Kunstforum Ostdeutsche Galerie

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Frontseite des Ausstellungsgebäudes, klassizistische Säulen vorübergehend verfremdet

Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie (KOG) ist eine Kunstsammlung von Werken deutscher Künstler aus den ehemals deutschen Ostgebieten und den deutschen Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa. Bis zur Wiedervereinigung wurden auch Künstler aus der DDR gesammelt. Der Sitz in Regensburg ist im Zusammenhang auch mit der übernommenen Schirmherrschaft der Stadt für die Belange der Sudetendeutschen zu sehen.

Das Museum fällt in die Kulturförderung nach dem Bundesvertriebenengesetz und wird zu 50 % vom Bund, zu 20 % vom Freistaat Bayern und zu 30 % von der Stadt Regensburg getragen. Es vergibt zusammen mit der Künstlergilde Esslingen alle zwei Jahre den Lovis-Corinth-Preis.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtparkseite des Ausstellungsgebäudes
Ansicht 1910, noch mit dem Portikus auf der Stadtparkseite, 1970 Verlegung zur Straßenseite

Die Galerie, die heute Ausstellungsstücke auf 2.500 m² zeigt, geht auf eine Sammlung des Adalbert-Stifter-Vereins aus den 1950er Jahren zurück, die 600 böhmische Künstler umfasste. Die seither auf 2.000 Gemälde und 500 Plastiken sowie 30.000 graphische Blätter erweiterte Sammlung deckt Kunst zwischen etwa 1800 und der Gegenwart ab. Sie setzt den Schwerpunkt auf die Klassische Moderne zwischen Impressionismus und Neuer Sachlichkeit.

Neben Werken bisher noch weniger bekannter Künstler, etwa Clara Siewert oder Willi Ulfig, finden sich auch solche international hochgeschätzter wie Carl Gustav Carus, Lovis Corinth, Käthe Kollwitz, Otto Müller, Adolf Hölzel und Bernard Schultze, Otto Freundlich, Ludwig Meidner, Sigmar Polke, Katharina Sieverding, Dan Flavin, Peter Weibel, Gerhard Swoboda oder Oskar Kokoschka.

Die graphische Sammlung umfasst Werke von Heinrich Wolff, August Brömse, Carl Thiemann, Hugo Steiner-Prag, Ingrid Wagner-Andersson, Emil Orlik, Willy Jaeckel, Ernst Marow, Daniel Chodowiecki, Adolph von Menzel, Wenzel Hablik, Josef Hegenbarth, Alfred Kubin, Hans Fronius, Rudolf Jakubek und Markus Lüpertz.

Seit 2009 verfügt das Museum über ein Konvolut von über 160 Werken von Ben Muthofer, darunter neun Skulpturen und Reliefs, etwa 150 Grafiken sowie drei Gemälde. Diese Stiftung stellt einen repräsentativen Querschnitt des Werks des konstruktiv-konkreten Künstlers dar.[1]

Bereits 1652 wurde auf dem heutigen Gelände des Museums ein Schützenhaus für die städtische Schießstätte gebaut. Dieses denkmalgeschützte Haus befindet sich gegenüber dem später errichteten Museumsgebäude. Es ist das älteste Bauwerk des Ensembles und dient jetzt dem Museum als Verwaltungsgebäude. Das Hauptgebäude des Museums beim Stadtpark stammt aus dem Jahr 1871 und wurde als städtische Turnhalle errichtet. Ab 1906 wurde es zum Ausstellungsgebäude umgebaut und in das Gelände der oberpfälzischen Kreis-Ausstellung einbezogen, die 1910 anlässlich der 100-jährigen Zugehörigkeit der ehemaligen Reichsstadt zu Bayern veranstaltet wurde. 1942, während des Zweiten Weltkriegs, wurde hier eine Luftschutzschule eingerichtet. Nach dem Krieg nutzte die Stadt Regensburg das Gebäude für Kulturzwecke, erst als Kunsthandlung, dann für die städtische „Galerie Zeitgenössische Kunst Ostbayerns“. Nachdem Regensburg die Schirmherrschaft für die Sudetendeutschen übernommen hatte, gab es gezielt Ausstellungen sudetendeutscher Künstler. Die Sammlung des Adalbert-Stifter-Vereins fand erst in den späten 1950er Jahren hier eine Bleibe. Um 1960 wurden kleinere Anbauten an den Seitenflügeln errichtet. 1966 wurde die Stiftung Ostdeutsche Galerie gegründet, die bis heute Trägerin des Museums ist. Gründer waren die Bundesrepublik Deutschland, die Bundesländer und die Stadt Regensburg. Zweck der Stiftung war es, die Sammlungen des Stifter-Vereins und der Künstlergilde Esslingen zusammenzuführen und der Kunst ein permanentes Museum zu bieten. Bis 1970 wurde ein Erweiterungsbau auf der Parkseite errichtet. Dazu musste der Eingang mit dem Portikus auf die Straßenseite verlegt werden. Da die Figur der Pallas Athene auf der Spitze der Kuppel nicht gedreht wurde, wendet sie seitdem dem Besucher beim Betreten ihren Rücken zu.[2] 2003 erhielt das Museum seinen heutigen Namen: „Kunstforum Ostdeutsche Galerie“.

Museumsdirektoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrike Lorenz und Gerhard Leistner: Erinnerung & Vision, 100 Meisterwerke aus der Sammlung. Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg 2005, ISBN 3-89188-110-X.
  • Peter Becher: Von der sudetendeutschen Galerie zum Kunstforum Ostdeutsche Galerie. In: Sudetenland. Europäische Kulturzeitschrift, 56. Jahrgang, Heft 3, Adalbert Stifter Verein, München 2014, S. 371–374.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ostdeutsche Galerie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stiftung Ben Muthofer – Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg, 30. Juli 2009
  2. Die Geschichte beruht auf: Agnes Tieze: Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie. Geschichte, Sammlung, Ausblick. In: HDO-Journal, herausgegeben vom Haus des Deutschen Ostens, München, Nr. 13 / 2014, Seiten 23–28
  3. Museumsdirektorin Ulrike Lorenz
  4. Museumsdirektorin Agnes Tieze

Koordinaten: 49° 1′ 11″ N, 12° 4′ 56″ O