Lindener Berg

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Der Lindener Berg und Linden, 1805

Der Lindener Berg ist eine 89 m ü. NN hohe Erhebung in den hannoverschen Stadtteilen Linden-Mitte und Linden-Süd, die sich etwa 35 Meter über das umliegende Stadtgebiet erhebt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Lindener Berg in Richtung Hannover, im Vordergrund der Lindener Turm; Kupferstich von Caspar Merian nach Conrad Buno, um 1654
Der ehemalige Wartturm, heute Ausflugsgaststätte

Auf dem Lindener Berg entstand 1392 ein Wartturm.[1]:118 Der Turm war Teil der Hannoverschen Landwehr und ist heute das älteste, noch erhaltene Bauwerk Lindens. Von der unbewaldeten Kuppe ließen sich im Mittelalter gut die Zufahrtsstraßen überwachen. Herzog Georg Wilhelm ordnete nach Ende des Dreißigjährigen Krieges an, den Turm in eine Holländerwindmühle mit drehbarer Kappe umzubauen. Die Technik dafür stammte aus Holland. Bereits ab 1651 waren die Landwirte Lindens und der umliegenden Dörfer verpflichtet, ihr Getreide dort mahlen zu lassen: Die Einrichtung folgte der Calenberger Amtsmühle als neue Zwangsmühle. 1856 wurde die Mühle schließlich privatisiert, ehe man sie 1927 außer Betrieb nahm.[1]:118

Als weitere Verteidungsmaßnahme ließ Prinz Friedrich August von Braunschweig 1761 eine Sternschanze um die Mühle aufwerfen. Sowohl im Dreißig- als auch im Siebenjährigen Krieg hatten feindliche Heere die königliche Residenz nämlich über den Lindener Berg angegriffen. Nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon hätte der Lindener Berg zum Standort eines Waterloo-Monumentes werden sollen, dieser Vorschlag von Georg L. F. Laves wurde allerdings nicht verwirklicht. Man errichtete das Monument schließlich auf dem Waterlooplatz. 1825 konnte Laves jedoch ein anderes Vorhaben umsetzen: Im Auftrage des Unternehmers Johann Egestorff entwarf er 1825 das „Berghaus“, ein Ausflugslokal für hannoversche Bürger. Das Lokal bestand bis 1876, als man es für den Bau des Wasserhochbehälters wieder abriss.[1]:118

Blick vom Lindener Berg über den Von-Alten-Garten um 1895–1905

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Lindener Berg eine öde Steinbruchlandschaft geworden, in der Kalköfen rauchten. Um 1830 hatte Johann Egestorff fast den gesamten Berg in seinem Besitz und betrieb dort seine Unternehmungen zur Herstellung des Baustoffs Kalk. Der dort abgebaute Kalkstein diente vermutlich seinerzeit auch zum Bau des Wartturmes. Zum Ende des 19. Jahrhunderts lohnte sich der Kalkabbau nicht mehr, die Steinbrüche wurden zugeschüttet. Auf dem Areal entstanden Grünanlagen und ein Sportplatz, 1922 als „Volkspark Linden“ eingeweiht.[1]:118

Anfang des 20. Jahrhunderts schenkte der Bettfedernfabrikant August Werner der[2] – seinerzeit noch selbständigen[3] – Stadt Linden „das Gebäude für ein Jugendheim auf dem Lindener Berg“.[2]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologisch ist der Lindener Berg an der Mittelgebirgsschwelle der letzte Ausläufer des Niedersächsischen Berglandes, das hier in das norddeutsche Flachland übergeht.

Der Berg ist die einzige größere Erhebung im engeren Stadtgebiet Hannovers. Weiter außerhalb liegende Berge, aber noch zur Stadt gehörend, sind der 118 m hohe Kronsberg im Südosten und der 122 m hohe Nordberg im Nordosten auf dem Gelände der Mülldeponie Lahe. Weitere als Berge bezeichnete Erhebungen sind im Stadtbezirk Ricklingen der Tönniesberg und der Mühlenberg, die sich aber nur etwa 10 bis 20 Meter über das umliegende Stadtgebiet erheben. Der Schneiderberg in der Nordstadt liegt sogar weniger als 5 Meter über der Umgebung.

Heute befinden sich auf dem Lindener Berg:

Am Fuße liegen:

Die über den Berg verlaufende Straße Am Lindener Berge stellt die Grenze zwischen den Stadtteilen Linden-Mitte und Linden-Süd dar.

Zahlreiche Gebäude auf und am Lindener Berg stehen unter Denkmalschutz, darunter der Friedhof, der Küchengarten-Pavillon, der Wasserhochbehälter, der Wehrturm und Teile des IGS-Gebäudes. Siehe dazu: Liste der Baudenkmale in Linden-Limmer.

Bergfriedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Scilla-Blüte auf dem Lindener Bergfriedhof mit dem Küchengarten-Pavillon im März 2009

Der heute unter Denkmalschutz stehende Friedhof wurde ab 1862 eingerichtet und im Laufe der Zeit auf 6 ha vergrößert. Nachdem 1908 der neue Hauptfriedhof Linden eröffnet worden war, verlor der Bergfriedhof an Bedeutung und wurde 1965 außer Dienst gestellt. Aufgrund alter bestehender Beisetzungsrechte finden hier heute noch vereinzelt Bestattungen statt.

1913 wurde der 1741 errichtete Küchengarten-Pavillon nach hier transloziert. Das Bauwerk war ursprünglich ein Aussichtspunkt und Lusthaus in einem herrschaftlichen Garten der Welfen, dem Küchengarten, an der heutigen Fössestraße. Der Garten wurde um 1870 beseitigt, um einen Güterbahnhof einzurichten.

Wasserhochbehälter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel siehe Wasserhochbehälter (Hannover)

Abweisende Seiten- und Rückfront des Behälters

Der Wasserhochbehälter auf dem Lindener Berg diente Hannovers erster Frischwasserleitung als Reservoir. Das Wasser kam aus der Ricklinger Marsch und wurde von der dort auf den Lindener Berg gepumpt; das zugehörige Pumpenhaus existierte bis 1974 in der Stammestraße (Ricklingen). Der Hochbehälter speiste sein Wasser zentral in das Hannoversche Leitungsnetz, einige Lindener Straßen erhielten ihr Wasser ebenfalls von hier. Das Gebäude leitete die lokale Entwicklung des Wasserbaus ein (Flusswasserkunst, Misburger und Vahrenwalder Wassertürme, Wasserwerke in Ricklingen und Misburg). Anfang der 1980er wurde die Einrichtung umfassend saniert, wobei die technische Innenausstattung komplett ausgetauscht werden musste.[1]:118-119

Der massive, rechteckige Baukörper entstand zwischen 1876 und 1878 nach Plänen des Architekten Otto Wilsdorff. Die Gründung bildet eine 80 m x 50 m messende, angeböschte Terrasse aus Natursteinblöcken. Auf diesem Sockel erhebt sich der Behälter mit einer Höhe von ca. 8,5 m. Strebepfeiler-ähnliche Vorlagen verstärken die ebenfalls angeböschten, verputzten Mauern. Nach obenhin schließt der Behälter mit einem gemauerten Aufsatz ab, der sich über Rundbögen auf die Wände stützt. Der Aufsatz wirkt wie ein Wehrgang und versteckt das flache Dach vor dem Betrachter. Mittig auf dem Dach sitzt ein turmartiger Aufbau, dessen ursprünglicher „Burgfried“ nicht erhalten blieb. Wilsdorff orientierte sich bei der Gestaltung an der Hannoverschen Architekturschule, deutlich sowohl an der Wahl des Backsteins als Baumaterial als auch an den verwandten Formen.

Polygonaler Pavillon am Nordende der Schauseite (links, nicht im Bild)

Die nach Nord und Süd gewandten schmalen Seiten des Bauwerks besitzen keine Öffnungen und wirken abweisend, ebenso die Rückseite nach Westen. Die nach Linden bzw. Hannover gerichtete Schauseite ist symmetrisch aufgebaut und besitzt mittig einen zweigeschossigen Vorbau. Polygonale Pavillons zieren die beiden Enden der Schauseite. Der Vorbau diente dem Wassermeister früher als Wohnstätte, außerdem waren dort und im Dachaufbau Schieber, Treppen und Schornsteine untergebracht.[1]:118-119

Der Wasserhochbehälter zählt noch immer zu den wichtigsten Wasserversorgungsbauwerken in Norddeutschland und prägt neben der benachbarten Villa Osmers die östliche und südöstliche Ansicht des Lindener Berges, wenn auch seine Fernwirkung durch hohe Bäume eingeschränkt wird (zu erkennen: hier).[1]:118-119

Villa Osmers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Schmuckformen an der Villa Osmers

Die Villa Osmers steht nördlich der Straße Am Lindener Berg und kontrastiert in ihrer Erscheinung mit dem gegenüberliegenden Wasserbehälter.[1]:119 Carl Arend entwarf das Haus um 1900 für den Mittelschuldirektor Hinrich Osmers.[6] Die detailreiche Ausarbeitung der Villa stellt in Linden etwas Besonderes dar.[1]:119 An der Fassade wechselt sich Backstein mit verputzten Flächen ab, ebenso gibt es Zierfachwerk und einen Natursteinsockel. Die Dachlandschaft zeigt verschiedene Schmuckformen, bei denen sich Elemente des Jugendstils mit Neuinterpretationen älterer Stile mischen. Kennzeichnend für das Haus ist eine Art Aussichtsturm. Dieser Turm und die asymmetrische Aufteilung des Baukörpers verleihen dem Gebäude eine „märchenhafte“ Erscheinung. In ihrer prominenten Lage am Hang ist die Villa Osmers auch aus größerer Entfernung gut zu erkennen.

Insgesamt entstanden nur wenige Wohnhäuser auf dem Lindener Berg, von denen die meisten erst im 20. Jahrhundert gebaut wurden (östliche Seite der Straße Am Spielfelde und zwischen Am Lindener Berge und Am Steinbruch).[1]:119

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März findet wegen der leuchtend blauen Blüte der Scilla (Das blaue Wunder von Linden) auf dem Lindener Bergfriedhof ein Scilla-Fest mit zahlreichen Veranstaltungen, wie Lesungen, Besichtigungen, statt.

Jährlich am 1. Mai wird das Radrennen „Lindener Berg Kriterium“ um den Lindener Berg durchgeführt. Es führt über 80 km (40 Runden mit je 2 km) und findet starkes Publikumsinteresse. Die kurze, aber starke Steigung des Lindener Bergs macht das Rennen so schwer, dass es auch für Profimannschaften der dritten Kategorie (Continental Teams, früher: GS3-Teams) eine Herausforderung ist. In den Jahren 2004 und 2005 gewann Tilo Schüler vom Dessauer RC, der 2006 für das Continental Team Milram fuhr.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Zadach-Buchmeier: Lindener Berg und Bella Vista. Städtische Jugendheime zur Freizeitgestaltung Jugendlicher, in Adelheid von Saldern et al.: Alltag zwischen Hindenburg und Haarmann. Ein anderer Stadtführer durch das Hannover der 20er Jahre, Hrsg.: Geschichtswerkstatt Hannover, Hamburg: VSA-Verlag, 1987, ISBN 3-87975-397-0, S. 47–54
  • Der Lindener Berg ruft, Heft 1 der Quartier-Reihe „Rundgänge“, Hrsg.: Quartier e. V., Hannover-Linden 2004, ISSN 1614-2926
  • Arbeitsgemeinschaft Mensch-Natur-Geschichte (Hannover): Linden: Ortsgeschichte, Martinskirche, von Altensches Rittergut, Landesherrlicher Küchengarten, Herzogliches Jagdzeughaus, Villa auf dem Lindener Berg, Herrschaftlicher Speicher, Windmühle / AG Mensch-Natur-Geschichte. Nach den Bearbeitungen von Arnold Nöldeke aus dem Jahre 1932, Schriftenreihe "Zur Geschichte Lindens", Bd. 13; Hannover 2003
  • Kriege auf dem Lindener Berg, Heft 3 der Quartier-Reihe „Lindener Geschichtsblätter“, Hrsg.: Quartier e. V., Hannover-Linden 2005, ISSN 1614-0664
  • Hans-Jörg Hennecke: Lindentod, Kriminalroman, Zu Klampen, 2010, ISBN 978-3-86674-068-6
  • Ilse Rüttgerodt-Riechmann: Lindener Berg. In: Hans-Herbert Möller (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover, Teil 2, [Bd.] 10.2. Vieweg, Braunschweig / Wiesbaden 1985, ISBN 3-528-06208-8, S. 118f., sowie Linden-Mitte und Linden-Süd, in Anlage: Verzeichnis der Baudenkmale gem. § 4 (NDSchG) (ausgenommen Baudenkmale der archäologischen Denkmalpflege), Stand 01.07.1985, Stadt Hannover, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt - Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege
  • Kaspar Klaffke, Gesa Klaffke-Lobsien: Hannover - Stadt der Gärten. Gärten einer Stadt (englische Ausgabe unter dem Titel Hannover - city of gardens), 1. Auflage, Seelze-Velber: Kallmeyer, 2000 ISBN 3-7800-5265-2, S. 167, 170
  • Julius Trip: Konkurrenzentwurf für den Bebauungsplan für die südwestliche Gemarkung Lindens, in: Die Gartenkunst, Jahrgang 4 (1902), Heft 3, S. 49f.
  • Hermann Kube: Die gärtnerischen Anlagen und Friedhöfe der Stadt, in: Fritz Stadelmann: Hannover. Die Grossstadt im Grünen, im Einvernehmen mit dem Magistrat der Stadt Hannover, hrsg. vom Verkehrs-Verein Hannover e. V., bearbeitet von Fritz Stadelmann, Buchschmuck nach Entwürfen von Hans-Günther Reinstein, Kunstbeilage nach originalen Zeichnungen von Georg Tronnier und H. Flecke, Hannover: Verkehrs-Verein Hannover e. V.; Hannover: Schmorl & von Seefeld Nachfolger, 1927, S. 84
  • Franz Rudolf Zankl: Blick vom Lindener Berg auf Hannover. Farbige Lithographie von Wilhelm Kretschmer. Um 1860, in ders. (Hrsg.): Hannover Archiv, Blatt S 36
  • Helmut Knocke, Hugo Thielen: Lindener Berg, in: Hannover Kunst- und Kultur-Lexikon, passim
  • Eva Benz-Rababah: Lindener Berg, in: Stadtlexikon Hannover, S. 409

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j Wolfgang Neß, Ilse Rüttgerodt-Riechmann, Gerd Weiß (Hrsg.): Baudenkmale in Niedersachsen. 10.2. Stadt Hannover, Teil 2. Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig / Wiesbaden, 1985. ISBN 3-528-06208-8.
  2. a b Waldemar R. Röhrbein: WERNER, (1) August, in: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 385
  3. Klaus Mlynek: Eingemeindungen, in: Stadtlexikon Hannover, S. 153
  4. Helmut Knocke: Berg, Theodor F. Rudolph, n: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 51 und öfter; (online bei Google-Bücher)
  5. * Ilse Rüttgerodt-Riechmann: Lindener Berg (siehe Literatur)
  6. Der Lindener Berg, Eintrag auf lebensraum-linden.de, veröffentlicht 2013 von Torsten Bachmann. Abgerufen am 1. März 2015.

Koordinaten: 52° 22′ N, 9° 42′ O