Kurt Leibbrand

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Kurt Leibbrand (* 19. Mai 1914 in Schmargendorf; † 21. Juli 1985 in Santo Domingo, Brasilien) war ein deutscher Bauingenieur und Verkehrsplaner.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachmann[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leibbrand studierte Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule Stuttgart und der Technischen Hochschule Berlin. In der Nachkriegszeit war er am Wiederaufbau der zerstörten Eisenbahnstrecken in Stuttgart beteiligt. In den Jahren 1948 bis 1949 arbeitete er als Oberbaurat in Stuttgart und als Dozent an der Technischen Hochschule Stuttgart und bei der Bundesbahndirektion Stuttgart. Im Jahre 1950 zog er nach Zürich, wo er ein Ingenieurbüro eröffnete. Um 1951 war er außerordentlicher Professor an der ETH Zürich[1], später ordentlicher Professor (NZZ). Ein anderes Büro unterhielt er auch in Frankfurt am Main.

Leibbrand war in den 1960er und 1970er Jahren einer der einflussreichsten Verkehrsplaner in Deutschland. Als „Karajan der Verkehrsplanung“ (Münchner Abendzeitung) oder „Europas Verkehrsplaner Nr. 1“ (Bild) arbeitete er für zahlreiche Städte sogenannte Generalverkehrspläne aus, unter anderem für Athen, Ankara, Den Haag, Basel, Zürich, Rom, in Deutschland Berlin, Bochum, Bonn, Bremerhaven, Münster und Wanne-Eickel.

Kriegsverbrecher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. Juli 1961 wurde Leibbrand im Auftrag des Stuttgarter Amtsgerichts auf dem Frankfurter Flughafen verhaftet – wegen des im Zweiten Weltkrieg im August 1944 von ihm, als Oberleutnant, erteilten Befehl, in Orange bei Avignon 28 italienische Hilfswillige der 6. Kompanie des Eisenbahn-Pionierregiment der 19. Armee mit Maschinengewehren erschießen zu lassen, nachdem sie beim Rückzug der Kompanie gemeutert haben sollen. Ein Kompanieoffizier beorderte die ahnungslosen „Hiwis“ mitten in der Nacht auf eine kleine Waldwiese, wo sie von MG-Schützen niedergemäht worden sind. Sechs von ihnen konnten sich in der Dunkelheit retten. Gemäss Spiegel-Bericht: 26 tot und fünf schwerverletzt.

Mangels Beweisen sprach das Stuttgarter Schwurgericht Leibbrand am 2. Oktober 1962 von der Anklage wegen Mordes frei. Darauf kehrte er nach Zürich zurück – aber nicht auf den Lehrstuhl, von dem er beurlaubt wurde. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hob das Urteil auf und wies den Fall zur Neubeurteilung an das Stuttgarter Gericht zurück. Am 10. Januar 1966 stand Leibbrand zum zweiten Mal in Stuttgart vor Gericht. Trotz der Anklage wegen Mordes und einer recht eindeutigen Beweislage wurde (siehe Die Zeit 9/1966) seine Tat als Totschlag gewertet und das Verfahren wegen Verjährung eingestellt.

Dieses Kriegsverbrechen beeinträchtigte Leibbrands weitere Karriere – insbesondere in der Schweiz – und warf einen Schatten auf sein Lebenswerk. Leibbrand verzichtete im Februar 1963 auf seine ETH-Professur[2], hat dem Druck der Öffentlichkeit nach und nach nachgegeben, und wanderte schliesslich im Juli 1966 von Zürich nach Brasilien aus (NZZ 18.7.16).

Werk (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1957: Verkehrsingenieurwesen – Städtische Verkehrsplanungen für Schiene und Straße, Birkhäuser Verlag, Basel und Stuttgart
  • 1961: Stadtbahn Frankfurt am Main, Planerische Gesamtübersicht "Leibbrand-Plan", Vergleich von Alweg-, Unterpflaster- und Tiefbahn für ein Verkehrsnetz in Frankfurt am Main, 2 Bände
  • 1964: Verkehr und Städtebau, Birkhäuser Verlag, Basel und Stuttgart
  • 1966: Verkehrsplanung der Stadt Selb, Überarbeitung mit Walter Gropius 1968
  • 1970: Gesamtverkehrsplan für Münster
  • 1972: Gesamtverkehrsplan Linz
  • 1975: Stadtplanung für Merzig

Er entwarf als Städteplaner und Verkehrsexperte zusammen mit Karl Gonser den Gonser’schen Verkehrsplan für die Stadt Heilbronn.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christhard Schrenk: Heilbronn. Planung des Wiederaufbaues der Altstadt. Heilbronn 1994, S. 99.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurt Leibbrand: Verkehrsplanung in Großstädten unter besonderer Berücksichtigung der Stuttgarter Innenstadt. In: Internationales Archiv für Verkehrswesen. Band 3, Nr. 21, 1951, S. 485–490.
  2. https://blogs.ethz.ch/digital-collections/2018/01/12/der-fall-kurt-leibbrand/