Low-Carb

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Tortendiagramme der Zusammensetzung verschiedener Ernährungskonzepte:
typische westliche Ernährung (entspricht der DGE-Empfehlung mit ca. 50 % Kohlenhydratanteil); der Atkins-Diät in der Einführungsphase; Ketogene Diät mit 4:1-Verhältnis von Fett zu Kohlenhydraten/Proteinen; Medium-chain-Triglyceride (MCT) ketogene Diät.
Prozente in den Graphen (Carbs, Proteine, Fett, MCT Fett): Normal: 50, 15, 35, 0; Atkins : 5, 35, 59, 0; Classic ketogenic: 1.6, 8.4, 90, 0; MCT ketogenic: 19, 10, 11, 60.[1]

Der Begriff Kohlenhydratminimierung bzw. Low-Carb (von englisch carb, Abkürzung für carbohydrates ‚Kohlenhydrate‘) bezeichnet verschiedene Ernährungsformen oder Diäten, bei denen der Anteil der Kohlenhydrate an der täglichen Nahrung reduziert wird. Motivation ist häufig eine erwünschte Gewichtsreduktion, als Therapie einer Stoffwechselerkrankung oder als allgemeine Ernährungsform mit erhofften positiven prophylaktischen Gesundheitsauswirkungen.

Die täglichen Mahlzeiten bestehen hauptsächlich aus Gemüse, Milchprodukten, Fisch und Fleisch, wobei Fette und Proteine die wegfallenden Kohlenhydrate ersetzen. Die empfohlene Energiezufuhr durch Kohlenhydrate, gegenüber einer typischen westlichen Ernährung mit ca. 50 % Anteil,[2] schwankt je nach Form der Low-Carb-Ernährung stark, von der ketogenen Diät, bei der der Anteil auf theoretisch null reduziert sein kann, bis zu Formen, welche nur geringe Reduktionen empfehlen.

Studien zeigten, dass sowohl längere kohlenhydratarme (< 40 %) Low-Carb- wie kohlenhydratreiche Ernährung (> 70 %) mit erhöhter Mortalität assoziiert ist. Kohlenhydratreiche Ernährung erwies sich zu einem erhöhten Risiko für Infektionen. Die Mortalität minimiert sich bei einem Anteil der Energiezufuhr aus 50–55 % Kohlenhydraten,[3] wobei Ballaststofffreie Ernährung ebenfalls nicht gesundheitsfördernd ist.[4]

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zellen des menschlichen Körpers werden über Einfachzucker wie Glucose und Fructose im Blut mit Energie versorgt. Diese Zucker können auch direkt mit der Nahrung aufgenommen werden. Kohlenhydrate, die aus längeren Ketten bestehen, wie sie in Getreide oder Kartoffeln zu finden sind, können sehr einfach (aber nicht sehr schnell) vom Verdauungssystem in verwertbare Einfachzucker umgewandelt werden.

Werden nun nicht ausreichend Kohlenhydrate mit der Nahrung aufgenommen, findet eine Umstellung des Stoffwechsels in Richtung Katabolismus statt. In diesem Zustand erzeugt der Organismus in der Leber aus den Fettreserven über Acetyl-CoA körpereigene Energieträger, die sog. Ketone, die er seinen Zellen als alternative Energielieferanten zur Verfügung stellt.

Auf diese Weise wird der Körper gezwungen, seine eigenen Fettreserven als Energielieferant zu nutzen, was zu einer Gewichtsreduktion führt. Die Metabolismusumstellung wird dabei von einem Sinken des Insulinspiegels eingeleitet, sodass die typischen anabolen Insulineffekte nicht mehr auftreten. Stattdessen wird vermehrt Glukagon ausgeschüttet, wodurch die Energiespeicher (Glykogen, Fette etc.) angegriffen und abgebaut werden.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Prinzip der kohlenhydratarmen Diät stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde zuerst von dem Engländer William Banting (1797–1878) durch sein Buch Letter on Corpulence bekannt, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde.[5] Die sehr fleischbetonte Kost war ihm zur Gewichtsabnahme von seinem Arzt verordnet worden, und er nahm damit innerhalb eines Jahres nach eigenen Angaben 23 kg ab. Diese Diät war Ende des 19. Jahrhunderts auch in Deutschland als Banting-Kur bekannt. Auch der Göttinger Arzt Wilhelm Ebstein empfahl schon im 19. Jahrhundert eine „Fleisch-Fett-Diät“ und den weitgehenden Verzicht auf Kohlenhydrate.[6] Auch der französische Gastrosoph Jean Anthelme Brillat-Savarin vertrat die Ansicht, dass vor allem die Stärke in Brot und Mehl dick mache. Wolfgang Lutz, ein österreichischer Arzt (siehe Lutz-Diät), beschränkte ab dem Frühjahr 1958 seine tägliche Kohlenhydrataufnahme auf 72 Gramm (6 BE), worauf sich sein Gesundheitszustand nach eigenen Angaben verbesserte. Im Jahr 1967 veröffentlichte er sein zunächst wenig beachtetes Buch „Leben ohne Brot“. Populär wurde die Low-Carb-Ernährung dann erneut in den 1970er Jahren durch die von Robert Atkins, einem US-amerikanischen Arzt, publizierte Atkins-Diät. Atkins wertete Forschungen aus den 1950er Jahren aus und bewertete sie neu. Eine Variante der Low-Carb-Ernährung sind Diäten, die den Glykämischen Index mit einbeziehen (z. B. Logi-Methode).

Theorien und Ansätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Low-Carb-Vertreter gehen davon aus, dass eine Ernährung mit einem hohen Anteil an Kohlenhydraten generell negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat und die Entstehung so genannter Zivilisationskrankheiten begünstigt sowie eher zu Übergewicht führt als eine kohlenhydratarme Ernährung. Eine der Grundideen dahinter ist das Konzept eines Menschen, der genetisch nur bedingt an die kohlenhydratlastige Ernährung mit Getreideprodukten, verfügbar mit dem Auftreten der Ackerbaukultur vor ca. 10.000 Jahren, angepasst ist. Es wird postuliert, dass der Mensch physiologisch noch besser an eine Ernährungszusammensetzung einer Jäger- und Sammlerkultur mit viel Fett und Protein und wenig kurzkettigen Kohlenhydraten angepasst ist, was auch zur Empfehlung einer sogenannten Steinzeiternährung führte.

Kohlenhydratstoffwechsel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bild die Schwankungen des Blutzuckers (rot) und das den Blutzucker kontrollierende Hormons Insulin (blau) beim gesunden Menschen über den Tagesverlauf mit drei Mahlzeiten. Aufgezeigt auch ist der Einfluss einer zuckerhaltigen (gestrichelt) gegenüber einer stärkehaltigen (durchgezogene Linie) Mahlzeit.[7]

Als einer der relevanten physiologischen Wirkmechanismen der aufgenommenen Kohlenhydrate auf den menschlichen Metabolismus wird von Low-Carb-Vertretern der Einfluss auf den Blutzucker­spiegel genannt. Wenn man Kohlenhydrate in Form bestimmter Einfachzucker (wie Glucose und Galactose) zu sich nimmt, steigt der Blutzuckerspiegel schnell und stark an. Dies geschieht, weil der Körper diese beiden Einfachzucker sofort aufnehmen kann. Als Reaktion darauf schüttet die Bauchspeicheldrüse verstärkt das Hormon Insulin aus, um den Zuckeranteil im Normbereich zu halten, da das Insulin die Aufnahme des Zuckers zur Energiegewinnung und Speicherung in die verschiedenen Körperzellen regelt.

Auch sind Kohlenhydrate kein essentieller Bestandteil der Nahrung, da der Körper sie in der Gluconeogenese unter Energieaufwand aus anderen Nahrungsbestandteilen wie Proteinen und Glycerin selbst herstellen kann. Der tägliche Glucosebedarf eines erwachsenen Menschen beträgt ungefähr 160 g, wobei davon allein 120 g das Gehirn benötigt, demgegenüber steht die Fähigkeit der Leber, täglich etwa 180 bis 200 g Glucose zu synthetisieren. Dementsprechend ist auch eine eigenständige Erkrankung des Menschen durch das Fehlen von Kohlenhydraten unbekannt.[8]

Körpergewicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außerdem wird angenommen: Wenn der Blutzuckerspiegel durch Zufuhr bestimmter Kohlenhydrate schon ausreichend hoch ist, muss der Körper keine vorhandenen Fettreserven mehr abbauen. Kohlenhydratarme Diäten versuchen also, diese Insulin-Ausschüttung möglichst gering zu halten und die Energieversorgung des Körpers durch Körperfett zu stimulieren (Ketose), was dann zum Abbau der Fettreserven des Körpers führt. Der Mechanismus dahinter ist die adipogene Wirkung des Insulins, des einzigen Hormons des menschlichen Körpers, welches Körperfett aufbaut und dafür sorgt, dass das Fett in den Depots bleibt.

Einige Low-Carb-Vertreter gehen davon aus, dass bei umständehalber bzw. situationsbedingtem zeitweiligem Ausfall der Nahrungszufuhr die Folgen weniger dramatisch seien, weil man durch die fettlastige Ernährung ohnehin an die Verwertung von Fett gewöhnt sei und es daher einfacher sei, auch das in ausreichender Menge vorhandene Körperfett zu verwerten.

Ein anderer Wirkmechanismus für Gewichtsreduktion durch Low-Carb-Diäten könnte ein stärkeres oder früheres Sättigungsgefühl sein, welches durch den größeren Eiweißanteil in der Nahrung ausgelöst wird, wie Studien andeuten. Wissenschaftler um Rachel L. Batterham konnten zeigen, dass Peptid Tyrosyl-Tyrosin (PYY) freigesetzt wird, wenn Protein vom Körper aufgenommen wird.[9]

Diabetes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Erklärungsmodell besagt, dass entweder zu häufig zu hohe Glukosespiegel oder zu schnelle Glukosespiegeländerungen, durch den hohen (kurzkettigen) Kohlenhydratanteil einer typischen westlichen Ernährung, zur Überlastung und Anpassung des Kohlenhydratstoffwechsels führt. Einerseits wird eine gestresste Bauchspeicheldrüse angenommen, mit langfristigem Ausfall der Insulinsekretionsfunktionalität. Außerdem wird postuliert, dass eine häufige starke Insulin-Ausschüttung des Körpers auf Dauer zu Insulinresistenz führe, einer Anpassung mancher Körperzellen mit reduzierter Reaktion auf Insulin.

Reduzierte Insulinsekretion (absoluter Insulinmangel) als auch die Insulinresistenz (zuerst Hyperinsulinismus, später relativer Insulinmangel) können Teilaspekte einer Diabetes-Typ-2-Erkrankung mit zu viel Zucker im Blutkreislauf sein.

Formen von Low-Carb-Diäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ernährungsregeln der verschiedenen Low-Carb-Vertreter sind uneinheitlich und weichen teilweise stark voneinander ab. Allgemein wird heute üblicherweise unterschieden:[10]

  • ketogene Ernährung 0–20 g Kohlenhydrate pro Tag
  • moderate Low-carb-Ernährung 20–50 g Kohlenhydrate pro Tag
  • liberale Low-carb-Ernährung 50–100 g Kohlenhydrate pro Tag

Zu Beginn fast ganz auf Kohlenhydrate verzichtet die Atkins-Diät, während bei einigen (zum Beispiel der Logi-Methode) nur die Zufuhr von Kohlenhydraten mit hohem glykämischem Index vermieden werden soll. Die Grenze zwischen Low-Carb und ketogener Diät ist nicht eindeutig definiert; sie liegt zwischen 30 und 50 g Kohlenhydraten täglich.[11]

Erwähnenswert ist, dass ein Großteil der wissenschaftlichen Studien zu Low-carb-Ernährung bis zu 130 g Kohlenhydrate erlauben, was nicht mehr heutigen Empfehlungen entspricht.

Begrenzung der täglichen Kohlenhydratmenge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dieser Variante wird die Kohlenhydratmenge begrenzt, beispielsweise auf maximal 70 bis 110 g pro Tag, wobei die genaue Menge für jeden anders sein kann (Atkins-Diät). Bei der Lutz-Diät werden sechs Broteinheiten empfohlen.

Die Zusammensetzung der Nahrung besteht bei Wolfgang Lutz, Jan Kwasniewski, A. Felix überwiegend aus tierischen Nahrungsmitteln. Der Brennstoff Kohlenhydrat wird durch den Brennstoff Fett ersetzt. Produkte mit Zucker und Stärke sollen weitgehend weggelassen werden.

Beachtung des Glykämischen Index bzw. der Glykämischen Last[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dieser Form der Low-Carb-Ernährung wird bei den Kohlenhydraten nicht nur die Menge betrachtet, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der sie den Blutzucker erhöhen.

Lange wurde nach der Größe des Kohlenhydrat-Moleküls sortiert: Man unterschied die Monosaccharide (Einfachzucker) und die Polysaccharide (Mehrfachzucker). Mittlerweile bewertet man Kohlenhydrate aber nach dem Glykämischen Index (GI), um zu erfahren, wie schnell ein Lebensmittel den Blutzuckerspiegel erhöht (siehe GI-Liste).

Der Grund für die Beachtung der Geschwindigkeit des Blutzuckeranstiegs ist die Tatsache, dass ein schneller Anstieg des Blutzuckerspiegels zu einer starken Insulinausschüttung führt, weswegen der Blutzuckerspiegel auch schnell wieder sinkt. Dadurch bekommt man schneller wieder Hunger, so die Theorie.

Seit Kurzem wird anstelle des Glykämischen Index vermehrt die Glykämische Last (GL) verwendet, da diese die tatsächliche Belastung des menschlichen Körpers genauer widerspiegelt (siehe dort).

Übersicht der Low-Carb-Ernährungskonzepte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Anabole Diät hat das Ziel, trotz Fettabbau die körpereigene Muskelmasse beizubehalten oder auszubauen. Sie orientiert sich dabei auch an den Richtlinien der Atkins-Diät.
  • Die Atkins-Diät erlaubt am Anfang kaum Kohlenhydrate und ist sehr fett- und eiweißreich.
  • Bei der Dukan-Diät wird in der ersten Phase fast komplett auf Kohlenhydrate verzichtet, in der zweiten Phase werden nur Gemüse mit einem geringen Anteil an Kohlenhydraten zugelassen.
  • Die Glyx-Diät, die auf einem möglichst niedrigen glykämischen Index basiert, unterscheidet zwischen „guten“ und „schlechten“ Kohlenhydraten anhand ihrer Wirkung auf den Blutzuckerspiegel. Glyx-Diät basiert auf Gemüse, Obst und Vollkornprodukten mit einem Glyx-Wert von unter 50.
  • Der Name der Hollywood-Diät leitet sich vom bekannten Umfeld der Filmstudios her. Auch hierbei handelt es sich um eine außerordentlich eiweißreiche Diät.
  • Die Ernährungsform LCHF (low-carb high-fat) reduziert die Kohlenhydrate auf ein Minimum (typischerweise 0–50 g/Tag) und gleicht die fehlende Nahrungsmenge mit natürlichem Fett (z. B. tierisches Fett wie Butter, fettes Fleisch, Nüsse, Avocados) und kohlenhydratarmem Gemüse aus (z. B. Blumenkohl, Brokkoli, Spinat, Blattsalat). Die Proteinmenge bleibt dabei moderat. LCHF zielt darauf ab, möglichst natürliche Nahrungsmittel ohne künstliche Zusatzstoffe (Süßstoffe etc.) einzusetzen[12] und Öle bzw. Fette zu verwenden, die eine möglichst geringe Entzündungsreaktion des Körpers hervorrufen. LCHF ist vor allem in Schweden stark verbreitet, dort wird der LCHF-Ansatz von mehr als 20 % der Bevölkerung umgesetzt. In Südafrika ist LCHF auch als Banting-Diät bekannt. Bei weniger als 20 g Kohlenhydraten pro Tag wirkt LCHF ketogen.
  • Die Logi-Methode nach Nicolai Worm basiert vor allem auf GI/GL. Grundlage sind Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst und Öle. Die Ernährung ist sehr eiweißreich.
  • Die Lutz-Diät, beschränkt die Kohlenhydrate auf 6 BE.
  • Die Paläo-Diät (auch Steinzeiternährung) ist eine Ernährungsform, wie sie die Steinzeitmenschen praktizierten. Es wird auf das Nahrungsangebot zurückgegriffen, welches unsere Vorfahren vor über 10.000 Jahren zur Verfügung hatten.
  • Die ketogene Ernährung, eine Ernährungsform, die allgemein zur Gewichtsabnahme, aber auch als medizinisch induziertes Therapieverfahren, vor allem bei Kindern mit pharmakoresistenter Epilepsie, Glukosetransporterstörung (beispielsweise GLUT1-Defizit-Syndrom) und Pyruvatdehydrogenasemangel eingesetzt wird.
  • Die Montignac-Methode richtet sich nach dem GI, begrenzt die Menge der Kohlenhydrate nicht und ist eine Form der Trennkost. Der Fettanteil beträgt maximal 30 %.
  • Die vom amerikanischen Personal Trainer und Ernährungsberater David Kirsch entwickelte und deswegen auch unter dem Namen David-Kirsch-Diät zu findende New-York-Diät erlaubt Kohlenhydrate aus Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten, verbietet hingegen weitgehend die stärkehaltigen Beilagen wie Nudeln, Reis, Kartoffeln, Brot und Zucker. Diese Crash-Diät besteht ebenfalls aus drei Phasen, wobei man in Phase 1 komplett auf Kohlenhydrate verzichtet.
  • Der vollständige Verzicht auf kohlenhydratreiche Nahrungsmittel während Proteine als Hauptenergieträger fungieren, wird als No Carb bezeichnet.
  • Die South-Beach-Diät nach Arthur Agatston basiert ebenfalls auf dem GI. Hier werden kohlenhydratarme und fettarme Ernährung miteinander kombiniert. Bei dieser eiweißbetonten Ernährung werden pro Tag drei Mahlzeiten empfohlen, die jeweils mit einer Eiweißquelle (Fisch, Soja, Eier) verspeist werden.
  • Die Strunz-Diät ist ein kohlenhydratreduziertes Diät- und Sportprogramm. Das Ernährungsprogramm wird in drei Phasen aufgeteilt (Vital-Fatburning, Intervall-Diät, Dauerernährung).

Kontroverse und Diskussion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Empfehlungen von Behörden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschaften für Ernährung in Deutschland, Österreich und der Schweiz empfehlen einen Kalorienanteil von Kohlenhydraten in der Nahrung von über 50 %.[13] Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfiehlt einen Kalorienanteil von 45–60 %, in den USA werden 45–65 % empfohlen und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt einen Kalorienanteil von 55–75 %.[13] Die WHO empfiehlt zudem, dass nicht mehr als 10 % der täglichen Kalorienaufnahme Zucker sein sollen.[14] Kohlenhydrate mit einem hohen glykämischen Index wie Zucker begünstigen eine übermäßige Aufnahme von Kalorien und Hyperphagie.[15][16] Lösliche Kohlenhydrate erzeugen weniger Sättigungsgefühl.[17] Bei längerfristiger starker körperlicher Betätigung wird eine Aufnahme von 30 bis 60 g pro Stunde empfohlen, bei über 2,5 Stunden Dauer wird eine Aufnahme von 90 g pro Stunde empfohlen.[18]

Gewichtsreduktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der renommierten Medizinzeitschrift Journal of the American Medical Association (JAMA) kamen Wissenschaftler im Jahr 2012 zu dem Schluss, dass mit einer fettarmen Diät im Anschluss an die Gewichtsreduktion einer vorhergehenden Diät der Energieverbrauch stärker zurückgefahren wurde als mit kohlenhydratarmer. Ein niedrigerer Energieverbrauch würde zu schnellerer Wiederzunahme des verlorenen Gewichtes führen. Die zugrunde liegende Studie wurde dreiarmig vier Jahre lang mit 21 übergewichtigen Männern und Frauen im Alter von 10 bis 40 Jahren an einer Kinderklinik in Boston durchgeführt.[19][20][21]

Ein Übersichtsartikel von 2004 in The Lancet beschrieb die Gewichtsreduktion mit Low-Carb-Diäten als nicht effektiver als Low-Fat, und vor allem durch Wasserausschwemmung und verstärktes Sättigungsgefühl erzeugt. Es wurden außerdem Studien zu Erforschung der Langzeitwirkung einer Low-Carb-Diät gefordert.[22][23]

Eine Metaanalyse von 2008 in der Zeitschrift Obesity Reviews wiederum bestätigte die Wirkung kohlenhydratreduzierter Diäten auch über längere Zeiträume[24], ebenso eine vergleichende Studie 2008 zwischen Mediterranen, Low-Fat- und Low-Carb-Diäten.[25]

Low-Carb-Diäten erzielen in einigen Studien[25], zum Beispiel der DIRECT-Studie[26], vergleichbare oder bessere Resultate als Low-Fat-Diäten. Allerdings werden Low-Carb-Diäten von vielen nicht langfristig toleriert.[27]

Eine systematische Übersichtsarbeit[28] wertete andere systematischen Übersichtsarbeiten über die ketogene Ernährung aus, mit dem Ziel, die Effektivität der Low-Carb-Ernährung zum Zweck der Reduktion des Körpergewichts bei übergewichtigen Erwachsenen zu bewerten. Als Kriterien zur Einordnung der untersuchten Übersichtsarbeiten wurden die Methoden, die Qualität der Studien und deren Aussagekraft, sowie die erreichte Gewichtsreduktion herangezogen. Besonders die Studien von geringer Qualität zeigten einen angeblichen Vorteil der Low-Carb-Ernährung, während systematische Übersichtsarbeiten von hoher Qualität nur geringe oder keinen Unterschied zu einer gesunden Ernährungsform, bei der die Energiezufuhr beschränkt wird angeben. Es wurde der Schluss gezogen, dass die Studienlage ungenügend ist und bessere Peer-Reviews und Methoden benötigt werden. Zum Schluss wurde die Low-Carb-Ernährung zum Zweck der Reduktion des Körpergewichts bei übergewichtigen Erwachsenen nicht stärker empfohlen, als eine gesunde Ernährungsform, bei der die Energiezufuhr beschränkt wird.

Diabetes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Einsatz einer Low-Carb-Diät bei Diabetes wird von Experten kontrovers diskutiert. Extreme Low-Carb-Diäten mit weniger als 50 g Kohlenhydraten am Tag werden von der Deutschen Diabetes Gesellschaft nicht empfohlen. Für weniger extreme Varianten mit 130 g Kohlenhydraten am Tag gibt es laut DDG derzeit keine Evidenz, die deren Einsatz als zielführend beweisen könnte. Nötig sei jedenfalls ein Nieren-Monitoring, da beim Verzicht auf Kohlenhydrate oft auch mehr Eiweiss aufgenommen wird. Eine gesunde Variante sieht die DDG in einer mediterranen Ernährung, da diese auf pflanzliche Kost aufbaue. Jedenfalls sollten reduzierte Kohlenhydrate nicht durch Fleisch ersetzt werden, da dies die Mortalität erhöht.[29]

Langfristige Low-Carb-Ernährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Ernährungswissenschaftler kritisieren Low-Carb als Fehlernährung, in Deutschland vor allem die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, die grundsätzlich eine kohlenhydratfokussierte Ernährung vertritt,[30][2] allerdings im Jahre 2011 neue Leitlinien veröffentlichte, in denen unter Umständen auch „ein Unterschreiten des Richtwerts für Kohlenhydrate für vertretbar“ erklärt wurde.[31] Argumente gegen diese Ernährungsform folgen sowohl aus der einseitigen Ernährung aufgrund der Vermeidung von Kohlenhydraten und der in Relation dazu vermehrten Aufnahme von Eiweißen und Fetten als auch aus der höheren Energiedichte von Fetten gegenüber Kohlenhydraten.

Eine im Juni 2012 im BMJ (British Medical Journal) veröffentlichte Studie[32] fand ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten bei einer Low-Carb-Ernährung. Das Risiko etwa für Herzinfarkt oder Schlaganfall würde bei täglich 20 Gramm weniger Kohlenhydrate und 5 Gramm mehr Protein um 5 Prozent ansteigen. Das Risiko steige auch immer weiter, je kohlenhydratärmer und eiweißreicher man sich ernähre. Im Rahmen dieser Studie wurden jedoch nur Frauen per Fragebogen über ihre Ernährung der letzten 15 Jahre befragt, und es wurde keine weitere Aussage über die genaue Ernährung (z. B. vollständiger Verzicht auf Obst/Gemüse, viel Fleisch anstelle von anderen Proteinquellen etc.) getroffen.

Eine Studie in der renommierten Fachzeitung The Lancet aus dem Jahr 2018 kommt zu dem Ergebnis, dass Kostzusammenstellungen, welche auf tierisches Eiweiss und Fett aufbauten wie Lamm, Rindfleisch, Schweinefleisch und Geflügel mit einer erhöhten Mortalität verbunden sind. Stammten Eiweiss und Fett hingegen aus pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Nüsse, Erdnussbutter, Vollkornbrot, wird eine erniedrigte Mortalität festgestellt.[33] Insgesamt sei eine Ernährung mit zu hohem und zu niedrigem Kohlenhydratanteil mit einer erhöhten Mortalität verbunden. Am förderlichsten für die Gesundheit war ein Kohlenhydratanteil von 50–55 %.[34]

Eine weitere Studie aus dem Jahr 2020 kommt zu einem vergleichbaren Ergebnis: Wird bei einer kohlenhydratarmen Diät die Kohlenhydrat-Reduktion durch den vermehrten Konsum von tierischen Lebensmitteln erreicht, besteht ein Zusammenhang mit erhöhter Mortalität. Eine pflanzenbasierte Kost hingegen senkt das Mortalitätsrisiko.[35]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arthur Agatston: Die South Beach Diät. Knaur, München 2004, ISBN 3-426-66963-3.
  • Robert C. Atkins: Die neue Atkins-Diät. Abnehmen ohne Hunger. Goldmann, München 1999, ISBN 3-442-14113-3.
  • Wolfgang Lutz: Leben ohne Brot: Die wissenschaftlichen Grundlagen der kohlenhydratarmen Ernährung. 16. Auflage. Informed, 2004, ISBN 3-88760-100-9. (aus dem Amerikanischen: Living Low Carb - The complete Guide to Long-Term Low-Carb Dieting)
  • Jan Kwasniewski: Optimal essen. Warszawa Wydawn, 2000, ISBN 83-8753414-5.
  • Nicolai Worm: LOGI-Methode: Glücklich und schlank. 5. Auflage. Systemed, 2006, ISBN 3-927372-26-9.
  • Michel Montignac: Die Montignac Diät. 2. Auflage. Dorling Kindersley, 2005, ISBN 3-8310-1641-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. P. R. Huttenlocher, A. J. Wilbourn, J. M. Signore: Medium-chain triglycerides as a therapy for intractable childhood epilepsy. In: Neurology. Band 21, Nr. 11, Nov 1971, S. 1097–103. PMID 5166216
  2. a b Low carb – high fat? In: DGE (Hrsg.): DGE-aktuell. Nr. 05, Juni 2004 (dge.de [abgerufen am 1. März 2011]).
  3. Sara B Seidelmann, Brian Claggett, Susan Cheng, Mir Henglin, Amil Shah: Dietary carbohydrate intake and mortality: a prospective cohort study and meta-analysis. In: The Lancet Public Health. Band 3, Nr. 9, September 2018, S. e419–e428, doi:10.1016/S2468-2667(18)30135-X, PMID 30122560, PMC 6339822 (freier Volltext).
  4. Andrew Reynolds, Jim Mann, John Cummings, Nicola Winter, Evelyn Mete: Carbohydrate quality and human health: a series of systematic reviews and meta-analyses. In: The Lancet. Band 393, Nr. 10170, Februar 2019, S. 434–445, doi:10.1016/S0140-6736(18)31809-9.
  5. A brief history of Banting. In: Gary Taubes: Good Calories, Bad Calories: Fats, Carbs, and the Controversial Science of Diet and Health. Anchor 2008, ISBN 978-1-4000-3346-1, S. IX ff.
  6. Christian Pfister, Kaspar Staub: Der alte Streit um die „richtige“ Diät. In: sge-ssen.ch (Hrsg.): Tabula. Nr. 03, August 2006, S. 8–9 (sge-ssn.ch [PDF; abgerufen am 4. März 2011]).
  7. Mark E Daly: Acute effects on insulin sensitivity and diurnal metabolic profiles of a high-sucrose compared with a high starch diet. In: Am J Clin Nutr. Nr. 67. American Society for Clinical Nutrition, 1998, S. 1186–1196 (englisch, Online [PDF]).
  8. Eric C Westman: Is dietary carbohydrate essential for human nutrition? In: Am J Clin Nutr. Band 75, Nr. 5. American Society for Clinical Nutrition, Mai 2002, ISSN 1938-3207, S. 951–953 (englisch, Online).
  9. Christina Schlatterer: Wie Proteine satt machen; Langsames Umdenken hinsichtlich der Ernährungsrichtlinien. (Nicht mehr online verfügbar.) NZZ-Online, 18. Oktober 2006, archiviert vom Original am 16. November 2006; abgerufen am 5. März 2011: „Jene Studienteilnehmer, die die proteinreiche Mahlzeit erhalten hatten, berichteten dabei von der deutlichsten Sättigung. Bei ihnen stieg auch die Menge an PYY [ein Hormon] im Blut nach der Mahlzeit am stärksten an.
  10. dietdoctor.com
  11. Christian Floto, Michael Ristow: Low-Carb – Weniger Kohlenhydrate, bessere Gesundheit? Deutschlandfunk„Sprechstunde“ vom 6. September 2016.
  12. LCHF – Low Carb High Fat (Memento vom 15. April 2013 im Internet Archive)
  13. a b A. E. Buyken, D. J. Mela, P. Dussort, I. T. Johnson, I. A. Macdonald, J. D. Stowell, F. J. Brouns: Dietary carbohydrates: a review of international recommendations and the methods used to derive them. In: European Journal of Clinical Nutrition. [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck] April 2018, doi:10.1038/s41430-017-0035-4. PMID 29572552.
  14. WHO: Joint FAO/WHO Scientific update on carbohydrates in human nutrition. In: European Journal of Clinical Nutrition. Band 61(Supplement 1), Dezember 2007.
  15. B. Lennerz, J. K. Lennerz: Food Addiction, High-Glycemic-Index Carbohydrates, and Obesity. In: Clinical chemistry. Band 64, Nummer 1, Januar 2018, S. 64–71, doi:10.1373/clinchem.2017.273532. PMID 29158252, PMC 5912158 (freier Volltext).
  16. A. Bosy-Westphal, M. J. Müller: Impact of carbohydrates on weight regain. In: Current opinion in clinical nutrition and metabolic care. Band 18, Nummer 4, Juli 2015, S. 389–394, doi:10.1097/MCO.0000000000000193. PMID 26049636.
  17. A. Pan, F. B. Hu: Effects of carbohydrates on satiety: differences between liquid and solid food. In: Current opinion in clinical nutrition and metabolic care. Band 14, Nummer 4, Juli 2011, S. 385–390, doi:10.1097/MCO.0b013e328346df36. PMID 21519237.
  18. L. M. Burke, J. A. Hawley, S. H. Wong, A. E. Jeukendrup: Carbohydrates for training and competition. In: Journal of sports sciences. Band 29 Suppl 1, 2011, S. S17–S27, doi:10.1080/02640414.2011.585473. PMID 21660838.
  19. Cara B. Ebbeling u. a.: Effects of Dietary Composition on Energy Expenditure During Weight-Loss Maintenance. In: JAMA. Band 24, Nr. 307, 27. Juni 2012, S. 2627–2634, doi:10.1001/jama.2012.6607 (englisch, Online): “Conclusion: Among overweight and obese young adults compared with pre-weight-loss energy expenditure, isocaloric feeding following 10 % to 15 % weight loss resulted in decreases in REE and TEE that were greatest with the low-fat diet, intermediate with the low-glycemic index diet, and least with the very low-carbohydrate diet.[...] The low-fat diet produced changes in energy expenditure and serum leptin that would predict weight regain.
  20. nytimes.com
  21. Verwirrung auf dem Speiseplan. In: sueddeutsche.de. 29. Juni 2012, abgerufen am 10. Mai 2018.
  22. Funktioniert die Atkins-Diät wirklich? (2004)
  23. Arne Astrup, Thomas Meinert Larsen, Angela Harper: Atkins and other low-carbohydrate diets: hoax or an effective tool for weight loss? In: The Lancet. Band 364, Nr. 9437, 4. September 2004, S. 897–899, doi:10.1016/S0140-6736(04)16986-9 (englisch).
  24. M. Hession, C. Rolland, U. Kulkarni, A. Wise, J. Broom: Systematic review of randomized controlled trials of low-carbohydrate vs. low-fat/low-calorie diets in the management of obesity and its comorbidities. In: Obes Rev. Band 10, Nr. 1, August 2008, S. 36–50, doi:10.1111/j.1467-789X.2008.00518.x, PMID 18700873: There was a higher attrition rate in the low-fat compared with the low-carbohydrate groups suggesting a patient preference for a low-carbohydrate/high-protein approach as opposed to the Public Health preference of a low-fat/high-carbohydrate diet. Evidence from this systematic review demonstrates that low-carbohydrate/high-protein diets are more effective at 6 months and are as effective, if not more, as low-fat diets in reducing weight and cardiovascular disease risk up to 1 year.
  25. a b I. Shai u. a.: Weight Loss with a Low-Carbohydrate, Mediterranean, or Low-Fat Diet. In: New England Journal of Medicine. Band 359, Nr. 3, 17. Juli 2008, S. 229–241, doi:10.1056/NEJMoa0708681 (englisch): Conclusions: Mediterranean and low-carbohydrate diets may be effective alternatives to low-fat diets.
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