Marten (Dortmund)

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Marten
Stadt Dortmund
Koordinaten: 51° 30′ 34″ N, 7° 23′ 0″ O
Höhe: ca. 80 m
Fläche: 4,32 km²
Einwohner: 9527 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 2.205 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1928
Postleitzahlen: 44379, 44388, 44149
Vorwahl: 0231
Statistischer Bezirk: 74
Stadtbezirk Aplerbeck Stadtbezirk Brackel Stadtbezirk Eving Stadtbezirk Hombruch Stadtbezirk Hörde Stadtbezirk Huckarde Stadtbezirk Innenstadt-Nord Stadtbezirk Innenstadt-Ost Stadtbezirk Innenstadt-West Stadtbezirk Lütgendortmund Stadtbezirk Mengede Stadtbezirk ScharnhorstKarte
Über dieses Bild
Lage von Marten in Dortmund

Marten ist der Statistische Bezirk 74 und zugleich ein westlicher Stadtteil der kreisfreien Großstadt Dortmund. Er liegt im Stadtbezirk Lütgendortmund.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marten hat sich ungefähr in der ersten Jahrtausendwende um den Hellweg entwickelt. Erstmals wird die Gemarkung Marten in einem um 1000 verfassten Verzeichnis des Klosters Werden erwähnt und zwar in einem Seelengedächtnis. Am 1. April 1928 wurde Marten in die Stadt Dortmund eingemeindet.[2] Im Rahmen der Kommunalreform 1975 wurde der Verwaltungsbezirk trotz aller Widerstände dem Stadtbezirk Lütgendortmund zugewiesen und verlor dadurch an Bedeutung.

Bei einem schweren Unwetter wurden am 26. Juli 2008 weite Teile des Martener Ortskerns unter Wasser gesetzt.

Der Ort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die räumliche Struktur Martens ist vor allem durch die Zweiteilung geprägt. Der ältere Ortskern bildet das Zentrum mit dem Marktplatz, Einkaufsmöglichkeiten, Post und Sparkasse; die jüngere Germania-Siedlung, welche neben der ehemaligen Zeche Germania als Arbeitersiedlung errichtet wurde, ist eine reine Wohnsiedlung. Diese beiden Martener Regionen sind durch den Martener Park und den Roßbach voneinander abgegrenzt. Marten besitzt zudem als größerer Ortsteil eine kleine – teils beruhigte – Einkaufsstraße (in der Meile) mit vielen kleinen Geschäften und einer angrenzenden Allee.

Der Revierpark Wischlingen liegt in unmittelbarer Nähe Martens, wie auch das Naturschutzgebiet Hallerey, vom Martener Ortskern in 5–10 Minuten zu Fuß zu erreichen. Der Friedhof Marten liegt teilweise auf dem Gebiet des Ortsteiles Dorstfeld und gehört zu beiden Ortsteilen.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung Martens zwischen 1818 und 2013
1818 1843 1858 1871 1885 1895 1900 1905 1914 1928 2007 2013
354 420 792 2.053 3.366 5.048 8.800 10.427 12.340 12.298 9.372 9.476

Bevölkerungs- und Siedlungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die wachsende Zeche Germania wurden immer mehr Bergarbeiter gesucht. Diese kamen u. a. auch aus Ländern, vor allem aber aus der Provinz Preußen. 1890 betrug der Anteil der Zuwanderer an der Gesamtbevölkerung 45 %, 1919 bereits 52 %. Wegen der stark ansteigenden Bevölkerung kam es zu einer Wohnungsknappheit, der erst nach vielen Jahren durch neue Zechensiedlungen entgegengewirkt werden konnte. Es entstanden die Zechensiedlungen Germania (gegenüber der Zeche) und Neu-Crengeldanz, die durch Wohnhäuser an der Straße Auf dem Toren erweitert wurde.

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 2015 lebten 9527 Einwohner in Marten. Strukturdaten der Bevölkerung Martens: Minderjährigenquote: 21,2 % (Dortmunder Durchschnitt: 19,4 %), Altenquote: 25,4 % (Dortmunder Durchschnitt 30,0 %), Ausländeranteil: 13,8 % (Dortmunder Durchschnitt 16,3 %), Arbeitslosenquote: 16,8 % (Dortmunder Durchschnitt 12,3 %). Das Durchschnittseinkommen liegt ca. 15 % unter dem Dortmunder Durchschnitt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einw.
1987 9867
2003 9513
2008 9330
2013 9476

Gebäude und Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis in die 1960er Jahre existierte in Marten ein Gebäude, welches im Volksmund als das Rote Haus bezeichnet wurde. Der Überlieferung nach hat Napoleon I. auf seinem Weg nach Russland in diesem Haus übernachtet. Das Rote Haus wurde abgerissen; heute erinnert noch eine Straße an seinen Standort.

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Pfarrkirche Heilige Familie

Bis ins 19. Jahrhundert existierte in Marten keine Kirche. Die Katholiken gehörten zum Kirchenspiel Kirchlinde und die evangelischen Einwohner zur Gemeinde der Bartholomäuskirche Lütgendortmund. Aufgrund der steigenden katholischen Bevölkerung in Marten musste eine neue eigene Pfarrkirche errichtet werden. Um die Mittel für den Bau aufbringen zu können, wurde der Martener Bonifatius­verein gegründet. Am 24. Juli 1898 erfolgte die Grundsteinlegung für den Bau auf einem Gelände, welches der Kirche geschenkt wurde. Bereits am 24. Oktober 1899 konnte der Bau eingeweiht werden.

Evangelische Immanuel-Kirche in Marten

Die 1908 im Jugendstil erbaute evangelische Immanuel-Kirche ist eine architektonische Besonderheit in der Region und kann auch virtuell besichtigt werden. Schon lange vor dem Bau hatte sich die evangelische Gemeinde Martens von der Muttergemeinde Lütgendortmunds getrennt; die Gottesdienste fanden zunächst in einer Scheune auf dem Teinerschen Hof statt. Da dieser Platz nicht ausreichte, wurde der Neubau beschlossen.

Neuapostolische Kirche in Marten

Seit 1929 existiert eine Gemeinde der Neuapostolischen Kirche in Marten, die seit 1953 auch über ein eigenes Kirchengebäude verfügt. 1995 bis 1997 wurden an dem Gebäude in der Altenrathstraße umfangreichen Renovierungs- und Umbaumaßnahmen durchgeführt.[3]

Zeche Germania[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fördergerüst der Zeche Germania an seinem neuen Standort

1842 erwarb Friedrich Harkort beim königlichen Bergamt Bochum einen Schürfschein auf Steinkohle für das Gebiet Oespel, der ihm die Erlaubnis gab, Kohle zu fördern. Die ersten Bohrversuche wurde mit finanziellen Mitteln von Heinrich Gottfried Bergfeld unterstützt. Nachdem Harkort seine Beteiligung für 1040 Taler an einen Wittener Glasfabrikanten verkauft hatte, schlossen sich am 3. Juli 1850 alle Bohrfelder zur „Gewerkschaft Vereinigte Germania“ zusammen. Ende 1858 wurde die Förderung aufgenommen. Bis 1867 stellte die Zeche 519 Arbeiter an, die ca. 100.000 t im Jahr förderten. 1872 wurden zwei neue Gewerkschaften gegründet, die Gewerkschaft Müllensiefen und die Gewerkschaft Martener Bergwerks-Verein Germania. Letztere meldet jedoch schon bald Konkurs und wurde durch den Gewerkschaftsverein Germania ersetzt. Im selben Jahr wurde auch der Grundstein für die Schachtanlage 2/3 gelegt, die bald die Förderung aufnahm. Am 14. Februar 1892 schloss sich die Zeche mit der Gelsenkirchener Bergwerks-AG zusammen, die von Friedrich Grillo (1825–1888) gegründet und geleitet wurde. Nach diesem Zusammenschluss wuchs die Beschäftigungszahl rasch an.

Von der Zeche sind heute im Wesentlichen nur noch die Lohnhalle und die Schwarzkaue erhalten, die die Ausbildungsstätten des Christlichen Jugenddorfes (CJD) beherbergen. Das Fördergerüst der Schachtanlage ist zwar auch noch erhalten, doch ziert dieser nun das Deutsche Bergbaumuseum in Bochum.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Berichten der Präfektur von 1809 soll die Schulsituation in Lütgendortmund sowie in Marten sehr schlecht gewesen sein. Außerdem heißt es, dass die Schulen heruntergekommen wären und Gelder für Reparaturen gebraucht würden. Später beschloss die Gemeinde, ein neues Schulgebäude unter Kostenbeteiligung der Bürger zu bauen. Im April 1811 erfolgte die Genehmigung des Neubaus. Im Jahre 1852 gingen 38 Jungen und 39 Mädchen in Marten zur Schule. In den 1860er Jahren war die Anzahl der Schulgänger so stark angestiegen, dass das Gebäude nicht mehr ausreichte. Man beschloss, eine zweite Klasse aufzumachen und den Unterricht durch einen weiteren Lehrer schichtweise abhalten zulassen. 1866 beschloss der Landrat Arnsberg, einen weiteren Neubau anzulegen.

Amtshaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahrzeichen des Ortsteils ist das ehemalige Martener Amtshaus, das 2006 sein 100-jähriges Bestehen feierte. Es wurde 1906 als Zweigstelle des Amtshauses Dorstfeld gebaut und beinhaltete zwei Räume für die Polizei, ein Meldeamt, ein Standesamt und einen großen Sitzungsraum. Später hatte auch die Sparkasse ihren Sitz im Gebäude. Heute gibt es keine Polizeiwache mehr im Ort.

Direkt neben dem Fußballplatz der Arminia Marten befindet sich eine städtische Jugendfreizeitstätte, die Programme für Kinder und Jugendliche anbietet.

Am nordöstlichen Ortsausgang befindet sich die Feuerwache 5 (West) der Berufsfeuerwehr Dortmund.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßennetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um den Ortskern von Marten verläuft eine große Einbahnstraße, die sich aus der nach Osten laufenden Schulte-Heuthaus-Straße und der nach Westen führenden Martener Straße zusammensetzt. Senkrecht dazu verlaufen zwei weitere Straßen direkt durch den Ortskern. Die bekanntere von ihnen heißt „In der Meile“, die im Ortskern wie eine kleine Allee angelegt ist.

Die Hauptverbindungsstraßen nach Marten sind die Martener Straße, die aus dem benachbarten Lütgendortmund kommt, die Heyden-Rynsch-Straße, die aus Dorstfeld kommt, der Bärenbruch aus Richtung Kirchlinde, aber auch der Wischlinger Weg aus Richtung Huckarde. In Nord-Süd-Richtung verläuft die A 45 östlich am Ortskern vorbei. Marten ist über die Schnellstraße K 16 (Erweiterung der Mallinckrodtstraße), umgangssprachlich OWIIIa oder „Hafenzubringer“ genannt, an den Dortmunder Hafen und die Innenstadt angebunden.

Bus und Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Dortmund-Marten an der Emschertalbahn
Haltepunkt Dortmund-Marten Süd an der Rheinischen Bahn, im Hintergrund die A 45

Der Bahnhof Dortmund-Marten am östlichen Teil der Bahnstrecke Duisburg-Ruhrort–Dortmund (Emschertalbahn) bindet den Stadtteil an das Netz der Deutschen Bahn.

Linie Linienbezeichnung Verlauf
RB 43 Emschertalbahn DorstenWanne-EickelHerneDortmund-MartenDortmund Hbf

Außerdem gibt es einen S-Bahn-Haltepunkt Dortmund-Marten Süd an der Bahnstrecke Osterath–Dortmund Süd. Dieser wird auch durch eine Linie der Stadtbahn Dortmund bedient.

Linie Verlauf Takt
S 4 Dortmund-Lütgendortmund – Dortmund-Somborn – Dortmund-Germania – Dortmund-Marten Süd – Dortmund-Dorstfeld – Dortmund West – Dortmund Möllerbrücke – Dortmund Stadthaus – Dortmund-Körne West – Dortmund-Körne – Dortmund Knappschaftskrankenhaus – Dortmund-Brackel – Dortmund-Asseln Mitte – Dortmund-Wickede West – Dortmund-Wickede – Massen – Unna-Königsborn – Unna West – Unna 20 min
U44 Walbertstraße/SchulmuseumDortmund-Marten Süd S – Auf dem Brümmer – Poth – Dorstfeld Betriebshof – Wittener Straße – Ottostraße – Ofenstraße – HeinrichstraßeUnionstraßeWestentorKampstraßeReinoldikirche – Geschwister-Scholl-Straße – Enscheder Straße – Borsigplatz – Vincenzheim – Westfalenhütte
Diese Linie verkehrt auf der Stammstrecke III
10 min

Ab 1911 führte eine Straßenbahnlinie von der Innenstadt durch den Martener Ortskern über Kirchlinde bis nach Ickern, heute endet die Linie in Marten (U44 über die Innenstadt bis zur Westfalenhütte). Mehrere Busverbindungen (462 (Abendnetz: 464), 463, 466 und 480) verlaufen durch Marten und binden es an andere Stadtteile an.

Kultur und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine und Clubs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im südöstlichen Teil Martens befindet sich der 1908 gegründete Fußballverein Arminia Marten. Die Vereinsanlage besitzt einen Kunstrasen und einen Rasenplatz.

Älter noch ist der 1902 gegründete Turnerbund Marterloh, der heute die Sportarten Leichtathletik, Turnen, Badminton, Gymnastik, Aerobic und Walking anbietet. Sportstätten sind u. a. die Aschenbahn der Bezirkssportanlage Wischlingen sowie die Turnhallen An der Froschlake und der Friedens-Grundschule (Germania-Siedlung).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besichtigenswert ist neben der im Jugendstil erbauten Evangelischen Immanuel-Kirche auch das Westfälische Schulmuseum.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jahresbericht Dortmunder Statistik 2016 – Bevölkerung (PDF-Datei)
  2. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 261.
  3. Neuapostolische Kirche in Dortmund-Marten