Josef Hegenbarth

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Josef Hegenbarth (* 15. Juni 1884 in Česká Kamenice (Böhmisch Kamnitz), Österreich-Ungarn; † 27. Juli 1962 in Dresden) war ein deutscher Grafiker, Zeichner, Maler und Illustrator.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das von Martin Pietzsch errichtete Künstlerhaus Dresden-Loschwitz bot Hegenbarth Wohnung und Atelier.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Josef Hegenbarth war der Sohn von Franz Josef Hegenbarth (1846–1916), eines Glasfabrikanten und Glasraffineurs und Inhaber der Firma „Hegenbarth & Söhne“ in Böhmisch-Kamnitz. Seine Mutter Marie Palme (1860–1929), Tochter des Lüsterfabrikanten Elias Palme, stammte aus dem benachbarten Steinschönau. Er wuchs mit seinen beiden jüngeren Schwestern Elisabeth (1885–1944) und Gertrud (1890–1965) in seinem Geburtsort auf.

Schon früh zeigte sich sein außergewöhnliches Zeichentalent. Nach dem Besuch der Volksschule in Böhmisch-Kamnitz wechselte Hegenbarth zur Realschule der k. u. k. Bezirksstadt Böhmisch-Leipa. Später, 1934, schrieb er darüber: „Hier vergewaltigte die damalige Zeichenmethode, was mir die Natur an naiver Freude gegeben.“[1] Während seiner Schulzeit begann eine seelische Erkrankung, die dazu führte, dass er im Alter von 13 Jahren die Quarta verließ. Ihre Ursache lag wohl in einer unbewältigten religiösen Erschütterung, die so stark gewesen sein muss, dass er sich in klinische Obhut begab.[2] Diese Jugendjahre bleiben weitgehend im Dunkeln, waren aber sicherlich ein wesentlicher Impuls für seine wiedergewonnene künstlerische Kreativität. Einige Jahre später schrieb er selbst: „Erst ein jahrelanges Kranksein sollte mir die Lust am Stifte wiedergeben, die seit meiner Kindheit verkümmert in mir lag.“[3] Mit etwa 21 Jahren hatte er seine seelisch-religiöse Krise überwunden und gleichzeitig eine besondere Empfindsamkeit und Feinnervigkeit gewonnen, die ihn und seine künstlerischen Aussagen ein Leben lang prägten.

Dresdener Jahre (1905–1917)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon als Junge hatte Josef Hegenbarth seinen 16 Jahre älteren Vetter Emanuel Hegenbarth häufig an der Staffelei beobachtet und war von ihm stark beeindruckt. Als dieser 1903 einen Ruf an die Königliche Akademie der bildenden Künste nach Dresden (Klasse Tiermalerei) erhielt, folgte ihm Josef Hegenbarth 1905. Er ließ sich in Dresden nieder, arbeitete im Selbststudium und legte Emanuel in regelmäßigen Abständen seine Arbeiten zur Beurteilung und Korrektur vor.[4] Zum Wintersemester 1908/09 trat Josef Hegenbarth in die Königliche Kunstakademie ein und begann im Zeichensaal bei Richard Müller. Schnell übersprang er jedoch die Zeichenklasse und setzte seine Studien im Malsaal fort, in der Oberklasse von Carl Bantzer; mit ihm kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Zum Wintersemester 1909/10 wechselte er für ein Semester in die Oberklasse von Oskar Zwintscher, um ab dem Wintersemester 1912/13 Meisterschüler von Gotthardt Kuehl zu werden, als dessen Schüler er sich ausdrücklich bezeichnete. Von ihm lernte er, sich der äußeren Realität zuzuwenden, in deren künstlerischen Gestaltung er immer stärker einen eigenen Stil entwickelte.[5] Mit dem Tod von Kuehl und seinem folgenden Abschied aus der Akademie Ostern 1915 hatte er bereits ein besonderes Maß an künstlerischer Reife erlangt. Und doch blieb er ein Suchender.

Intermezzo: Prager Jahre (1917–1919)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1917 musste Josef Hegenbarth sich der Musterung zum Militärdienst stellen, wurde aber für nicht tauglich befunden. Da sich die Verhältnisse im Kriegsjahr 1917 auch in Dresden verschlechterten und ihn die „Sehnsucht nach der böhmischen Landschaft“[6] ergriff, bezog er eine Wohnung in Prag-Dejwitz. Er wandte sich an die Prager Kunstakademie und trat in die graphische Spezialklasse von Prof. August Brömse ein. Sein Aufenthalt dauerte bis 1919; er blieb der Stadt an der Moldau, die ihn sehr beeindruckte, zeitlebens verbunden. 1919 gründeten Brömses Schüler die Künstlergruppe „Die Pilger“, die mit vier Graphik-Mappen hervortrat, an denen sich Josef Hegenbarth beteiligt hatte, und die bis 1923 bestand. Bei Brömse lernte er die Kaltnadeltechnik kennen.[7] In den vorangehenden Dresdener Jahren hatte er nur Ätzradierungen gearbeitet, die chemischen Dämpfe dieser Technik machten ihm aber gesundheitlich zunehmend zu schaffen. Die neue Technik ermöglichte es ihm, seine künstlerischen Auffassungen und Projekte schneller zu realisieren. In diesen Jahren entstand ein umfassendes Werk von mehreren hundert Radierungen, die er in außergewöhnlicher Produktivität verwirklichte: einerseits Stoffe der Bibel, v. a. des Neuen Testaments, und der Weltliteratur; andererseits seine Vorstellungen von Geburt, Krankheit und Tod, von Liebe, Ehe, Eifersucht und von Tages- und Jahreszeiten und von der ihm umgebenden Umwelt überhaupt. In dieser Zeit entstanden folgende Mappenwerke:

Edda: Kunde der Wala (10 Ätzradierungen, nicht vollständig erhalten, 5 davon im Josef-Hegenbarth-Archiv (JHA) Dresden, 1914) / Wieland der Schmied (Stoff aus der „Edda“, 11 Lithographien, Kunstsalon Emil Richter Dresden, 8 davon im JHA Dresden, 1916) / Gilgamesch (11 Kaltnadelradierungen, Galerie Ernst Arnold Dresden, 1919) / Strindberg-Phantasien (9 Kaltnadelradierungen, Verlag J. J. Weber Leipzig, 1920) / Nibelungenlied (23 Kaltnadelradierungen, Galerie Ernst Arnold Dresden, 1920) / Moses, I. und II. Buch (17 Kaltnadelradierungen, Verlag Fritz Gurlitt Berlin, 1921) / Salambo (nach einem Roman von G. Flaubert, 20 Kaltnadelradierungen, 1921) / Faust (7 Lithographien, Gesellschaft für vervielfältigende Kunst Wien, 1922) / Münchhausen (14 Kaltnadelradierungen, Eigenverlag, 1922) / Shakespeare: Julius Caesar (15 Kaltnadelradierungen, Bavaria Verlag, 1922/23) / Shakespeare: Macbeth (15 Kaltnadelradierungen, Eigenverlag, 1923) / Vasantasena (17 Kaltnadelradierungen, Verlag J. J. Weber Leipzig, 1923) / Goethe: Reineke Fuchs (16 Kaltnadelradierungen, Eigenverlag, 1923) / J. G. Herder: Stimmen der Völker in Liedern (36 Kaltnadelradierungen, Eigenverlag, 1924) / Goethes Balladen (30 Kaltnadelradierungen, Eigenverlag, 1924) / Wieland: Pervonte oder „Die Wünsche“ (17 Kaltnadelradierungen, Eigenverlag, 1924) / Alexanders Zug gegen die Perser (25 Kaltnadelradierungen, Eigenverlag, 1924) / Das Weib: „Aphrodite“ (Lewinger 20), „Die Dirne“ (L. 144), „Die Nonne“ (L. 146), „Innocentia“ (nicht bei L.), „Judith“ (L. 115), „Maria“ (nicht bei L.), „Messalina“ (L. 21), „Pompadour“ (L. 145), „Sirenen“ (L. 117), „Venus“ (L. 137),  (10 Kaltnadelradierungen als Probedrucke, Eigenverlag, 1926) / Die Tepler deutsche Bibel des 14. Jahrhunderts (5 Lithographien, Verlag Stiepel Reichenberg, 1929) / Münchhausen, 2. Fassung (14 Kaltnadelradierungen, Eigenverlag, 1929)

Nach Brömses Tod ging aus der Künstlergruppe „Die Pilger“ 1928 die Prager Secession hervor, deren Mitglied Josef Hegenbarth von Anfang bis zu deren Ende 1937 war.

Dresdener Jahre (1919–1962)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hegenbarth kehrte 1919 nach Dresden zurück, behielt aber seine Wohnung in Prag bis 1921. Im selben Jahr erwarb er ein Haus in der Calberlastraße 2 in Dresden-Loschwitz und richtete sich im obersten Stockwerk ein Atelier ein.[8] 1936 heiratete er Johanna Aster (1897–1988), eine Loschwitzer Architektentochter, die er schon geraume Zeit gekannt hatte. [9] Die Ehe blieb kinderlos. 1943 wich er wegen des drohenden Luftkrieges mit seiner Frau und mit einem Großteil seines Werkes, vor allem mit Gemälden, in sein väterliches Haus nach Böhmisch Kamnitz aus. 1945 wurde das Ehepaar aus der ČSSR ausgewiesen und kehrte im Oktober 1945 nach Dresden zurück, wobei er sein gesamtes Werk in der Tschechoslowakei zurücklassen musste. Erst 1957 wurde ihm mit Hilfe des Außenministers der DDR, Lothar Bolz, ein Teil der dort verbliebenen Werke von der Regierung der ČSSR rückübereignet, vor allem die Gemälde.[10] Einige Zeichnungen sind bis heute verschollen.[11]

Seit den 1920er Jahren fanden sich Zeichnungen und Radierungen Hegenbarths in verschiedenen Zeitschriften, Journalen und Kalendern, regelmäßig in der „Jugend“ (seit 1924, bis 1936), im „Simplicissimus“ (1925–1944), vereinzelt in „Velhagen und Klasings Monatsheften“ (1924/25), in „Scherl’s Magazin“ (1930), in „Die Dame“ (1937 und 1942) und in der anfangs sich am Bauhaus orientierenden Zeitschrift „die neue linie“ (1940–1943). Hegenbarth schickte immer einige Zeichnungen zur Auswahl ein, die jeweilige Redaktion wählte ein Bild aus und schrieb einen  passenden Text dazu. Die gleiche Praxis galt auch für Beiträge zu anderen Editionen z. B. für den Kalender „Kunst und Leben“ (1928–1941).

Ab 1924/25 verzichtete Hegenbarth zunehmend auf die Darstellung von Visionen und die Verbildlichung abstrakter Begriffe wie etwa Sehnsucht und Liebe. Neue Inhalte für seine Kunst fand er in der Darstellung des Menschen (Köpfe und Akte) und der ihn umgebenden Realität. Er hielt das wahrgenommene Geschehen fest, seine Bilder haben die Titel:  Auf der Straße, Spaziergänger, Spielende Kinder, In der Straßenbahn, Gartencafé, Kaffeehaus, Kabarett, Im Zoo. Immer häufiger ging er in die Tanzschule der Mary Wigman und in den Zirkus, einige Bilder davon sind uns überliefert. Ab Mitte der 1930er Jahre wurden Tierdarstellungen zum favorisierten Thema.

Um seine Kunst bekannt zu machen, beschickte er zahlreiche Ausstellungen in Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei. Er zeigte sich als Mitglied oder Gast seit 1914 auf den Ausstellungen der Münchner Secession und der Dresdner Künstlervereinigung, der Berliner Secession seit 1916, der Wiener Secession seit 1919, des Deutschen Künstlerbundes seit 1920, der Preußischen Akademie der Künste seit 1925, der Prager Secession seit 1929, auf den Dresdner Deutschen Kunstausstellungen seit 1946, der Großen Kunstausstellung München seit 1950, des Verbandes Bildender Künstler Deutschlands seit 1951, des wiedergegründeten Deutschen Künstlerbundes seit 1952 und der Deutschen Akademie der Künste seit 1955. Insgesamt beteiligte er sich an mehr als 400 Ausstellungen.

Auch in der Zeit des Nationalsozialismus beschickte Hegenbarth viele Ausstellungen, darunter in Breslau, Dessau, Dresden, Duisburg, Hamburg, Heidelberg, Leipzig, Nürnberg, Saarbrücken und nach 1940 auch in Karlsbad, Prag und Wien.[12] Nur zu den offiziellen Ausstellungen im „Haus der Kunst“ in München wurde er nicht eingeladen, da seine Kunst nicht den Vorstellungen der Reichskulturkammer entsprach. 1936 wurde er in der Wochenschrift der SS „Das Schwarze Korps“ einmal scharf angegriffen. Der unbekannte Verfasser urteilte über Hegenbarths Zeichnung Der Unglückswurm,[13] die in der Oktoberausgabe 1936 erschienen war: „Leider müssen wir feststellen, daß der von uns angeprangerte und entschieden abgelehnte Ton auch in der 'Jugend' eingerissen ist. [...] Zeichner [Josef] Hegenbarth stellt in der Manier von George Grosz einige Leute auf einer Bank sitzend dar, die uns an die Hochblüte der Entartung und Dekadenz erinnert. Verblödete Gesichter, wie sie [Otto] Dix in seiner 'Dadazeit' so gerne darstellte.“[14] Danach wurden in der „Jugend“ keine weiteren Zeichnungen von Hegenbarth mehr veröffentlicht. Im Rahmen der Beschlagnahmungsaktionen „Entartete Kunst“ wurden 1937 auch einige Werke von ihm konfisziert und zerstört, darunter drei Gemälde, fünf Aquarelle und drei Druckgrafiken.[15] In der gleichen Zeit kauften Museen aber auch Zeichnungen von Hegenbarth an, so in Breslau und Görlitz (1938, 1941), Duisburg (1935, 1941, 1943), Bautzen, Dessau, Mannheim, Wuppertal (jeweils 1942), Nürnberg (1942, 1943) und Wien (1943, 1944). Hegenbarths Kunstauffassung war von der der Nationalsozialisten weit entfernt, dennoch konnte er eingeschränkt publizieren, sich auf Ausstellungen zeigen und war nicht verfemt. Immer wahrte er in seiner eigentlich unpolitischen Haltung Distanz zu den Machthabern. „Hegenbarth“, so die Kunsthistorikerin Ingrid Koszinowski, „ist ein Künstler der leisen satirischen Töne, ein Zeichner, der beobachtet und notiert, gleichsam absichtslos, was er gesehen hat: Bilder der Wirklichkeit zwischen Satire und Groteske.“[16][17]

In der Zeit nach 1933 entstanden viele Illustrationen: zu den Fabeln des Äsop, zu Münchhausen und zu Karl Mays „Der Schatz im Silbersee“  1935, zu den Märchen von Musäus, zum Walthari-Lied und zum Nibelungenlied 1937, zu dem Jugendbuch „Die einsame Herde“ von Christian Munk (Pseudonym für Günther Weisenborn) 1938, zu Kinderliedern „Des Knaben Wunderhorn“ und zu Grillparzer 1939, zu Grimms Märchen, Erzählungen von Flaubert und von E.T.A. Hoffmann und zu Wielands „Wintermärchen“, zu Victor Hugos „Arbeiter des Meeres“ (verschollen) 1940, zum Till Eulenspiegel und zu E.T.A. Hoffmanns „Kater Murr“ 1941, zum „Fräulein von Scuderie“, zum „Wirtshaus im Spessart“ und anderen Erzählungen von Wilhelm Hauff, zum „Michael Kohlhaas“ und anderen Erzählungen von Heinrich von Kleist, zum „Wehrwolf“ von Hermann Löns 1943 und zu Goethes „Reineke Fuchs“ 1944. Außer Munks Jugendbuch und Löns‘ „Wehrwolf“ ist von den hier erwähnten Titeln in dieser Zeit nichts publiziert worden.

Künstlerische Tätigkeit nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hegenbarth-Ausstellung 1970

Nach seiner Rückkehr nach Dresden im Oktober 1945 erhielt Josef Hegenbarth 1946 eine Anstellung an der Hochschule für Werkkunst unter dem Rektorat von Will Grohmann sowie im April 1947 eine Professur für Malerei an der Hochschule für Bildende Künste, die er bis 1949 wahrnahm.[18] Einige Bindungen zu seinen Schülern blieben bis an sein Lebensende erhalten. In der Nachkriegszeit beteiligte er sich an wichtigen Kunstausstellungen, die der deutschen Gegenwartskunst gewidmet waren: Dresden 1946 "Allgemeine Deutsche Kunstausstellung", Augsburg 1947 "Künstler der Ostzone", Baden-Baden 1947 "Deutsche Kunst der Gegenwart", Köln 1949 "Deutsche Malerei und Plastik der Gegenwart" und im selben Jahr in den weiteren Städten München "Kunstschaffen in Deutschland", London "Modern German Prints and Drawings" und Zürich "Kunst in Deutschland 1930-1949".

In Halle/Saale richtete der Museumsleiter und Kunsthistoriker Gerhard Händler 1948 Josef Hegenbarth eine große Werkschau ein, bevor er selbst 1949 nach Duisburg ging und als Direktor das Lehmbruck-Museum übernahm. Auch Will Grohmann widmet Hegenbarth 1948 eine Monographie, die in Potsdam erschien.[19]

Von 1946 bis 1950 arbeitete Hegenbarth regelmäßig für den Berliner „Ulenspiegel“ und wenige Male für den Münchner „Simpel“. Die unmittelbare Nachkriegszeit erlebte er als einen befreienden Aufbruch. Er wurde in Zeitschriften und Beiträgen von Kunsthistorikern anerkannt, viele Galerien und Kunstvereine zeigten seine Werke, Verlage und Verleger in Ost- und Westdeutschland erteilten ihm Illustrationsaufträge. In der großen Anzahl der entstandenen freien Blätter und Illustrationen wird seine ungebrochene und erneuerte Schaffenskraft deutlich, und er war der einzige deutsche Künstler, der in dieser Zeit gleichermaßen in der DDR und Bundesrepublik präsent war. Dies wird auch in den Ehrungen deutlich, die er in dieser Zeit erhielt, wie den Nationalpreis der DDR 2. Klasse 1954. Im Jahr darauf wurde er korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie der Künste, 1956 Außerordentliches Mitglied der Berliner Akademie der Künste und 1960 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Die literarische Illustration und biblische Themen blieben bis zu seinem Tod sein zeichnerischer Schwerpunkt. Der Architekt Hans Schwippert und Heinz Endres, Dompfarrer der St.-Hedwigs-Kathedrale Berlin, beauftragten Josef Hegenbarth mit seinem letzten großen Auftrag: Für die neugeschaffene Unterkirche schuf er 14 schwarzweiße Pinselzeichnungen, die die Kreuzwegstationen Christi zeigen. Es ist das einzige Werk, das Hegenbarth als Teil eines Gesamtkunstwerks und zur dauerhaften Anschauung im öffentlichen Raum konzipierte.

Grab von Josef Hegenbarth auf dem Loschwitzer Friedhof

Im Herbst 1961 machte sich eine schwere Erkrankung bemerkbar, die seine Arbeitsintensität beeinträchtigte. Am 25. Juli 1962 entstand ein letztes Blatt – „Nächtliche Überfahrt“ – als eine freie Zeichnung in mehreren Fassungen zur „Legende von Sankt Julian dem Gastfreien“, die ihn durch vier Jahrzehnte begleitet hatte. Noch am gleichen Tag begab er sich zu einer Bluttransfusion ins Krankenhaus und niemand dachte an eine ernste Gefahr. Am folgenden Tag bat er seine Frau ihm Zeichenutensilien zu bringen, doch er starb unerwartet am 27. Juli 1962.

Sein Wohnhaus, das seine Witwe dem Dresdener Kupferstichkabinett vermachte, ist heute mit seiner Atelier-Wohnung Museum und mit den übrigen Räumen Ausstellungsraum des Josef-Hegenbarth-Archivs. Hegenbarths künstlerisch gestaltetes Grab, das er selbst entworfen hat, befindet sich auf dem Loschwitzer Friedhof.

Hegenbarths Neffe ist der als Hannes Hegen bekannte Comiczeichner Johannes Hegenbarth (1925–2014), mit der Schauspielerin Wolke Hegenbarth ist er ebenfalls entfernt verwandt.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Werkverzeichnis der Handzeichnungen Josef Hegenbarths gibt einen Überblick über ca. 17.730 Blätter. Es handelt sich dabei um Arbeiten, die sich in öffentlich zugänglichen Sammlungen sowie in Privatbesitz befinden.[20] Sie sind in sieben thematische Sujets kategorisiert:

  • I. Bibel (273 Blätter)
  • II. Menschen (1211 Blätter)
  • III. Szenen (2182 Blätter)
  • IV. Zirkus (716 Blätter)
  • V. Tiere (1766 Blätter)
  • VI. Märchen (2440 Blätter)
  • VII. Weltliteratur (9144 Blätter)

Die Illustrationszeichnungen zu Märchen und Weltliteratur machen zwei Drittel von Hegenbarths gesamtem Schaffen aus. Eine chronologische Übersicht über alle veröffentlichten literarischen Illustrationen Hegenbarths ist im Werkverzeichnis einsehbar.[21]

Hegenbarth beherrschte verschiedene Zeichen- und Maltechniken: Öl- und Leimfarbenzeichnungen sowie die Aquarellzeichnungen nehmen nur einen kleinen Teil ein. Am häufigsten zeichnete er mit Feder und Pinsel in Farbe oder schwarzweiß. Hierin zeigt sich Hegenbarths besondere Virtuosität und seine ganz eigene Ausdrucksweise.

Eine Übersicht über seine Radierungen und Lithographien, mit der er sich vor allem in der Frühphase beschäftigte, steht bislang noch aus. Eine gute Übersicht bieten zwei Ausstellungskataloge.[22][23]

Mitgliedschaften und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hegenbarth wurde Mitglied und später auch Juror im Vorstand des Verbandes Künstlervereinigung Dresden, an deren Ausstellungen er bis 1939 teilnahm. Im Jahr 1926 wurde er Mitglied der Wiener Secession und 1929 Mitglied der Prager Secession.[24] Dem Deutschen Künstlerbund trat er ebenfalls bei und war in zahlreichen Ausstellungen ab 1952 auch auf allen großen westdeutschen Jahresausstellungen vertreten.[25] Des Weiteren war er Ehrenmitglied im Verband Bildender Künstler der DDR.[26]

1954 wurde Hegenbarth der Nationalpreis der DDR II. Klasse für seine Illustrationen zu Gogols Die toten Seelen und zu Reineke Fuchs verliehen. Seit 1955 war er korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie der Künste Berlin (Ost). Ein Jahr später wurde er zum außerordentlichen Mitglied der Akademie der Künste Berlin (West) ernannt und 1960 zum Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München. Ein Jahr vor seinem Tod, 1961, erhielt er die Ehrenmitgliedschaft der Maximiliansgesellschaft für alte und neue Buchkunst.

Hegenbarths Zeichnungen und von ihm illustrierte Werke wurden posthum in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland ausgestellt und gewürdigt, u. a. 1964 auf der documenta III in Kassel sowie unter anderem in Linz (1962, 1975), London (1971), Prag (1963, 1976, 1981) und Wien (1975).

Aktuelle Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Josef Hegenbarths Schüler waren unter anderen Alexander Alfs, Wolfgang Beier, Robert Diedrichs, Heinz Drache, Heinz Hausdorf, Margarete Jahny und Ernst Lewinger.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Josef Hegenbarth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hegenbarth, Josef: Autobiographische Skizze. Beiträge zur sudeten-deutschen Kunstgeschichte. Folge 2. Böhmisch-Kamnitz 1934, S. 1.
  2. Gülden, Josef: Alles ist durch das Wort geworden - auch in mir. Josef Hegenbarth. Hrsg.: Katholisches Hausbuch. 1967, S. 22–25.
  3. Archiv Nationalgalerie Prag (ANG), Fond MG/Moderne Galerie. Sign. AA 1362/2/78.
  4. Löffler, Fritz: Josef Hegenbarth. VEB Verlag der Kunst, Dresden 1980, S. 6 f.
  5. Löffler, Fritz: Josef Hegenbarth. VEB Verlag der Kunst, Dresden 1980, S. 8 f.
  6. Löffler, Fritz: Josef Hegenbarth. VEB Verlag der Kunst, Dresden 1980, S. 9 f.
  7. R[udolf] H[önigschmid]: Zu unsern Bildern. In: Deutsche Arbeit. Monatsschrift für das geistige Leben der Deutschen in Böhmen 17 (1917/18), Heft 8, S. 336.
  8. Gäbler, Lutz: Wiedereröffnung des Hegenbarth-Hauses. In: Dresdner Kunstblätter 43 (1999), S. 70.
  9. Günther, Daniela / Schnitzer, Claudia: Eine Liebe am Elbhang - Johanna und Josef Hegenbarth. Dresden 2013.
  10. Löffler, Fritz: Josef Hegenbarth. VEB Verlag der Kunst, Dresden 1980, S. 15.
  11. Orlikowa, Diana: Josef Hegenbarth 1884-1962. Ausstellungskatalog. Cheb/Eger/Liberec (Reichenberg) 2003, S. 75.
  12. Bibliographie der Ausstellungskataloge im Werkverzeichnis. Abgerufen am 26. April 2018.
  13. "Der Unglückswurm"
  14. o. V.: Querschnitt durch die "Jugend". In: Schutzstaffel der NSDAP (Hrsg.): Das schwarze Korps. Jg. 2 (1936), H. 43, S. 14.
  15. Beschlagnahme-Inventar "Entartete Kunst". Abgerufen am 26. April 2018.
  16. Koszinowski, Ingrid: Zwischen Karikatur und Groteske – Bilder der Wirklichkeit. In: Ulrich Zesch (Hrsg.): Der Illustrator Josef Hegenbarth (1884–1962). Zeichnungen, farbige Blätter, Grafiken und illustrierte Bücher. Edition Cantz, Stuttgart 1987, S. 83.
  17. Jessewitsch, Rolf/Schneider, Gerhard (Hrsg.): Verfemt – Vergessen – Wiederentdeckt. Kunst expressiver Gegenständlichkeit aus der Sammlung Gerhard Schneider, Köln 1999, S. 442.
  18. Rudert, Konstanze: Im Netzwerk der Moderne. Kirchner, Braque, Kandinsky, Klee, Richter, Bacon, Altenbourg und ihr Kritiker Will Grohmann. Hrsg.: Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Dresden 2012, S. 160, 366 f.
  19. Grohmann, Will: Josef Hegenbarth - 58 Bilder und Zeichnungen. Mit einem Text von Will Grohmann. Hrsg.: Adolf Behne. (Kunst der Gegenwart). Potsdam 1948.
  20. Herausgegeben vom Kupferstich-Kabinett in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und Familienstiftung Ruth Merckle, bearbeitet von Ulrich Zesch (Stand 19. Juni 2017)
  21. Josef Hegenbarth Werkverzeichnis der Handzeichnungen
  22. Lieselotte Honigmann-Zinserling (Hrsg.): Josef Hegenbarth. Werke aus dem Nachlass. Weimar 1980.
  23. Bärbel Zausch (Hrsg.): Josef Hegenbarth. Zuschauer des Lebens. Werke von 1915-1962 aus den Sammlungen der Staatlichen Galerie Moritzburg Halle Landeskunstmuseum Sachsen-Anhalt. Halle/S 1996. ISBN 3-86105-141-9
  24. Fritz Löffler: Josef Hegenbarth, VEB Verlag der Kunst, Dresden 1980, S. 11f.
  25. kuenstlerbund.de: Archiv seit 1950 / Ausstellungen (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kuenstlerbund.de (abgerufen am 17. August 2015)
  26. Fritz Löffler: Josef Hegenbarth, VEB Verlag der Kunst, Dresden 1980, S. 15 und S. 86.
  27. Kleiner Muck und Kalif Storch – Hegenbarth illustriert Hauffs Märchensammlung „Die Karawane“ (Memento des Originals vom 26. Juli 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.skd.museum auf skd.museum/de, abgerufen am 26. Juni 2017