Michael Schindhelm

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Michael Schindhelm (* 1. Oktober 1960 in Eisenach) ist ein deutsch-schweizerischer Autor, Kulturberater, Theaterintendant und Filmemacher.

Schindhelm während einer Lesung
Michael Schindhelm in Long Island/USA 2008

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Abitur 1979 an den Spezialklassen für Chemie in Merseburg studierte er an der Staatlichen Universität Woronesch (Russland) und beendete sein Studium mit dem Abschluss Diplomquantenchemiker. Von 1984 bis 1986 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für physikalische Chemie der Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin. Dort arbeitete er in der Abteilung Theoretische Chemie (Leiter: Lutz Zülicke), wo er sich mit der dort ebenfalls tätigen Angela Merkel das Büro teilte. Merkel erinnert an diese Zeit in ihrer ersten Rede[1] als Bundeskanzlerin beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2006 in Kiel. Danach arbeitete er bis 1990 als Übersetzer, Autor und Dramaturg.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1990 wurde Schindhelm Referent des Intendanten des Theaters Nordhausen und nach Gründung der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH Direktor. 1992 ernannte man ihn zum Intendanten der Bühnen der Stadt Gera. Von 1994 bis 1996 war er Generalintendant des Theaters Altenburg-Gera, danach, von 1996 bis 2006, Direktor und Intendant des Theater Basel (1999, Theater des Jahres und Bayerischer Theaterpreis, 2001 erneut Bayerischer Theaterpreis). Außerdem fungierte er von 1997 bis 2005 als Co-Präsident des Sinfonieorchester Basel.

Ab 1. April 2005 war er Generaldirektor der Stiftung Oper in Berlin (Komische Oper, Staatsoper Unter den Linden, Deutsche Oper). Nach bereits ausgesprochenem Rücktritt im November 2006 legte Schindhelm das Amt am 15. Februar 2007 nieder, da seiner Meinung nach auf Grund der schlechten Haushaltslage des Landes Berlin zu wenig Geld für die Kultur bzw. die Arbeit der Stiftung vorhanden sei.

Ab März 2007 war Schindhelm als Kulturmanager in Dubai (VAE) tätig, seit März 2008 Kulturdirektor der Dubai Culture and Arts Authority. Schindhelm gab dieses Amt im Sommer 2009 auf, als klar wurde, dass aufgrund der Weltwirtschaftskrise das von ihm geplante Opernhaus und weitere Kulturstätten nicht realisiert würden.[2] Schindhelm kritisierte in einem Interview, dass das kulturelle Engagement in Dubai letztlich nur der Finanzierung großer Immobilienareale zugutekommen sollte, ohne kulturellen Eigenwert.[3]

Seit Sommer 2009 ist Schindhelm international als Kulturberater öffentlicher Einrichtungen tätig. Unter anderem arbeitet er mit dem niederländischen Architekturbüro OMA (Office for Metropolitan Architecture) am Masterplan für den West Kowloon Cultural District in Hongkong zusammen.[4] Gemeinsam mit dem Think Tank AMO hat er in 2010 das Ausbildungs- und Forschungsprofil für das Strelka Institute in Moskau entwickelt und leitete dort (von 2010 bis 2012) den Forschungsbereich öffentlicher Raum. 2011/12 entwickelte er im Rahmen der Planung der Innovationsstadt Skolkovo (Russland) ein Konzept für Kultur und Sport.[5]

Weiterhin unterstützt Schindhelm die Welthungerhilfe bei Projekten globaler Philanthropie und ist seit Januar 2013 Mitglied des Kuratoriums.[6]

Seit 2013 ist Schindhelm Berater der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) für internationale Projekte und kuratiert eine Vorlesungsreihe zur Globalen Kultur.

Im März 2018 wurde Michael Schindhelm zum Kurator für Dresdens Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt 2025 gewählt.[7]

Darüber hinaus ist Schindhelm seit 1990 als Schriftsteller, Librettist und Übersetzer (aus dem Russischen) tätig. Seit 2000 veröffentlichte er sieben Romane und Sachbücher. „Lavapolis“, 2014 zeitgleich auf Deutsch bei Matthes&Seitz Berlin und auf Englisch bei Sternberg Press erschienen, ist die transmediale Fiktion ueber eine Parallel-Gesellschaft, die sich zugleich auf der Webseite lavapolis und in Auftritten auf der Biennale von Venedig 2014 entfaltet. Sein Buch über die Erfahrungen in Dubai erschien 2009 auf Deutsch unter dem Titel Dubai Speed und 2011 auf Englisch unter dem Titel Dubai High. Für die Oper Schwarzerde des Komponisten Klaus Huber schrieb er das Libretto (Basel, 2001), ebenso für die Oper Welten aus Quecksilberlicht des Komponisten Cong Su (Berlin, 2006). 2003 drehte er zusammen mit Jörg Jeshel in der Wüste Gobi den Dokumentarfilm Lied der Steppe. In der Zeit von 2003 bis 2008 entstand gemeinsam mit Christoph Schaub der Dokumentarfilm Bird's Nest über den Bau des Stadions für die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking. Von 2004 bis 2006 führte Schindhelm im Schweizer Fernsehen den TV Talk der Salon.

Im Februar 2016 hatte sein Film The Chinese Lives of Uli Sigg Premiere. Der Film erzählt das Leben des Schweizer Unternehmers, Philanthropen und Kunstsammlers Uli Sigg, der 1979 das erste Joint Venture zwischen einem westlichen Unternehmen und der kommunistischen Regierung Chinas abschloss, später Schweizer Botschafter in China und Sammler der weltweit grössten Sammlung chinesischer Gegenwartskunst wurde. 2012 spendete Sigg einen wesentlichen Teil der Sammlung an das Museum M+ in Hongkong.

Kritisiert wurde Schindhelm, als im Jahr 2000 bekannt wurde, dass er in den 1980er Jahren Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR war.[8] Daraufhin in der Schweiz (2001) und in Deutschland (2004) eingesetzte Ehrenräte haben diese Kontakte eingeschätzt und sind übereinstimmend zu dem Urteil gelangt, dass diese Kontakte Michael Schindhelms Wirken in öffentlichen Ämtern nicht in Frage stellen.[9]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lied der Steppe. Gemeinsam mit Joerg Jeshel. Eine musikalische Reise durch die Wüste Gobi. (2003)
  • Bird’s Nest. Gemeinsam mit Christoph Schaub. Eine vierjährige Begleitung der Architekten Herzog und de Meuron und des Künstlers Ai Weiwei beim Bau des Olympia-Stadions von Peking. (2008)
  • The Chinese Lives of Uli Sigg. Die Lebensgeschichte des Unternehmers, Diplomaten und Kunstsammlers Uli Sigg im Licht der Modernisierung Chinas. (2016)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dominique Spirgi: Michael Schindhelm. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 3, Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 1606 f.
  • Boris Hoge: „Geschichtsende“, Russland-Erinnerung und Selbstkonstruktion in Michael Schindhelms „Roberts Reise“. In: Ders.: Schreiben über Russland. Die Konstruktion von Raum, Geschichte und kultureller Identität in deutschen Erzähltexten seit 1989. Heidelberg: Winter 2012, S. 238–259.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Michael Schindhelm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/bulletin/bulletin-2000-bis-2009/rede-von-bundeskanzlerin-dr-angela-merkel-797168
  2. Eckhard Fuhr: Wie Michael Schindhelm in Dubai scheiterte. Welt Online, 14. November 2009
  3. "Ein modernes Babylon". So versacken Träume im Wüstensand: Zwei Jahre lang versuchte der Deutsche Michael Schindhelm, aus der Boomtown Dubai eine Kulturmetropole zu machen. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt er, warum seine Pläne scheiterten - und die Stadt trotzdem eine Zelle der Zuversicht in der islamischen Welt ist. In: Spiegel Online. 16. Oktober 2009, abgerufen am 28. November 2018.
  4. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.openbuildings.comMasterplankonzept OMA West Kowloon Cultural District, Hongkong, September 2010
  5. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.strelkainstitute.comInterview über Öffentlicher Raum. Strelka Institute, Moskau, November 2010 (englisch)
  6. Travels in a Quiet Land. Spiegel Online, Reise mit Welthungerhilfe, Oktober 2010 (englisch)
  7. Dresden: Michael Schindhelm wird Kurator für Dresdens Kulturhauptstadtbewerbung. Abgerufen am 18. März 2018 (deutsch).
  8. Stasi-Mitarbeiter künftiger Intendant? Spiegel Online, 24. Januar 2001.
  9. Klaus Georg Koch: Die Prüfung. In: Berliner Zeitung, 23. Dezember 2004.