Konjugation (Grammatik)

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Als Konjugation (von lateinisch coniugatio ‚Verbindung‘), Verbflexion, Verbalflexion oder Flexion der Verben bezeichnet man in der Grammatik die Formenbildung (Morphologie) eines Verbs (Zeitworts) nach den Merkmalen Person, Numerus, Tempus, Modus, Genus verbi und ggf. auch Aspekt.[1][2][3][4][5][6][7][8][9][10][11] Die Konjugation bzw. die Flexion im Allgemeinen ist ein Merkmal flektierender Sprachen.[12]

Konjugation im Deutschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Deutsche Konjugation

Die Konjugation im Deutschen richtet sich maßgeblich nach der Einordnung des Verbs in die Klasse der schwachen und in die der starken Verben.[13] Letztere bezeichnet man mitunter als unregelmäßig, wobei bei den schwachen Verben ebenfalls Unregelmäßigkeiten vorkommen und es auch Mischformen aus beiden gibt. Neben der Verbklasse ist für die Bildung der zusammengesetzten Verbformen die Zuordnung zu den Hilfsverben relevant. Für zweiteilige Verben ist außerdem deren Trennbarkeit entscheidend.

Als Ergebnis der Konjugation deutscher Verben entstehen Verbformen, die folgende fünf Merkmale ausdrücken: Person, Numerus, Tempus, Modus und Genus Verbi. Nicht in dieses Merkmalsmuster passen die infiniten Verbformen; also die des Infinitivs und des Partizips. Sie werden teils zur Bildung zusammengesetzter Verbformen verwendet werden; übernehmen teils aber auch eigenständige Funktionen (z. B. Infinitivkonstruktion in Nebensätzen, attributives Partizip) und sind somit als konjugierte Verbformen zu führen. Insbesondere beim Infinitiv ist diese Einordnung jedoch sprachwissenschaftlich nicht unumstritten (→ Infinite Verbform).

Die Bildung der Formen erfolgt durch definierte Personalendungen, durch Änderungen im Verbstamm (starke bzw. unregelmäßige Verben) und durch die Zusammensetzung mit Hilfsverbformen:

Person treten einkaufen
1. Person (Sprecher) ich trete ich kaufe ein
2. Person (Hörer) du trittst du kaufst ein
3. Person (Person/Sache) er tritt er kauft ein
Numerus (Anzahl) treten einkaufen
Singular (Einzahl) ich trete, er tritt du kaufst ein, er kauft ein
Plural (Mehrzahl) wir treten, sie treten ihr kauft ein, sie kaufen ein
Modus treten einkaufen
Indikativ (Wirklichkeitsform) ich trete, wir treten ihr kauft ein, sie kaufen ein
Konjunktiv
(Möglichkeitsform)
Konjunktiv I ich trete, ihr tretet ich kaufe ein, ihr kaufet ein
Konjunktiv II du trätest, wir träten er kaufte* ein, ihr kauftet ein
Imperativ (Befehlsform) tritt (du) kauf(e) (du) ein
* Durch Formengleichheit mit dem Indikativ Präteritum wird bei schwachen Verben der Konjunktiv II oft periphrastisch umschrieben: er würde einkaufen
Tempus (Zeit) treten einkaufen
Präsens (Gegenwart) ich trete ich kaufe ein
Präteritum (Vergangenheit) ich trat ich kaufte ein
Perfekt (vollendete Gegenwart) ich habe getreten wir haben eingekauft
Plusquamperfekt (vollendete Vergangenheit) er hatte getreten wir hatten eingekauft
Futur I (Zukunft) er wird treten wir werden einkaufen
Futur II (vollendete Zukunft) er wird getreten haben er wird eingekauft haben
Genus Verbi (Diathese) treten einkaufen
Aktiv ich trete ich kaufe ein
Passiv Vorgangspassiv ich werde getreten es wird eingekauft
Zustandspassiv ich bin getreten es ist eingekauft
Partizipien treten einkaufen
Partizip I tretend einkaufend
Partizip II getreten eingekauft
Infinitive treten einkaufen
Infinitiv I
mit zu
treten
zu treten
kaufen
einzukaufen
Infinitiv II
mit zu
getreten haben
getreten zu haben
eingekauft haben
eingekauft zu haben

Dadurch ergeben sich sehr viele unterschiedliche Formen bei Verben, wobei nicht alle Kombinationen in einer Sprache vorkommen bzw. treten sie unterschiedlich stark verteilt im Sprachgebrauch auf. Der („echte“) Imperativ zum Beispiel ist schon durch die zusätzliche Angabe des Numerus eindeutig gekennzeichnet.

Jede dieser Formen ist durch Angabe von Modus, Tempus, Genus, Numerus und Person genau bestimmt.

  • die Brote werden eingekauft worden sein = 3. Person Plural Indikativ Futur II Zustandspassiv von einkaufen
  • du wärst fast auf etwas getreten = 2. Person Singular Konjunktiv II Aktiv von treten

Nicht in jedem Falle kann man aber bei einem konkreten Verb eindeutig bestimmen, welche Form vorliegt, da verschiedene Formen zusammenfallen können. Hier muss der sprachliche Kontext vorgeben, welche Form gemeint ist.

Oft genügt es beim Erlernen einer Sprache, sich ein paar wenige Formen pro Verb zu merken und dann mittels Regeln alle anderen Formen daraus zu bilden. Im Speziellen bezeichnet man mit Konjugation in diesem Sinne auch die Gruppe von Verben, deren Formen mit einheitlichen Regeln gebildet werden können, eine Konjugationsklasse.

Konjugation in anderen Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht alle Sprachen bilden im gleichen Umfang wie im Deutschen Verbformen mit Hilfsverben.

  • Beispiel mit Hilfsverb: ich liebe – ich habe geliebt (Deutsch)
  • Beispiel ohne Hilfsverb: amo – amavi (Latein)

Je nach Sprache bilden sich unterschiedliche Konjugationsklassen. Während im Deutschen häufig zwischen starker und schwacher Konjugation unterschieden wird, gibt es z. B. im Lateinischen andere Klassen:

  • a-Konjugation: amare, laudare
  • e-Konjugation: monere
  • i-Konjugation: audire
  • kurzvokalische i-Konjugation: capere
  • konsonantische Konjugation: regere

Konjugationslexika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1842 erschien in französischer Sprache ein eigenes Nachschlagewerk für Konjugationsformen, das auch heute noch unter dem Namen seines Autors als Bescherelle bekannt ist.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Konjugation – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Deutsch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Latein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Englisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Französisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spanisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Elke Hentschel (Hrsg.): Deutsche Grammatik. Walter de Gruyter, 2010, S.152
  2. Rainer Hahn, Maria Anna Söllner: PONS: Schüler-Verbtabellen Latein. PONS GmbH, Stuttgart, 2013, S.10
  3. Heike Voit, Joachim Neubold: PONS: Grammatik kurz & bündig: Deutsch PONS GmbH, Stuttgart, 2011, S.64
  4. Linda Keller: PONS: Die große Grammatik Englisch. PONS GmbH, Stuttgart, 2015, S.496
  5. PONS: Power-Sprachkurs Russisch. PONS GmbH, Stuttgart, 2012, S.186
  6. Irina Gubanova-Müller, Federica Tommaddi: PONS: Grammatik in Bildern: Deutsch als Fremdsprache. PONS GmbH, Stuttgart, 2015, S.190
  7. Duden: Die Grundschulgrammatik. Duden, 2013, S.35
  8. Duden: Übungsblätter Schulgrammatik|extra Deutsch. 5.–10. Klasse. Duden, 2015, S.8
  9. Antje Kelle: mentor Lernhilfe: Deutsch 5./6. Klasse. Grammatik: Bausteine und Spielregeln unserer Sprache., 1997, S.49
  10. Joh. Christ. Aug. Heyse, K. W. L. Heyse: Dr. Joh. Christ. Aug. Heyse's deutsche Schulgrammatik oder kurzgefasstes Lehrbuch der deutschen Sprache. Siebzehnte Ausgabe, Hannover, 1851, S.189
  11. Raphael Kühner: Ausführliche Grammatik der griechischen Sprache. Zweite Auflage, des ersten Teils erste Abtheilung, Hannover, 1869, S.493
  12. Rudi Conrad (Hrsg.): Lexikon sprachwissenschaftlicher Termini. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1985, S. 124
  13. Eisenberg Peter: Das Wort. 4. Auflage. Stuttgart 2013, S. 179.