Ricklingen (Stadtbezirk)

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Karte
Hannover, Stadtbezirk Ricklingen hervorgehoben
Basisdaten
Stadtbezirk Ricklingen (9)
Fläche 14,73 km²
Einwohner 45.823
Bevölkerungsdichte 3.111 Einwohner/km²
Postleitzahl 30453, 30457, 30459
Stadtteile
  • Bornum
  • Mühlenberg
  • Oberricklingen
  • Ricklingen
  • Wettbergen
Webpräsenz hannover.de
Politik
Bezirksbürgermeister Andreas Markurth (SPD)
Stadtbezirksrat
(20 Sitze)
SPD: 7, CDU: 7, AfD: 2

Grüne: 1, Linke: 1, FDP: 1, Piraten: 1

Ricklingen ist der 9. Stadtbezirk von Hannover. Er hat 45.823 Einwohner und besteht aus den Stadtteilen Bornum (1.382 Ew.), Mühlenberg (7.573 Ew.), Oberricklingen (10.749 Ew.), Ricklingen (13.066 Ew.) und Wettbergen (13.053 Ew.) (Stand 2016).[1]

Bornum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harry-Brotfabrik

Bornum ist im Westen durch die Bahnstrecke Hannover–Altenbeken begrenzt, im Norden durch die Güterumgehungsbahn Hannover, im Osten durch die Straße Am Tönniesberg und im Süden durch die Bückeburger Allee (B 65).

Im westlich der Bornumer Straße liegenden Wohngebiet gibt es kein Einzelhandelsgeschäft. Die hier befindliche S-Bahn-Station sowie zwei Buslinien sorgen für die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Im östlich gelegenen Gewerbegebiet auf dem Tönniesberg befinden sich der Großmarkt Hannover sowie eine Brotfabrik von Harry (entstanden aus der 1929 übernommenen Hannoverschen Brotfabrik AG, kurz Habag). Hier liegt auch die Feuer- und Rettungswache 4 der hannoverschen Berufsfeuerwehr, zugleich Standort der Freiwilligen Feuerwehren Bornum und Ricklingen.

Bornums Name entstand aus Born und Heim. Es wurde 1130 erstmals urkundlich erwähnt und bestand fast das ganze Mittelalter hindurch aus 14 Hofstellen. Im Siebenjährigen Krieg lagerten 1757 in der Nähe des Ortes französische Truppen. Ab 1850 wuchsen die Ansiedlungen. 1890 entstand auf Bornumer Gebiet die Kolonie Körtingsdorf, welche heute zu Badenstedt gehört. 1909 wurde Bornum mit damals 865 Einwohnern nach Linden eingemeindet und kam mit dessen Eingemeindung 1920 zur Stadt Hannover.

Mühlenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ökumenisches Kirchenzentrum Mühlenberg
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Mühlenberg liegt auf dem gleichnamigen langgestreckten Hügel. Die namensgebende ehemalige Windmühle steht auf der Südseite des Hügels bereits im Stadtteil Wettbergen. Der Stadtteil wird begrenzt im Norden durch die Bückeburger Allee (B 65), im Osten durch die Hamelner Chaussee (B 217), im Süden die IGS Mühlenberg und den Pater-Kolbe-Gang und im Westen durch die Stadtgrenze zu Empelde.

Von Anfang Februar bis zum 6. April 1945 befand sich auf dem Hügel das KZ-Außenlager Hannover-Mühlenberg. In der Nachkriegszeit wurde daraus ein Obdachlosenlager, das Mühlenberglager. Auch wegen des KZs wurden am Mühlenberg sämtliche Straßen nach Widerstandskämpfern gegen und Opfern der Nazis benannt, darunter beispielsweise Stauffenberg, Anne Frank, Bonhoeffer, Ossietzky, Scholl, Delp oder Beck.

Der Stadtteil Mühlenberg wurde in den 1960er Jahren zunächst mit Reihenhäusern und für die damalige Zeit sehr modern und offen mit weitläufigen Grünanlagen umgeben angelegten viergeschossigen Eigentums- und Mietwohnungen erbaut, denen in den 1970er Jahren zahlreiche Hochhäuser im Stile von Großwohnsiedlungen folgten, die dem Charakter des Stadtteils sehr schadeten. Die ursprünglichen Pläne einer noch größeren Trabantenstadt wurden später verworfen.

Nachdem der Mühlenberg in den Anfangsjahren als moderner neuer Stadtteil im Grünen teilweise recht beliebt war und viele einheimische Familien aus der Mittelschicht anzog, kippte das soziale Gefüge in den 1980er Jahren und der Mühlenberg wurde zu einer Adresse für Menschen, die nirgendwo anders Wohnraum bekommen konnten oder ihn als erste und Durchgangsstation in Deutschland nutzen. Der Mühlenberg hat sich weitgehend zu einem sozialer Brennpunkt entwickelt. Mittelstandsfamilien zogen weg und die Fluktuation der heutigen Bewohner ist extrem hoch.[2] Der Canarisweg mit rund 600 Wohnungen in einem langgezogenen Hochhausblock, der zu allen Seiten von Schnellstraßen umgeben quasi vom übrigen Mühlenberg abgetrennt ist, zählt zu den problematischsten Gebieten der Stadt.[3] Weitere gravierende Problemlagen sind die Hochhausblöcke Ossietzkyring 31a bis 31f und Ossietzkyring 17 bis 25. Der Stadtteil als Ganzes weist in fast allen Sozialdaten negative Rekordwerte auf. So sind über 69 % der der Kinder und Jugendlichen von Transferleistungen abhängig, die mit großem abstand höchste Kinderarmutsquote der Stadt.

Die Stadtrandlage mit einem von parkartigen Grünflächen umgebenen Teich und die aufwendige Infrastruktur mit einer großen integrierten Gesamtschule für rund 2000 Schüler, die das Freizeitheim Weiße Rose, Jugendzentrum, Stadtbibliothek[4], Bezirkssportanlage und andere Angebote beheimatet, im Weiteren ein relativ großer Sportverein, ein großer Bahnengolfplatz, Stadtbahn und Busbahnhof, ein ökumenisches Kirchenzentrum sowie eine Fußgängerzone mit vielen Geschäften und Marktplatz dagegen werten den Wohnwert und die Lebensqualität des ansonsten spätestens seit den 1990er Jahren sehr unbeliebten Stadtteils auf. Zudem gibt es mehrere Kitas, eine Grundschule und diverse soziale Angebote; ein Spielhaus, einen sozial betreuten Nachbarschaftstreff mit Mittagstisch, Hausaufgabenhilfe und Internetcafe und eine umfassende Beratungsinfrastruktur für Migranten. Außerdem befinden sich im Stadtteil Mühlenberg zwei große Verwaltungsgebäude der zum e.on-Konzern gehörenden ehemaligen PreussenElektra.

Ein Teil des Mühlenbergs gilt nicht als sozialer Brennpunkt, sondern eher als durchschnittsbürgerliches Wohnumfeld, er wird auch nach dem sozialen Kollaps des Gesamtstadtteils noch von einigen Menschen aus der Mittelschicht bewohnt. Dieser Teil befindet sich hauptsächlich in Richtung zur Stadtgrenze nach Empelde hin undbeinhaltet den Delpweg, die Bonhoefferstraße und den unteren Teil der Leuschnerstraße. Auch Teile der Straßen Reichweinweg, Julius-Leber-Weg, Schollweg und Ossietzkyring gelten noch als bürgerlich. In diesen Bereichen gibt es viele Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen. Knapp 1000 der rund 3000 Mühlenberger Haushalte können als nicht brennpunkttypisch bezeichnet werden, darunter auch ein Hochhausblock: das in den 1970er Jahren als richtungsweisend für urbanes Leben geltende Terrassenhaus Bonhoefferstraße mit rund 200 Eigentumswohnungen.

Die U-Bahn-Station Mühlenberger Markt ist neben der U-Bahn-Station Brabeckstraße in Bemerode die einzige U-Bahn-Station außerhalb des Innenstadt-Tunnelnetzes.

In den 2010er Jahren wurde das Gebäude der integrierten Gesamtschule Mühlenberg aus dem Jahr 1973, das viele Einrichtungen des Stadtteils beherbergt, schrittweise vollständig abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Nach dem Neubau bekam die IGS den Namen der Pädagogin Leonore Goldschmidt und heißt nun offiziell „Leonore Goldschmidt Schule – IGS Mühlenberg“.

2016 lebten in Mühlenberg rund 7000 Menschen, davon rund 56 % Menschen mit Migrationshintergrund aus über 50 Nationen.[5][6]

Oberricklingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häuser in der Schnabelstraße, Oberricklingen

Oberricklingen ist ein nahezu quadratisches Gebiet mit einer Kantenlänge von etwa einem Kilometer. Im Norden grenzt die kreuzungsfrei zum Schnellweg ausgebaute Bückeburger Allee (B 65) den Stadtteil gegen das Ricklinger Industriegebiet ab. Im Osten trennt die Frankfurter Allee (B 6, B 3), welche Ricklinger Kreisel und Landwehrkreisel verbindet (B 6), das alte Ricklingen ab (inoffiziell auch Unterricklingen oder Alt-Ricklingen genannt in Abgrenzung zu Oberricklingen). Im Süden schließt das große Gelände des Ricklinger Friedhofs den Stadtteil ab und im Südwesten die Bergfeldstraße am angrenzenden Stadtteil Wettbergen. Im Westen trennt die Hamelner Chaussee (B 217) den Stadtteil vom benachbarten Mühlenberg.

Um das Jahr 1200 datieren Urkunden, in denen erstmals Groten Ricklinge und Lutteken Ricklinge (großes und kleines Ricklingen), wobei das große Ricklingen das heutige (Alt-)Ricklingen ist. Das kleine Ricklingen liegt hingegen am Boven dem Ypolle, dem Tönniesberg, benannt nach einer ehemals dort befindlichen Kapelle des Heiligen Antonius[7]. „Riclinge minor lag boven dem Ypolle“[8] „unweit Ricklingen, nach Bornum hinwärts“[9], „lutken ricklinge by sunte antonies“[10] (Klein Ricklingen bei Sankt Antonius); „kleinen Ricklingen bey dem Ihlpohl“[11]. Der Ihlpohl oder Ilpol war eine teichartige Aufweitung eines Nebenlaufes der Fösse. Im Ihlpohl wurden Medizinische Blutegel gehalten. Er lag (Stand 1781) im westlichen Auslauf des Sattels zwischen Lindener Berg und Tönniesberg, nordöstlich des Dorfes Bornum, wo heute der östlichste Zipfel Badenstedts liegt, südwestlich der Straße Am Ihlpohl.[12]

In einem schnellen Aufschwung als Folge der Industrialisierung entstand das heutige Oberricklingen als Wohnsiedlung von Arbeitern für das nördlich gelegene Linden, in das Oberricklingen zusammen mit Ricklingen 1913 eingemeindet wurde, bis Linden sieben Jahre später nach Hannover eingemeindet wurde. Im Zweiten Weltkrieg erlitt Oberricklingen aufgrund der Nähe zu den Bahnanlagen starke Zerstörungen[13].

Oberricklingen ist nur über wenige Straßen erreichbar, nämlich Göttinger Chaussee, Ricklinger Stadtweg, Wallensteinstraße, Südstrücken und Am Sauerwinkel, wodurch weite Teile vom Durchgangsverkehr entlastet sind. Die von West nach Ost verlaufende Wallensteinstraße bildet die Hauptstraße des Stadtteils, hier befindet sich der Marktplatz. Entlang der Straße verläuft die Trasse der Stadtbahn, die Linien 3 und 7 bedienen hier drei Haltestellen. An der Haltestelle Wallensteinstraße enden zudem die Stadtbahnlinie 17 und die Regiobuslinien 360, 363 und 365. Die RegioSprinter-Linie 300 fährt von hier zum hannoverschen ZOB sowie nach Pattensen.

Finanzamt Hannover-Süd

Oberricklingen ist im Süden und Westen geprägt von Einfamilienhäusern und Reihenhäusern mit großen Gärten. Im Nordosten dominieren Mehrfamilienhäuser und Blockrandbebauung. Fast alle Gebäude stammen aus der Wiederaufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Stadtteil gibt es die katholische St.-Augustinus-Kirche und die evangelisch-lutherische St.-Thomas-Kirche. Die neuapostolische Kirche wurde verkauft und wird heute als Atelier genutzt. Der Stadtteil hat drei Schulen: die Johannes-Keppler-Realschule, die Grundschule Wilhelm-Busch-Schule und die Förderschule Martin-Luther-King-Schule. In den beiden Oberricklinger Hochhäuser sind die Finanzämter Hannover-Süd und Hannover-Land I untergebracht.[14][15]

Ricklingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche Maria Magdalenen

Der Stadtteil Ricklingen liegt im Osten des gleichnamigen Stadtbezirks. Er ist über drei Stadtbahnlinien sowie mit drei S-Bahn-Linien aus der Innenstadt erreichbar. Ricklingen ist begrenzt im Norden vom Damm der Eisenbahnstrecke in Richtung Weetzen/Hameln und der Güterumgehungsbahn, im Osten von der Leine-Masch, im Süden vom Ricklinger Holz und im Westen durch die Frankfurter Allee, die als Bundesstraße 3 bis zum Bau der A 7 ein Teilstück der Hauptverkehrsachse Nord-Süd durch Hannover war. (Im Norden reicht Ricklingen mit seinem Industriegebiet weiter nach Westen bis zum Tönniesberg an der Nordwest-Ecke Oberricklingens.) Den Stadtteil-Mittelpunkt bildet der Schünemannplatz. Auf dem nördlicher gelegenen August-Holweg-Platz findet donnerstags der Wochenmarkt statt. Das Freizeitheim Ricklingen beherbergt das Bürgeramt und die Stadtbibliothek und ist im hannoverschen Karneval eine Sitzungshochburg. Die ev.-luth. Michaelis-Kirchengemeinde hat seit 1877 eine neugotische Kirche an der Stammestraße und umfasst seit 1. Juli 2009 wieder den ganzen Stadtteil. Von 1962 bis 2009 befand sich westlich des Ricklinger Stadtwegs die nun wieder eingegliederte Maria-Magdalenen-Kirchengemeinde. Die katholische Kirche St. Monika wird seit 2008 als Klosterkirche von Vinzentinerinnen genutzt, sie entstand 1930 als St. Augustinus-Kirche aus einem ehemaligen Gasthaussaal und wurde später in St. Monika umbenannt. Die Ricklinger Kiesteiche südöstlich des Zentrums bieten den Hannoveranern Naherholungsmöglichkeiten.

Im alten bäuerlichen Dorfkern liegt die Edelhofkapelle aus dem 14. Jahrhundert mit Glasmalereien von Charles Crodel (1960). Im Dreißigjährigen Krieg lagerte Tilly im Wrampenhof an der Düsternstraße (jetzt steht dort ein Seniorenheim). Am 28. August 1905 wurde in Ricklingen die erste 400-Meter-Aschenbahn für Leichtathleten eingeweiht. Allerdings wurde sie wegen ihrer ungünstigen Lage kaum genutzt. Das Dorf Ricklingen wurde 1913 in die damalige Stadt Linden und mit dieser 1920 in die Stadt Hannover eingemeindet. Letzter Gemeindevorsteher war Karl Kreipe (* 17. November 1857 in Linden; † 17. Juli 1937 in Braunschweig). Nach ihm wurde 1977 der Kreipeweg (zuvor Teil der Beekestraße) in Ricklingen benannt. Von 1919 bis 1923 war der Werksflughafen der Hannoverschen Waggonfabrik am Tönniesberg der erste zivile Flughafen Hannovers. Im Jahre 1926 wütete in ganz Hannover wegen Verunreinigungen im Ricklinger Wasserwerk eine schwere Typhus-Epidemie.[16] Im Februar 1946 führte ein Hochwasser der Leine zu einer Überschwemmung in Ricklingen. Davon zeugen Hochwassermarken am Pfarrhaus in der Pfarrstraße, am Haus Beekestraße 55, am Haus Ricklinger Stadtweg 46 und am Deichtor in der Düsternstraße. In der Folge entstand ein Hochwasserschutzdeich mit einem Deichtor, der schon mehrfach Hochwasser zurückgehalten hat. Mit einem an jenen Deich anschließenden Deich mit Deichscharten und neuer Mauer am Michaelisfriedhof wurde 2013 und 2014 im Südosten Ricklingens nordwestlich der Ihme, die hier Beeke heißt, der Hochwasserschutz erweitert, um künftigen Jahrhunderthochwassern zu begegnen.[17] Im Telefunken-Gebäude an der Göttinger Chaussee entwickelte Walter Bruch 1962 das PAL-Farbfernsehsystem, mit dem in Deutschland ab 1967 Farbfernsehen eingeführt wurde.

In Ricklingen sind zwei bekannte Rugby-Vereine beheimatet, der Deutsche Rugby-Club Hannover 1905 sowie 08 Ricklingen. Beide Vereine konnten mehrfach die deutschen Meisterschaften der Rugby Union in Deutschland für sich entscheiden. Der DRC Hannover errang 1988, jährlich von 1998 bis 2002 und 2005 die Meisterschaft. 08 Ricklingen konnte die Deutsche Meisterschaft in den Jahren 1950, 1960 und 1974 für sich entscheiden. Der Stadtteil hat auch bekannte Fußballvereine: den TuS Ricklingen und die Sportfreunde Ricklingen, die von 1996 bis 1999 in der Regionalliga spielten.

Wettbergen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wettbergener Kirche im Mai
Endstation der Stadtbahn in Wettbergen-West

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wettbergen grenzt nördlich an den Stadtteil Mühlenberg (IGS Mühlenberg und Pater-Kolbe-Gang), im Nordwesten an Oberricklingen (Bergfeldstraße, Stadtfriedhof Ricklingen und In der Rehre), im Süden bildet die Ihme zugleich die Stadtgrenze Hannovers mit Hemmingen, im Westen verläuft die Grenze zwischen Hannover und Ronnenberg durch die Feldmark.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals wurde Wettbergen 1055 erwähnt. Der Name stammt vom altsächsischen Wort Hvat (de: scharf) und bedeutet soviel wie Ortschaft am steilen Hang. Es war der Stammsitz der Adelsfamilie von Wettberg, die in Niedersachsen im 17. Jahrhundert ausgestorben ist.

Die Hamelner Chaussee (B 217) trennt den alten Ortskern, in dem sich eine dörflich geprägte Struktur erhalten hat, von dem Neubaugebiet Wettbergen-West. Hier entstand in den 1980er und 1990er Jahren eine Siedlung mit Reihenhäusern, Einfamilienhäusern und viergeschossigen Mehrfamilienhäusern. Dieses Gebiet war ursprünglich für eine Erweiterung des Stadtteils Mühlenberg vorgesehen. Da der Mühlenberg inzwischen einen sehr schlechten Ruf als hochproblematischer sozialer Brennpunkt hatte und außerdem kein Bedarf an Großwohnsiedlungen mehr bestand, sondern nach stadtnahen Einfamilienhäusern, ordnete man es dem bürgerlich strukturierten Stadtteil Wettbergen zu.

Neben der Grundschule Wettbergen und der Henning-von-Tresckow-Grundschule befinden sich drei sehr große Gesamtschulen (IGS Mühlenberg, KGS Hemmingen, KGS Ronnenberg mit jeweils über 1500 Schülern) in einem Umkreis von weniger als 3 km vom Stadtteil. Seit 1999 ist Wettbergen Endpunkt der Stadtbahnlinien 3 und 7.

Die Freiwillige Feuerwehr Wettbergen ist im Fachgruppenkonzept der Feuerwehr Hannover für den ABC-Schutz zuständig. Sie wurde am 1. Mai 1881[18] durch 20 Landwirte und Handwerker gegründet. Die Fußballmannschaft des TuS Wettbergen spielt in der Kreisliga Hannover (Saison 2016/17).

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wettbergen wurde am 1. März 1974 im Zuge der niedersächsischen Kommunalreform nach Hannover eingemeindet.[19]

Wappen Wettbergen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Entwurf des Wappens von Wettbergen stammt von dem in Gadenstedt geborenen und später in Hannover lebenden Heraldiker und Grafiker Alfred Brecht, der auch die Wappen von Bantorf, Barrigsen, Egestorf und vielen anderen Ortschaften im Landkreis Hannover entworfen hat. In den Sitzungen vom 26. April und 8. September 1962 hat der Gemeinderat den aufgrund der ermittelten Ortsgeschichte und der Urform des Adelswappens der Herren von Wettbergen den vom Heraldiker Alfred Brecht geschaffenen Entwurf einstimmig beschlossen.[20]

Wappen von Ricklingen
Blasonierung: „In Rot über goldenem Berg, darin ein blaues Wellenband, eine fliegende silberne Fledermaus mit Wolfskopf.“[20][21]
Wappenbegründung: Der goldene Berg und das blaue Wellenband deuten auf den Wettberger Berg und den Hirtenbach hin. Die fliegende silberne Fledermaus mit dem Wolfskopf ehrt das Adelsgeschlecht derer von Wettbergen. Die Farben Rot:Silber symbolisieren zudem das Bistum Minden und die Farben Blau:Gold die Oberherrschaft des Welfenhauses.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezirksrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl vom 11. September 2011 wurde die SPD mit 45,1 Prozent der Stimmen wieder die stärkste Partei im Stadtbezirk und stellt mit Andreas Markurth den Bezirksbürgermeister. Die Grünen wurden mit 17,0 Prozent nach der CDU (30,0 Prozent) drittstärkste Partei[22] und stellen den stellvertretenden Bezirksbürgermeister, seit Mai 2013 Michael Dette (und bis dahin Sabine Tegtmeyer-Dette).[23] Der Bezirksrat Ricklingen tagt etwa neunmal im Jahr öffentlich im Freizeitheim Ricklingen.

Bei der Kommunalwahl 2016 wurde die SPD mit 33,5 % erneut stärkste Partei. Die erstmals vertretene AfD wurde mit 13,8 Prozent nach der CDU (27,8 Prozent) drittstärkste Partei. Andreas Markurth wurde erneut zum Bezirksbürgermeister gewählt. Michael Dette wurde per Losentscheid als sein Stellvertreter bestimmt.[24]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Böttcher: Wussten Sie schon? Allerlei Wissenswertes über Ricklingen. Hannover-Ricklingen 1967
  • Sigrid Eichstädt: 30 Jahre Mühlenberg – Ein Berg. Eine Mühle. Ein Name. –. Hannover: Kulturamt 1998
  • Hartmut Herbst, Erhardt Krübbe: Bornum. Vom Bauerndorf zum Stadtteil. Geschichte eines hannoverschen Stadtteils in Texten und Bildern, in der Reihe Stadtteilkulturarbeit, Nummer 4, gefördert durch Weiße Rose. Freizeit- und Bildungszentrum Mühlenberg, hrsg. durch die Landeshauptstadt Hannover, 1. Auflage, 1992
  • Landeshauptstadt Hannover, Der Oberstadtdirektor (Hrsg.): Zwei Straßen – eine Geschichte / Schnabel- und Menzelstraße / Die Geschichte der ersten Genossenschaftssiedlung in Hannover-Ricklingen. Poppdruck Hannover 1990
  • Victor Jürgen von der Osten: Auf den Spuren Alt-Ricklingens. Hannover: Reichold 1995. ISBN 3-930459-10-8
  • Horst Schweimler: Ricklingen: Ein Dorf – zwei Stadtteile in Hannover; seine Geschichte – seine Menschen. Hannover: Fackelträger 1986. ISBN 3-7716-1466-X
  • Peter Seifried: Wetberga / Wettbergen. Kleine Chronik des Dorfes 1055 bis 1857. Vollständig überarbeitete und ergänzte Neuausgabe. Norderstedt: BoD – Books on Demand 2016. ISBN 978-3-7412-4970-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ricklingen (Stadtbezirk) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutschland: Hannover (Stadtbezirke und Stadtteile) - Einwohnerzahlen, Grafiken und Karte. Abgerufen am 10. Mai 2019.
  2. haz.de: Studie: Wer in Hannover mit Stadt und Stadtteil glücklich ist, 3. März 2010
  3. haz.de: Verfehlte Städteplanung, 2. Mai 2017
  4. Stadt-/ Schulbibliothek Mühlenberg
  5. „Man kann hier gut leben“
  6. Größer, jünger, bunter, Hannover. Abgerufen am 11. Oktober 2018 (deutsch).
  7. Geschichte von Ricklingen
  8. Zeitschrift des Historischen Vereins für Niedersachsen, Band 49, Historischer Verein für Niedersachsen, Stader Geschichts- und Heimatverein, Ernst Beibel, 1884
  9. Carl Wolff: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, Band 1, Ausgabe 1, Provinzialverwaltung, T. Schulzes Buchhandlung, 1899
  10. Adolph Broennenberg: Sammlung zur hannoverisch-braunschweigischen Landesgeschichte: Beitrag 1 Beitrag. 1, Tressan, 1854
  11. Christian Ulrich: Origines Et Antiquitates Hanoverenses oder Umständliche Abhandlung von dem Ursprunge und den Alterthümern Der Stadt Hannover. GrupenVerlag, Universitets-Buchhandlung, 1740
  12. Lebensraum Linden: Der Ihlpohl. (Memento des Originals vom 27. April 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lebensraum-linden.de
  13. Gegenwart von Oberricklingen
  14. „Oberfinanzdirektion Niedersachsen, Finanzamt Hannover-Süd“, Beschreibung auf der Internetseite der Behörde, abgerufen am 13. April 2014.
  15. „Oberfinanzdirektion Niedersachsen, Finanzamt Hannover-Land I“, Beschreibung auf der Internetseite der Behörde, abgerufen am 13. April 2014.
  16. Typhusepidemie 1926
  17. Hannover.de: Hochwasserschutz in Ricklingen (Memento des Originals vom 5. Juli 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hannover.de
  18. Ortsfeuerwehr Wettbergen. In: Offizielles Portal der Region und der Landeshauptstadt Hannover. Abgerufen am 15. Dezember 2018.
  19. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 189.
  20. a b Wolf-Peter Friedrich: Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main. Die Fledermaus mit dem Wolfskopf – Symbol der Herren von Wettbergen. 21. Jahrgang. Frankfurt am Main September 2002, S. 80.
  21. Wolf-Peter Friedrich: Ritter und Burgen in Rot und Blau. In: Deutsche Philatelisten-Jugend e. V. (Hrsg.): Junge Sammler. Nr. 4, 2017, S. 16–18.
  22. Die Ergebnisse der Stadtbezirksräte im Überblick. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 12. September 2011, abgerufen am 29. November 2011.
  23. Rüdiger Meise u. a.: Ricklingen. Dette geht, Dette kommt. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 11. Mai 2013.
  24. Stadtbezirk 9: Ricklingen | Bezirksräte | Landeshauptstadt Hannover | Politische Gremien | Politik | Leben in der Region Hannover | Hannover.de | Home - hannover.de. Abgerufen am 9. Mai 2019.

Koordinaten: 52° 21′ N, 9° 43′ O