Kontinuitätsgleichung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Kontinuitätsgleichung ist eine bestimmte partielle Differentialgleichung, die zu einer Erhaltungsgröße (s. u.) gehört. Sie verknüpft die zeitliche Änderung der zu dieser Erhaltungsgröße gehörigen Dichte  mit der räumlichen Änderung ihrer Stromdichte :

Zur mathematischen Definition von siehe Divergenz eines Vektorfeldes.

Die Kontinuitätsgleichung tritt in allen Feldtheorien der Physik auf. Die erhaltenen Größen können sein:

Zusammenhang mit einer Erhaltungsgröße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in einem Volumen V enthaltene „Ladung“ (das Volumenintegral über die Dichte) kann sich aufgrund der Kontinuitätsgleichung nur dadurch ändern, dass unausgeglichene Ströme aus der Oberfläche des Volumens hinausfließen. Demnach ändert sich die Gesamtladung für zeitlich nicht  und ist eine Erhaltungsgröße, wenn keine (Netto-)Ströme durch die Oberfläche des betrachteten Volumens fließen.

Denn die zeitliche Änderung der Ladung , gegeben durch

in einem zeitlich unveränderlichen Volumen , ist wegen der Kontinuitätsgleichung nach dem Integralsatz von Gauß

gleich dem Flächenintegral über die Randfläche des Volumens über den Anteil der Stromdichte , der in Richtung der Flächennormalen nach außen fließt. Die Ladung im Volumen ändert sich nur, sofern unausgeglichene Ströme in der angegebenen Weise durch die Randfläche fließen.

Spezielle Kontinutitätsgleichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hydrodynamik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verändert sich in der Hydrodynamik die Massendichte , weil die Flüssigkeit mit der Geschwindigkeit längs der Bahnkurven strömt, so ist die zugehörige Stromdichte

und die Kontinuitätsgleichung lautet

(Begründung: Produktregel)

Für die zeitliche Änderung der Dichte bei einem Teilchen, das die Bahn durchläuft, besagt dies:

(Begründung: totales Differential).

Entlang einer Trajektorie ändert sich also die Dichte mit der Divergenz der Strömung

Die Strömung ist inkompressibel, wenn die Dichte entlang einer Trajektorie konstant bleibt:

Daraus folgt, dass in diesem Fall die Divergenz der Strömung Null ist:

Elektrodynamik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Elektrodynamik ergibt sich die Kontinuitätsgleichung für die elektrische Ladungsdichte und die elektrische Stromdichte mithilfe der Identität aus den Maxwellgleichungen

  [1]

In Halbleitern beschreibt die Verletzung der Kontinuitätsgleichung

die Änderung der Raumladungsdichte durch die Rekombinationsrate pro Volumen, , und die Generationsrate .

Aus den Maxwellgleichungen der Elektrodynamik folgt (in CGS-Einheiten) für die Energiedichte

und die Energiestromdichte (auch Poynting-Vektor)

nahezu eine Kontinuitätsgleichung:

Die Kontinuitätsgleichung für die Energie im elektromagnetischen Feld ist dort erfüllt, wo die elektrische Stromdichte verschwindet, beispielsweise im Vakuum. Dort kann sich Energiedichte nur durch Energieströme ändern. Wo die elektrische Stromdichte nicht verschwindet, leistet das elektrische Feld Arbeit und tauscht Energie mit den Ladungsträgern aus.

Die Kontinuitätsgleichung für die elektromagnetische Feldenergie ist der Satz von Poynting.

In der relativistischen Formulierung der Elektrodynamik mit Minkowski-Vektoren fasst man und j zu einem Vierervektor zusammen . Wie oben, folgt aus den Maxwellgleichungen, dass dessen Viererdivergenz verschwindet [2] Diese Formulierung ist unabhängig von der gewählten Minkowski-Signatur, äquivalent zur Kontinuitätsgleichung und kann auf relativistische Feldtheorien verallgemeinert werden.

Quantenmechanik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der nichtrelativistischen Quantenmechanik wird der Zustand eines Teilchens, etwa eines einzelnen Elektrons, durch eine Wellenfunktion beschrieben.

Das Betragsquadrat

gibt die Wahrscheinlichkeitsdichte dafür an, ein Teilchen zur Zeit am Ort vorzufinden. Mit der zugehörigen Wahrscheinlichkeitsstromdichte

gilt ohne äußeres Magnetfeld als Folge der Schrödingergleichung die Kontinuitätsgleichung

.

Ist ein äußeres Magnetfeld vorhanden, muss auf die Pauli-Gleichung zurückgegriffen werden und es ergibt sich

wobei für die Pauli-Matrizen stehen. Der letzte Term verschwindet zwar bei der Divergenzbildung und ist nicht direkt aus der Pauli-Gleichung ableitbar, ergibt sich aber aus dem nichtrelativistischen Grenzfall der Dirac-Gleichung.

Im Rahmen der relativistischen Quantenmechanik gehorchen Teilchen der Klein-Gordon-Gleichung (für Skalarbosonen) beziehungsweise der Dirac-Gleichung (für Fermionen). Da die Gleichungen der Speziellen Relativitätstheorie gehorchen, können die Kontinuitätsgleichungen für diese Fälle in manifest kovarianter Form

geschrieben werden und es ergibt sich

wobei beziehungsweise für die skalare bosonische/vektorwertige fermionische Wellenfunktion stehen und die Dirac-Matrizen sind.

Im Rahmen der Klein-Gordon-Kontinuitätsgleichung kann - im Gegensatz zum nichtrelativistischen oder fermionen Fall - die Größe nicht als Wahrscheinlichkeitsdichte gedeutet werden, da diese Größe nicht positiv semidefinit ist.

Weitere Anwendungen: Allgemeine Erhaltungsgrößen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man erkennt an der Analogie zum „elektrischen“ Fall, dass Kontinuitätsgleichungen immer dann gelten müssen, wenn eine ladungsartige Größe und eine stromartige Größe wie oben angegeben zusammenhängen. Als weiteres konkretes Beispiel könnte man etwa den in der Thermodynamik wichtigen Wärmestrom angeben. Die „Ladungsdichte“ muss bei Integration über den Gesamtraum eine Erhaltungsgröße ergeben, z. B. die elektrische Gesamtladung, bzw. - im Falle der Quantenmechanik - die Gesamtwahrscheinlichkeit, 1, oder im dritten Fall, die gesamte zugeführte Wärme, bei Systemen, deren Wärmeinhalt als „erhalten“ angesehen werden kann (z. B. Wärmediffusion).

In der Strömungsmechanik folgt aus der Kontinuitätsgleichung das Kontinuitätsgesetz für (inkompressible) Fluide.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Batchelor, G.K.: An introduction to fluid dynamics, Cambridge university press, 2000, ISBN 0521663962

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bei der Herleitung wird u. a. die Divergenz der sog. Maxwellschen Ergänzung gebildet und die Vertauschbarkeit der partiellen Ableitung mit dem Divergenzoperator benutzt.
  2. Torsten Fließbach: Elektrodynamik Spektrum Akademischer Verlag, 3. Auflage, S. 159