Martel Schwichtenberg

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Martel Schwichtenberg (eigentlich Justine Adele Martha Schwichtenberg, * 5. Juni 1896 in Hannover; † 31. Juli 1945 in Sulzburg) war eine deutsche Malerin und Grafikerin.

Martel Schwichtenberg – Selbstbildnis (1924)
Frauen bei der Ernte (1922)
Zwei Schwertlilien (zwischen 1920 und 1930)

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf wurde sie 1917 Mitarbeiterin des Architekten Bernhard Hoetger, mit dem gemeinsam sie die Entwürfe für die geplante TET-Stadt der Bahlsen-Werke ausarbeitete. Die Pläne wurden nie in die Realität umgesetzt, doch Martel Schwichtenberg blieb auch in den Folgejahren für Bahlsen tätig und gestaltete zahlreiche Verpackungen für die Backwaren der Firma. 1928 entwarf sie ein Plakat für Bahlsens Käse-Waffeln.[1]

Während der 1920er Jahre nahm sie künstlerische Einflüsse der expressionistischen Brücke-Grafik in ihr Werk auf. Finanziell einigermaßen abgesichert durch einen Festvertrag mit Bahlsen, richtete sie sich 1920 in Berlin-Charlottenburg ein eigenes Atelier ein, trat dem Werkbund und der revolutionären Novembergruppe bei, gab sich selbst den Vornamen Martel nach einer bekannten französischen Cognacmarke und heiratete den Malerkollegen Willy Robert Huth (* 1890; † 1977), von dem sie sich aber nach drei Jahren wieder scheiden ließ. 1929 nahm sie an der vom Berliner Verein der Künstlerinnen organisierten Ausstellung "Die Frau von heute" teil, im selben Jahr zeigte sie ihre Arbeiten in New York und in den Folgejahren in den großen Berliner Galerien, u. a. bei Flechtheim am Lützowufer.

Anfang 1933 emigrierte sie aus Deutschland nach Südafrika. Trotz der geografischen Entfernung arbeitete sie weiterhin auf Honorarbasis für die Bahlsenwerke, bekam einen großen Auftrag für Wandgemälde im Haus des Rundfunks in Johannesburg und hielt ihre Impressionen in Hunderten von Aquarellen fest. Sechs Jahre später endete der afrikanische Traum auf tragische Weise: Ein Brand verwüstete 1938 Schwichtenbergs Wohnhaus und Atelier mitsamt etwa 400 dort gelagerter Arbeiten, und bei einem privaten Besuch in München wurde sie vom Kriegsausbruch überrascht, so dass eine erneute Ausreise nicht mehr möglich war. Die Malerin lebte fortan im Schwarzwald, lebte zeitweilig in einem Sanatorium in Glotterbad, kämpfte mit ihren Depressionen und ihrer Alkoholsucht, erkrankte schließlich an Krebs und starb kurz nach Ende des Krieges.

Autobiographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurz vor ihrem Tod schrieb Schwichtenberg 1944 in Laufen ein

„telegrammstilartig verfasstes Manuskript (unter dem Titel «Mein Leben»), gedacht als Unterlage für eine Biographie von Hans Hildebrandt.[2]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Hannover im Stadtteil Seelhorst ist seit 2009 die Martel-Schwichtenberg-Straße nach der Künstlerin benannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Volker Ilgen / Dirk Schindelbeck: Am Anfang war die Litfaßsäule – Illustrierte deutsche Reklamegeschichte. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2006.
  • Titus Arnu: Hermann Bahlsen, in der Reihe Made in Germany, Ullstein-Buch 35943, Berlin November 1999, ISBN 3-548-35943-4; hier: S. 138
  • Hartmut Bomhoff: Martel Schwichtenberg. In: Britta Jürgs (Hg.): Wie eine Nilbraut, die man in die Wellen wirft. Portraits expressionistischer Künstlerinnen und Schriftstellerinnen. AvivA Verlag, Berlin, 2002, ISBN 3-932338-04-9; S. 39–53.
  • Corinna Heins, Anne Jäger: Frauen in der List / Martel Schwichtenberg, Künstlerin (1896–1945), in: Hannoversche Geschichtsblätter, Neue Folge Band 60 (2006), S. 244–247

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Martel Schwichtenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Titus Arnu: Hermann Bahlsen... (s. Literatur)
  2. Konvolut/Nachlaß von Schwichtenberg im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig; Quelle: Reiner Meyer: Die Reklamekunst der Keksfabrik Bahlsen in Hannover von 1889–1945, Dissertation zur Erlangung des philosophischen Doktorgrades am Fachbereich Historisch-Philologische Wissenschaften an der Georg-August-Universität zu Göttingen, Münster 1999; hier: S. 16 (Fußnote „27“): pdf-deposit