Mary Mallon

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Typhus-Mary in einer Zeitungs-Illustration von 1909

Mary Mallon (* 23. September 1869 in Cookstown, Nordirland; † 11. November 1938 auf North Brother Island, Vereinigte Staaten), bekannt als Typhoid Mary (Typhus-Mary), war die erste Person in den Vereinigten Staaten, die als nicht erkrankte Trägerin von Typhus identifiziert wurde, als sogenannte Dauerausscheiderin. Heute würde man sie als Superverbreiterin bezeichnen. Mallon war 1883 aus Irland eingewandert.[1]

Köchin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mary Mallon arbeitete zwischen 1900 und 1907 als Köchin im Gebiet von New York City. Während dieser Zeit infizierte sie 53 Menschen mit Typhus, wobei drei von ihnen starben. Im Jahr 1900 war Mallon noch keine zwei Wochen Köchin in einem Haus in Mamaroneck, als die Bewohner Typhus bekamen.[2] 1901 zog sie nach Manhattan, wo Mitglieder der dort von ihr bekochten Familie Fieber und Durchfall bekamen und die Wäschefrau starb. Danach arbeitete sie für einen Anwalt, bis sieben der acht im Haushalt lebenden Menschen an Typhus erkrankten. Mallon pflegte monatelang die Menschen, die sie infiziert hatte, aber ihre Fürsorge verbreitete die Seuche nur noch weiter. 1904 nahm sie eine Stelle auf Long Island an. Innerhalb von zwei Wochen wurden vier der zehn Familienmitglieder mit Typhus ins Krankenhaus eingeliefert. Sie wechselte erneut ihren Arbeitgeber, und drei weitere Haushalte wurden infiziert.[3] Oft wurde die Seuche über eines ihrer typischen Desserts übertragen: Pfirsiche mit Eiscreme.

Typhus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

George Albert Soper (1870–1948) war ein Hygieniker, der von einem der Hausherren, für den Mary Mallon arbeitete, angeheuert wurde. Nach sorgfältiger Untersuchung identifizierte er Mallon als mögliche Trägerin von Typhus. Er konfrontierte sie mit der Möglichkeit, dass sie Typhus verbreite. Sie reagierte heftig auf seine Anfrage nach Urin- und Stuhlproben, und Soper ging wieder. Später veröffentlichte er seine Ergebnisse im Journal of the American Medical Association, in der Ausgabe vom 15. Juni 1907.[4] Soper brachte bei seinem nächsten Besuch bei Mallon einen Arzt mit, wurde aber wieder abgewiesen.

Dass Mallon die Möglichkeit leugnete, sie könnte Trägerin von Typhus sein, basierte teilweise auf der Diagnose eines angesehenen Apothekers. Dieser befand, sie trage die Bakterien nicht mit sich herum. Außerdem war das Wissen, dass eine Person eine Seuche verbreiten kann und dennoch nicht an ihr erkrankt, nicht weit verbreitet. Letztlich war Soper im Umgang mit Mary Mallon aber auch recht taktlos.[5]

Isolation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mary Mallon (im Vordergrund) in einem Krankenhausbett während ihrer ersten Isolierung

Das Gesundheitsamt von New York City sandte die Ärztin Sara Josephine Baker zu Mallon, um mit ihr zu sprechen, aber „zu diesem Zeitpunkt war sie davon überzeugt, dass die Obrigkeit sie grundlos verfolge, während sie nichts falsch gemacht habe.“

Ein paar Tage später suchte Baker gemeinsam mit einigen Polizisten Mallon an ihrem Arbeitsplatz auf und nahm sie in Gewahrsam. Der Gesundheitsinspektor von New York City untersuchte sie und erkannte sie als Trägerin. Sie wurde für drei Jahre im Riverside Hospital isoliert und dann unter der Bedingung entlassen, nie wieder mit Nahrungsmitteln zu arbeiten. 1915 kehrte sie jedoch zum Kochen zurück und infizierte 25 Menschen, während sie als Köchin im New Yorker Sloane-Krankenhaus arbeitete. Zwei der Infizierten starben später.

Die Gesundheitsbehörde nahm sie daraufhin wieder in Gewahrsam und verwies Mary Mallon auf Lebenszeit in eine Isolierstation. Sie wurde eine Art Berühmtheit. Journalisten, die sie interviewen wollten, wurde verboten, auch nur ein Glas Wasser von ihr zu akzeptieren. Später durfte sie in Laboren auf North Brother Island als Technikerin arbeiten.

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mary Mallon starb mit 69 Jahren an einer Lungenentzündung. Bei der Autopsie fand man Hinweise auf lebende Typhusbakterien in ihrer Gallenblase. Ihr Leichnam wurde eingeäschert und auf dem Saint-Raymond's-Friedhof in der Bronx bestattet.[1]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihrem Tod fand Mary Mallon Eingang in die Literatur, vor allem durch den Roman Die Ballade von der Typhoid Mary (1982) des Schweizer Autors Jürg Federspiel. Auf dieser Vorlage basieren zum Beispiel ein Comic von Ursula Fürst sowie mehrere Theaterstücke, das bekannteste von Linard Bardill. Auch in der ersten Staffel der TV-Drama-Serie The Knick von Steven Soderbergh wurde die Geschichte von Mary Mallon aufgegriffen. In der Sendereihe 1000 Wege, ins Gras zu beißen wurde ihr Todesart #145 („Mary-nated“) gewidmet.

Mallon in Film und Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paranormal Asylum (Paranormal Asylum: The Revenge of Typhoid Mary), 2013.[6]
  • Hail Mary Mallon ist eine Hip-Hop-Gruppe, bestehend aus Aesop Rock, Rob Sonic und DJ Big Wiz.[7]
  • Die Datenbank Musicbrainz listet mehr als zehn Lieder mit dem Titel Typhoid Mary von unterschiedlichen Interpreten.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anthony Bourdain: Typhoid Mary: An Urban Historical. Bloomsbury Publishing, New York 2001, ISBN 1-58234-133-8.
  • Janet Brooks: The Sad and Tragic Life of Typhoid Mary. In: CMAJ: Canadian Medical Association Journal 154, Nr. 6 (1996), S. 915 f., PMC 1487781 (freier Volltext)
  • Donald Emmeluth: Typhoid Fever. Chelsea House, 2004, ISBN 0-7910-7464-1, S. 10–13.
  • Judith Walzer Leavitt: Typhoid Mary : Captive to the Public's Health. Beacon Press, Boston 1996, ISBN 0-8070-2102-4.
  • Filio Marineli, Gregory Tsoucalas, Marianna Karamanou, George Androutsos: Mary Mallon (1869-1938) and the history of typhoid fever. In: Annals of Gastroenteroly 26, Nr. 2 (2013), S. 132–134. PMC 3959940 (freier Volltext)
  • George A. Soper: The work of a chronic typhoid germ distributor. In: Journal of the American Medical Association 48, Nr. 24 (1907), doi:10.1001/jama.1907.25220500025002d, S. 2019–2022.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mary Mallon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b ‘Typhoid Mary’ Dies of a Stroke at 68; Carrier of Disease, Blamed for 51 Cases and 3 Deaths, but She Was Held Immune Services This Morning Epidemic Is Traced. In: The New York Times. 12. November 1938, S. 17, archiviert vom Original am 5. Juni 2011; abgerufen am 29. September 2016 (englisch).
  2. The Straight Dope: Who was Typhoid Mary? In: straightdope.com. 14. August 2000, abgerufen am 29. September 2016 (englisch).
  3. Robby Thiele: Typhus Mary – wie eine unschuldige Frau drei Menschen tötete. In: bluemind.tv. 27. September 2016, abgerufen am 29. September 2016.
  4. G. Soper: The work of a chronic typhoid germ distributor. In: Journal of the American Medical Association. Band XLVIII, Nr. 24, 15. Juni 1907, ISSN 0002-9955, S. 2019–2022, doi:10.1001/jama.1907.25220500025002d.
  5. Typhoid Marry Documentary – The Most Dangerous Woman in America. (Video auf YouTube, 1:16 Stunden) In: PBS Nova Documentary. 29. März 2014, abgerufen am 29. September 2016 (englisch).
  6. Paranormal Asylum: The Revenge of Typhoid Mary in der Internet Movie Database (englisch)
  7. Hail Mary Mallon ~ Group. In: MusicBrainz. Abgerufen am 23. September 2019 (englisch).
  8. Typhoid Mary. In: MusicBrainz. 23. September 2019, abgerufen am 23. September 2019 (englisch).