Kohäsion (Politik)

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Kohäsion (von lat. cohaerere „zusammenhängen“) steht in der Politik für den Zusammenhalt zwischen einzelnen Staaten und Regionen. Der Begriff wurde maßgeblich von der Europäischen Union entwickelt.

Kohäsionspolitik der EU[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kohäsionspolitik ist seit der Einheitlichen Europäischen Akte (1986) ein wichtiges Element der EU-Politik. Sie geht davon aus, dass zwischen reicheren und ärmeren Regionen in der EU eine Umverteilung stattfinden soll, um die Folgewirkungen der ungleichen wirtschaftlichen Entwicklung auszugleichen. Mit Programmen zur Kohäsionspolitik hat die EU von 1988 bis 2004 dafür insgesamt rund 500 Milliarden Euro investiert. Vor der EU-Osterweiterung waren die Empfänger vor allem die südlichen EU-Regionen sowie Irland und ab 1990 auch die neuen deutschen Bundesländer.

Nach der großen EU-Erweiterung 2004 um zehn neue, vor allem osteuropäische Mitgliedstaaten verdoppelte sich zunächst das Entwicklungsgefälle zwischen den Regionen. Die meisten Kohäsionsmittel fließen seitdem nach Osteuropa. In seiner Geschichte war die europäische Kohäsionspolitik zahlreichen Änderungen und Reformen unterworfen. Insbesondere im Zuge von Erweiterungen der Europäischen Union und Vertiefungen der Integration wurden sowohl die finanziellen Mittel als auch die Kompetenzen der Regional- und Strukturpolitik ausgeweitet.[1] So wird seit dem Jahr 2007 von einem regelrechten „Paradigmenwechsel der Förderung“ gesprochen, da eine „grundlegende Veränderung des Politikfeldes in quantitativer und qualitativer Art stattgefunden“ hat.[2] Die Kohäsionspolitik entwickelt sich demnach immer mehr von einer Förderpolitik für die ökonomisch schwächsten Regionen und Staaten zu einem umfassenden Instrument der Wirtschaftspolitik und wandelt diese somit zu einer europäischen „Ersatzwirtschaftspolitik“.[2]

Kohäsionsbeitrag der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweizerische Eidgenossenschaft (Bund) verwendet den Begriff Kohäsionsbeitrag im Zusammenhang mit Erweiterungsbeiträgen an neue EU-Staaten. Ein solcher Beitrag wurde erstmals nach der deutschen Wiedervereinigung gezahlt. Seither wurde diese Praxis mehrfach bei EU-Erweiterungen wiederholt, da sich auch Vorteile für die Schweiz boten.

In einer neuen Runde (2006) war vorgesehen, dass die Schweiz eigenständig und in Form konkreter Projekte in den zehn neuen EU-Staaten einen Kohäsionsbeitrag leistet. Das entsprechende Osthilfegesetz wurde in der Volksabstimmung vom 26. November 2006 bewilligt.

Die Schweiz ging damit für einen Zeitraum von zehn Jahren Projektverpflichtungen über insgesamt eine Milliarde Franken ein. Im Gegensatz zu früheren Jahren gibt es jedoch zunehmend Widerstand gegen dieses Vorgehen, da stets neue Forderungen seitens neuer oder zukünftiger EU-Mitglieder erhoben werden.

So hat die EU Anfang Februar 2007 die Schweiz gebeten, weitere Zahlungen für die beiden neuen Staaten zu leisten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Julian Dörr: Die europäische Kohäsionspolitik. Eine ordnungsökonomische Perspektive, Berlin, 2017.
  • Desmond Dinan: Ever Closer Union. An Introduction to European Integration, 4. Aufl., London, 2010.
  • Kolja Rudzio: Funktionswandel der Kohäsionspolitik unter dem Einfluss des Europäischen Parlaments. Band 30 der Schriftenreihe des Europa-Kollegs Hamburg zur Integrationsforschung, Baden-Baden, 2000.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Desmond Dinan: Ever Closer Union. An Introduction to European Integration. 4. Auflage. Palgrave Macmillan, London 2010.
  2. a b Julian Dörr: Die europäische Kohäsionspolitik. Eine ordnungsökonomische Perspektive. De Gruyter, Berlin 2017, ISBN 978-3-11-048012-2, S. 214.