Mary Shelley (2017)

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Filmdaten
Deutscher TitelMary Shelley
OriginaltitelMary Shelley
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2017
Länge120 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
Stab
RegieHaifaa Al Mansour
DrehbuchHaifaa Al-Mansour,
Emma Jensen,
Conor McPherson
ProduktionAmy Baer,
Ruth Coady,
Alan Moloney
MusikAmelia Warner
KameraDavid Ungaro
SchnittAlex Mackie
Besetzung

Mary Shelley ist eine Filmbiografie von Haifaa Al Mansour über die britische Schriftstellerin Mary Shelley, die als Autorin von Frankenstein oder Der moderne Prometheus in die Literaturgeschichte eingegangen ist. Der Film feierte im September 2017 im Rahmen des Toronto International Film Festivals seine Premiere und kam am 25. Mai 2018 in die US-Kinos.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film erzählt die Geschichte von Mary, die in jungen Jahren eine feurige und stürmische Beziehung mit dem gleichfalls kreativen Dichter Percy Bysshe Shelley führt. Mary und Percy geben diese Liebe ihrer Familie und ihrer Halbschwester Claire bekannt. Im Haus von Lord Byron am Genfer See stellt sie ihre Idee von Frankenstein vor, doch die Gesellschaft hat zu dieser Zeit nur wenig übrig für eine Frau, die sich als Schriftstellerin versucht. Niemand erkennt, dass sie im zarten Alter von 18 Jahren bereits ein literarisches Meisterwerk erdacht hat. Mary muss als Frau das Geheimnis um ihre Identität schützen und schmiedet einen Plan.

Biografischer Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film erzählt von einer entscheidenden Phase im Leben von Mary Shelley

Der Film erzählt von Mary Shelley in einer entscheidenden Phase ihres Lebens. Die später weltberühmte Schriftstellerin wurde als Mary Godwin in London geborenen, ihre Mutter war die Autorin und Feministin Mary Wollstonecraft. Sie starb elf Tage nach Marys Geburt. Mary wuchs bei ihrer ungeliebten und verachteten Stiefmutter auf, gegen die sie sich ständig auflehnte. Für die Fortsetzung des Einsatzes ihrer Mutter für die Frauenrechte fehlte Mary der persönliche Anlass.[2]

1814 verliebte sich die damals 16-Jährige in den verheirateten, 21 Jahre alten Percy Bysshe Shelley[2], der ein Bewunderer des Werkes ihrer Mutter war und ein Anhänger der politischen Ideen ihres Vaters. Gemeinsam mit Shelley und ihrer Stiefschwester Claire Clairmont begab sich Mary auf eine Reise durch Frankreich, die Schweiz, England, Italien und Deutschland. Während der Reise sperrte der Vater das Erbe.[2] Im Mai 1816 trafen der Dichter Shelley, Mary und ihre Stiefschwester in Sécheron bei Genf ein, wo sich wenig später auch der englische Dichter und Dandy George Byron und dessen italienischer Leibarzt und Geliebter Giovanni Polidori einfanden, der der Verfasser des Ur-Dracula war und sich im schweizerischen Exil befand.[3] Gemeinsam bezogen die fünf die Villa Diodati am Genfer See, wo sie abends beim Wein am Kaminfeuer aus dem Stegreif Gruselgeschichten ersannen, denn die damalige Zeit liebte den wohligen Schauer der Gothic Novel. Noch im gleichen Jahr entwirft Mary eine Idee für einen Roman und beginnt mit dessen Niederschrift, wobei ihr Polidori über die Schulter schaut.[3] Alsbald verstrickten sich in der Ménage zu fünft die Gefühle, und vor allem Claire belastete das Miteinander.

Ende des Jahres 1816, wenige Wochen nach dem Selbstmord von Percy Shelleys erster Ehefrau Harriet, heiratete er Mary. Am 1. Januar 1818 veröffentlichte die damals 20-Jährige den Roman Frankenstein, der allerdings zunächst anonym erschien. Das Buch ist mit einem Vorwort von Percy Shelley versehen und ist William Godwin gewidmet, weshalb Kritiker und Leser daraus schlossen, dass Percy Shelley der Verfasser sei. 1822 ertrank Marys Ehemann während einer Segeltour im Golf von La Spezia.[4]

Mit ihrem zuletzt geborenen und einzigen überlebenden Kind ging Mary nach England zurück, wo sie erfolgreich ihre Karriere als Schriftstellerin fortsetzte. Marys letztes Lebensjahrzehnt war von Krankheiten gezeichnet, sie starb im Alter von 53 Jahren vermutlich an einem Gehirntumor. Ihr Sohn zeigte kein literarisches Talent.[5]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stab und Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regie führte Haifaa Al Mansour, die gemeinsam mit Emma Jensen und Conor McPherson auch das Drehbuch schrieb. Der ursprüngliche Titel des Films lautete bis Januar 2017 A Storm In the Stars. Die Filmmusik wurde von Amelia Warner komponiert. Der Soundtrack zum Film, der 19 Musikstücke umfasst, wurde am 25. Mai 2018 von Universal Music Classics/Decca Gold veröffentlicht.[6]

Die Hauptrolle der im Film porträtierten Mary Shelley wurde mit der US-amerikanischen Schauspielerin Elle Fanning besetzt, die zu Beginn der Dreharbeiten 18 Jahre alt war und deren eigentlicher erster Vorname ebenfalls Mary ist. Douglas Booth übernahm die Rolle des Dichters und Marys erster großer Liebe Percy Bysshe Shelley.

Dreharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Dublin drehte man unter anderem an den Collins Barracks

Die Dreharbeiten haben am 20. Februar 2016 in Dublin begonnen und fanden dort unter anderem am irischen Nationalmuseum, den Collins Barracks,[7] und in der Upper Mount Street statt.[8] Ab 7. März 2016 wurden die Dreharbeiten in Luxemburg fortgesetzt. Als Kameramann fungierte David Ungaro.

Marketing und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die internationalen Rechte liegen bei HanWay Films. Im Januar 2017 wurde der Titel des Films von A Storm In the Stars in Mary Shelley geändert.[9] Im Rahmen der Berlinale 2017 wurde Genaueres zum Inhalt des Films bekannt gegeben.[10]

Der Film feierte am 9. September 2017 im Rahmen des Toronto International Film Festivals seine Premiere.[11][12] Im April 2018 wurde der Film beim Tribeca Film Festival in der Sektion Spotlight vorgestellt[13] und kam am 25. April 2018 in die französischen Kinos. Am 25. Mai 2018 kam der Film in die US-amerikanischen Kinos und am 6. Juli 2018 soll er in die Kinos im Vereinigten Königreich. Im Juli 2018 soll der Film auch beim Neuchâtel International Fantastic Film Festival gezeigt werden. Ein Start in Deutschland erfolgte am 27. Dezember 2018.[14] Bereits im Oktober 2018 wurde er bei den Hofer Filmtagen gezeigt.[15]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altersfreigabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland erhielt der Film eine Freigabe ab 12 Jahren. In der Freigabebegründung heißt es: „Manche Darstellungen von Streit, Rausch und Verzweiflung sowie Alpträume können Kinder unter 12 Jahren emotional überfordern, da sie sie nicht adäquat einordnen können.“[16]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andrew Barker von Variety meint, Haifaa Al Mansour schlage im Vergleich zu ihrem ersten Film bei Mary Shelley eine kühne Linkskurve ein, wenn sie sich einer zeitgenössischen britischen Biografie widmet, doch viele ihrer Versuche blieben auf der Strecke. Zwar seien die Aufnahmen beeindruckend und der Film von einem angemessenen feministischen Feuer erfüllt, doch sei das Drehbuch verworren und weise einen fundamentalen Mangel auf, indem es seinen thematischem Fokus verliert und so eine außergewöhnliche Geschichte in ein didaktisches und unzusammenhängendes Melodram verwandelt. Über einzelne Handlungsstränge werde im Film kein geeigneter Bogen gespannt, und das Drehbuch habe die seltsame Angewohnheit, wichtige Informationen erst ein oder zwei Szenen nach dem Zeitpunkt zu liefern, zu dem es am sinnvollsten gewesen wären, über diese Bescheid zu wissen: „eine stürmische Liebesgeschichte, die niemals mit der richtigen Leidenschaft kocht, und ein Bericht über das künstlerische Erwachen, das zu spät kommt.“[17]

Margret Köhler schreibt in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, es verwundere kaum, dass sich Haifaa Al-Mansour an dieses Thema wagt, da schon ihre Heldin in Das Mädchen Wadjda sich gegen männliche Vorurteile und Druck einer frauenfeindlichen Gesellschaft wehren musste, dies allerdings im 21. Jahrhundert. Sowohl Wadjda als auch Mary nähere sie sich aus feministischer Perspektive, so Köhler weiter. Auch wenn gelegentlich die Lust an Herzschmerz mit ihr durch gehe, habe die Autorin Mary Shelley mit dem Biopic das verdiente filmische Denkmal erhalten.[18]

Gunda Bartels vom Tagesspiegel erklärt, die konventionell erzählte, in gepflegtem Arthouse-Look gefilmte Künstlerbiografie ziehe einleuchtende Parallelen zwischen dem Romaninhalt und dem Leben der Autorin: „Die Verlorenheit der von der Stiefmutter abgelehnten Halbwaisen spiegelt sich in der Einsamkeit der von Doktor Frankenstein geschaffenen Kreatur. Und die gesellschaftliche Ächtung, die Mary als schwangere Geliebte eines – der freien Liebe anhängenden und häufig mittellosen – verheirateten Künstlers erfährt, schärft die in den Roman einfließende Kritik gesellschaftlicher Ausgrenzung.“ All das stelle Mary Shelley schlüssig dar, und eine dynamische, auch schwebende Kamera und die treibende Klaviermusik unterstrichen die Dringlichkeit aller Empfindungen, so Bartels weiter und resümiert: „Ja, Mary Shelley zeichnet ein romantisierendes, aber nicht plump idealisierendes Bild eines Liebes- und Autorenpaars, das mit einem bis heute verdammt anspruchsvollen Lebensmodell experimentiert.“[19]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Edinburgh International Film Festival 2018

  • Nominierung für den Publikumspreis[20]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Mary Shelley. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 185102/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. a b c Marieluise Christadler (Hrsg.): Freiheit, Gleichheit, Weiblichkeit: Aufklärung, Revolution und die Frauen in Europa. Leske+Budrich, Opladen, 1990.
  3. a b Ulrich Horstmann: Polidoris Vampir-Erzählung: Totenruhe In: Die Zeit, 23. Oktober 1992.
  4. Armin Strohmeyr: Frankenstein entsteht am Genfer See In: br.de, 13. Mai 2015.
  5. Marieluise Christadler (Hrsg.): Freiheit, Gleichheit, Weiblichkeit: Aufklärung, Revolution und die Frauen in Europa. Leske+Budrich, Opladen, 1990.
  6. http://filmmusicreporter.com/2018/05/21/mary-shelley-soundtrack-announced/
  7. http://www.independent.ie/entertainment/movies/hollywood-actress-elle-fanning-looks-stunning-in-period-costume-as-she-shoots-next-film-in-dublin-34489787.html
  8. http://www.dailymail.co.uk/tvshowbiz/article-3468289/Elle-Fanning-Douglas-Booth-cosy-set-Storm-Stars-Dublin.html
  9. http://theplaylist.net/first-look-elle-fanning-mary-shelley-20170209/
  10. http://www.hollywoodreporter.com/news/mary-shelley-elle-fanning-portrays-gothic-literary-icon-berlin-2017-973217
  11. Toronto International Film Festival 2017. Official Film Schedule In: tiff.net. Abgerufen am 23. August 2017. (PDF; 852 KB)
  12. Brent Lang: Toronto Film Festival Lineup Includes Movies From Angelina Jolie, George Clooney, Alexander Payne In: Variety, 25. July 2017.
  13. Gordon Cox: Tribeca Film Festival Unveils 2018 Slate In: Variety, 7. März 2018.
  14. Starttermine Deutschland. In: insidekino.com. Abgerufen am 5. Juni 2018.
  15. Spielfilme 2018. In: hofer-filmtage.com. Abgerufen am 27. Oktober 2018.
  16. Freigabebegründung für Mary Shelley In: Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Abgerufen am 28. Dezember 2018.
  17. http://variety.com/2017/film/reviews/mary-shelley-review-toronto-1202553317/
  18. Margret Köhler: „Mary Shelley“ – ein Film für Frankensteins Mutter. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 23. Dezember 2018.
  19. https://www.tagesspiegel.de/kultur/biopic-mary-shelley-im-kino-das-monster-sind-wir/23799346.html
  20. https://www.edfilmfest.org.uk/2018/mary-shelley/06-24_11-05