Louis Ferdinand von Preußen (1907–1994)

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Louis Ferdinand Prinz von Preußen (um 1927)

Louis Ferdinand Victor Eduard Adalbert Michael Hubertus Prinz von Preußen (* 9. November 1907 in Potsdam; † 25. September 1994 in Bremen) war von 1951 bis 1994 Chef des Hauses Hohenzollern. Er führte in dieser Funktion die Familiengeschäfte, war das Oberhaupt der Familie und galt für den Fall einer Wiedereinführung der Monarchie als Thronprätendent für den preußischen Königs- und den deutschen Kaiserthron.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Louis Ferdinand mit seinem älteren Bruder Wilhelm, 1908

Louis Ferdinand war der zweitälteste Sohn von Wilhelm, Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen, und seiner Gemahlin Cecilie Herzogin zu Mecklenburg-Schwerin. Einen großen Teil seiner Kindheit verlebte der Prinz in Langfuhr bei Danzig, wo sein Vater das 1. Leibhusaren-Regiment als Kommandeur befehligte. An seinem zehnten Geburtstag wurde Prinz Louis Ferdinand traditionsgemäß als Leutnant in das 1. Garde-Regiment zu Fuß eingestellt und erhielt von seinem Großvater den Schwarzen Adlerorden. Sein Hauslehrer war ab 1916 Carl Kappus.

Louis Ferdinand, um 1910
Louis Ferdinand mit seiner Ehefrau Kira, 1938
Rittergut Cadinen um 1860, Sammlung Duncker

Louis Ferdinand studierte in Berlin Nationalökonomie und wurde mit 21 Jahren mit seiner Dissertation Theorie der Einwanderung am Beispiel Argentiniens promoviert. Nach längerem Auslandsaufenthalt in den Vereinigten Staaten, wo er eine Liaison mit der Schauspielerin Lili Damita hatte[1], kehrte er, bedingt dadurch, dass sein älterer Bruder Wilhelm eine nicht ebenbürtige Ehe eingegangen war und damit sein Thronanwärterrecht verloren hatte, 1933 nach Deutschland zurück.

Am 2. Mai 1938 heiratete er in Potsdam Kira Kirillowna Romanowa (1909–1967), Tochter des Großfürsten Kyrill Wladimirowitsch von Russland (nach 1918 Oberhaupt des Hauses Romanow) und der Prinzessin Victoria Melita geb. Prinzessin von Großbritannien und Irland, auch Prinzessin von Sachsen-Coburg und Gotha, gesch. Großherzogin Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein (Hessen-Darmstadt).

1940 war sein älterer Bruder Wilhelm im Frankreich-Feldzug gefallen, was Hitler zum so genannten Prinzenerlass veranlasste: Künftig war allen Angehörigen des Hauses Hohenzollern der Kriegsdienst an der Front untersagt; dies betraf auch Louis Ferdinand, als Oberleutnant der Luftwaffe. Er bewirtschaftete seitdem bis zum Sommer 1944 das private Gut Cadinen in Ostpreußen, die ehemalige Sommerresidenz seines Großvaters.

Louis Ferdinand unterhielt seit Ende der 1930er Jahre Verbindung zum Widerstand und war auch im Gespräch, nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches zu werden. Unter den Beteiligten des Attentats waren viele Monarchisten bzw. Anhänger des deutschen Kaiser- und preußischen Königshauses, die beabsichtigten, im Falle eines Erfolges wieder zur Monarchie zurückzukehren. Nach dem Scheitern des Putsches vom 20. Juli wurde Louis Ferdinand von der Gestapo verhört.[2]

Bei Kriegsende kam Louis Ferdinand zunächst nach Bad Kissingen, bis er 1947 nach Bremen zog, wo er mit seiner Familie ab 1950 den Wümmehof in Borgfeld bewohnte. Durch den Tod seines Vaters am 20. Juli 1951 wurde Louis Ferdinand Chef des Hauses Hohenzollern (Preußen). Louis Ferdinand hat keinen Zweifel daran gelassen, dass er bei einer Restauration der Monarchie für das Amt des Kaisers zur Verfügung stünde (siehe: Monarchisten in Deutschland).

Er veranlasste nach der Deutschen Wiedervereinigung die Umbettung Friedrichs des Großen im Jahr 1991 aus der Christuskapelle der Burg Hohenzollern in die Gruft von Sanssouci. Ebenfalls 1991 stellte er einen Antrag auf Entschädigung für enteignete Schlösser in der früheren sowjetischen Besatzungszone, nachdem ein Vorbescheid des Amts zur Regelung offener Vermögensfragen den Antrag befürwortete. Es stützte sich dabei auf ein Gutachten von Christopher Clark, der urteilte, dass Wilhelm von Preußen dem Nationalsozialismus „keinen erheblichen Vorschub“ geleistet habe. Als dies in der Öffentlichkeit kritisiert wurde, stoppte das brandenburgische Finanzministerium das Verfahren, um weitere Gutachten einzuholen. Diese kommen nach Medienberichten zu einem gegenteiligen Befund.[3][4][5]

Louis Ferdinand folgte 1994 sein Enkel Georg Friedrich, der Sohn seines 1977 verstorbenen drittjüngsten Sohnes Louis Ferdinand Prinz von Preußen.

Die Urnen von Louis Ferdinand, seiner Frau Kira und einiger ihrer Kinder sind in der russisch-orthodoxen Auferstehungskapelle der Burg Hohenzollern beigesetzt.

Komponist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Louis Ferdinand war wie sein seinerzeit berühmter Namenspatron Louis Ferdinand von Preußen auch Komponist und fand Anerkennung für seine Werke. Er komponierte das Glockenspiel für die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin und den Fridericus-Rex-Gedenkmarsch. Vor allem vertonte er deutsche Gedichte des 19. Jahrhunderts aus der Zeit der Romantik.

Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

∞ 1967–1975 Waltraud Freydag (1940–2010)
∞ 1976–2003 Ehrengard von Reden (* 1943)
∞ 2004 Sibylle Kretschmer (* 1952)
∞ 1966–1982 Jutta Jörn (* 1943)
∞ 1982 Brigitta Dallwitz-Wegner (* 1939–2016)
  • Marie-Cécile Kira Viktoria Luise (* 1942)
∞ 1965–1989 Friedrich August Herzog von Oldenburg (* 1936)
∞ 1973–1984 Thomas Frank Liepsner (* 1945)
∞ 1975 Donata Emma Gräfin zu Castell-Rüdenhausen (1950–2015)
  • Christian-Sigismund (* 1946)
∞ 1984 Nina Helene Lydia Alexandra Gräfin zu Reventlow a.d.H. Damp (* 1954)
  • Xenia (1949–1992)
∞ 1973–1978 Per-Edvard Lithander (1945–2010)

Erbfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vater Louis Ferdinands, Kronprinz Wilhelm, hatte durch Erbvertrag mit seinem Vater, dem exilierten Kaiser Wilhelm II., und seinem Sohn Louis Ferdinand festgelegt, dass jeder Nachkomme vom Erbe ausgeschlossen sei, der „nicht aus einer den Grundsätzen der alten Hausverfassung des Brandenburg-Preußischen Hauses entsprechenden Ehe stammt oder in einer nicht hausverfassungsmäßigen Ehe lebt“. Da Louis Ferdinands älterer Bruder Wilhelm (1906–1940) eine nicht ebenbürtige Frau geheiratet hatte und zudem 1940 ohne Hinterlassung von Söhnen gefallen war, sah der Vertrag ferner vor, dass das Gesamtvermögen des Kronprinzen (der zugleich Alleinerbe des Kaisers war) an Louis Ferdinand als Vorerben und nach dessen Tod an den nächstältesten, gemäß der vorstehenden Bestimmung nachfolgeberechtigten Sohn als Nacherben fallen solle.

Von den vier Söhnen Louis Ferdinands hatte jedoch nur einer der jüngeren Söhne, Louis Ferdinand jr., hausgesetzmäßig eine Gräfin aus mediatisiertem Fürstenhaus geheiratet, während die Ehe des jüngsten Sohnes Christian Sigismund (mit einer niederadligen Gräfin) vom Vater ausnahmsweise als hausgesetzmäßig anerkannt worden war, nicht jedoch die Ehen der beiden älteren Söhne. Als der Älteste, Friedrich Wilhelm, nach dem Tod seines Vaters einen Erbschein als alleiniger Nacherbe seines Großvaters, Kronprinz Wilhelm, beantragte und das Landgericht Hechingen ihm in einer Anhörung zunächst Recht gab, klagte der einzige Sohn seines bereits 1977 vorverstorbenen jüngeren Bruders Louis Ferdinand jr., Georg Friedrich (* 1976) gegen diese Entscheidung, da Friedrich Wilhelm nach dessen Auffassung aufgrund nicht ebenbürtiger Eheschließung gemäß dem Erbvertrag aus der Erbfolge ausgeschlossen sei.

Der Bundesgerichtshof entschied mit Urteil vom 2. Dezember 1998 (Az.: IV ZB 19/97, abgedruckt JZ 1999, 514): „Ein Erblasser, dem aus Gründen der Familientradition am Rang seiner Familie nach den Anschauungen des Adels liegt, kann für seinen von der Herkunft der Familie geprägten Nachlass letztwillig wirksam anordnen, dass von seinen Abkömmlingen derjenige nicht sein alleiniger Nacherbe werden kann, der nicht aus einer ebenbürtigen Ehe stammt oder in einer nicht ebenbürtigen Ehe lebt.“ Der Rechtsstreit wurde an das Landgericht zurückverwiesen, damit dieses prüfen konnte, welche Anwärter auf das Erbe der Ebenbürtigkeitsklausel genügten. Gegen dieses Urteil legte der zweitälteste Sohn Louis Ferdinands, Michael, Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein. Dieses hat daraufhin das Urteil des Bundesgerichtshofes durch Entscheidung vom 22. März 2004 aufgehoben, weil es mit der Eheschließungsfreiheit nach Art. 6 Abs. 1 des Grundgesetzes und der Abschaffung der Monarchie als Staatsform unvereinbar sei.[6]

Da der Erbvertrag des Kronprinzen damit unanwendbar war, trat jedoch die testamentarische Erbfolge gemäß dem persönlichen Testament Louis Ferdinands ein, wonach dessen Enkel Georg Friedrich sein Alleinerbe wurde, allerdings belastet mit Pflichtteilen zugunsten der Geschwister seines Vaters. Er wurde dadurch zum Miteigentümer der Burg Hohenzollern, zum Alleinerben des Immobilien- und Anlagevermögens und zum Anspruchsinhaber für die Rückerstattung der 1945 enteigneten Kunstgegenstände des Hauses Preußen. Er übt seither die Funktion des Familienoberhaupts als „Chef des Hauses“ aus.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Louis Ferdinand Prinz von Preußen: Als Kaiserenkel durch die Welt. Argon, Berlin 1952 (Autobiographie, neuer Titel in späteren Auflagen: Im Strom der Geschichte), z. B. Louis Ferdinand Prinz von Preußen: Im Strom der Geschichte. Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 1985, 2. Auflage 1987, ISBN 3-404-61082-2.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Frhr. v. Massenbach: Die Hohenzollern einst und jetzt. Verlag Tradition und Leben, Bonn 2004, ISBN 3-9800373-0-4, Seite 75 ff.
  • Wolfgang Stribrny: Der Weg der Hohenzollern. Starke-Verlag, Limburg 1981, ISBN 3-7980-0695-4, Seiten 215–221.
  • Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen: Das Haus Hohenzollern 1918–1945. Langen Müller, München und Wien 1985, ISBN 3-7844-2077-X
  • Michael Prinz von Preußen: Ein Preußenprinz zu sein. Langen Müller, München und Wien 1986.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Louis Ferdinand von Preußen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45865134.html
  2. Interview in DER SPIEGEL-1993, abgerufen am 5. März 2011.
  3. http://www.zeit.de/2015/33/hohenzollern-kronprinz-nationalsozialismus-adolf-hitler
  4. http://www.maz-online.de/Brandenburg/Land-stoppt-Zahlung-an-Hohenzollern
  5. https://www.freitag.de/autoren/julian-heissler/majestaet-brauchen-kohle
  6. Entscheidung vom 22. März 2004 (Az: 1 BvR 2248/01)
Vorgänger Amt Nachfolger
Wilhelm Chef des Hauses Hohenzollern
1951–1994
Georg Friedrich