Burg Rolandseck

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Burg Rolandseck
Rolandsbogen um 1900

Rolandsbogen um 1900

Entstehungszeit: 1122 (1040)
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Rolandsbogen
Ständische Stellung: Klerikale
Ort: Remagen-Rolandswerth
Geographische Lage 50° 38′ 26,2″ N, 7° 12′ 8″ OKoordinaten: 50° 38′ 26,2″ N, 7° 12′ 8″ O
Höhe: 150 m ü. NN
Burg Rolandseck (Rheinland-Pfalz)
Burg Rolandseck
Rolandsbogen und Umgebung um 1900

Die Burg Rolandseck im Remagener Stadtteil Rolandswerth war eine Höhenburg am Rhein, deren erhaltene Ruine Rolandsbogen genannt wird. Im Jahr 1040 wurde sie erstmals als Rulcheseck (Ruolechereck)[1] erwähnt. Die Burg wurde 1122 durch Erzbischof Friedrich I. von Köln zusammen mit dem Frauenkloster Nonnenwerth erbaut. Möglicherweise bestand ein Vorgängerbau seit 1040.

Die Ruine der Burg Rolandseck (Burg Rulcheseck) liegt am steilen Abhang des Rodderberges auf etwa 150 m.ü NN oberhalb des Rheintales und diente zusammen mit den fast direkt gegenüberliegenden Burgen Drachenfels und Wolkenburg der Sicherung der Südgrenze des geschlossenen Territoriums des Erzstifts Köln im 12. Jahrhundert. Im 14. Jahrhundert wandelte sich der alte Namen in den heutigen.

1475 im Burgundischen Krieg zerstört, wurde sie wieder errichtet und im Dreißigjährigen Krieg um 1632 von den Schweden schwer beschädigt und verfiel zur Ruine. Diese stürzte am 19. Februar 1673 bei einem Erdbeben bis auf ein letztes Burgfenster, den sog. Rolandsbogen, ein.

Um die Burg rankt sich die Rolandssage in einer mittelhochdeutschen Variante, gemäß derer Ritter Roland von hier stammt und eine trauernde Hildegunde vom Drachenfels zurücklässt, die daraufhin ins Kloster Nonnenwerth eintritt − ungeachtet des Umstandes, dass die Rolandfigur als Vasall Karls des Großen im 8. Jahrhundert zu verorten ist, also gut 300 Jahre vor dem Bau von Burg und Kloster.

Einsturz des Bogens 1839[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemälde von Andreas Achenbach, 1834

Bergkegel und Burgbogen kamen 1836 in den Besitz des Großherzogtums Hessen-Darmstadt. Der Rolandsbogen, das verbliebene Burgfenster der Burg Rolandseck, wurde zu einem Wahrzeichen der Rheinromantik des 18./19. Jahrhunderts im Bonner Raum. Als er am 28. Dezember 1839 einstürzte, gab der Dichter Ferdinand Freiligrath, der von 1839 bis 1841 in Unkel wohnte, durch seinen Spendenaufruf in der Kölnischen Zeitung den Anstoß zum Wiederaufbau. Er wurde dafür 1914 mit dem Freiligrath-Denkmal am Fußweg vom Rheintal zum Rolandsbogen geehrt. Mittels der Spenden konnte der Bogen bereits 1840 wieder aufgebaut werden. Die Pläne zum Wiederaufbau steuerte der Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner bei.

Tempelchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf das Siebengebirge mit Tempelchen

Auf einem Felsvorsprung unterhalb des Bogens baute der Kölner Fabrikant Johann Jakob vom Rath (1792–1868[2]) 1845 einen siebeneckigen Aussichtspavillon, genannt Tempelchen.[3] Vom Rath konnte den Rolandsbogen selbst nicht erwerben. Er beabsichtige daher, mit dem Bau des Tempelchen und des auf dem Rodderberg von ihm 1848 errichteten „Rath'schen Turms“ (Humboldtsturm) die Attraktion des Rolandsbogens noch zu übertreffen. Die siebeneckige Form ist an freimaurerische Symbolik angelehnt[4] und geht auf Pläne des ehemaligen Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner zurück, der auch die Apollinariskirche (Remagen) erbaut hatte.[5] Das Tempelchen wurde 1931 wegen Gefährdung der Bahngleise mit der Option abgetragen[6], es später an einem anderen Ort wieder zu errichten. Es soll 2016 wieder am alten Ort aufgebaut werden.[7]

Humboldtsturm (Rathsturm), Luftaufnahme (2015)

Gastronomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1894 ist auf dem Hochplateau am Rolandsbogen ein Erfrischungskiosk dokumentiert. Erster Betreiber war Peter-Josef Lenz. 1928/29 ließ der Sohn des bisherigen Betreibers mit Finanzmitteln von Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt nach Plänen des Mehlemer Architekten Peter Wald einen den damaligen Verhältnissen entsprechend modernen Restaurationsbetrieb errichten; der Neubau wurde am 6. Mai eingeweiht und die Gaststätte am 8. Mai 1929 eröffnet.[8] 1965 wurde von Heinrich Böhm ein kleiner Rebhang rund um das Gebäude angelegt. Von 1965 bis 1995 betrieb das Ehepaar Heinrich Böhm und Ursula Böhm das Restaurant, das 1990 von Heinrich Böhm erworben wurde. [9]

Von der Außenterrasse bietet sich eine gute Aussicht auf das Rheintal, insbesondere auf das Siebengebirge mit Drachenfels und Petersberg im Norden, mit Bad Honnef und den vorliegenden Inseln Grafenwerth und Nonnenwerth im Osten sowie rheinaufwärts Richtung Unkel und Oberwinter im Süden.

Der Ort hatte mehrfach prominenten Besuch. 1903 verlobte sich Konrad Adenauer hier.[10] Im Juni 1999 (G8-Gipfel in Köln) empfing Bundeskanzler Gerhard Schröder hier den US-amerikanischen Präsidenten Bill Clinton zu einem Dinner.[11]

Rolandsbogen (2009)
Rolandsbogen (2011)

Im Dezember 2001 zerstörte ein Brand das Restaurant.[12] Ende 2007 stand das Restaurant vor dem Aus. Die Kosten für die Pflege und den Erhalt der Burgruine waren durch den Betrieb des Restaurants nicht zu erwirtschaften.[13] Anfang 2008 erwarb ein Investor den Berg mit der Burgruine. Mit dem Ausscheiden des letzten Familienmitglieds aus der Geschäftsführung im Jahr 2009, Frank Böhm, endete die 1894 begonnene Familientradition Lenz/Böhm.

Das Restaurant wurde 2008 von Jörg Haas erworben.[14] Das Restaurant wurde 2009 grundlegend saniert und wird mit einer heimatverbundenen Küche bewirtschaftet.[15] Im Juli 2012 pachtete das Berliner Gastronomieunternehmen Lutter & Wegner den Betrieb des Restaurants und baute den Gastraum nochmals um. Gleichzeitig wurde die Neugestaltung der Außenterrasse mit einem 160 m² großen Wintergarten aus Glas 2013 abgeschlossen.[16]

Sanierung und Neuausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Burgruine sowie das Umfeld wurde eine langfristig ausgerichtete Sanierungsplanung entwickelt. Planung und Umsetzung erfolgen in Abstimmung mit der Stadt Remagen, dem Landkreis Ahrweiler, den Denkmalbehörden sowie den Fördervereinen. Die Sanierung des Freiligrathdenkmals am historischen Aufstieg (historischer Postweg) wurde im Jahr 2011 durchgeführt.

Der einsturzgefährdete und efeubewachsene Rolandsbogen wurde 2010 bis 2011 grundlegend saniert.[17] Das äußere Erscheinungsbild des Rolandsbogens hat sich nach der vollendeten Sanierung durch seine Befreiung vom Efeu verändert.[18] Im September 2012 wurden der obere Teil des Treppenaufgangs zur Aussichtsterrasse sowie der Vorplatz des Bogens erneuert.[19] Außerdem konnten im Freiligrathsaal Teile der romanischen Burgmauer, der ursprünglichen Oberburg, freigelegt und saniert werden. Es handelt sich wahrscheinlich um originale Mauerteile aus dem 12. Jahrhundert.

Im Juli 2013 wurde der Rolandsbogen in das bundesweite Förderprogramm National wertvolle Kulturdenkmäler aufgenommen.[20]

Luftaufnahme des Rolandsbogens
Rolandsbogen, Einsturz der Südmauer 2015

2014 konnte die Zuwegung aus dem ehemaligen Burggraben erneuert und am Eingang zur ehemaligen Vorburg eine Aussichtsplattform mit Bänken errichtet werden. Ebenfalls wurde der südöstliche historische Burgweg unterhalb der imposanten Burgmauern wiederhergestellt, aber aus Sicherheitsgründen noch nicht für die Öffentlichkeit freigegeben. Zunächst werden seit Frühjahr 2015 die bis zu 12 Meter hohen südlichen Burgmauern der Vorburg, etwa 900 Jahre alte Trockenmauern, saniert. Die Sanierungsarbeiten werden erschwert, da sich die Burgruine in einem Landschaftsschutzgebiet befindet und die Sanierungsarbeiten nur in wenigen Monaten im Jahr durchgeführt werden dürfen. Zudem stürzten am 29. Januar 2015 ein Teil der südlichen Burgmauer und ein durch diese talseitig begrenztes Podest des Treppenaufgangs zum Plateau ein, sodass der einzige Zuweg zum Rolandsbogen zeitweise gesperrt war.[21][22] Der Rolandsbogen war anschließend nur über eine als Provisorium dienende Bautreppe zu erreichen, bis der alte Zugang durch Errichtung einer neuen Betonmauer im März 2016 wiederhergestellt war. Diese soll noch bis Herbst 2016 dem Erscheinungsbild der alten Burgmauer folgend mit Bruchstein verkleidet werden.[23]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ansgar Sebastian Klein: Ferdinand Freiligrath, Ernst Friedrich Zwirner und der Wiederaufbau des Rolandsbogens. In: Kölner Domblatt. 75, 2010, S. 226–259.
  • Ansgar Sebastian Klein, Alexander Thon: Burgruine Rolandseck und Rolandsbogen. Regensburg 2010, ISBN 978-3-7954-6820-0.
  • Kurt Roessler: Rolandsbogen. Die lyrische Landschaft des Rheins. Geschichte und Gedichte der Burg Rolandseck seit 1122. Ein Neues Rolandsalbum. Edition Rolandsbogen, Bonn 2010, ISBN 978-3-935369-21-3.
  • Kurt Roessler: Die Mauern der Burg Rolandseck. Edition Rolandsbogen, Bonn 2011, ISBN 978-3-935369-24-4.
  • Josef Ruland: Der Rolandsbogen in Remagen-Rolandseck. Zur Wiedererrichtung vor 150 Jahren. 1. Aufl. RVDL, Köln 1990. (Rheinische Kunststätten, Heft 359)
  • Alexander Thon: … daz man furbaz kein borg laz gebowen. Anmerkungen zur Geschichte von Burg Rolandseck über (Remagen-)Rolandseck bis zu ihrem Untergang im 17. Jahrhundert. In: Analecta Coloniensia. 9, 2009, S. 151–192.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rolandsbogen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ein böhmischer Maler erlebt den Rhein
  2. Hans Kleinpass: Die Straßennamen der Gemarkung Mehlem – 4. Teil: Rheinufer bis Schützengraben. In: Godesberger Heimatblätter: Jahresheft des Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg, Heft 27/1989, Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V., ISSN 0436-1024, S. 38–59 (hier: S. 48).
  3. Abbildung auf Flickr
  4. REIN! ZEITSCHRIFT FÜR WORTE, BILD UND KLANG Nr.2S, Januar 2013
  5. Kurt Roessler: Rolandsbogen. Die lyrische Landschaft des Rheins. Geschichte und Gedichte der Burg Rolandseck seit 1122. Ein Neues Rolandsalbum. Edition Rolandsbogen, Bonn 2010, ISBN 978-3-935369-21-3. Kurt Roessler: Die Mauern der Burg Rolandseck. Edition Rolandsbogen, Bonn 2011, ISBN 978-3-935369-24-4.
  6. Rolandswerth.de Historie
  7. Millionen für den Rolandsbogen
  8. Hans Kleinpass: Die Straßennamen der Gemarkung Mehlem – 4. Teil: Rheinufer bis Schützengraben. In: Godesberger Heimatblätter: Jahresheft des Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg, Heft 27/1989, Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V., ISSN 0436-1024, S. 38–59 (hier: S. 48 f.).
  9. mündl. Bericht, Heinrich Böhm, (geb. 21. März 1932) am 13. Dezember 2014
  10. Verlobung Adenauer 1903
  11. Die aktuelle Chronik aus Kreis und Gemeinden. In: Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 2000. 58. Jahrgang, S. 27.
  12. Feuer im Restaurant Rolandsbogen. Generalanzeiger Bonn vom 3. Januar 2002
  13. Für den Rolandsbogen wird ein Käufer gesucht, General-Anzeiger, 5. September 2007
  14. [1]
  15. Rettung für den Rolandsbogen, Kölner Stadt-Anzeiger, 7. Dezember 2009
  16. Aussichtsterrasse erhält eine Glas- und Stahlkonstruktion, General-Anzeiger, 6. April 2013
  17. Sanierungsarbeiten am Rolandsbogen, Presse Anzeiger, 4. Oktober 2010
  18. Sanierungsarbeiten am Bogen beendet, Presse Anzeiger, 24. November 2011
  19. Das Plateau des Rolandsbogens ist umgestaltet, General-Anzeiger, 18. Juni 2012
  20. Ein Schub für den Rolandsbogen, General-Anzeiger, 16. Juli 2013
  21. Lebensgefahr am Rolandsbogen, General-Anzeiger, 2. Februar 2015
  22. Einsturzstelle wird unter die Lupe genommen, General-Anzeiger, 4. Februar 2015
  23. Kreis gibt neue Treppe zum Rolandsbogen frei, General-Anzeiger, 19. März 2016