MTV München 1879

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MTV München von 1879 e. V.
Voller Name Männer-Turn-Verein München von 1879 e. V. (MTV München)
Gründung 29. Juni 1879
Sportstätten Häberlstraße 11 b (Lage)

Werdenfelsstraße 70 (Lage)

Homepage www.mtv-muenchen.de
Heim
Auswärts

Der MTV München von 1879 e. V. (offizieller Name Männer-Turn-Verein München von 1879 e. V. (MTV München)) ist ein Sportverein aus München. Er ist mit etwa 8500 Mitgliedern (Stand 2017) der größte Breitensportverein im Zentrum Münchens. Seine Sparten erzielten in der Vergangenheit zahlreiche nationale und internationale Erfolge. Aus der 1897 gegründeten Fußballabteilung des MTV München ging im Jahre 1900 der FC Bayern München hervor.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. Juni 1879 gründeten die vier Turner Franz-Paul Lang, Ferdinand Dix, Josef Hailer und Max Meisinger den Verein. Die Gründer waren vorher Mitglied des Turn- und Sportvereins München, aus dem später der Verein TSV 1860 München hervorging. Im August 1879 wurde der MTV Mitglied im Bayerischen Turnverband.

Im Laufe der Jahre bildeten sich neben den Turnern noch weitere Abteilungen: Fechten (1880), Sänger (1880), Fußball (1897), Schlagball, Faustball, Ringen, Eishockey (alle 1900), Hockey, Leichtathletik (beide 1910). Am 27. Februar 1900 verließen die Fußballer den Verein und gründeten den eigenen Verein FC Bayern München.

Im Ersten Weltkrieg kamen mehr als 700 Mitglieder um, mehrere Abteilungen lösten sich auf, einige davon wurden später neu gegründet: Handball (1920), Boxen, Judo (beide 1926), Hockey (1928), Tennis, Tischtennis (beide 1937), Badminton (1956), Gewichtheben (1966), Karate (1967), Tennis (1969), Tanzen (2000) und Volleyball (2004).

Mitgliederentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Mitglieder
1881 460
1889 1.000
1908 3.400
1911 3.756
1980 ca. 4.600
2003 ca. 5.000
2017 8.500

Badminton[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Badminton wurde der MTV München 1879 im Jahr 1962 sowie von 1964 bis 1967 in unterbrochener Folge deutscher Mannschaftsmeister. In den Einzeldisziplinen errangen Spieler wie Siegfried Betz, Franz Beinvogl, Günter Ledderhos und Anke Betz zahlreiche nationale Titel. Für weitere Medaillengewinne sorgten Rupert Liebl, Alfred Schwarz, Lydia Ledderhos und Ursula Verhoeven.

Eishockey[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1900 gründete sich im MTV München der Spielverband für Schlagball, Faustball, Feld- und Eishockey. Ab 1912 wurden im Eishockey deutsche Meisterschaften ausgetragen, an denen sich der MTV erfolgreich beteiligte. Sowohl 1913 als auch 1914 erreichte man das Finale, wo man jeweils dem Berliner Schlittschuhclub unterlag. Im Jahr 1913 veranstaltet die Eishockeyabteilung das "1. Internationale Münchener-Eishockey-Turnier" und richtete die Eishockey-Europameisterschaft 1913 aus.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde weiter erfolgreich Eishockey gespielt. Bei den deutschen Meisterschaften 1920 und 1921 wird der MTV erneut Vizemeister hinter dem Berliner SC. 1922 schließlich kann man endlich den Berliner SC überwinden und wird Deutscher Meister. Es ist die erste Meisterschaft, die nicht der Berliner SC gewinnt und wird für 72 Jahre – bis zum Titelgewinn des EC Hedos München – der einzige Meistertitel für eine Münchner Eishockeymannschaft sein. Zudem gewann der MTV je 4 Bayerische und Südbayerische Meisterschaften (2. Liga).

Am 23. Dezember 1923 gründete sich im SC Riessersee nach dem Übertritt vieler Spieler des MTV München und des MEV 1883 München eine Eishockey-Abteilung. In der Folge treten weitere Spieler des MTV zum SCR über, bis die MTV-Eishockey-Abteilung schließlich 1924 aufgelöst wird.

Fußball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fußballpionier Walther Bensemann, u. a. DFB-Gründungsmitglied und Schöpfer des Kicker Sportmagazin, bildete mit einigen Weggefährten 1897 die erste Fußballmannschaft des MTV München, die erstmals beim Bayerischen Turnfest in Ansbach antrat.[1][2] Nach der Gründungsphase kam es zu einem vereinsinternen Streit über die weitere Entwicklung der Fußballabteilung des MTV. Eine Generalversammlung des MTV erteilte dem Beitritt des Vereins zum Süddeutschen Fußball-Verband eine Absage. Der süddeutsche Fußballpionier und DFB-Mitbegründer Gustav Manning überzeugte nun die Fußballer im MTV, sich von den Turnern loszusagen und einen eigenen Klub zu gründen, der dem Verband beitrat. Die MTVler waren zu dieser Zeit bereits die stärkste Kraft im Münchener Fußball und somit geradezu prädestiniert für eine Vorreiterrolle.[3]

Am 27. Februar 1900 fand demzufolge im Gasthaus Bäckerhöfl eine Sitzung der Fußballabteilung des MTV München statt, die sich um 21:30 Uhr ins Weinhaus Gisela in Schwabing verlagerte. Hier gründeten Otto Ludwig Naegele, Georg Schmid, Carl und Fritz Wamsler, Ringler, Wilhelm Focke, Paul Francke, Friederich, Zoepffel, Josef Pollack und John am selben Abend den F.C. Bayern München. Dies bedeutete das vorläufige Ende der Fußballabteilung des MTV München.[4]

Heutzutage sind zahlreiche Kinder-, Jugend- und Herrenmannschaften in der Fußballabteilung des MTV München aktiv.

Judo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der MTV ist einer der ältesten noch existierenden Judovereine in Deutschland. Zurzeit hat der MTV eine Männermannschaft, jedoch keine Frauenmannschaft, da bei den Frauen zu wenig Gewichtsklassen belegt werden können. 2010 hat die Männermannschaft den ersten Platz in der Bezirksliga München gewonnen, den Aufstieg wegen unvorteilhaften Wettkampfstagen jedoch abgelehnt.

Tischtennis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Mitglieder der Tischtennisabteilung gehörten nach dem Zweiten Weltkrieg zu den führenden Spielern Deutschlands. Die Herrenmannschaft wurde zwischen 1947 und 1954 siebenmal Deutscher Meister. Nach dem fünften Gewinn des Titels in Folge wurden die Herren am 14. Juli 1951 in München vom Präsidenten des Deutschen Tischtennis-Bundes DTTB Karl-Heinz Eckardt mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet.[5] Als sich während der Saison 1961/62 mehrere Herren zurückzogen, kam der Verein einem Rückzug aus der Oberliga zuvor, indem er mit dem TTC Harlaching fusionierte und unter der Flagge des MTV weiter spielte. Die Leitung der Abteilung übernahm Peter Kuhn, der vorherige Vorsitzende des TTC Harlaching.[6]

Das Damenteam holte 1951 den nationalen Titel. Später spielte es zeitweise in der Bundesliga, aus der es 1975 abstieg.[7] Zwar siegte es im Folgejahr in der Oberliga, verzichtete jedoch auf die Teilnahme an der Aufstiegsrunde und wurde vom Spielbetrieb zurückgezogen.[8]

Seit der Saison 2015/16 gibt es beim MTV wieder eine aktive Tischtennisabteilung.

Die Mannschaftsmeisterschaften
  • Herren
    • Dezember 1946 in Heppenheim/Bergstrasse: Gewinn einer halboffiziellen deutschen Meisterschaft[9]
    • 1946/47 in Essen: Dieter Mauritz, Walter Than, Fritz Rosinus, L. Strixner, Adolf Schriefer, W. Hoppichler
    • 1947/48 in München: Dieter Mauritz, Walter Than, Fritz Rosinus, L. Strixner, S. Preuß, Adolf Schriefer, Leopold Holusek
    • 1948/49 in München: Fritz Rosinus, Walter Than, Garunkstis, Leopold Holusek, S. Preuß, L. Strixner
    • 1949/50 in München: Walter Than, Salberg, Leopold Holusek, S. Preuß, Dr. Schüller, L. Strixner
    • 1950/51 in Halle: Walter Than, Toni Breumair, Leopold Holusek, Fritz Rosinus, Dr.Schüller, S. Preuß, L. Strixner
    • 1952/53 in Dresden: Conny Freundorfer, Walter Than, Hans Rockmeier, S. Preuß, de Thier, Ziegler, L. Strixner
    • 1953/54 in Hamburg: Conny Freundorfer, Walter Than, Hans Rockmeier, S. Preuß, de Thier, Ziegler, L. Strixner
    • 1954/55 Platz 3
  • Damen

MTV-Platz an der Marbachstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1910 pachtete der Verein an der Marbachstraße in Mittersendling ein Gelände, auf dem ein Rasenplatz mit Umkleiden und Duschen angelegt wurde. Außerdem wurde eine hölzerne Zuschauertribüne errichtet.[10] Auf diesem Sportplatz fand 1911 das erste Fußballländerspiel in München statt. Die deutsche Nationalmannschaft unterlag Ungarn mit 1:4. 1913 fand auf dem MTV-Platz das Endspiel um die deutsche Meisterschaft statt, in dem der VfB Leipzig den Duisburger SpV mit 3:1 schlug. In der Saison 1922/23 war der Platz vorübergehend auch die Heimstätte des FC Bayern München, der dort u. a. auch das Finale um den Süddeutschen Pokal bestritt, das am 17. Juni 1923 mit 3:4 gegen die SpVgg Fürth verloren wurde.[11] Mitte der 1920er Jahre wurde der Platz aufgegeben und später wurde das Gelände vollständig überbaut. Heute wird das Gelände des ehemaligen MTV-Platzes von der Marbachstraße, der Tutzinger, der Passauer und der Andechser Straße umschlossen.[12][13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 75 Jahre Deutscher Tischtennis-Bund – Ein Spiel fürs Leben, ISBN 3-00-005890-7, S. 146–150.
  1. DFB-News:Bensemann – DFB-Gründungsmitglied und Fußballpionier
  2. Gründungsgeschichte des MTV München 1879 e. V.
  3. Schulze-Marmeling, Dietrich, Der FC Bayern und seine Juden. Aufstieg und Zerschlagung einer liberalen Fußballkultur, Göttingen 2011, 8f. Siehe ausführlich: Eisenberg, Christiane, „English Sports“ und deutsche Bürger. Eine Gesellschaftsgeschichte 1800-1939, Paderborn 1999
  4. Mit Donaufußball zur allerersten Meisterschaft , faz.net, 22. Juli 2011, abgerufen am 26. März 2013.
  5. Tischtennis Magazin, Offizielles Organ des Tischtennis-Verbandes Niedersachsen 2005/5 S. 11 + Zeitschrift DTS, 1951/13 Ausgabe West-Süd S. 1.
  6. Zeitschrift DTS, 1962/4 Ausgabe West S. 11.
  7. Zeitschrift DTS, 1975/23 S. 24.
  8. Zeitschrift DTS, 1976/7 S. 32 + 1976/9 S. 28 + 1976/14 S. 42.
  9. Tischtennis Magazin, Offizielles Organ des Tischtennis-Verbandes Niedersachsen 2004/10 S. 11.
  10. Zeitgenössisches Bild des ehemaligen MTV-Platzes
  11. Spielpaarung und Mannschaftsaufstellungen auf kleeblatt-chronik.de
  12. Roman Beer: Kultstätte an der Grünwalder Straße: Die Geschichte eines Stadions. Verlag Die Werkstatt, 2004, ISBN 3-89533-780-3.
  13. Lage des ehemaligen MTV-Platzes