Maria Katharina Kasper

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Maria Katharina Kasper

Maria Katharina Kasper (* 26. Mai 1820 in Dernbach (Westerwald); † 2. Februar 1898 ebenda) ist eine Heilige der katholischen Kirche und Gründerin der Kongregation (nicht Orden) der Armen Dienstmägde Jesu Christi, Ordenskürzel: ADJC; umgangssprachlich benannt: Dernbacher Schwestern.

Maria Katharina Kasper wurde am 16. April 1978 von Papst Paul VI. seliggesprochen und am 14. Oktober 2018 von Papst Franziskus im Vatikan zu Rom heiliggesprochen.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katharina Kasper wurde als Tochter eines Bauern im Westerwald geboren. Sie erkannte schon als Kind ihre Berufung, Armen und Kranken zu helfen.[2] Um das Jahr 1845 gründete sie zusammen mit vier weiteren Frauen aus dem Dorf einen Verein. Er widmete sich der häuslichen Pflege von Kranken und Alten sowie der Kinderbetreuung. Im Jahre 1851 entstand mit der kirchlichen Gutheißung durch den Limburger Bischof Peter Joseph Blum aus dem Verein die Genossenschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi. Ihr Gelübde legten sie und ihre vier Gefährtinnen am 15. August 1851, dem Fest Mariä Himmelfahrt, in der Pfarrkirche von Wirges vor dem Bischof von Limburg ab.[2] Er gab ihnen dabei eine eigene Tracht. Kasper nahm den Ordensnamen Maria an und wurde die erste Leiterin der Gemeinschaft, die bereits eine einfache Regel besaß. Bischof Blum gab dem Zusammenschluss 1852 eine erweiterte Ordensregel, 1853 setzte er den Geistlichen Jakob Wittayer zum Superior der Gemeinschaft ein.

Das Kloster „Maria Hilf“ in Dernbach.

Rasch fand die Gemeinschaft beträchtlichen Zulauf und weitete ihre Arbeitsfelder aus. Auf Anraten von Bischof Blum gingen 1868 die ersten Schwestern in die Diözese Fort Wayne (Indiana, Vereinigte Staaten) und gründeten dort eigene Niederlassungen. Weitere Niederlassungen wurden in den Niederlanden, England, Belgien, Böhmen und Luxemburg errichtet.[2][3] Der 1. Juni 1870 wurde ein weiterer Wendepunkt ihrer Gemeinschaft. Sie wurde vom Vatikan ‚gutgeheißen und bestätigt‘ und damit der Leitung der Generaloberin, d. h. Mutter Maria Katharina Kasper, unterstellt. Am 21. Mai 1890 erhielt die Kongregation die endgültige Genehmigung ihrer Konstitutionen durch Papst Leo XIII. Im Jahr 1898, beim Tod Kaspers, zählte die Gemeinschaft 1725 Mitglieder in 193 Niederlassungen.[2] Im 20. Jahrhundert gab es Gewalt an Schutzbefohlenen und sexuellen Missbrauch in Einrichtungen der Kongregation, was von der Provinzleitung lange Zeit geleugnet wurde.[4]

Die ehemalige Maria Hilf Gruppe, ein Unternehmen des Gesundheits- und Sozialwesens, trägt seit 2013 mit Dernbacher Gruppe Katharina Kasper ihren Namen.[5]

Spiritualität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Namensgebung der durch Maria Katharina Kasper gegründeten Gemeinschaft deutet auf das geistliche Programm hin. Die Gründerin sah vor allem Jesus Christus als den Diener, der „nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen“ (Mt 20,28 EU). Sie nahm ihn als Vorbild für ihren eigenen Dienst und griff so das Wort auf: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“ (Joh 13,15 EU)[6] Das Anliegen von Kasper war, den Menschen eine ganzheitliche Hilfe anzubieten. Sie reagierte mit ihrem geistlichen Profil auf die konkreten Nöte der Menschen ihrer Zeit. Darum ermahnte sie mehrfach ihre Schwestern, „Gott über alles durch Erfüllung seines göttlichen Willens zu lieben“. Sie verstand ihren Auftrag darin, die Liebe Gottes an alle Menschen weiterzugeben.[7]

Selig- und Heiligsprechungsverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. April 1978 wurde sie von Papst Paul VI. seliggesprochen.[8] Ihr Gedenktag in der Liturgie ist der 1. Februar. Papst Franziskus erkannte am 6. März 2018 ein ihrer Fürsprache zugeschriebenes Wunder an. Ihr wird die Heilung eines indischen Kongregationsbruders zugesprochen, der im November 2011 nach einem Verkehrsunfall für klinisch tot erklärt worden sein soll, nach dem Gebet der Kongregationsschwestern mit der Anrufung der Gründerin jedoch zum Leben erwacht und genesen sein soll. Damit waren die Voraussetzungen für die Heiligsprechung erfüllt.[9][10] Für die Heiligsprechung hatte sich besonders der frühere Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst eingesetzt, der sie im Februar 2012 beantragt hatte[11], ebenso der mit Maria Katharina Kasper verwandte ehemalige Generalvikar Franz Kaspar. Die Heiligsprechung fand im Rahmen der Bischofssynode zum Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ am 14. Oktober 2018 auf dem Petersplatz vor dem Petersdom des Vatikans in Rom statt.[12][13][14][15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kirche bekommt neue Heilige – darunter eine Deutsche. In: Vatican News, 19. Mai 2018. Abgerufen am 19. Mai 2018.
  2. a b c d Katharina Kasper: eine weithin unbekannte neue Heilige aus Deutschland. 5. Oktober 2018, abgerufen am 16. Oktober 2018.
  3. Unsere Geschichte. Arme Dienstmägde Jesu Christi, abgerufen am 11. Oktober 2018.
  4. Tebartz‘ später Erfolg. In: deutschlandfunk.de, 11. Oktober 2018, abgerufen am 18. Oktober 2018.
  5. Maria Hilf Gruppe vollzog im Januar 2013 Namenswechsel zur DERNBACHER GRUPPE KATHARINA KASPER. In: eifelzeitung.de, 14. Februar 2013, abgerufen am 18. Oktober 2018.
  6. Arme Dienstmägde Jesu Christi. Abgerufen am 11. Oktober 2018.
  7. Josef Bordat: „Gott über alles lieben“. In: Die Tagespost. Jg. 71, Nr. 41, 11. Oktober 2018, S. 10.
  8. Predigt von Papst Paul VI. zur Seligsprechung. In: Website des Vatikan, 16. April 1978. Abgerufen am 17. Mai 2018.
  9. Promulgazione di Decreti della Congregazione delle Cause dei Santi. In: Tägliches Bulletin. 7. März 2018, abgerufen am 7. März 2018 (italienisch).
  10. Neue Heilige für die katholische Kirche.. In: sz.de, 19. Mai 2018, abgerufen am 18. Oktober 2018.
  11. Anke Petermann: Tebartz‘ später Erfolg. In: deutschlandfunk.de, 11. Oktober 2018, abgerufen am 18. Oktober 2018.
  12. Neue Heilige für katholische Kirche. In: SZ-Online.de 19. Mai 2018. Abgerufen am 19. Mai 2018.
  13. Rom: Schwester aus Westerwald soll heilig gesprochen werden. In: Focus Online. 19. Mai 2018 (focus.de [abgerufen am 19. Mai 2018]).
  14. Schwester aus Westerwald soll heilig gesprochen werden. In: Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 2018. Abgerufen am 19. Mai 2018.
  15. Predigt zur Heiligsprechung. In: kath.net. Abgerufen am 14. Oktober 2018.