Kumielsk

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Kumielsk
Kumielsk führt kein Wappen
Kumielsk (Polen)
Kumielsk
Kumielsk
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Pisz
Gmina: Biała Piska
Geographische Lage: 53° 33′ N, 21° 59′ OKoordinaten: 53° 33′ 26″ N, 21° 59′ 28″ O
Einwohner: 309 (2011)
Postleitzahl: 12-230[1]
Telefonvorwahl: (+48) 87
Kfz-Kennzeichen: NPI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Biała Piska/DK 58/DW 667RadysyGrodziskoŻebry
DK 63KałęczynLiski → Kumielsk
Schienenweg: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig
Warschau



Blick auf Kumielsk am Jezioro Kumielskie (2013)

Kumielsk [kuˈmʲɛlsk] (deutsch Kumilsko, 1938–1945 Morgen) ist ein polnisches Dorf in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es gehört zur Stadt- und Landgemeinde Biała Piska (Bialla, 1938 bis 1945 Gehlenburg) im Powiat Piski (Kreis Johannisburg).

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kumielsk liegt im östlichen Süden der Woiwodschaft Ermland-Masuren, 15 Kilometer südöstlich der Kreisstadt Pisz (deutsch Johannisburg).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kumielsk[2] wurde 1428 als „Zinsdorf“ mit sechs Schulzen-Hufen nach kölmischem Recht durch den Deutschen Ritterorden gegründet[3]. Der prußische Name Kumelischken/ Kumilszken/ Komilsken aus dem Jahr 1471 deutet auf Pferdezucht (lit. kumelė, lett. kumlš)[4].

Bei der Großen Pest 1709/11 fanden in Kumilsko etwa 735 Einwohner den Tod.

Am 8. April 1874 wurde Kumilsko Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk[5], der – 1938 in „Amtsbezirk Morgen“ umbenannt – bis 1945 bestand und zum Kreis Johannisburg im Regierungsbezirk Gumbinnen (ab 1905: Regierungsbezirk Allenstein) in der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Die Einwohnerzahl Kumilskos belief sich 1910 auf 445[6].

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags stimmte die Bevölkerung im Abstimmungsgebiet Allenstein, zu dem Kumislko gehörte, am 11. Juli 1920 über die weitere staatliche Zugehörigkeit zu Ostpreußen (und damit zu Deutschland) oder den Anschluss an Polen ab. In Kumilsko stimmten 300 Einwohner für den Verbleib bei Ostpreußen, auf Polen entfiel keine Stimme.[7]

Im Jahre 1933 waren 354 Einwohner in Kumilsko registriert[8]. Aus politisch-ideologischen Gründen der Abwehr fremdländisch klingender Ortsnamen wurde Kumilsko am 3. Juni (amtlich besttäigt am 16. Juli) 1938 in „Morgen“ umbenannt. 1939 betrug die Einwohnerzahl 355[8].

Als 1945[9] in Kriegsfolge das gesamte südlich Ostpreußen an Polen überstellt wurde, war davon auch Kumilsko resp. Morgen betroffen. Es erhielt die polnische Namensform „Kumielsk“ und ist heute Sitz eines Schulzenamtes[10] (polnisch Sołectwo). Damit gehört es zur Stadt- und Landgemeinde Biała Piska (Bialla, 1938 bis 1945 Gehlenburg) im Powiat Piski (Kreis Johannisburg), bis 1998 der Woiwodschaft Suwałki, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig. Im Jahre 2011 betrug die Einwohnerzahl 309[11].

Amtsbezirk Kumilsko/Morgen (1874–1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Amtsbezirk Kumilsko gehörten anfangs 18 Dörfer. Am Ende waren es aufgrund von Umstrukturierungen noch 15[5]:

Name Änderungsname
1938 bis 1945
Polnischer Name Bemerkungen
Bagensken Lehmannsdorf Bagieńskie
Klarheim
bis 1903: Dlugikont
Długi Kąt 1928 nach Mykutten eingemeindet
Groß Brzosken (ab 1932:)
Birkenberg
Brzózki Wielkie
Itzken Idźki nach Kosken eingemeindet
Jakubben Jakuby
Klein Brzosken (ab 1930:)
Birkental
Brzózki Małe
Kosken Kózki
Kossaken Wächtershausen Kosaki
Kowalewen Richtwalde Kowalewo
Kuckeln Kukły
Kumilsko Morgen Kumielsk
Lissaken Drugen Lisaki
Mykutten Mikutten Mikuty
Niegossen Niegosy nach Kosken eingemeindet
Skodden Schoden (Ostpr.) Szkody
Sokollen (K)
Kirchspiel Kumilsko
(ab 1935:)
Falkendorf (Ostpr.)
Sokoły
Soldahnen Sołdany
Zwalinnen Schwallen Cwaliny

Am 1. Januar 1945 gehörten zum Amtsbezirk Morgen die Orte: Birkenberg, Birkental, Drugen, Falkendorf, Jakubben, Kosken, Kuckeln, Lehmannsdorf, Mikutten, Morgen, Richtwalde, Schoden, Schwallen, Soldahnen und Wächtershausen.

Mammutbildstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1925 ist bei Kumilsko ein seltener Fund gemacht worden: ein Kalkstein mit der Ritzzeichnung eines Rüsseltieres, das aller Wahrscheinlichkeit nach ein Mammut darstellt[12].

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kumilsko (= Comelske) wurde 1502 eine erste Kirche erwähnt. Sie brannte 1720 ab und auch das wiederaufgebaute Gotteshaus wurde 1849 ein Raub der Flammen. Die heutige Kirche[13] entstand 1850 bis 1851 als Saalbau mit Feldsteinmauerwerk, innen mit offener Balkendecke überdeckt. Zur Innenausstattung gehören auch noch erhaltene Teile der Vorgängerkirche. Der Turm wurde 1874 errichtet. Bis 1945 war die Kirche zentrales Gotteshaus für das evangelische Kirchspiel Kumilsko/Morgen, heute ist sie Pfarrkirche der neu entstandenen römisch-katholischen Pfarrei Kumielsk[14].

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kumilsko bestand bereits in vorreformatorischer Zeit eine Kirche[15], die zu Beginn des 16. Jahrhunderts die reformatorische Lehre übernahm. Bis 1715 war sie in die Inspektion Lyck (polnisch Ełk) eingegliedert, später gehörte sie bis 1945 zum Kirchenkreis Johannisburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. 1925 zählte das Kirchspiel Kumilsko 3.736 Gemeindeglieder.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzte der evangelischen Kirchengemeinde ein Ende. Die heute hier lebenden wenigen evangelischen Kirchenglieder halten sich zur Gemeinde in Biała Piska, einer Filialgemeinde von Pisz in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Römisch-katholisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1945 lebten in der Region Kumilsko nur sehr wenige katholische Kirchenglieder. Sie waren in die Pfarrkirche in Johannisburg einbezogen[3]. Nach 1945 siedelten sich polnische Neubürger meist katholischer Konfession in Kumielsk an, die das bisher evangelische Gotteshaus als ihre Kirche und – ab 1962 – ihre Pfarrkirche übernahmen. Zur neu entstandenen Pfarrei[14] gehört auch die Filialgemeinde in Rakowo (Adlig Rakowen (Domäne), 1938 bis 1945 Raken), eingeliedert in das Dekanat Biała Piska im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen.

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im jahre 1737 wurde Kumilsko ein Schulort[3]. Die Kinder aus Kumilsko, Bagensken (1938 bis 1945 Lehmannsdorf, polnisch Bagieńskie) und Kuckeln (polnisch Kukły) wurde hier gemeinsam und mehrklassig unterrichtet.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kumielsk liegt an einer Nebenstraße, die bei Biała Piska von der Landesstraße 58 bzw. Woiwodschaftsstraße 667 abzweigt und über Radysy (deutsch Radishöh) bis nach Grodzisko (deutsch Grodzisko, 1932 bis 1945 Burgdorf) und von da an als Kreisstraße (Droga powiatowa) DP 1882B nach Żebry in der Woiwodschaft Podlachien führt. Auch von der Landesstraße 63 führt eine Nebenstraße über Liski (Lisken) nach Kumielsk. Eien Bahnanbindung besteht nicht.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Polnisches Postleitzahlenverzeichnis 2013, S. 633
  2. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Morgen
  3. a b c Kumilsko/Morgen bei Familienforschung Sczuka
  4. Rozalia Przybytek: Ortsnamen baltischer Herkunft im südlichen Teil Ostpreussens. = Nazwy miejscowe pochodzenia bałtyckiego w południowej części Prus Wschodnich. Steiner, Stuttgart 1993, ISBN 3-515-06449-4 (Hydronymia Europaea Sonderband 1), S. 137.
  5. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Kumilsko/Morgen
  6. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Johannisburg
  7. Herbert Marzian, Csaba Kenez: „Selbstbestimmung für Ostdeutschland - Eine Dokumentation zum 50 Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920“; Herausgeber: Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 75
  8. a b Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Johannisburg
  9. Aus diesem Jahr gibt es einen Ortsplan von Morgen/Kumilsko: Horst Polkowski, Ortsplan 1944/45
  10. Sołectwa Gminy Biała Piska
  11. Kumielsk bei Polska w liczbach
  12. W. Gaerte, Der Mammutbildstein von Kumilsko, Kr. Johannisburg, 1994
  13. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S 120
  14. a b Parafia Kumielsk im Bistum Ełk
  15. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 491