Ludmilla Hypius

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Ludmilla Hypius (2004)
Interview mit Ludmilla Hypius (WDR 5)

Ludmilla Hypius (* 2. Mai 1911 in Baden-Baden; † 25. Januar 2015 in Frankfurt (Oder)) war eine deutsche Trompeterin und Musikpädagogin.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludmilla Bernhardine Hypius war die Tochter der Kammersängerin Marta Anna Hypius (Künstlername Arletta Hypius, * 1887) und des Schauspielers Johann Friedrich Bernhard Mörbitz (1872–1916). Hypius hatte eine 1939 geborene Tochter aus der Beziehung zu dem 1944 in Stalingrad gefallenen Peter Flocken. 1945 heiratete sie in Dresden den Generalvertreter Emil Bingel. Aus der Ehe, die 1949 geschieden wurde, stammte ein Sohn.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hypius´ Vater verstarb, als sie fünf Jahre alt war. Sie absolvierte eine humanistische Bildung in Privatschulen und im privaten Höheren Lyzeum A. Nolden Dresden.[1] Ihren ersten Klavierunterricht erhielt sie im Alter von fünf Jahren[2] und besuchte von 1917 bis 1928 die private Musikschule Fischer in Dresden-Klotzsche.[1]

Von 1927 bis 1932 begleitete sie Auftritte ihrer Mutter am Klavier, u. a. in Dresden, Bayreuth, München und Bad Berneck im Fichtelgebirge.[1]

Ab 1933 spielte sie sowohl klassische- als auch Unterhaltungsmusik in verschiedenen Ensembles, die sie teilweise selbst gründete. Zusätzlich lernte sie Akkordeon und Trompete. Trompetenunterricht erhielt sie in Königsberg und Aachen beim Kammermusiker Noak und in Berlin beim Kammervirtuosen Bode.[3] Ihre Auftritte führten sie durch Deutschland und während des Zweiten Weltkrieges auch nach Norwegen, Griechenland, Dänemark und Luxemburg. Dabei wirkte sie als Trompeten- und Klaviersolistin, Sängerin und Ansagerin.[1]

Nach Kriegsende stand sie bereits im August 1945 wieder als Instrumentalsolisten auf der Bühne und konzertierte regional mit einem kleinen Ensemble.1950 absolvierte sie in Halle (Saale) die staatlichen Prüfungen in Trompete, Klavier, Theorie und Musikgeschichte und erhielt damit die Auftrittsgenehmigung in der DDR. Bekannt wurde sie hauptsächlich als Trompetensolistin und wirkte 10 Jahre lang bis 1964 als erste und zweite Trompeterin im Kulturorchester der Technischen Universität Dresden.[1]

1961 absolvierte sie ein externes Studium der Musikpädagogik an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden und erhielt 1964 die Zulassung als freischaffende Musikerzieherin in den Fächern Klavier, Trompete und Akkordeon. Es folgte eine Anstellung in der Musikschule Eisenhüttenstadt[2] als Musikpädagogin für Klavier- und Trompete. 1967 legte Hypius das Staatsexamen[2] in der Abteilung für Blasinstrumente der Hochschule für Musik Dresden ab. In den Jahren von 1964 bis 2006 unterrichtete sie an den Musikschulen Eisenhüttenstadt, Fürstenwalde/Spree und Beeskow.[2][1]

Neben ihrer Unterrichtstätigkeit gründete und leitete sie Bläsergruppen wie die „Breslacker Dorfmusik“,[2][4] die „Dorchetaler Musikanten“ Landkreis Oder-Spree, verschiedene Jagdhorngruppen sowie die Schüler-Blasorchester von Eisenhüttenstadt und Beeskow. Von 1969 bis 1973 dirigierte sie den Volkschor „Harmonie“ in Möbiskruge und ebenfalls drei Jahre lang den Chor der Volkspolizei-Bereitschaft Eisenhüttenstadt. 1972 wurde Hypius zur stellvertretenden Direktorin der Musikschule Eisenhüttenstadt berufen.[1] Für ihre Schüler und Bläsergruppen arrangierte und komponierte sie rund 15 kleinere Werke und absolvierte zahlreiche Auftritte mit ihren Chören und Bläsergruppen bei kulturellen Ereignissen in Eisenhüttenstadt und Umland. Noch im Alter von 90 Jahren unterrichtete sie Trompete und Klavier.[2] Im Ruhestand leitete sie den „Chor der heiteren Seniorinnen“.[5]

Sie wurde außerdem zu Fernseh- und Radiosendungen der DDR und später im Rundfunk Berlin-Brandenburg, Mitteldeutschen Rundfunk und Westdeutschen Rundfunk Köln 5 eingeladen.

Ludmilla Hypius starb 2015 in einem Seniorenheim. Ihre Grabstätte befindet sich auf dem Inselfriedhof in Eisenhüttenstadt.[6] Ihr musikalischer Nachlass wird von ihrem Enkel verwaltet, der eine eigene Musikschule leitet.[7]

In Eisenhüttenstatt wurde im Jahr 2016 der ehemalige Pionierweg in „Ludmilla-Hypius-Weg“ umbenannt.[2][8]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Präludium (1959)
  • Scherzo Op.7
  • Frühlingstanz
  • Vergnügter Znakkanon für Brüder Op. 15 (1969)
  • Heiteres Intermezzo Op. 4
  • Adagio für 2 Trompeten Op.3 (1950)
  • Fröhlicher Herbst (2006)
  • Im Sommerlager Op. 13 (1967)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmdokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludmilla Hypius: Geschichten und Erfahrungen aus meinem Leben Books on Demand, 2006

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Bauer: Wir stellen vor: Ludmilla Hypius. In: Kulturspiegel Eisenhüttenstadt vom 1. September 1977, S. 2–4.
  • Karl Heinz Böttcher: Eine gemeinsame Sprache, Ludmilla Hypius: Musik und Esperanto im Dienst des Friedens. In: Der Morgen vom 28. August 1982
  • Waltraut Tuchen: Anfangs war die Lehrerin skeptisch. In: Märkische Oderzeitung, Spree-Journal vom 25. August 2003, S. 15
  • Jeanette Bederke: Von schmetternden Dur- und Mollakkorden bis zur übermäßigen Quinte:Eine noch 92-Jährige bringt Schülern in Beeskow die Trompeten-Töne bei. In: Märkischer Markt, Blickpunkt Frankfurt (Oder) vom 28. April 2004, S. 4
  • Janet Neiser: Ein Leben nach Noten. In: Märkische Oderzeitung vom 3. Februar 2015, S. 14
  • Stefan Lötsch: Verdienstvolle Musikerin geehrt. In: Märkische Oderzeitung vom 23. Februar 2016, S. 15

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Werner Bauer: Wir stellen vor: Ludmilla Hypius. In: Kulturspiegel Eisenhüttenstadt vom 1. September 1977, S. 2–4
  2. a b c d e f g Redaktion: Ludmilla-Hypius-Weg - Niederlausitz Aktuell. Abgerufen am 10. Januar 2020 (deutsch).
  3. Jeanette Bederke: Von schmetternden Dur- und Mollakkorden bis zur übermäßigen Quinte:Eine noch 92-Jährige bringt Schülern in Beeskow die Trompeten-Töne bei. In: Märkischer Markt, Blickpunkt Frankfurt (Oder) vom 28. April 2004, S. 4.
  4. Waltraut Tuchen: Anfangs war die Lehrerin skeptisch. In: Märkische Oderzeitung, Spree-Journal vom 25. August 2003, S. 15.
  5. Seniorenchor und Eberhard Cohrs begeisterten. In: Märkische Oderzeitung Spree-Journal vom 24. September 1994
  6. Janet Neiser: Ein Leben nach Noten. In: Märkische Oderzeitung vom 3. Februar 2015, S. 14.
  7. Musikschule Hellern. Abgerufen am 10. Januar 2020.
  8. Lausitzer Rundschau: Engagierte Musiklehrerin wird mit einer eigenen Straße geehrt. 19. Februar 2016, abgerufen am 10. Januar 2020.