Life, Animated

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Film
Deutscher TitelLife, Animated
OriginaltitelLife, Animated
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2016
Länge 92 Minuten
Altersfreigabe FSK 0[1]
Stab
Regie Roger Ross Williams
Drehbuch Roger Ross Williams,
David Teague
Produktion Roger Ross Williams,
Julie Goldman
Musik Dylan Stark,
Todd Griffin
Kamera Thomas Bergmann
Schnitt David Teague
Besetzung

Life, Animated ist ein US-amerikanischer Dokumentarfilm von Roger Ross Williams, der am 23. Januar 2016 im Rahmen des Sundance Film Festivals seine Premiere feierte. Der Film erzählt die Geschichte von Owen Suskind, der bis zum Alter von drei Jahren ein ganz normaler Junge war, aber plötzlich eine Form von Autismus entwickelte und basiert auf dem gleichnamigen Buch, das sein Vater Ron Suskind darüber schrieb.

Handlung / Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Owen Suskind steht kurz davor, die elterliche Wohnung zu verlassen und in einem betreuten Wohnheim sein eigenes Apartment zu beziehen sowie seinen ersten Job zu bekommen. Was für andere völlig normal, war für ihn bislang unvorstellbar, denn der 23-jährige war zwar bis zum Alter von drei Jahren ein redseliger, ganz normaler Junge, dann aber plötzlich entwickelte er eine Form von Autismus. Owen zog sich in sich selbst zurück, sprach nicht mehr, und seine Eltern verloren jede Hoffnung, noch einmal eine richtige Beziehung zu ihrem Sohn aufbauen zu können.

Über Disney-Figuren wie Mogli konnten Owens Eltern mit ihrem autistischen Sohn kommunizieren

Dann aber entdeckte er animierte Filme für sich und fand insbesondere durch die Zeichentrick-Geschichten von Disney nicht nur eine Möglichkeit, die Welt um sich herum zu verstehen, sondern selbst auch Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Nach der Geburtstagsfeier seines Bruders, der traurig war, sagte der sechseinhalbjährige Owen zu seinen Eltern: „Walter doesn’t want to grow up, like Mowgli or Peter Pan.“ In diesem ersten seit Jahren von ihm gesprochenen Satz bezog sich Owen auf Figuren aus den Filmen Das Dschungelbuch und Peter Pan. Sein Vater, der Pulitzer-Preisträger Ron Suskind, entdeckte, dass er über die Disney-Filme, die sein Sohn sieht, Kontakt zu ihm aufnehmen und diese als gemeinsame Sprache nutzen kann, um zu seinem Sohn durchzudringen. Um Gefühle wie Liebe und Trauer auszudrücken, bediente sich Owen der Sprache von Trickfilmfiguren, was sein Vater in Rollenspielen mit einer Handpuppe von Jago, dem gemeinen Sidekick des Bösewichts in Aladdin, auch trainierte. In erster Linie identifiziert sich Owen mit den Nebenfiguren, den Helfern der Helden aus den Disney-Filmen, und wie sein Vater merken sollte, konnte er viele von diesen auswendig mitsprechen. So fand Ron Suskind wieder Zugang zu seinem Sohn.

Als Owen älter wurde, musste er zwar lernen, dass das Leben oft komplexer ist, als von Disney illustriert, doch steht er nun endlich vor dem großen Schritt in ein neues, eigenes Leben und wird zu einem scheinbar unabhängigen Erwachsenen.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literarische Vorlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film basiert auf einem Buch des Pulitzer-Preisträgers Ron Suskind

Der Film basiert auf dem Buch Life, Animated: A Story of Sidekicks, Heroes, and Autism, das Owens Vater Ron Suskind im Jahr 2014 als autobiografisches Werk über seine eigene Familie veröffentlichte. Darin beschreibt der Pulitzer-Preisträger, wie er und seine Familie über zwei Jahrzehnte versuchte, einen Kommunikationsweg mit Owen aufzubauen.[2]

Stab und Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Grundlage dieses Buches schuf Regisseur Roger Ross Williams den Dokumentarfilm Life, Animated. Williams war im Jahr 2010 für seinen Dokumentarkurzfilm Music by Prudence mit einem Oscar ausgezeichnet worden.

Im Film zeigt Williams den zur Zeit der Dreharbeiten 23-jährigen Owen Suskind, der kurz davor ist, sein Elternhaus zu verlassen. Auch Owens Eltern und sein älterer Bruder Walter kommen zu Wort. Ärzte und Therapeuten versuchen dem Zuschauer im Film zu erklären, was in einem Autisten wie Owen vorgeht und wie sein Gehirn von Geräusche und visuellen Eindrücken um ihn herum überflutet wird.[3]

Filmmusik und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Filmmusik wurde von Dylan Stark und Todd Griffin komponiert.[4] Der Film feierte am 23. Januar 2016 im Rahmen des Sundance Film Festivals seine Premiere. Am 1. Juli 2016 kam der Film in ausgewählte US-amerikanische Kinos und am 22. Juni 2017 auch in ausgewählte deutsche Kinos. Im Oktober 2017 wurde der Film im Rahmen des Filmfest Hamburg vorgestellt.[4]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film konnte bislang 94 Prozent der Kritiker bei Rotten Tomatoes überzeugen.[5]

Thomas Abeltshauser von epd Film sagt, in Life, Animated werde eine der Geschichten erzählt, die Oscar-Wähler lieben: „ein autistischer Junge lernt mithilfe von Disneyfilmen zu sprechen und findet seinen Platz im Leben.“ Abeltshauser bemängelt jedoch, Roger Ross Williams Dokumentarfilm sei so klebrig und manipulativ, wie die Animationsmärchen, die seinem Protagonisten halfen.[6]

Susanne Lenz von der Berliner Zeitung meint, der Film komme für den westeuropäischen Zuschauer mitunter schier unerträglich munter und aufgekratzt daher.[7] Ihr Kollege Tilmann P. Gangloff schreibt in der Frankfurter Rundschau, Roger Ross Williams erzähle die Geschichte nicht frei von Pathos, aber mit viel Empathie, und einer der schönsten Momente des Films sei eine Sitzung des Disney-Clubs, den Owen als Teenager gegründet hat, um mit Schicksalsgefährten darüber zu sprechen, was sie aus den Filmen fürs Leben lernen können: „Stargast der letzten Sitzung ist der Schauspieler Jonathan Freeman, den Owen dank der Beziehungen seines Vaters in New York kennengelernt hat. Freeman hat in Aladdin Dschafar gesprochen, und zur allgemeinen Überraschung taucht auch noch sein Kollege Gilbert Gottfried auf, der Sprecher von Jago.“[8]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film war 2017 in der Kategorie Bester Dokumentarfilm für einen Oscar nominiert.[3] Hier eine Auswahl weiterer Auszeichnungen und Nominierungen:

San Francisco International Film Festival 2016

Satellite Awards 2016

  • Nominierung als Bester Film – Documentary

Sundance Film Festival 2016

  • Auszeichnung mit dem Directing Award – U.S. Documentary

Die Deutsche Film- und Medienbewertung FBW in Wiesbaden verlieh dem Film das Prädikat besonders wertvoll.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Life, Animated – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Life, Animated. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 163760/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Life, Animated In: moviepilot.de. Abgerufen am 16. Juni 2017.
  3. a b Björn Schneider: Life, Animated. In: programmkino.de. Abgerufen am 14. Juni 2017.
  4. a b Life, Animated In: filmfesthamburg.de. Abgerufen am 16. Juni 2017.
  5. Life, Animated In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 11. Oktober 2017.
  6. Thomas Abeltshauser: Kritik zu Life, Animated In: epd Film, 29. Mai 2017.
  7. Susanne Lenz: ‘Life, Animated’: Wie ein Autist durch Filme leben lernt In: Berliner Zeitung, 26. Juni 2017.
  8. Das Leben ist kein Disney-Film. In: Frankfurter Rundschau, 11. Juli 2018.