Max von Bleichert

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Adolf Max von Bleichert (* 28. Mai 1875 in Schkeuditz; † 24. Januar 1947 in Bad Sachsa) war ein deutscher Großindustrieller des Seilbahn- und Transportanlagenbaus. Gemeinsam mit seinem Bruder Paul von Bleichert leitete er das vom Vater gegründete Unternehmen Adolf Bleichert & Co., Fabrik für Drahtseilbahnen, Leipzig-Gohlis und entwickelte es zur weltweit größten Seilbahn- und Transportanlagenfabrik.

Porträt Max von Bleichert um 1920
Helene von Bleichert geb. Tiedemann (1877–1948)

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Max besuchte von 1884 bis 1893 das König-Albert-Gymnasium in Leipzig. Nach bestandener Reifeprüfung erhielt er seine erste berufspraktische Ausbildung bei der Maschinenbaufirma Gebrüder Klein in Dahlbruch. Anschließend trat er seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger beim 1. Königlich Sächsischen Feldartillerie-Regiment Nr. 12 in Dresden an.

1895 begann Max sein Studium für Maschinenbau an der Technischen Hochschule Karlsruhe und wechselte zwei Semester später an die Technische Hochschule Dresden, an der er 1899 die Diplomprüfung als Ingenieur für Maschinenbau ablegte. Im Anschluss beschäftigte er sich in französischen und belgischen Industriebetrieben mit den neuesten Erkenntnissen auf dem Gebiet der Eisenkonstruktion. In New Jersey lernte er bei der Trenton Iron Company die amerikanische Erfindung der Elektrohängebahn kennen, die er später weiterentwickeln und in Europa einführen sollte.

Firmenleitung 1901–1931[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem frühzeitigen Tod des Vaters übernahmen die beiden ältesten Brüder Max und Paul am 1. Oktober 1901 gemeinsam die Leitung der Firma Adolf Bleichert & Co. Während Max für die technische Forschung, Entwicklung und Rationalisierung der Produktion zuständig war, war Paul für den kaufmännischen Bereich sowie für die Tarif- und Sozialpolitik des Unternehmens verantwortlich.

Nach Auszahlung mitbeteiligter Familienmitglieder gelangte am 1. Mai 1915 die Firma in den Alleinbesitz der Brüder. Unter ihrer Leitung entwickelt sich das Unternehmen von einer mittelständischen Firma mit Spezialisierung auf den Bau von Drahtseilbahnen zu einem weltmarktführenden Großbetrieb für Drahtseil- und Elektrohängebahnen, Transportanlagen,[1] Verladeanlagen und Krane[2] mit bis zu 2000 Mitarbeitern. Die Gründung von Tochterunternehmen erfolgte in den Städten Charkow, Wels und 1912 in Neuss.

Während des Ersten Weltkrieges wurde die Produktion auf die Bedürfnisse des Deutschen Heeres umgestellt. Man produzierte Munition und Granaten und entwickelte die Einseilbahn zur Feldseilbahn, mit deren Hilfe Munition und Verpflegung an die Front geliefert, vor allem aber Verwundete zur medizinischen Versorgung hinter die Frontlinien transportiert werden konnten.[3]

1924 begingen die Brüder das 50. Gründungsjubiläum der väterlichen Firma. Die aus diesem Anlass erschienene Festschrift[4] erwähnt, dass mit dem Bau von insgesamt 4000 Drahtseilbahnen bis zum Jahr 1924 die Gesamtleistung aller Drahtseilbahnhersteller der Welt durch die Firma Adolf Bleichert & Co. übertroffen wurde.

1926 erfolgte die Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft mit 4 Millionen Reichsmark Stammkapital. Max von Bleichert fungierte fortan als Generaldirektor und Mitglied des Vorstandes.[5] Sein Bruder Paul zog sich aufgrund gesundheitlicher Probleme ins Privatleben zurück.

Ende der Zwanziger Jahre begannen sich die krisenhaften Anzeichen im Unternehmen zu verstärken. Äußere Faktoren wie die Weltwirtschaftskrise, die Bankenkrise sowie stärkere Konkurrenz und Preisverfall, aber auch interne Fehlentscheidungen des Managements und erlahmende Produktinnovationen führten in Summe zu einem raschen Zusammenbruch des Unternehmens. Unter Einsatz seines Privatvermögens[6] versuchte Max von Bleichert die drohende Insolvenz abzuwenden.

Villa Max von Bleichert in Leipzig (um 1930)

Im Frühjahr 1932 endete das Insolvenzverfahren mit einem Schuldspruch für Max von Bleichert, der noch im Dezember 1931 von der Presse als führender Kopf der deutschen Wirtschaft bezeichnet worden war. Das Urteil enthielt zudem für ihn das Verbot, erneut unter dem Namen Bleichert zu firmieren bzw. sich an Neugründungen des zu liquidierenden Unternehmens A. Bleichert & Co. A.-G. zu beteiligen.

Max von Bleichert zog sich daraufhin ins Privatleben zurück. Er lebte auf seinem Gut Splau bei Bad Schmiedeberg und in Bad Sachsa, wo er 1947 verstarb. Sein Grab befindet sich in Göttingen.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Max von Bleichert heiratete am 7. Oktober 1901 in Dresden Emma Helene Tiedemann (* 14. Juli 1877 in Dresden; † 3. März 1948 in Göttingen), Stieftochter von Gustav Tiedemann, Besitzer der 1833 gegründeten Firma Carl Tiedemann Chemische Werke Coswig-Dresden und dessen Gattin, Helene, geborene Schrödel. Der Ehe entstammten drei Söhne:

  • Max Adolf ROLF (1902–1922)
  • Erich WOLFRAM (1905–1991)
  • HORST Manfred (1908–1987)

Kunstsammler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Max von Bleichert und sein Bruder Paul gehörten in der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg zu den bedeutendsten privaten Kunstsammlern in Deutschland. Ihre Sammlungen umfassten Gemälde Alter und Neuer Meister, Möbel, Textilien, Silber, Bronzen, Mineralien, Porzellane und Fayencen. Um die Insolvenz seines Unternehmens abzuwenden, bot Max von Bleichert große Teile seiner Sammlung 1931 zum Verkauf an. Das mit der Versteigerung beauftragte Auktionshaus Rudolph Lepke schätze den Wert der Sammlung auf 1,2 Millionen Reichsmark. Der Erlös der Auktion blieb jedoch weit unter den Erwartungen und erbrachte lediglich die Summe von 272 000 Reichsmark.[7]

Nobilitierung, Titel, Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Umfasste: Becherwerke, Bremsberge, Seil- und Kettenförderer, Seil – und Rangieranlagen, Bagger, Transportbänder, Lokomotiven.
  2. Umfasste: Krananlagen, Verladebrücken, Aufzüge und Kipper.
  3. Bis Kriegsende wurden 630 Feldseilbahnen mit einer Länge von 2,5 Kilometer an das Heer geliefert.
  4. Ein halbes Jahrhundert Drahtseilbahn-Bau: 1874–1924. Erfahrungen und Erfolge. Adolf Bleichert & Co., Privatdruck, Leipzig o. J. (1924).
  5. Zum Vorstand gehörten neben Max von Bleichert: Arthur Boskamp als Technischer Direktor; Heinrich Siede als kaufmännischer Direktor und Alfred Friedrich als Fabrikdirektor.
  6. Maßnahmen waren etwa der Verkauf von Firmenbeteiligungen, die Aufnahme privater Bankkredite und die letztlich weit unter Wert erfolgte Versteigerung seiner bedeutenden Kunstsammlung.
  7. Vgl. hierzu: Dietulf Sander: Auf Spurensuche: Die Kunstsammlungen der Brüder Max und Paul von Bleichert. In: Leipziger Geschichtsverein e. V. (Hrsg.): Leipziger Stadtgeschichte. Jahrbuch 2011. Sax-Verlag, Beucha, Markkleeberg 2012, S. 139 ff. ISBN 978-3-86729-102-6.
  8. Gemeinsam mit seinem Bruder Max am 24. März 1918 durch König Friedrich August III. von Sachsen. Es handelt sich dabei vermutlich um die letzte Adelserhebung vor der Abschaffung der Monarchie in Sachsen.
  9. Auf Vorschlag von Justizrat Dr. Max Engel aufgenommen am 12. März 1922.
  10. Die Mitgliedschaft wurde am 4. November 1931 beendet.