Poppelsdorfer Schloss

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Poppelsdorfer Schloss, Alleeseite
Poppelsdorfer Schloss vom Eingang des Botanischen Gartens aus gesehen
Poppelsdorfer Schloss, Luftaufnahme aus nördlicher Richtung
Blick auf das Schloss über die Poppelsdorfer Allee
Einnahme des Vorgängerbaus, der Poppelsdorfer Burg, 1583 (Radierung: Frans Hogenberg)
Illustration von Johann Andreas Ziegler, 1792

Das Poppelsdorfer Schloss ist ein Barockschloss im Bonner Ortsteil Poppelsdorf.

Schlossbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Poppelsdorfer Schloss ist der Nachfolgebau einer im Truchsessischen Krieg 1583 zerstörten gotischen Wasserburg und wurde von 1715 (Grundsteinlegung 21. August) bis 1740 geplant und errichtet. Architekt war der Franzose Robert de Cotte. Bauherren waren der Kölner Kurfürst Joseph Clemens und sein Neffe und Nachfolger Clemens August, der es nach Plänen von Balthasar Neumann erweitern ließ. Nach seinen Bauherren wurde es auch Schloss Clemensruhe genannt.

Umgebung des Schlosses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Richtung Rhein ist als Verbindung und Sichtachse zum Kurfürstlichen Schloss, dem heutigen Hauptgebäude der Universität Bonn, die Poppelsdorfer Allee angelegt. Ursprünglich sollte dort ein Kanal verlaufen, der wegen Wassermangels nicht realisiert wurde. In Verlängerung der Sichtachse in der entgegengesetzten Richtung liegt die barocke Kirche auf dem Kreuzberg. Das Poppelsdorfer Schloss steht gemeinsam mit der Poppelsdorfer Allee, dem Botanischen Garten und einem Wachhäuschen als Baudenkmal unter Denkmalschutz.[1]

Das Schloss in der Preußenzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter der Herrschaft der Preußen wurden 1818 das Schloss und auch der angrenzende Park zum Eigentum der Universität. Noch im selben Jahr wurde der Park zum Botanischen Garten Bonn umgestaltet, der heute auf 6,5 Hektar Fläche mit elf Gewächshäusern etwa 8.000 verschiedene Pflanzen zeigt. 1863 erhielt der berühmte Chemiker A. W. Hofmann einen Ruf nach Bonn und man ließ dafür das Poppelsdorfer Schloss nach seinen Plänen zu einem chemischen Institut umbauen.[2] Letztlich lehnte Hofmann den Ruf an die Universität Bonn ab und nahm stattdessen 1864 den Ruf an die immens umgebaute Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin an.

Die Gewächshäuser des Botanischen Gartens wurden im Winter 1944/45 stark zerstört, rund zwei Drittel des Schlosses fielen dem großen Bombenangriff auf Bonn im Februar 1945 zum Opfer. Der gesamte westliche Teil von der Schlosskapelle bis zum sog. Grottensaal von 1756, der bis dahin fast hundert Jahre Ausstellungsraum des Mineralogischen Museums im Nordwestflügel gewesen war, wurden bis auf die Grundmauern vernichtet. Lediglich der Nordturm blieb unbeschädigt, in dem Gottfried und Johanna Kinkel gewohnt und 1840 den Maikäferbund gegründet hatten. Mit dem Wiederaufbau des Arkadenrundhofs wurde ab dem Spätsommer 1949 unter der Leitung des Oberbaurates Bernhard Gelderblom begonnen.[3]

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute sind im Schloss neben dem wiedererbauten Mineralogischen Museum der Universität Bonn verschiedene naturwissenschaftliche Einrichtungen wie Teile des Steinmann-Instituts für Geologie, Mineralogie und Paläontologie, das Institut für Zoologie und das Institut für Molekulare Physiologie und Entwicklungsbiologie. Zeitweilig untergebracht waren dort Teile von LIMES (Life and Medical Sciences Bonn), welche jedoch nach Fertigstellung eines eigenen Gebäudes im Jahr 2010 in dieses umgezogen sind. Im Innenhof finden in der Sommersaison allsamstäglich die Poppelsdorfer Schlosskonzerte statt, die von der Klassischen Philharmonie Bonn unter der Leitung von Heribert Beissel aufgeführt werden.

Weitere Schlossbauten Clemens Augusts I.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der den Schlossbau vollendende Kurfürst Clemens August I. ließ neben dem Poppelsdorfer Schloss (1715–1740) das nicht mehr vorhandene Schloss Herzogsfreude als Jagdschloss im heutigen Bonner Stadtteil Röttgen (1753–1755), die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl (1723–1746) als Jagd- und Sommerschlösser, das Schloss Clemenswerth im emsländischen Sögel (1737–1747) und das nur teilweise verwirklichte Schloss Liebenburg bei Goslar (1754–1760) bauen. Daneben ließ er im Zeitraum 1751–1757 durch den Bonner Baumeister Michel Leveilly nach Plänen von François de Cuvilliés dem Älteren das Kurfürstliche Schloss um das Koblenzer Tor erweitern.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wend Graf Kalnein: Das kurfürstliche Schloß Clemensruhe in Poppelsdorf. Ein Beitrag zu den deutsch-französischen Beziehungen im 18. Jahrhundert. (= Bonner Beiträge zur Kunstwissenschaft, Band 4.) Düsseldorf 1956.
  • Georg Satzinger (Hrsg.): Schloss Clemensruhe in Bonn-Poppelsdorf. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 2011.
  • Helga Stoverock: Der Poppelsdorfer Garten. Vierhundert Jahre Gartengeschichte. Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Bonn 2001. (urn:nbn:de:hbz:5-02427).
  • Alexander Thon, Stefan Ulrich: „... wie ein Monarch mitten in seinem Hofstaate thront“. Burgen am unteren Mittelrhein. Schnell & Steiner, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7954-2210-3, S. 120–123. (zur Vorgängeranlage Burg Poppelsdorf)
  • Andreas Denk, Ingeborg Flagge: Architekturführer Bonn. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-496-01150-5, S. 24.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Poppelsdorfer Schloss – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmalliste der Stadt Bonn, S. 45, Nummer A 472
  2. "Alte Chemie" im Poppelsdorfer Schloß
  3. Wolfgang Alt et al.: Die Reihe Archivbilder. Bonn-Poppelsdorf, Sutton Verlag, Erfurt 2005. ISBN 3-89702-880-8 (S.113f Schloss und Campus Poppelsdorf)

Koordinaten: 50° 43′ 30″ N, 7° 5′ 32″ O