Kościan

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Kościan
Wappen von Kościan
Kościan (Polen)
Kościan
Kościan
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Kościan
Fläche: 8,80 km²
Geographische Lage: 52° 5′ N, 16° 39′ OKoordinaten: 52° 5′ 0″ N, 16° 39′ 0″ O
Höhe: 75 m n.p.m.
Einwohner: 23.941
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 64-000 bis 64-009
Telefonvorwahl: (+48) 65
Kfz-Kennzeichen: PKS
Wirtschaft und Verkehr
Straße: PosenBreslau
Schienenweg: Leszno–Posen
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 8,80 km²
Einwohner: 23.941
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 2721 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3011011
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Michał Jurga
Adresse: al. Kościuszki 22
64-000 Kościan
Webpräsenz: www.koscian.pl



Kościan [ˈkɔɕʨan] (deutsch: Kosten) ist eine Stadt in der polnischen Wojewodschaft Großpolen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kościan liegt an der Obra, etwa 45 Kilometer südlich der Stadt Posen.

Kościan aus der Vogelperspektive

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Umland der Stadt befinden sich Braunkohleflöze. Deren Entstehung ist darauf zurückzuführen, dass während der Kreidezeit ein Meer die Fläche des Ortes bedeckte und sich im Tertiär in der Gegend viele Seen befanden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kosten an der Obra südwestlich der Stadt Posen und nordöstlich der Stadt Fraustadt auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Heilig-Geist-Kirche
Rathaus und Regionalmuseum

In alten Urkunden heißt der Ort 1242 Costan, 1289 Costhan, 1425 Costen und 1472, 1487 sowie 1520 Kosten, später auch Costenum.[2] Der Geschichtsschreibung zufolge hatte hier im 12. Jahrhundert der böhmische Herzog Soběslav I. ein Schloss erbauen lassen, um von hier aus die Schlesier besser im Zaume halten zu können; er starb jedoch im Jahr 1140 vor dessen Vollendung. Hundert Jahre später soll Heinrich I., Herzog von Schlesien, Polen und Krakau, der Geistlichkeit Kostens mehrfach Rechte zugestanden haben; das dafür angegebene Jahr 1238 ist jedoch sein Todesjahr, er starb am 19. März 1238 in Crossen.[2]

Im 13. Jahrhundert war die Siedlung ein Marktflecken. Seit 1296 stand Kosten unter schlesischen Herzögen, bei der Erbteilung 1312 erscheint es als Hauptort eines Kreises. 1332 wurde es von den Polen belagert, unter Anführung Kasimirs, des jüngsten Sohns des polnischen Königs Władysław I. Ellenlang. Eine deutsche Besatzung hielt Kosten, bis die Einwohner in die Übergabe einlenkten. Danach wurden die Verteidiger niedergemacht, und Kosten kam fortan unter polnische Hoheit.[2]

Das Stadtrecht, das die Ortschaft vermutlich in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts erhalten hatte, wurde 1400 von König Władysław II. Jagiełło bestätigt. Während dieser Zeit war der Ort die zweite Stadt in Großpolen. Im 15. Jahrhundert wurde die Stadt Sitz eines großen Landkreises, der 24 Städte, u.a. Babimost (Bömst), Wolsztyn und Książ, sowie 574 Dörfer und 118 Pfarreien umfasste. Der Ort war auch ein wichtiges Zentrum des Handwerks.

Ein schwerer Schlag für die Entwicklung des Ortes war der zweite Schwedisch-Polnische Krieg. 1655 bis 1656 wurde der Ort von den Schweden zerstört und niedergebrannt. Auch in nachfolgenden Kriegen wurde der Ort mehrfach zerstört. Nach der zweiten polnischen Teilung wurde der Ort 1794 Teil Preußens. 1807 wurde die Stadt Teil des neu gegründeten Großherzogtums Warschau, fiel 1815 aufgrund der Beschlüsse auf dem Wiener Kongress aber wieder an Preußen zurück und wurde Sitz des Kreises Kosten.

1856 erhielt der Ort Anschluss an das Eisenbahnnetz mit Verbindungen nach Breslau und Posen. Wirtschaftlich von Bedeutung waren für die Stadt in der Zeit die Tabak- und Zuckerrübenverarbeitung.

Gegen Ende des Ersten Weltkriegs kam Kosten im Dezember 1918 im Rahmen des Großpolnischen Aufstands unter die Kontrolle bewaffneter polnischer Rebellen. Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrag musste die Stadt 1920 offiziell an die Zweite Polnische Republik abgetreten werden. Die Wirtschaft entwickelte sich anschließend gut.

1939 wurde die Stadt im Polenfeldzug von der deutschen Wehrmacht besetzt. Anschließend wurde sie wieder dem Deutschen Reich einverleibt Während der Besetzung durch die Nationalsozialisten kam es in der Stadt zu Hinrichtungen, Vertreibungen und Deportationen in Konzentrationslager. Aus der Nervenheilanstalt im ehemaligen Bernhardinerkloster wurden 3334 psychisch kranke Menschen ermordet, davon waren 2750 am 9. Februar 1940 aus dem Altreich dorthin gebracht worden.[3]

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Januar 1945 die Rote Armee die Stadt. Nach Kriegsende wurde die Stadt der Verwaltung der Volksrepublik Polen übergeben. In der Folgezeit wurden die deutschen Bewohner von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

1975 verlor die Stadt ihren Sitz als Hauptstadt eines Powiat und wurde Teil der neu geschaffenen Woiwodschaft Leszno. Bei einer erneuten Verwaltungsreform 1999 wurde die Woiwodschaft aufgelöst und die Stadt wurde wieder Sitz des Powiat Kościański.

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1945
  • 1800: 1.704, davon ein Drittel Polen, drei Juden[2]
  • 1837: 2.044[2]
  • 1861: 3.491[2]
  • 1875: 3.951[4]
  • 1880: 4.442[4]
  • 1890: 4.701, davon 957 Evangelische, 3.546 Katholiken und 196 Juden[4]
Nach 1945
  • 1950: 10.800
  • 2000: 24.425
  • 2004: 24.085 (31. Dezember 2004)
Herr-Jesu-Kirche


Landgemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur umliegenden Landgemeinde Kościan, zu der die Stadt Kościan selbst nicht gehört, gehören die folgenden kleineren Ortschaften:

Name deutscher Name
(1815–1918)
deutscher Name (1939–1945)
Bonikowo Bonikowo 1939–1943 Borkau
1943–1945 Bonikau
Choryń Choryn Horndorf
Czarkowo Czarkow Deutsch Nesslau
Darnowo Darnowo Dorngraß
Granecznik Granietschnik Grenzvorwerk
Gryżyna Gryzyn Grünau
Gryżynka Gryzynko Justushof
Gurostwo Gurostwo  ?
Ignacewo Ignacewo Nutzlau
Januszewo Januszewo Hausen
Katarzynin Katarzynowo Katharinenhof
Kawczyn Kawczyn
1905–1918 Weidenau
Weidenau
Kiełczewo Kielczewo Langendorf
Kobylniki Kobelnik Roßdorf
Kokorzyn Kokorzyn Hildingen
Krzan Krzan Rettig
Kurowo Kurowo Kurhofen
Kurza Góra Kurzagora  ?
Łagiewniki Lagiewnik Hohensand
Mała Wyskoć Birkvorwerk Birkenhof
Mikoszki Mikoszki Glimmen
Nacław Naclaw 1939–1943 Nassel
1943–1945 Nasselgrund
Nielęgowo Nielengowo Wiesenberg
Nowe Oborzyska Neu Oborzysk Kuhnern
Nowy Dębiec Neu Dembiec Eichfeld
Nowy Lubosz Neu Lubosch Neu Lobendau
Osiek Osiek Axen
Pelikan Pelikan Pelikan
Pianowo Pianowo Johannishof
Ponin Ponin Niedergrund
Racot Racot 1939–1943 Radungen
1943–1945 Razot
Sepienko Siepenko Hardtbruch
Sierakowo Sierakowo Weizendorf
Spytkówki Spitkowki Spitzen
Stare Oborzyska Alt Oborzysk Petzelshof
Stary Lubosz Alt Lubosch Alt Lobendau
Szczodrowo Szczodrowo Inselfeld
Tamborowo Tamborowo Tannenhof
Turew Turew 1939–1943 Auern
1943–1945 Auerweide
Widziszewo Widziszewo Hahlberg
Witkówki Witkowki Schwarzaue
Wławie Wlawie Anberg
Wronowo Wronowo Krähenhorst
Wyskoć Wyskoc
1905–1918 Wyskotsch
Birkendorf

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fernverkehrsbahnhof Kościan liegt an der Bahnstrecke Wrocław–Poznań. Früher begann im Bahnhof die Bahnstrecke Kościan–Opalenica und endete die Gostyner Kreisbahn.


Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 338–341.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kościan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b c d e f Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 338–341.
  3. Koscian und die Euthanasie in Polen, deathcamp.org, abgerufen 10. Oktober 2015
  4. a b c http://www.verwaltungsgeschichte.de/pos_kosten.html