Klimaschutz-Index (KSI) ist ein von der deutschen Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch e. V. entwickeltes Instrument, das mehr Transparenz in die internationale Klimapolitik bringen soll. Anhand einheitlicher Kriterien vergleicht und bewertet der KSI aktuell die Klimaschutzleistungen von 57 Staaten und der EU (Stand KSI 2020), die zusammen für mehr als 90 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Der Klimaschutz-Index wurde erstmals im Jahr 2005 veröffentlicht und wird seitdem jährlich aktualisiert auf dem UN-Klimagipfel vorgestellt. Er wird von Germanwatch in Zusammenarbeit mit dem NewClimate Institute und dem Climate Action Network International herausgegeben und von der Barthel Stiftung finanziell unterstützt.[1] Die wichtigsten Ergebnisse stehen auf Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch zur Verfügung.

Methodik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2017 wurde die Methodik des KSI überarbeitet und an die neuen klimapolitischen Rahmenbedingungen des Übereinkommens von Paris aus dem Jahr 2015 angepasst. Der KSI wurde erweitert, um die national festgelegten Klimaschutzbeiträge (engl. Nationally Determined Contributions – NDCs) sowie die nationalen Zielsetzungen bis 2030 in die Bewertung miteinzubeziehen.

Die Klimaschutzleistungen werden insgesamt anhand von 14 Indikatoren in den folgenden vier Kategorien gemessen:

  1. Treibhausgasemissionen (Gewichtung 40 %)
  2. Erneuerbare Energie (Gewichtung 20 %)
  3. Energieverbrauch (Gewichtung 20 %)
  4. Klimapolitik (Gewichtung 20 %)

Die drei Kategorien „Treibhausgasemissionen“, „Erneuerbare Energie“ und „Energieverbrauch“ werden jeweils von vier gleich gewichteten Indikatoren definiert: 1) aktueller Stand 2) neuste Entwicklungen (Trend der letzten fünf Jahre), 3) 2 °C Kompatibilität der aktuellen Leistung und 4) 2 °C Kompatibilität der Zielsetzungen bis 2030. Diese zwölf Indikatoren werden für die Kategorie „Klimapolitik“ durch zwei weitere Indikatoren ergänzt, welche die Leistung des jeweiligen Landes bezüglich des nationalen klimapolitischen Rahmens und dessen Einführung sowie die Leistung in der internationalen Klimadiplomatie messen. Die Daten für die Kategorie „Klimapolitik“ werden jährlich in einer umfassenden Studie erhoben. Sie basieren auf der Bewertung von ungefähr 350 Experten aus Nichtregierungsorganisationen, Universitäten und Thinktanks, die in den bewerteten Ländern im Bereich Klima und Energie arbeiten. In einem Fragebogen geben sie eine Bewertung über die wichtigsten Maßnahmen der Regierung des jeweiligen Landes ab. Die Ergebnisse werden mit sehr gut, gut, mäßig, schlecht oder sehr schlecht bewertet.[2]

Ergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keines der im KSI bewerteten Länder bekommt die Note sehr gut für seine Leistung im Klimaschutz, da bislang kein Land genug unternimmt, um die Grenze von deutlich unter 2 Grad globaler Erwärmung einzuhalten. Daher erreicht in der finalen Rangliste kein Land einen der ersten drei Plätze. Den aktuellen Index für das Jahr 2020 führt Schweden an, gefolgt von Dänemark und Marokko. Die drei letzten Plätze werden von den USA, Saudi-Arabien und Taiwan belegt.

Die Autoren begründen ihr Urteil auch schriftlich. Über das bestplatzierte Land Schweden schreiben sie beispielsweise, dass es die weltweit höchste CO2-Steuer erhebt, seinen Energiebedarf bis 2040 zu 100 % aus erneuerbaren Energien decken und bis 2045 klimaneutral sein will. Schweden gehört zu den größten Betragszahlern des Grünen Klimafonds und zu den entschlossendsten Befürwortern einer ambitionierten Klimapolitik der EU.

Dänemark konnte unter anderem wegen seines neuen Klimagesetzes in der Kategorie Klimaschutzpolitik um 24 Plätze gegenüber dem Vorjahr aufrücken. Dieses soll im Februar 2020 beschlossen werden und sieht eine Verringerung der Treibhausgasemissionen um 70 % gegenüber 1990 bis 2030 vor, die auch für zukünftige Regierungen bindend sein soll.[3] Der geplante Kohleausstieg im Jahr 2030 kommt nur fünf Jahre nach dem des Vereinigten Königreichs.

Das nordafrikanische Marokko befindet sich unter den Top 10 in den Kategorien Treibhausgasemissionen, Energieverbrauch und Klimapolitik, zudem es sich als Teil einer Koalition besonders von der Klimakrise betroffener Länder ehrgeizige Ziele zum Ausbau erneuerbarer Energien setzt. Nicht minder ambitioniert sind die Emissionsreduktionsziele Marokkos bis 2030 und 2050; außerdem spielt das Land eine führende Rolle bei internationalen Klimaverhandlungen und setzt sich für die am wenigsten entwickelten Länder (Least Developed Countries, LDCs) ein.[1]

Staat 2020:
Rang
2020:
Punkte
2019:
Rang
2019:
Punkte
2018:
Rang
2018:
Punkte
2017:
Rang
2017:
Punkte
2016:
Rang
2016:
Punkte
2015:
Rang
2015:
Punkte
SchwedenSchweden Schweden 4 75,77 4 76,28 4 74,32 5 66,15 6 69,91 5 71,44
MarokkoMarokko Marokko 6 70,63 5 70,48 6 68,22 8 63,28 10 63,76 9 65,73
LitauenLitauen Litauen 8 66,22 6 70,47 5 69,2 19 59,75 20 58,65 21 60,07
LettlandLettland Lettland 15 60,75 7 68,31 10 63,02 15 61,20 16 61,38 33 56,65
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 7 69,80 8 65,92 8 66,79 6 66,10 5 70,13 6 70,79
SchweizSchweiz Schweiz 16 60,61 9 65,42 12 61,20 14 61,66 14 62,09 11 65,05
MaltaMalta Malta 14 60,76 10 65,06 11 61,87 10 62,51 15 61,82 20 60,84
IndienIndien Indien 9 66,02 11 62,93 14 60,02 20 59,08 25 58,19 31 56,97
NorwegenNorwegen Norwegen 12 61,14 12 62,80 7 67,99 38 52,90 36 54,65 27 57,88
FinnlandFinnland Finnland 10 63,25 13 62,61 9 66,55 31 56,28 23 58,47 32 56,76
KroatienKroatien Kroatien 20 56,97 14 62,39 13 61,19 17 60,66 21 58,43 34 56,35
DanemarkDänemark Dänemark 5 71,14 15 61,96 17 59,49 13 61,87 4 71,19 4 77,76
Europaische UnionEuropäische Union Europäische Union(28) 22 55,82 16 60,65 21 56,89            
PortugalPortugal Portugal 25 54,10 17 60,54 18 59,16 11 62,47 19 59,52 7 67,26
UkraineUkraine Ukraine 17*) 60,60 18*) 60,09 20 57,49 45 50,88 46 49,81 30 57,1
LuxemburgLuxemburg Luxemburg 13 60,91 19 59,92 25 55,54 9 62,86 13 62,47 29 57,25
RumänienRumänien Rumänien 24 54,85 20 59,42 26 55,32 18 60,33 18 60,39 25 59,02
FrankreichFrankreich Frankreich 18 57,90 21 59,30 15 59,80 4 66,17 8 65,97 12 64,11
BrasilienBrasilien Brasilien 21 55,82 22 59,29 19 57,86 40 52,46 43 51,90 49 48,51
ItalienItalien Italien 26 53,92 23 58,69 16 59,65 16 60,72 11 62,98 17 61,75
AgyptenÄgypten Ägypten 19 57,53 24 57,49 28 54,02 23 58,75 30 56,96 24 59,19
MexikoMexiko Mexiko 32 47,01 25 56,82 27 54,77 28 57,02 28 57,04 18 61,3
SlowakeiSlowakei Slowakei 27 52,69 26 56,61 24 56,04 26 57,69 26 57,83 15 62,5
DeutschlandDeutschland Deutschland 23 55,78 27 55,61 22 56,58 29 56,58 22 58,39 22 59,6
NiederlandeNiederlande Niederlande 29 50,89 28 54,11 34 49,49 27 57,10 35 54,84 42 53,27
WeissrusslandWeißrussland Weißrussland 40 44,18 29 53,31 23 56,38 49 46,86 44 51,18 38 54,54
GriechenlandGriechenland Griechenland 28 52,59 30 50,86 39 47,86 25 58,29 33 55,06 35 55,89
BelgienBelgien Belgien 35 45,73 31 50,63 32 49,60 12 62,08 7 68,73 16 61,89
TschechienTschechien Tschechien 43 42,93 32 49,73 43 45,13 24 58,52 29 57,03 26 57,99
China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 30 48,16 33 49,60 41 45,84 48 47,49 47 48,60 45 51,77
ArgentinienArgentinien Argentinien 42 43,77 34 49,01 46 41,21 36 53,15 48 48,34 48 49,61
SpanienSpanien Spanien 34 46,03 35 48,97 38 48,19 33 56,14 41 52,63 28 57,34
OsterreichÖsterreich Österreich 38 44,74 36 48,78 35 49,49 41 52,00 45 50,69 36 55,39
ThailandThailand Thailand 33 46,76 37 48,71 36 49,07 42 51,91 49 48,16 47 50,61
IndonesienIndonesien Indonesien 39 44,65 38 48,68 37 48,94 22 58,86 24 58,21 23 59,57
SudafrikaSüdafrika Südafrika 36 45,67 39 48,25 48 40,61 32 56,17 38 53,76 37 54,63
IslandIsland Island         39 52,55 27 57,25 13 63,07
BulgarienBulgarien Bulgarien 49 40,12 40 48,11 42 45,35 37 53,06 37 53,85 41 54,05
PolenPolen Polen 50 39,98 41 47,59 40 46,53 35 53,68 32 56,09 40 54,36
UngarnUngarn Ungarn 47 41,17 42 46,79 44 44,00 34 55,05 17 60,76 14 62,82
SlowenienSlowenien Slowenien 44 41,91 43 44,90 31 50,54 30 56,55 31 56,87 19 60,99
NeuseelandNeuseeland Neuseeland 37 45,67 44 44,61 33 49,57 46 50,48 42 52,41 43 52,56
EstlandEstland Estland 31 48,05 45 44,37 30 52,02 50 46,04 51 47,24 46 51,58
Zypern RepublikRepublik Zypern Zypern 45 41,66 46 44,34 29 52,29 7 64,28 9 65,12 8 66,99
AlgerienAlgerien Algerien 46 41,45 47 42,10 45 43,61 47 48,46 40 53,30 39 54,46
IrlandIrland Irland 41 44,04 48 40,84 49 38,74 21 59,02 12 62,65 10 65,15
JapanJapan Japan 51 39,03 49 40,63 50 35,76 60 35,93 58 37,23 53 45,07
TurkeiTürkei Türkei 48 40,67 50 40,22 47 41,02 51 45,54 50 47,25 51 46,95
MalaysiaMalaysia Malaysia 53 34,21 51 38,08 52 32,61 44 50,96 39 53,49 52 46,84
RusslandRussland Russland 52 37,85 52 37,59 53 29,85 53 44,30 53 44,34 56 43,39
KasachstanKasachstan Kasachstan 54 33,39 53 36,47 55 28,17 59 36,87 60 32,97 59 37,72
KanadaKanada Kanada 55 31,01 54 34,26 51 33,98 55 43,06 56 38,74 58 38,81
SingapurSingapur Singapur         54 43,97 55 42,81 50 47,27
AustralienAustralien Australien 56 30,75 55 31,27 57 25,03 57 40,66 59 36,56 60 35,57
TaiwanRepublik China (Taiwan) Taiwan 59 23,33 56 28,80 54 29,43 52 44,76 52 45,45 54 45,03
Korea SudSüdkorea Südkorea 58 26,75 57 28,53 58 25,01 58 38,11 57 37,64 55 44,15
IranIran Iran 57 28,41 58 23,94 59 23,05 56 43,05 54 43,33 57 40,99
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 61 18,6 59 18,82 56 25,86 43 51,04 34 54,91 44 52,33
Saudi-ArabienSaudi-Arabien Saudi-Arabien 60 22,03 60 8,82 60 11,20 61 25,45 61 21,08 61 24,19
ChileChile Chile 11 62,88                
*) Die Position der Ukraine im Klimaschutz-Index des Jahres wird stark durch den Krieg im Donbass bestimmt.

Entwicklungstendenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der KSI 2020 zeigt gegenläufige Entwicklungen auf: Die mageren Leistungen Australiens, Saudi-Arabiens und insbesondere der USA bei Emissionen, Klimaschutzpolitik und erneuerbaren Energien sind besorgniserregend. Durch den massiven Einfluss der Kohle- und Öllobby auf diese Regierungen zeichnet sich dort keine ernsthafte Klimapolitik ab. Andererseits sinkt die Nachfrage nach Kohle, während sich der Siegeszug der erneuerbaren Energien fortsetzt. Über mehrere Jahre betrachtet sinken die Treibhausgasemissionen in 31 der 57 erhobenen Länder, doch weltweit steigen sie noch. Vieles hängt von den Wahlen in den USA und den Entwicklungen in China ab.

Die EU ist gegenüber dem Vorjahr ein paar Plätze zurückgefallen, doch könnte wieder aufholen, wenn sie ihre Emissionsreduktionsziele bis 2030 gegenüber 1990 auf 55 % anhebt und eine Langfriststrategie für das Netto-Null-Ziel bis 2050 entwickelt. Würde die nötige Klimafinanzierung und Entschädigungszahlungen der reichen Länder an die ärmeren Länder mitgerechnet, fänden sich einige der europäischen Länder auf den vorderen Rängen deutlich weiter hinten.

Unter den G20-Staaten wurden bloß Großbritannien und Indien als gut bewertet, acht andere schneiden sehr schlecht ab.[4][5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jan Burck, Ursula Hagen, Niklas Höhne, Leonardo Nascimento, Christoph Bals: Die wichtigsten Ergebnisse 2020. Germanwatch e.V., 10. Dezember 2019, abgerufen am 1. Januar 2020.
  2. Methodology. In: climate-change-performance-index.org. Abgerufen am 1. Januar 2020 (englisch).
  3. Reinhard Wolff: So geht Klimagesetz. In: taz.de. 8. Dezember 2019, abgerufen am 2. Januar 2020.
  4. Klimaschutzindex sieht Chance auf Wendepunkt. In: germanwatch.org. 10. Dezember 2019, abgerufen am 6. Januar 2020.
  5. CCPI 2020: International Press Release. In: climate-change-performance-index.org. 10. Dezember 2019, abgerufen am 6. Januar 2020 (englisch).