Mölbis

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Mölbis
Stadt Rötha
Koordinaten: 51° 11′ 41″ N, 12° 29′ 52″ O
Höhe: 155 m ü. NN
Einwohner: 525 (31. Dez. 2016)
Eingemeindung: 1. Januar 1999
Eingemeindet nach: Espenhain
Postleitzahl: 04571
Vorwahl: 034347
Mölbis auf dem Sächsischen Meilenblatt, um 1800

Mölbis ist ein zur Stadt Rötha im sächsischen Landkreis Leipzig gehöriges Dorf. Es wurde am 1. Januar 1999 nach Espenhain eingemeindet und am 1. August 2015 mit diesem zusammen nach Rötha.[1] Wegen der ehemals katastrophalen Umweltverhältnisse durch das benachbarte Braunkohlenkombinat Espenhain erlangte es traurige Berühmtheit.

Mölbis und Silhouette von Leipzig von der Halde

Lage und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mölbis liegt etwa 18 Kilometer südöstlich von Leipzig am Südrand des breiten, sich in Ost-West-Richtung erstreckenden Auentals des Baches Gösel. Im Südosten des Ortes erhebt sich die beim Aufschluss des Tagebaus Espenhain entstandene und inzwischen bewaldete Halde Trages (im Volksmund Kippe), die eine Höhe von 66 Metern über der Umgebung erreicht. Die Nachbarorte von Mölbis sind von Norden beginnend im Uhrzeigersinn Pötzschau, Oelzschau, Trages und Thierbach sowie das Gelände des ehemaligen Kombinats Espenhain und der Ort Espenhain.

Von Mölbis aus erreicht man in etwa drei Kilometer in Espenhain die Bundesstraße 95 und hat damit in etwa neun Kilometer Entfernung Anschluss an die Autobahn A 38. Mit der Buslinie 276 des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes ist Mölbis mit benachbarten Orten sowie Borna und Kitzscher verbunden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mölbiser Schloss um 1840
Die Kirche in Mölbis um 1840
Bild von Lucas Cranach d.Ä., ehemals in der Kirche Mölbis
Die Quelle der Umweltschäden in Mölbis: Das Kombinat Espenhain

Mölbis wird erstmals 1230 im Zusammenhang mit Hermannus de Melebuz als Herrensitz erwähnt. Der Herrensitz entwickelte sich über einen Rittersitz zu einem Rittergut, zu dem auch das Vorwerk Crossen[2] an der Straße Leipzig–Borna gehörte.[3] Als dessen Besitzer werden genannt Melchior von Etzdorf (um 1488), Georg von Haugwitz (1574), Innocenz von Starschädel (der Ältere 1579, der Jüngere 1650) und Wolf von Gustedt (1670).

Über Ursula von Gustedt, die Ende des 17. Jahrhunderts Christoph Dietrich Bose den Älteren heiratete, kam das Gut Mölbis in den Besitz der Familie derer von Bose. Christoph Dietrich Bose der Ältere ließ 1688 die Dorfkirche aus eigenen Mitteln von Grund auf neu errichten und stattete sie zur baulichen Erhaltung mit einem Kapital von 2.000 Gulden aus. Nach seinem Tode 1708 übernahm sein Sohn Adam Heinrich Bose das Gut, errichtete das als Schloss bezeichnete Gutshaus völlig neu und legte einen Park an. Nach seinem Ableben 1749 besaß noch seine Frau das Gut. Die Ehe war kinderlos und so erbte Carl Heinrich Zdislav Bose das Gut. Danach besaß das Rittergut Mölbis dessen Sohn Carl Adam Heinrich von Bose ab 1782.

Letzterer verkaufte es schon zu Lebzeiten 1789 an den Advokaten Wilhelm Conrad Lange aus Leipzig, und über einen Herrn Wilke und die Frau von Görne, geborene von Hohenthal, kam es 1798 an den sächsischen Rittmeister Christian Adolf von Hopfgarten. 1816 erwarb das Gut der preußische Leutnant a. D. Joachim Friedrich Gustav Brandt von Lindau, dessen Erben es 1855 an den Leipziger Kaufmann Georg Wilhelm Wünning verkauften. Zu dem Gut gehörten auch eine Brauerei und eine Brennerei.[4] Vom letzten Privatbesitzer, dem Leipziger Architekten Alfred Rudolf Stentzler ging das Gut 1932 an dessen Ehefrau Flora Stentzler über, die es 1937 an die Aktiengesellschaft Sächsische Werke (ASW) verkaufen musste, da die ASW die Feldflur zur Errichtung des Braunkohleveredlungswerkes und Kraftwerkes Espenhain benötigte. Am 5. März 1945 wurden bei einem anglo-amerikanischen Bombenangriff auf das nahegelegene Werk Espenhain zahlreiche Gebäude des Ortes zerstört. Aber das Schloss und die Gebäude des Gutes wurden nicht beschädigt. 1948 wurde das Schloss auf Befehl der SMAD abgerissen.[5]

Das Dorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Anfänge des Dorfes ist nichts bekannt. Es dürfte wie die meisten seiner Nachbardörfer sorbischen Ursprungs sein, worauf die Namensableitung von Milbus (= hohes Dorf)[6] hindeutet. Mölbis hatte bereits Mitte des 16. Jahrhunderts über 30 Bauernhöfe, zu denen später Handwerker wie Bierbrauer, Tischler, Hufschmied, Fleischerknecht, Windmüller, Schlosser, zwei Böttcher, Branntweinhändler, zwei Schneider, Krämer, Musiker und Nachtwächter kamen (nach einer Aufstellung von 1747). Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Mölbis drei Gasthöfe.

Im Dreißigjährigen Kriege hatte das Dorf im Winter 1637 ein schwedisches Reiterregiment mit 1200 Pferden für fast sieben Wochen „zu Gast“, wobei es nahezu völlig verwüstet wurde. Am Pfingstmontag des gleichen Jahres raubte das Kaiserlich Landgräflich Hessische Regiment das Dorf aus. Auch mehrere große Brände (1764, 1774) führten zu Rückschlägen. Bei der Völkerschlacht bei Leipzig wurde Mölbis zwar mit starker Einquartierung belastet, kam aber ohne Zerstörungen davon.

Durch die Sächsische Landgemeindeordnung von 1838 wurde auch Mölbis eine selbstverwaltete Gemeinde mit einem 1839 gewählten Gemeinderat und unabhängig vom Rittergutsbesitzer. Der Ort lag bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Borna.[7] Schließlich wurde 1856 auch dessen Gerichtsbarkeit dem Königlichen Gericht Rötha übertragen.[8] Ab 1875 gehörten Mölbis und das Vorwerk Crossen zur Amtshauptmannschaft Borna.[9]

In den 1930er Jahren wandelte sich der Ort durch die benachbarte Braunkohlenindustrie zur ländlichen Industriegemeinde. Große Teile der Feldflur gingen durch die Halde verloren, die wegen des Aufschlusses des Tagebaus Espenhain gleich hinter dem Dorf aufgeschüttet wurde. Das Vorwerk Crossen musste Ende der 1930er Jahre der Errichtung des Werksgeländes des späteren Kombinates Espenhain weichen. Teile seiner Flur wurden 1988/89 durch das Abbaufeld 3 des Tagebaus Witznitz II überbaggert.[10] Dieses schwenkte zwischen 1982 und 1987 um den Hilfsdrehpunkt Crossen.[11]

Als besonders schädlich für Mölbis erwies sich aber der Umstand, dass es bei dem häufig vorherrschenden Südwestwind in der Abgasfahne des weniger als einen Kilometer entfernten Braunkohleverarbeitungswerkes Espenhain lag. Es war den Schwelgasen, dem Rauch und dem Ruß des Werkes über Jahrzehnte ausgeliefert. Die zur Zeit ihrer Errichtung modern gewesenen Schwelanlagen verkamen während der vierzigjährigen Nutzung in der DDR zur größten Umweltbelastung. Zunächst wurden sie in Erwartung der Ablösung durch Erdöl auf Verschleiß gefahren, und nach der Erdölkrise intensiver ohne Rücksicht auf Umweltschäden betrieben.

Gesundheitliche Schäden, besonders bei Kindern, waren ebenso die Folge wie der Verschleiß der Bausubstanz. Es kam vor, dass die Bäume bereits im Sommer ihre Blätter abwarfen. Viele Einwohner verließen den Ort. Mölbis wurde vielfach als das „dreckigste Dorf Europas“ bezeichnet.[12] Proteste in Form von Eingaben oder sogenannten Umweltgottesdiensten seit 1983, bei denen sich das Christliche Umweltseminar Rötha besonders engagierte, bewirkten wenig. Nach Aussagen des ehemaligen Ortspfarrers Karlheinz Dallmann führte die 'Undercover-Aktion' "1,-M für Espenhain" zu einer Summe von 40.000 gesammelten DDR-Mark, wobei die Öffentlichkeitswirkung effektiver war.[13][14]

Nach der Wende wurde die Kohleverarbeitung in Espenhain schnell stillgelegt. Über Mölbis wurden Studien zur Schadstoffbelastung des Bodens angefertigt, die die weitere Bewohnbarkeit des Ortes bestätigten. In den Medien wurde Mölbis das Vorzeigeobjekt für die vernachlässigte Umweltpolitik der DDR. Höhepunkt dieser Kampagne war der Besuch des britischen Thronfolgers Prinz Charles am 19. Dezember 1991 in Mölbis.[15]

Das große öffentliche Interesse hatte zur Folge, dass eine umfangreiche Förderung einsetzte. Die Infrastruktur des Dorfes wurde saniert, die Kirche, die ehemalige Orangerie und die Dorfgaststätte renoviert, sowie der Bau von Wohnungen in Angriff genommen. Die verbliebenen Hausbesitzer wurden in der Sanierung der Bausubstanz unterstützt und der Eigenheimbau wurde gefördert. Heute sieht man dem Ort seine schwere Vergangenheit nicht mehr an.

Mölbis wurde 1999 nach Espenhain eingemeindet, mit dem der Ort 2015 zur Stadt Rötha kam.

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Mölbis[3]
0Jahr 1551 1764 1834 1871 1890 1910 1925 1939 1946 1950 1964 1990 1999 2000 2005 2010
0Einwohner 35 Höfe 31 Höfe 426 627 728 681 750 883 1030 953 666 355 581[16] 624[16] 594[16] 562[16]

Die Einwohnerzahl von Mölbis nahm seit dem 17. Jahrhundert eine stabile Entwicklung und stieg nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen stark an. Wegen der Umweltproblematik fiel die Zahl danach auf etwa ein Drittel. Nach der Beseitigung der Umweltprobleme stabilisierte sich der Wert etwas unter Vorkriegsniveau, allerdings mit anderer Struktur. Während früher der überwiegende Teil der Bevölkerung vor Ort in der Landwirtschaft beschäftigt war, nutzen viele die angenehme ländliche Umgebung jetzt nur als Wohnquartier.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orangerie
  • Die Kirche von 1688 mit doppelter Empore soll in ihrer Innenausstattung der Moritzburger Schlosskapelle folgen. Die westliche Rundbogenpforte stammt aus dem 16. Jahrhundert.[17] Ein Bild von Lucas Cranach d. Ä. (Die Austreibung der Wechsler und Händler aus dem Tempel in Jerusalem), das ehemals in der Kirche hing, befindet sich jetzt in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden.[18]
  • Die restaurierte Orangerie des ehemaligen Schlosses enthält seit 1997 das Umweltgeschichtliche Informationszentrum mit einem Vortragssaal sowie eine Wohnung.
  • Ein 10 km langer Rundwanderweg auf der Hochhalde Trages, der höchsten Erhebung des Leipziger Raumes, führt auch zu einem Aussichtsturm von 33 Metern Höhe, der eine Rundumsicht bietet, die bei entsprechendem Wetter bis zum Erzgebirge reicht.[19]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Labor für medizinische Mikrobiologie

In Mölbis gibt es ein Labor für medizinische Mikrobiologie.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Süßmund, der Kretzschmar (Gastwirt) von Mölbis, gehörte zu den Anführern der Bauernunruhen in den Dörfern des Amtes Borna, die am 12. Juli 1525 in Altenburg hingerichtet wurden.[20] Seit ca. 1955 gibt es in Mölbis irrigerweise eine Kretzschmarstraße, statt „Süßmundstraße“.
  • Der lutherische Theologe Christoph Heinrich Zeibich (1677–1748) wurde in Mölbis geboren.
  • Der lutherische Theologe Johann Jakob Greif (1699–1767), der sich um die Herausgabe der Leipziger Ausgabe von Martin Luthers Werken verdient gemacht hat, war von 1733 bis 1767 Pfarrer in Mölbis.
  • Der Leipziger Unternehmer Richard Poetzsch (1861–1913), Gründer und Inhaber der gleichnamigen Kaffee-Großimport und Kaffee-Großrösterei GmbH, wurde in Mölbis geboren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Nabert (Redaktion): Im Pleiße- und Göselland zwischen Markkleeberg, Rötha und Kitzscher. Pro Leipzig e.V., Leipzig 1999, ISBN 3-9806474-1-2, S. 145–158.
  • Brigitte Steinbach, Wolfgang Sperling, Thomas Nabert (Hrsg.): Mölbis: Unsere Zukunft hat schon begonnen. In: Südraum-Journal 1, Gemeinde Mölbis in Zusammenarbeit mit dem Christlichen Umweltseminar Rötha e.V. und Pro Leipzig e.V. in Passage-Verlag, Leipzig 1995, ISBN 3-9804313-3-9.
  • Mölbis. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 6. Band. Schumann, Zwickau 1819, S. 537 f.
  • Richard Steche: Mölbis. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 15. Heft: Amtshauptmannschaft Borna. C. C. Meinhold, Dresden 1891, S. 77.
  • Wolfgang Sperling: Mölbis – Lexikon zur Geschichte des Dorfes; SÜDRAUM-VERLAG, Borna 2012, ISBN 978-3-937287-40-9

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.sachsen-gesetze.de/shop/saechsabl/2015/29/read_pdf
  2. Crossen im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  3. a b Mölbis im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  4. Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen, I. Section: Leipziger Kreis. Leipzig um 1860, S. 116–118 (Digitalisat)
  5. Im Pleiße- und Göselland zwischen Markkleeberg, Rötha und Kitzscher, Leipzig 1999, S. 153
  6. Die Parochie Mölbis in Neue Sächsische Kirchengalerie, Leipzig 1900–1910, Band Die Ephorie Borna, Sp. 707–712 (Digitalisat)
  7. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 62 f.
  8. Rittergut Mölbis (Patrimonialgericht) im Staatsarchiv Leipzig
  9. Die Amtshauptmannschaft Borna im Gemeindeverzeichnis 1900
  10. Crossen im Historischen Ortsverzeichnis Sachsen
  11. Der Tagebau Witznitz mit Karte auf der Webseite der LMBV
  12. Nina Grunenberg: Ein 68er der DDR. In: Zeit Online. 30. August 1996, abgerufen am 21. Dezember 2013 (hier Falschschreibung Mölbitz).
  13. Mölbis bei Christliches Umweltseminar Rötha
  14. {DLF vom 6. Oktober 2014 (Sendung: Umwelt und Verbraucherschutz/11.30-12:00h)}
  15. Im Pleiße- und Göselland zwischen Markkleeberg, Rötha und Kitzscher, Leipzig 1999, S. 156
  16. a b c d Mitteilung des Einwohnermeldeamtes Espenhain vom 21. März 2011
  17. R. Steche: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, Heft 15 Amtshauptmannschaft Borna, Dresden 1891, S. 77
  18. Seit 1973 Eigentum der Gemäldegalerie Alte Meister Dresden – Auskunft der Galerie am 18. April 2011
  19. Ausflugsziele im Leipziger Neuseenland
  20. Nach Borna-Aktuell (Memento vom 21. Juli 2012 im Webarchiv archive.is)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mölbis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien