Kunstforum Ostdeutsche Galerie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Frontseite des Ausstellungsgebäudes, klassizistische Säulen vorübergehend verfremdet

Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie (KOG) ist eine Kunstsammlung von Werken deutscher Künstler aus den ehemals deutschen Ostgebieten und den deutschen Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa. Bis zur Wiedervereinigung wurden auch Werke von Künstlern aus der DDR gesammelt. Der Sitz in Regensburg ist auch im Zusammenhang mit der Schirmherrschaft der Stadt für die Belange der Sudetendeutschen zu sehen.

Das Museum gehört zur Kulturförderung nach dem Bundesvertriebenengesetz und wird zu 50 % vom Bund, zu 20 % vom Freistaat Bayern und zu 30 % von der Stadt Regensburg getragen. Es vergibt alle zwei Jahre den Lovis-Corinth-Preis.[1] Seit 2010 ist der Preis mit 10.000 Euro dotiert.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtparkseite des Ausstellungsgebäudes
Ansicht 1910, noch mit dem Portikus auf der Stadtparkseite, 1970 Verlegung zur Straßenseite

Standort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1652 wurde auf dem heutigen Gelände des Museums ein Schützenhaus für die städtische Schießstätte gebaut. Dieses denkmalgeschützte Haus befindet sich gegenüber dem später errichteten Museumsgebäude. Es ist das älteste Bauwerk des Ensembles und dient jetzt dem Museum als Verwaltungsgebäude. Das Hauptgebäude des Museums im Stadtpark stammt aus dem Jahr 1871 und wurde ursprünglich als städtische Turnhalle errichtet. Ab 1906 wurde es zum Ausstellungsgebäude umgebaut und in das Gelände der oberpfälzischen Kreisausstellung einbezogen, die 1910 anlässlich der 100-jährigen Zugehörigkeit der ehemaligen Reichsstadt zu Bayern veranstaltet wurde. 1942, während des Zweiten Weltkriegs, wurde hier eine Luftschutzschule eingerichtet. Nach dem Krieg nutzte die Stadt Regensburg das Gebäude für Kulturzwecke, erst als Kunsthandlung, dann für die städtische „Galerie Zeitgenössische Kunst Ostbayerns“. Nachdem Regensburg die Patenschaft für die Sudetendeutschen übernommen hatte, gab es gezielt Ausstellungen sudetendeutscher Künstler.

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Die Sammlung „Sudetendeutsche Galerie“ des Adalbert Stifter Verein fand 1957 hier eine Bleibe. Um 1960 wurden kleinere Anbauten an den Seitenflügeln sowie ein Erweiterungsbau auf der Parkseite errichtet. Dazu musste der Eingang mit dem Portikus auf die Straßenseite verlegt werden. Da die Figur der Pallas Athene auf der Spitze der Kuppel nicht gedreht wurde, wendet sie seitdem dem Besucher beim Betreten ihren Rücken zu.[3] Nach einer Umbenennung in „Museum Ostdeutsche Galerie“ erhielt das Museum 2003 seinen heutigen Namen „Kunstforum Ostdeutsche Galerie“.

Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie befindet sich in der nach Johann Maier benannten Straße, der wenige Tage vor der Kapitulation am Morgen des 24. April 1945 um 3:25 Uhr auf dem Moltkeplatz, heute Dachauerplatz, in Regensburg von fanatischen Nationalsozialisten hingerichtet wurde.[4]

Gründung/Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1966 wurde die Stiftung Bürgerlichen Rechts als allgemeine nicht kommunale Stiftung „Ostdeutsche Galerie“ gegründet, die bis heute Trägerin des Museums ist. Gründer war der Kulturdezernent der Stadt Regensburg Walter Boll.[5][6][7] Die Museumseröffnung erfolgte 1970.[8] Als heute faktisch durch die öffentliche Hand finanziertes Museum wird die Stiftung durch zwei Gremien repräsentiert, dem Stiftungsrat unter dem Vorsitz des Regensburger Oberbürgermeisters Joachim Wolbergs und dem Stiftungsvorstand bestehend aus dem Stadtrat und Rechtsreferent der Stadt Regensburg, Wolfgang Schörnig (Vorstandsvorsitzender[9]), der Direktorin des KOG, Agnes Tieze, sowie dem Geschäftsführer des KOG, Maximilian Obermeier.[10]

§ 96 BVFG-Förderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Förderer im Rahmen des § 96 BVFG sind von Anfang an die Bundesrepublik Deutschland, die Bundesländer und die Stadt Regensburg.

„Die Stiftung Kunstforum Ostdeutsche Galerie wird rund zur Hälfte vom Bund unterstützt – 2015 und 2016 mit 647.000 Euro. Darüber hinaus fördern der Freistaat Bayern und die Stadt Regensburg. Letztere stellt zudem den Museumskomplex mietfrei zur Verfügung.“

Bericht der Bundesregierung über die Maßnahmen zur Förderung der Kulturarbeit gemäß § 96 Bundesvertriebenengesetz (BVFG) in den Jahren 2015 und 2016

Sammlung/Bestände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum verfügt nach eigenen Angaben über eine Sammlung von 2.000 Gemälden, 500 dreidimensionalen Werken und 30.000 Grafiken, Radierungen, Zeichnungen etc. Sie deckt Kunst zwischen etwa 1800 und der Gegenwart ab und setzt den Schwerpunkt auf die Klassische Moderne zwischen Impressionismus und Neuer Sachlichkeit.

Neben Werken bisher noch weniger bekannter Künstler, etwa Clara Siewert oder Willi Ulfig, sind auch solche international hochgeschätzter wie Carl Gustav Carus, Lovis Corinth, Käthe Kollwitz, Otto Müller, Adolf Hölzel und Bernard Schultze, Otto Freundlich, Ludwig Meidner, Sigmar Polke, Katharina Sieverding, Dan Flavin, Peter Weibel, Gerhard Swoboda oder Oskar Kokoschka vorhanden.

Die graphische Sammlung umfasst Werke von Heinrich Wolff, August Brömse, Carl Thiemann, Hugo Steiner-Prag, Ingrid Wagner-Andersson, Emil Orlik, Willy Jaeckel, Ernst Marow, Daniel Chodowiecki, Adolph von Menzel, Wenzel Hablik, Josef Hegenbarth, Alfred Kubin, Hans Fronius, Rudolf Jakubek und Markus Lüpertz.

Seit 2009 verfügt das Museum über ein Konvolut von über 160 Werken von Ben Muthofer, darunter neun Skulpturen und Reliefs, etwa 150 Grafiken sowie drei Gemälde. Diese Stiftung stellt einen repräsentativen Querschnitt des Werks des konstruktiv-konkreten Künstlers dar.[11]

Museumsdirektoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrike Lorenz und Gerhard Leistner: Erinnerung & Vision, 100 Meisterwerke aus der Sammlung. Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg 2005, ISBN 3-89188-110-X.
  • Peter Becher: Von der sudetendeutschen Galerie zum Kunstforum Ostdeutsche Galerie. In: Sudetenland. Europäische Kulturzeitschrift, 56. Jahrgang, Heft 3, Adalbert Stifter Verein, München 2014, S. 371–374.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ostdeutsche Galerie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lovis Corinth-Preis für Bildende Kunst. Künstlergilde e.V. Esslingen, abgerufen am 27. Oktober 2017.
  2. Lovis Corinth-Preis. Kulturpreise.de, abgerufen am 27. Oktober 2017.
  3. Die Geschichte beruht auf: Agnes Tieze: Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie. Geschichte, Sammlung, Ausblick. In: HDO-Journal, herausgegeben vom Haus des Deutschen Ostens, München, Nr. 13 / 2014, Seiten 23–28
  4. Instrumentalisierung eines Justizmordopfers. http://www.regensburg-digital.de/buchberger-und-stadtpolitik-instrumentalisieren-domprediger-maier/16042017/
  5. Universitätsbibliothek Regensburg: Bosls bayerische Biographie / hrsg. von Karl Bosl. - Regensburg : Pustet [2] . Ergänzungsband : 1000 Persönlichkeiten aus 15 Jahrhunderten, 1988. - XVI, 189 S. http://bosl.uni-regensburg.de/?seite=32&band=2
  6. P. Mai: Dr. Walter Boll in memoriam „Er gründete die Kunsthalle am Stadtpark und die Ostdeutsche Galerie, die ihm bis zuletzt besonders am Herzen lag und die er liebevoll ‚sein Museum‘ nannte.“ http://www.heimatforschung-regensburg.de/2222/1/1001577_DTL2008.pdf
  7. StiftungsVerzeichnis - Stiftung Kunstforum Ostdeutsche Galerie http://stiftungen.bayern.de/stiftung/1877;jsessionid=8C39073BDC63...Hinweis Bay. Landesamt für Statistik: "Die Einträge der privaten (nicht öffentlichen) Stiftungen sind jedoch u.U. nicht in allen Fällen vollständig und aktuell, da diese Stiftungen keiner staatlichen Aufsicht unterstehen und somit keine Meldepflichten bestehen." Anders als in einem Unternehmensregister keine Transparenz zu Veränderungen in den letzten Jahrzehnten im Stiftungsregister bei der Regierung der Oberpfalz.
  8. http://www.kunstforum.net/kog_50jahre.php
  9. Dr. Wolfgang Schörnig. Stadt Regensburg, abgerufen am 27. Oktober 2017.
  10. STIFTUNG KUNSTFORUM OSTDEUTSCHE GALERIE. Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, abgerufen am 27. Oktober 2017.
  11. Stiftung Ben Muthofer – Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg, 30. Juli 2009
  12. http://www.zeit.de/1996/28/Auf_zum_Jagen
  13. Museumsdirektorin Ulrike Lorenz
  14. http://www.galerie-madesta.de/art-consulting.html

Koordinaten: 49° 1′ 11″ N, 12° 4′ 56″ O