Kurfürstliches Schloss zu Kärlich

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Kurfürstliches Schloss zu Kärlich

Das Kurfürstliche Schloss zu Kärlich, auch Kärlicher Jagdschloss, wurde von 1654 bis 1660 unter dem Trierer Kurfürsten Karl Kaspar von der Leyen bei dem Ort Kärlich errichtet. Das hauptsächlich als Jagdschloss genutzte Gebäude samt seinen Gartenanlagen wurde 1794 durch französische Revolutionstruppen zerstört.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kärlicher Jagdschloss geht auf eine Wasserburg aus dem 14. Jahrhundert zurück, die vermutlich unter Balduin von Luxemburg angelegt worden war. Erzbischof Johann II. von Baden ließ sie nach 1550 zu einem Jagdschloss umbauen. Nach dessen Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg erfolgte gut ein Jahrhundert später, von 1654 bis 1660, unter Karl Kaspar von der Leyen der Neubau eines repräsentativen Wasserschlosses. Clemens Wenzeslaus von Sachsen, der das Schloss wohl häufig besuchte, ging am 21. Oktober 1792 von hier aus vor den anrückenden französischen Revolutionstruppen zunächst nach Bonn, kehrte noch einmal zurück und floh am 5. Oktober 1794 nach Augsburg. Die französischen Truppen unter General François Séverin Marceau zerstörten am 22./23. Oktober 1794 das Schloss und den umgebenden Park; die Ruinen dienten den Kärlicher und Mülheimer Bürgern zur Gewinnung von Baumaterialien. Das Schloss stand wenige Meter südlich der heutigen Grundschule Kärlich. 1804 versteigerte der französische Staat die Ländereien an vier Einheimische.

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grundriss des Schlosses war quadratisch, die Länge der Seiten betrug 23 Meter. An den Ecken des Quadrats befand sich jeweils ein barockes Türmchen sowie ein weiterer quadratischer Turm in der Mitte des Gebäudes. Das Schloss hatte drei Geschosse mit zahlreichen Sälen und Zimmern sowie im dritten Stock einer kleinen Kapelle. Den das Schloss umgebenden, ca. 20 Meter breiten Wassergraben ließ Clemens Wenzeslaus 1778 wegen der von ihm ausgehenden „Ungesundheit“ verfüllen.

Der Schlossgarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein erster Garten entstand schon zur Zeit des Schlossneubaus unter Karl Kaspar von der Leyen. Über diese Anlage ist allerdings nur wenig bekannt. 1722 wurde eine Orangerie erbaut. Erst Clemens Wenzeslaus forcierte den Ausbau des Parks. Nach 1783 entstand so unter Joseph Heinrich Freiherr von Thünnefeld ein englischer Garten. Nach und nach wurden verschiedene Gebäude in die Parklandschaft gebaut, so z. B. ca. 1788 ein Tempietto nach Plänen von Johann Andreas Gärtner oder um 1790 ein klassizistischer Tempel (bzw. Pantheon) von François Ignace Mangin.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Die Kunstdenkmäler des Landkreises Koblenz, hrsg. von Paul Clemen und Walther Zimmermann, Düsseldorf 1944, unveränderter Neudruck 1981, S. 154–157 (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Sechzehnter Band. 3. Abteilung).
  • Winfried Henrichs: Das ehemalige kurfürstliche Schloß in Kärlich und sein Garten, in: Mülheim-Kärlich, hrsg. von Winfried Henrichs, Andernach 1981, S. 88–96.
  • Andreas Göller: Der kärlicher Schlosspark im 18. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Gartenkunst in Kurtrier, in: Koblenzer Beiträge zur Geschichte und Kultur, Neue Folge 9/10, hrsg. vom Görres Verlag Koblenz, Koblenz 2002, S. 7–22.