Müllner-Peter

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Der Müllner-Peter (einziges bekanntes Bild)

Der Müllner-Peter von Sachrang, bürgerlich Peter Hueber oder Peter Huber[1] (* 29. Juni 1766 in Aschach bei Sachrang; † 19. August 1843 ebenda) war neben seiner Tätigkeit als Müller Musiker und Universalgelehrter.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der musikalisch talentierte Sohn der Müllersleute Georg und Margarethe Huber war das fünfte von acht Kindern in Sachrang-Aschach. Er sollte angeblich eigentlich studieren und Pfarrer werden. Eine Ausbildung auf dem Münchner Jesuiten-Gymnasium ist nicht nachweisbar. Da Huber mit dem Münchner Stadtmusiker Georg Augustin Holler befreundet war und dieser Musiklehrer an der Herzoglich Marianischen Landesakademie in München war, könnte er dessen Privatschüler gewesen sein. Möglich gewesen wäre eine Gymnasialausbildung in den Klöstern Weyarn oder Herrenchiemsee. Jedenfalls erwarb sich Huber einen ungewöhnlichen Bildungsstand. 1797 wurde er Chorregent und Organist an der Sachranger Pfarrkirche. 1809 übernahm er den elterlichen Hof und die elterliche Kornmühle. Nebenher betätigte er sich weiter als Chorleiter und Organist. Huber war ein ausgezeichneter Musiker, der mehrere Instrumente beherrschte. Seine umfangreiche Notensammlung, der sog. „Sachranger Notenschatz“, ist in der Musikabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek in München verwahrt und wurde 1972/73 durch eine vielbeachtete Ausstellung bekannt und zugänglich gemacht. Dadurch erhielten der Oberaudorfer Kirchenmusiker Hans Berger und andere wie der Unterwössener Chorregent Jochen Langer die Möglichkeit, Musik aus dem Bestand aufzuführen und zu bearbeiten. Die umfangreiche Notensammlung, zumeist von Huber selbst geschrieben, enthält Abschriften von sakramentaler und instrumentaler Musik von 48 Komponisten der Zeit, aber nur etwa sechs eigene Kompositionen Hubers. Enthalten im Bestand sind u. a. an die 100 Messen sowie über 100 Werke des Münchners Stadtmusikers Georg Augustin Holler.

Neben seiner Tätigkeit als Müller und Musiker wirkte der Müllner-Peter zudem als Heilkundler, Geburtshelfer und Chirurg, verfügte über eine eigene Apotheke und beschäftigte sich mit Astronomie und Sprachforschung. In seinem Nachlass sind unter anderem zwei umfangreiche Handschriften mit Heilrezepturen aus jener Zeit erhalten.

Am 25. Oktober 1813 heiratete er die als eigensinnig geltende, 31-jährige Tochter des Nachbarbauern, Maria Hell, genannt Marei, die sich der Legende nach mehr zum Handwerk und zum Musizieren als zum Haushalt hingezogen fühlte. Die Ehe scheiterte und blieb kinderlos. Am 19. Juli 1824 ertrank Marei bei einem Hochwasser in der Prien.

Ölbergkapelle

Nach dem Tod seiner Frau adoptiert Peter Huber seinen Neffen Joseph Auer, begann sich zunehmend für die vom Verfall bedrohte, aus dem 17. Jahrhundert stammende Ölbergkapelle an der Tiroler Grenze zu engagieren und ließ sie renovieren. Die vormals beliebte Wallfahrt zum Ölberg lebte nach der Benediktion der Kapelle 1827 wieder auf, geriet aber nach seinem Tod nach 1850 wieder in Vergessenheit. Die Existenz eines französischen Müllersknechts, der Huber bei seinen Restaurierungsarbeiten unterstützt haben soll, ist nicht belegt.

Ab 1817 wurde der Müllner Peter wiederholt zum Sachranger Gemeindevorsteher gewählt. Er starb 1843. Sein Grab liegt bis heute neben dem Portal der Sachranger St.-Michaels-Kirche.

Nachwirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Andenken an das „Bergdorf-Genie“[2] wurde durch Aufzeichnungen des Sachranger Lehrers und Heimatforschers Hanns Heininger aufrechterhalten, der dessen Geschichte für die Großnichte Peter Hubers aufzeichnete. Darauf aufbauend entstand der Roman des Schriftstellers Carl Oskar Renner Der Müllner Peter von Sachrang, der 1972 veröffentlicht wurde. Der Bayerische Rundfunk verfilmte das Leben des Müllner-Peter unter dem Titel Sachrang im Jahr 1977. Namhafte Schauspieler wie Gerhart Lippert als Müllner-Peter, Gustl Bayrhammer oder Bernd Helfrich und die Originalkulisse Sachrangs sorgten für 39,85 Millionen Fernsehzuschauer bei der Erstausstrahlung des dreiteiligen Heimatfilms im Jahr 1978. 2001 folgte die Errichtung des Müllner-Peter-Museums mit einer Ausstellung zum bäuerlichen Leben der letzten Jahrhunderte im alten Schulhaus von Sachrang.

Literatur & Tonträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • August Sieghardt: Der Müllner-Peter von Sachrang. Ein Universalgenie aus dem Priental, in: Mühlen-Zeitung. München, 4. Jahrg. (1950) Nr. 4, S. 253f.
  • Carl Oskar Renner: Der Müllner-Peter von Sachrang, in: Verborgene Heimat, München 1956. S. 193–201.(Unbekanntes Bayern, Folge 2).
  • Arbeitskreis "Müllner-Peter von Sachrang" (Hrsg.): Die Zeit des Müllner-Peter von Sachrang *1766 gest. 1843. Rosenheim 1993, 168 + 48 S. (14 Beiträge, u. a. Familiengeschichte, Leben des Peter Huber, P. H. als Musiker, P. H. als Laienarzt).
  • Renata Wagner: Peter Huber (1766-1843) und seine Sachranger Musikaliensammlung (mit Komponistenverzeichnis). Ausstellung in der Musiksammlung der Bayerischen Staatsbibliothek (15. Dezember 1972 – 28. Februar 1973). 1972 (Kleine Ausstellungsführer: 20).
  • Hildegard Herrmann-Schneider: Tirolensien in der Sachranger Musikaliensammlung des Peter Huber (1766–1843), in: Tiroler Heimatblätter 61 (1986), H. 3, S. 74–84.
  • Robert Münster: Ein Leben für die Dorfmusik. Vor 150 Jahren starb Peter Huber, der Müllner-Peter von Sachrang, in: Unser Bayern, Heimatbeilage der Bayerische Staatszeitung 1993, S. 60/61.
  • Robert Münster; Weihnachts- und Hirtenlieder aus Sachrang in der Überlieferung durch Peter Huber und Hartmann/Abele, in: Sänger- und Musikantenzeitung 35 (1992), S. 415–421.
  • Robert Münster: Randglossen zum Notenschatz des Müllner-Peter, in: Sänger- und Musikantenzeitung 36 (1993), S. 155–162.
  • Robert Münster: Müllner-Peter. Der Schatz von Sachrang, in: Bayernkurier Jg. 44 (1993), Nr. 16, S. 14.
  • Robert Münster: Peter Huber als Musiker, in: Musikleben im oberen Priental [1], Aschau 2002, S. 226–47.
  • Robert Münster: Peter Huber (1766-1843) und sein Sachranger Notenschatz. In: Schönere Heimat, 105. Jg. 2016, Heft 4, S. 297–300
  • Audio CD „Müllner Peter – Sachranger Noten“, Hans Berger & Müllner-Peter-Chor, Seebach Records 2001
  • Schallplatte Musica Bavarica MB 70309: Drei Sätze aus dem Avertissement Mus.ms 7371 von Georg Augustin Holler.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Müllner-Peter Museum Sachrang
  2. Müllner-Peter Kurzbiographie