Ludwig Grote

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit dem Kunsthistoriker Ludwig Grote. Zum Theologen und Publizisten siehe Ludwig Heinrich Grote.

Hans Wilhelm Karl Ludwig Grote (* 8. August 1893 in Halle an der Saale; † 3. März 1974 in Gauting bei München) war ein deutscher Kunsthistoriker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studium der (1912 Archäologie) in Jena, (1912 Architektur) TU Braunschweig, unterbrochen durch Teilnahme am Ersten Weltkrieg (beendet als Leutnant d. R.), wechselt er nach bestandener Vorprüfung in Braunschweig (1919) an die (im WS 1919 Kunstgeschichte) Universität Halle-Wittenberg, (1920 Kunstgeschichte) München, und wird 1922 (bei Paul Frankl promoviert, dem er nach Halle-Wittenberg gefolgt war) mit einer Arbeit über das Druckgraphische Werk von Georg Lemberger.

1923 erhielt er einen Werkvertrag in Dessau zur Herstellung eines Kataloges der Sammlung Alter Meister in der dortigen Amalienstiftung. Von 1924 bis 1933 war er Landeskonservator von Anhalt, sowie ab 1927 im Nebenamt Direktor der von ihm gegründeten Gemäldegalerie in Dessau (Palais Reina). Als Landeskonservator war er zuständig für allgemeine Kunst- und Denkmalpflege, die Wiederherstellung der jahrzehntelang vernachlässigten ehemaligen herzoglichen Schlösser und Gärten (insbesondere die Restaurierung des Wörlitzer Parks ist sein Verdienst), sowie für den Kunstverein mit Veranstaltung wechselnder Ausstellungen.

Er war während dieser Zeit persönlicher Berater des Bürgermeisters Fritz Hesse, zunächst zur Überführung des dort politisch höchst umstrittenen Bauhauses von Weimar nach Dessau; er führte damals nicht allein die Verhandlungen mit Walter Gropius, sondern 1930 auch ebenso erfolgreich in Berlin mit dem Architekten Ludwig Mies van der Rohe, welcher der letzte Leiter des Bauhauses werden sollte.

1933 wurde Grote von den Nationalsozialisten und deren Presse wegen seiner engen Verbindungen zum Dessauer Bauhaus sowie seiner Ankaufspolitik für die Gemäldegalerie als "Kulturbolschewist" bezeichnet und auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus seinem Amt als Landeskonservator von Sachsen-Anhalt und Direktor der Galerie in Dessau "auf eigenen Wunsch" in den Ruhestand versetzt.

Nach freiberuflicher Tätigkeit in der Steinrestaurierung (Potsdam und Berlin), schriftstellerischer Tätigkeit und Tätigkeit im Münchner Kunsthandel nahm er bis 1945 am Zweiten Weltkrieg teil, zuletzt im Rang eines Majors.

Nach 1945 organisierte Ludwig Grote eine Reihe von damals aufsehenerregenden Ausstellungen im „Haus der Kunst“ in München:

  • Der Blaue Reiter. München und die Kunst des 20. Jahrhunderts. 1908-1914. (München 1949, Basel 1950)
  • Die Maler am Bauhaus. (München Frühjahr 1950)
  • Oskar Kokoschka 1907-1950. (München September 1950)
  • Max Beckmann zum Gedächtnis 1884-1950. (München Juni-Juli 1950)
  • Toulouse-Lautrec das graphische Werk. Sammlung Ludwig Charell. (München 195)

1951 wurde er Erster Direktor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, seit August 1958 war er Generaldirektor. Den Wiederaufbau des Museums verwirklichte er zusammen mit dem Architekten Sep Ruf im Geiste des internationalen Stils des Bauhauses. Seine Erwerbungspolitik für das Germanische Nationalmuseum zeichnet sich durch Universalität aus.

Zu seinen ersten Aufgaben gehörte die Ausrichtung der Hundertjahrfeier des Germanischen Nationalmuseums, insbesondere mit einer großen Ausstellung "Aufgang der Neuzeit" (15. Juli-15. Oktober 1952). Seine Ausstellungstätigkeit zur modernen Kunst konnte er in Nürnberg aufgrund eines Abkommens mit der Stadt in der damaligen Fränkischen Galerie fortsetzen: 6. Pablo Picasso, Radierungen & Lithographien, 1905-1951. Wanderausstellung 1952. 7. Ernst Ludwig Kirchner, Sammlung Dr. F. Bauer/Davos, 1952. 8. Wassily Kandinsky Arbeiten 1912-1942, Februar 1954. u.s.f.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grote heiratete am 4. August 1927 die Schriftstellerin Gertrud Maud, Tochter des Arztes Wilhelm Schmitt und seiner Frau Marion.[1] Ihre Kinder sind der 1929 geborene Kunsthistoriker und Museumssachverständiger Andreas Grote der 1931 geborene Schriftsteller Christian Grote.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrike Wendland: Biographisches Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil. Leben und Werk der unter dem Nationalsozialismus verfolgten und vertriebenen Wissenschaftler. Saur, München 1999, Bd. 1, S. 251–255.
  • Birgit Jooss: Das Tagebuch des Kunsthistorikers Ludwig Grote aus dem Jahr 1947. In: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 2010, S. 306–307.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Auswahl)

  • Ludwig Grote: Skizzenbuch aus den Jahren 1806 und 1818, Friedrich, Caspar David. - Berlin : Gebr. Mann, 1994.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Grote, Gertrud Maud in Die Gesichter des deutschen Kunstarchivs, Deutsches Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum