Massen

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Dieser Artikel behandelt die Ortschaft Massen der Stadt Unna. Zu anderen Bedeutungen siehe Massen (Begriffsklärung).
Der Wochenmarkt auf dem Gemeindeplatz

Massen ist eine Ortschaft der Kreisstadt Unna und liegt östlich von Dortmund an der Schnittstelle der westfälischen Regionen Ruhrgebiet, Sauerland und Münsterland. Ende 2013 hatte sie 10.616 Einwohner. Der Ortsname kann etymologisch vom Wort Wasser abgeleitet werden.

Nachdem das Durchgangslager für Flüchtlinge und Spätaussiedler 1951 von Siegen nach Massen als Landesstelle Unna-Massen verlegt worden war (eine der größten Aufnahmestellen im Bundesgebiet), wurde Massen angesichts der hohen Zahlen an Flüchtlingen aus der Deutschen Demokratischen Republik erstmals Anfang der 1960er und erneut Ende der 1980er Jahre über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Unna-Massen liegt in der Einflugschneise des Flughafens Dortmund und wird vom Fluglärm beeinträchtigt. Die Lärmüberwachungsanlage Karlstraße weist oftmals Lärmpegelstände von über 80 dB(A) auf.

Stadtteilgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauernhaus in Massen

Massen ist in vier Teile gegliedert: Am nördlichen Rand liegt der Ortsteil Massen-Nord - unterteilt in die Landesstelle Unna-Massen und die Buderuskolonie (von den Anwohnern auch liebevoll "Korsika" genannt). Hier befinden sich die Wohnhäuser der ehemaligen Zeche Massen. Den zentralen Teil von Massen bilden Niedermassen, das am Hellweg liegt, und Obermassen, das an der Kleistraße liegt. Diese Gegend wird durch bürgerliche Wohnsiedlungen geprägt. Der südlichste und ländlichste Teil von Massen ist die Massener Heide. Hier dominieren großzügige Einfamilienhäuser und Landhäuser.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Massen hat eine Fläche von 9,107 km². Der tiefste Punkt Massens liegt in Niedermassen am Massener Bach bei 63 m über NN, der höchste in der Massener Heide bei 125 m über NN und die Ortsmitte bei 70 m über NN. Zudem ist in Massen ein Berg vorhanden, welcher Stuckenberg heißt, der 118 m über NN und in der Massener Heide liegt. Die Gesamtlänge des Massener Bachs, der von Süden nach Norden verläuft, beträgt 6,8 km.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Massen wurde am 1. April 1911 durch den Zusammenschluss der bisherigen Gemeinden Niedermassen und Obermassen gebildet.[1] Im Jahr 1849 hatten Niedermassen 579 und Obermassen 458 Einwohner.[2] Am 1. Dezember 1910 waren die Einwohnerzahlen für Niedermassen 3167 und für Obermassen 2059.[3]

Am 1. Januar 1968 wurde Massen nach Unna eingemeindet.[4]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panorama auf die Friedenskirche
Jahr Einwohner
1800 522
1839 882
1849 1.037
1867 1.480
1875 1.842
1900 4.369
1910 5.226
1920 5.256
1925 5.934
1931 5.632
1939 5.512
1945 6.603
1950 7.101
1956 8.013
1961 10.731
1964 8.502
1967 9.629
1987 11.136
Jahr Einwohner
1992 11.286
1993 11.313
1994 11.392
1995 11.563
1996 12.008
1997 11.755
1998 11.866
1999 11.873
2000 11.794
2001 11.731
2002 11.713
2013 10.616

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Friedenskirche
Ichtys-Haus

Unna-Massen ist durch die Linie 4 Dortmund–Lütgendortmund–Unna der S-Bahn Rhein-Ruhr mit den Innenstädten von Dortmund und Unna verbunden. Östlich von Massen liegt die A1. Außerdem verläuft auch die B1 durch Massen. Innerhalb Massens gibt es zwei große Hauptstraßen. Der Hellweg bildet eine Ost-West Verbindung und die Kleistraße eine Nord-Süd Verbindung. Die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) betreibt zudem Buslinien durch Massen. Es ist auch ein Park-and-ride-System vorhanden.

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Massen gibt es zurzeit drei Schulen: zwei Grundschulen (Sonnenschule in Obermassen und Schillerschule in Niedermassen) und die Hellweg-Realschule.

Die Gerhart-Hauptmann-Schule für Flüchtlinge und Migranten in Massen-Nord wurde geschlossen. Seit dem 31. Mai 2011 gibt es auf dem Gebiet der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule eine private Hochschule mit 17 Studiengängen in den Bereichen Management, Sport und Gesundheit. [5]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Kinder existieren Spielplätze, das Jugendhaus der evangelischen Kirchengemeinde, ein Bolzplatz an der Virchowstraße sowie Jugendabteilungen der Sportvereine und der Freiwilligen Feuerwehr. Folgende Sportvereine gibt es in Massen: SG Massen Fuß- und Handball, JSG Unna Massen (Handball), FSG Massen, EVC Massen Volleyball und 1.TC Massen Tennis. Zudem gibt es eine DLRG-Ortsgruppe. Chöre in Massen: MGV Glückauf Massen 1880, MGV Cantus 1880 und Chor 72. Der Verein HSM betreibt seit über zehn Jahren das Massener Hallenbad an der Königsborner Straße; sonntags werden dort unentgeltliche Schwimmzeiten angeboten. In der Massener Heide befindet sich ein Reitsportzentrum.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jeden Samstag öffnet von 7:30 bis 13:30 Uhr ein Wochenmarkt auf dem Gemeindeplatz. Jährlich im Advent findet vor der ehemaligen Gemeindeverwaltung ein dreitägiger Weihnachtsmarkt statt, den der Gewerbeverein Massen organisiert. Im Abstand von zwei bis drei Jahren wird auf dem Massener Hellweg eine Kirmes, der Massener Hellweg Rummel, ausgerichtet. Immer am ersten Wochenende im Januar messen sich Damenfußballmannschaften aus ganz Deutschland in Unna. Der Damen- und Mädchenbereich der SG Massen veranstaltet eines der größten bundesweiten Kunstrasenturniere, den „DamenCup“.

Bergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Informationstafel zum Bergwerk Massener Tiefbau
Förderwagen am Massener Hellweg

In Massen begann der Bergbau 1827, als Gisbert Freiherr von Romberg, Besitzer des Hauses Massen, beim Bergrevier die Auffahrung des Romberger Erbstollens beantragte. Dieser Stollen sollte die Bergwerke im Raum Holzwickede-Aplerbeck-Sölde entwässern. 1829 begann man mit der Auffahrung des Romberger Erbstollens, der eine Breite von 1,40 m und eine Höhe von 2,30 m hatte. Das Stollenmundloch befand sich am Massener Bach, nahe der heutigen Straße Im Kamp. Zeitweise waren bis zu 80 Bergleute damit beschäftigt, den Erbstollen vom Massener Bach aus durch die Mergeldecke nach Südwesten in Richtung Holzwickede vorzutreiben. Die Arbeiten gingen zunächst zügig voran, bis 1833 wurde der Durchschlag mit drei geteuften Lichtlöchern hergestellt. Im Laufe der Zeit aber erschwerten klüftiger Mergel und hohe Wasserzuflüsse den weiteren Vortrieb des Romberger Erbstollens, so dass das 4. Lichtloch im Bereich "Zur Alten Colonie" in Holzwickede erst 1837 erreicht werden konnte. Nachdem der Stollen 1838 eine Länge von 2365 Metern erreichte, wurde der Vortrieb im gleichen Jahr wegen erneuter starker Wasserzuflüsse und Wasserentziehungs-Klagen durch Grundbesitzer endgültig eingestellt. Das Steinkohlengebirge hatte der Romberger Erbstollen noch nicht erreicht. In den 1850er und 1860er Jahren nutzte die Zeche Vereinigte Norm, die ein Schacht auf den 3. Lichtloch abgeteuft hatte, diesen Erbstollen zur Wasserlösung.

Der Gedanke des Kohlenbergbaus in Massen wurde erst 1853 wieder aufgegriffen. Es wurde eine Massener Gesellschaft für Kohlebergbau gegründet. Im Jahr 1855 begann das Abteufen der Schächte 1 und 2 der Zeche Massener Tiefbau. Auf den Schächten 1 und 2 der Zeche Massen wurde im Jahr 1859 die erste Kohle gefördert. Die Belegschaft bestand zu dieser Zeit aus 92 Bergmännern. Es wurde eine Eisenbahnverbindung zwischen den Schachtanlagen und der Strecke Holzwickede-Unna angelegt.

1860 konnten 3686 Tonnen Kohle gefördert werden. In den folgenden Jahren entstand eine hohe Anzahl an Arbeitsplätzen auf der Zeche, dass immer mehr Bergleute nach Massen einwanderten. Daher wurden einige Zechensiedlungen gebaut, zum Beispiel die Kolonien Im Kamp und An der Ladebühne. Ab 1882 wurden auf der Zeche Massen eine Kokerei und eine Brikettfabrik betrieben.

Im Jahre 1883 ereignete sich eine Schlagwetterexplosion mit 15 Toten und drei Verletzten. Die Massener Bergleute beteiligen sich am Bergarbeiterstreik von 1889. Ein Jahr später zerstörte ein Brand das Schachtgebäude des Förderschachtes vollständig. 1895 wurde mit dem Abteufen für den Schacht III begonnen; diese Arbeiten kosteten 4.136.112 Mark. Zwei Jahre später konnte mit der Förderung von Kohle begonnen werden. Zu diesem Zeitpunkt betrug die gesamte Belegschaft der Schächte 1, 2 und 3 1772 Mann. Zur Jahrhundertwende arbeiteten 2301 Bergleute auf der Zeche Massen. Ein Jahr später wurde das Abteufen am Schacht 4 beendet, und der Schacht wurde in Betrieb genommen.

1910 wurde die Bergbau-Aktiengesellschaft „Massen“ von der AG Buderus'sche Eisenwerke übernommen und zum 1. Januar 1911 vollständig in die neue Muttergesellschaft eingegliedert. Die höchste Jahresförderung wurde von 2.807 Beschäftigten 1913 mit 659.762 Tonnen erzielt. Als im Jahr 1915 die ersten Kriegsgefangenen (100 Russen) in Massen ankamen, wurden sie der Zeche als Arbeitskräfte zugeteilt. Mitten im Ersten Weltkrieg (1916) wurde eine Bergarbeiterkolonie (Buderuskolonie) gebaut. 1918 wurde nach der Abdankung des Kaisers durch einen Arbeiterrat eine Arbeitszeitverkürzung auf acht Stunden und eine Lohnerhöhung von 15 auf 17 Mark erreicht. Aus wirtschaftlichen Gründen wurden im Jahr 1925 die Zeche Massener Tiefbau von der AG Buderus'sche Eisenwerke geschlossen. Die Förderung der verbleibenden Kohlevorkommen übernahm fortan die Zeche Alter Hellweg. Somit wurden auf der Stelle 3621 Bergleute arbeitslos. Zur Zeit der Schließung betrug die Fördermenge 500.000 Tonnen pro Jahr.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Massen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 261.
  2. M. F. Essellen: Beschreibung und kurze Geschichte des Kreises Hamm und der einzelnen Ortschaften in demselben. Verlag Reimann GmbH & Co, Hamm 1985, ISBN 3-923846-07-X, S. 168 f.
  3. www.gemeindeverzeichnis.de: Einwohnerzahlen 1910
  4. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 65.
  5. Homepage der IUNunna. Abgerufen am 21. März 2012 (deutsch).

Koordinaten: 51° 32′ N, 7° 39′ O