Mach meinen Kumpel nicht an!

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Mach meinen Kumpel nicht an! – für Gleichbehandlung, gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus e.V. ist eine gewerkschaftliche Initiative gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Rechtsextremismus. Der 1986 gegründete Verein ist laut DGB eine der ältesten antirassistischen Organisationen in Deutschland.[1] Er wird oft als „Kumpelverein“ oder „Gelbe Hand“ bezeichnet. Sein Logo, „die gelbe Hand“, ist das gewerkschaftliche Symbol gegen Rassismus und Rechtsextremismus in Deutschland.[2] Vorbild und Partner ist die französische Initiative SOS Racisme.

Mitglieder und Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stimmberechtigte Mitglieder des Vereins sind 15 Vertreter des DGB, der DGB-Mitgliedsgewerkschaften und der gewerkschaftlichen Organisationen. Neue ordentliche Mitglieder werden nur durch Beschluss der Mitgliederversammlung aufgenommen. Darüber hinaus hatte der Verein im Juni 2012 rund 400 Fördermitglieder.[3] Dazu zählten Guntram Schneider, Angelica Schwall-Düren, Zülfiye Kaykin, Michael Sommer, Frank Bsirske, Michael Vassiliadis, Klaus Wiesehügel, Franz-Josef Möllenberg oder Alexander Kirchner.[4]

Der Verein wird von den Gewerkschaften mit rund 50.000 Euro pro Jahr unterstützt, dazu kamen 2011 weitere 20.000 Euro durch die Beiträge der Fördermitglieder.

Ziel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein hat das Ziel, die Bevölkerung über Rassismus und Rechtsextremismus aufzuklären und Maßnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Rechtsextremismus sowie für Gleichbehandlung in der Arbeitswelt (§2 der Vereinssatzung) durchzuführen.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein entstand als Antwort der Gewerkschaften auf den zunehmenden Rassismus und die Fremdenfeindlichkeit in der Bundesrepublik der 80er Jahre.[6] 1985 schlug die Redaktion des gewerkschaftlichen jugendpolitischen Magazins „ran“ vor, das Zeichen der französischen Initiative SOS Racisme „die gelbe Hand“ nach Deutschland zu holen.[7] Die Idee fand die Zustimmung der DGB Jugend und des DGB-Bundesvorstandes.[8] Am 18. November 1986 wurde der erste Vereinsvorstand gebildet und im Vereinsregister eingetragen. Die abwehrende gelbe Hand wurde innerhalb von wenigen Monaten nicht nur zum gewerkschaftlichen Symbol,[9] sondern zum bundesweiten Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus.[10] Als Unterstützer der Aktion traten Prominente wie Willy Brandt, Nena, Günter Wallraff oder Götz George auf. In seiner Rolle als Horst Schimanski trug George 1988 die Gelbe Hand auch in der Folge "Gebrochene Blüten" der Fernsehreihe Tatort.[11][12] Die Rodgau Monotones griffen die Thematik und den Slogan "Mach meinen Kumpel nicht an" 1994 in einem gleichnamigen Song auf.

Zwischen 2009 und 2011 wurden Organisation und Finanzierung des Vereins angesichts der nunmehr "geringen Präsenz der Gelben Hand und der Aktivitäten des Kumpelvereins in der gewerkschaftlichen Öffentlichkeit"[13] restrukturiert, sowie der Name und das Logo aktualisiert. Aus dem Verein gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus „Mach meinen Kumpel nicht an!“ e.V. wurde „Mach meinen Kumpel nicht an! – für Gleichbehandlung, gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“. Das alte Logo bekam eine neue Schriftart.

Vorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beratung und Materialien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kumpelverein stellt gewerkschaftlichen Gliederungen, Betrieben und Engagierten Aktions- und Bildungsmaterial zur Verfügung und berät diese.

Zeitschrift und Newsletter „Aktiv + Gleichberechtigt“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Aktiv + Gleichberechtigt“ informiert regelmäßig über Aktivitäten und Maßnahmen gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus, Diskriminierung. Mit Hilfe des Newsletters werden arbeitsweltliche Akteure vernetzt und Anregungen gegeben, wie auf betrieblicher Ebene die Arbeit gegen Rassismus und für die Gleichbehandlung von Migrantinnen und Migranten sowie Arbeitnehmende mit Migrationshintergrund verankert und umgesetzt werden kann.

2006 wurde „Aktiv + Gleichberechtigt“ mit einem Ehrenpreis vom Bündnis für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet.[14]

Wettbewerb „Die Gelbe Hand“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wettbewerb „Die Gelbe Hand“ richtet sich an Schüler an Berufsschulen/-kollegs und alle Jugendlichen, die sich in der beruflichen Ausbildung befinden. Im Rahmen des Wettbewerbs setzen sich die Teilnehmenden mit der Thematik Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung in der Arbeitswelt auseinander.[15] Ziel ist vor allem Motivation für die Beschäftigung mit den entsprechenden Themen zu fördern, die Ergebnisse öffentlich zu präsentieren und dabei die Jugendlichen mit einzubeziehen.

Datenbank „Gute Beispiele aus der Praxis für die Praxis“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Datenbank „Gute Beispiele aus der Praxis für die Praxis“ dient als Arbeitshilfe für ehrenamtliche und hauptamtliche Gewerkschafter, Betriebsräte, Vertrauensleute. Sie gibt einen Überblick über gewerkschaftliche Aktivitäten, Materialien und Handlungshilfen zu den relevanten Themen, zu betrieblichen Aktivitäten für Gleichbehandlung und Diversity.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mut zur Zivilcourage, Düsseldorf 2002
  • Aktiv + Gleichberechtigt, monatlich erscheinende Zeitschrift

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mach meinen Kumpel nicht an!, in: Manfred Budzinski, Peter Blick: Alle Menschen sind Ausländer – fast überall. Ein Aktionshandbuch, Lamuv Verlag, Göttingen 1988, ISBN 3-88977-144-0, S. 88 ff.
  • Peter Kühne: Gewerkschaftliche Asyl- und Einwanderungspolitik. Auf dem Weg zu neuen Konzepten?, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 2/1992, S. 108–117 (Online bei der Friedrich-Ebert-Stiftung)
  • Mach meinen Kumpel nicht an!, in: Anja Weusthoff, Rainer Zeimentz (Hrsg.): Aufsteh'n. Aktionen gegen Rechts. Ein Handbuch, Vorwärts Verlag, Bonn 1994, ISBN 3-87579-050-2, S. 113 ff.
  • Claudia von Zglinicki: Kumpelverein. Das verbindet uns, in: ver.di Publik, Ausgabe 04/2011, Online

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Gelbe Hand: 25 Jahre gegen Rassismus, Deutscher Gewerkschaftsbund, 18. November 2011
  2. Dirk Baas: Mit "Gelber Hand" gegen Rassismus, Vereinsportrait auf evangelisch.de, 11. Februar 2011
  3. Bericht zur Umsetzung der Strategie 2010–2012 (Memento vom 14. Juli 2014 im Internet Archive) (PDF; 1,6 MB), Mach meinen Kumpel nicht an! vom Juli 2012, S. 25 / S. 27
  4. Integrationsportal des Arbeitsministeriums Nordrhein-Westfalen Interview mit dem Vereinsvorsitzenden Giovanni Pollice vom 29. Februar 2012, abgerufen am 9. Juli 2013
  5. Initiativen: Mach meinen Kumpel nicht an! e.V., Website Bündnis für Demokratie und Toleranz.
  6. Velten Schäfer: Die Magie der Gelben Hand, Neues Deutschland, 30. August 2013
  7. Manfred Budzinski, Peter Blick: Alle Menschen sind Ausländer: fast überall: ein Aktionshandbuch, Lamuv Taschenbücher Bd. 57, Lamuv Verlag, Göttingen 1988, S. 99 ff.
  8. Claudia von Zglinicki: Das verbindet uns, ver.di Publik 04/2011, abgerufen am 11. Juli 2013
  9. Hidir Çelik: Die Migrationspolitik bundesdeutscher Parteien und Gewerkschaften: eine kritische Bestandsaufnahme ihrer Zeitschriften 1980-1990, Protext-Verlag, Bonn 1995, S. 228 u. 237
  10. Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, Band 24 (1985), S. 103 f.
  11. DGB-Bundesvorstand: Die Gelbe Hand: 25 Jahre gegen Rassismus, Veröffentlichung vom 18. November 2011, abgerufen am 13. Juli 2013
  12. Claudia Nothelle: Zwischen Pop und Politik: zum Weltbild der Jugendzeitschriften "Bravo", "'ran" und "Junge Zeit", Lit Verlag, Münster 1994, S. 146
  13. Mach meinen Kumpel nicht an: Bericht zur Umsetzung der Strategie 2010–2012 (Memento vom 14. Juli 2014 im Internet Archive) (PDF; 1,6 MB) vom Juli 2012, S. 3, abgerufen am 9. Juli 2013
  14. Website des DGB Bildungswerk
  15. „Mach meinen Kumpel nicht an!“, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 9. Oktober 2012