Michail Sergejewitsch Tolstych

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Michail Tolstych, 2014

Michail Sergejewitsch Tolstych (russisch Михаи́л Серге́евич Толсты́х, ukrainisch Михайло Сергійович Толстих Mychailo Serhijowytsch Tolstych) (* 19. Juli 1980 in Ilowajsk, Oblast Donezk, Ukrainische SSR, Sowjetunion; † 8. Februar 2017 in Makijiwka, Oblast Donezk, Ukraine[1]), auch Giwi (Ги́ви) genannt, war ein hochrangiger ukrainischer Milizenführer im Ukraine-Krieg. Er führte das pro-russische „Somalia-Bataillon“ (russisch: Батальон Сомали) an.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michail Tolstych wurde 1980 im ukrainischen Ilowajsk in der Oblast Donezk geboren. Er hatte nach eigenen Angaben teilweise georgische Wurzeln[3], identifizierte sich selbst aber als Russe. Sein Kampfname „Giwi“ ist eine Anspielung auf seine teilweise georgische Abstammung.

Nach eigenen Angaben diente Tolstych von 1998 bis 2000 in der ukrainischen Armee als Panzerfahrer[4] und war danach als Fabrikarbeiter tätig.[5]

Der aus Ilowajsk stammende Tolstych trat den pro-russischen Separatisten im Mai 2014 bei und kämpfte unter anderem in Slowjansk gegen die ukrainische Armee. Er stieg in den Rängen der Separatisten auf und wirkte in der Schlacht um Ilowajsk im Sommer 2014 bereits als ein Befehlshaber.[6] Seine Miliz soll nach dieser Schlacht von einem hochrangigen Separatisten-Offizier unter dem Eindruck des Anblicks von Leichen und verbrannten Panzern ausgerufen haben: „Giwis Leute sind bösartiger als somalische Piraten!“. Dies führte zur Benennung seiner Einheit als „Somali-Bataillon“.[7]

Während ukrainische Behörden und Medien ihn als „Terroristen“ und Söldner einstuften, genoss „Giwi“ bei Anhängern pro-russischer Separatisten hohe Beliebtheit und wurde teilweise „Che Guevara des Donbass“ genannt.[8] Vocativ.com hob hervor, dass der äußerlich attraktive Tolstych in der Propaganda der Separatisten eine zentrale Rolle spielte.[9] Dabei trat Tolstych oft mit dem befreundeten Milizenführer Arsen Pawlow bis zu dessen Tod auf.

Tolstych, Juni 2015

Insbesondere bekannt wurde Tolstych durch die Zweite Schlacht um den Flughafen Donezk, wo er als Befehlshaber fungierte. Nach der Schlacht beteiligte Tolstych sich wesentlich an der Misshandlung von ukrainischen Kriegsgefangenen und verstieß somit gegen die Genfer Konventionen. Diesbezügliche Videoaufnahmen gingen unter anderem auf YouTube um die Welt.[10] Tolstych wurde am 16. Februar 2015 auf die Sanktionsliste der Europäischen Union gesetzt.[11]

Michail Sergejewitsch Tolstych kam am 8. Februar 2017 durch den Einschlag von Geschossen eines Granatwerfers oder schultergestützten Raketenwerfers (wahrscheinlich des Typs Schmel) in seinem Büro ums Leben.[12][13]

Am 10. Februar 2017 wurde Tolstych in Donezk beerdigt.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Michail Tolstych – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artjom Filienok, Dmitrij Okrest (Артем Филипенок, Дмитрий Окрест): В ДНР погиб командир батальона ополченцев «Сомали» Гиви. rbc.com, 8. Februar 2017, abgerufen am 8. Februar 2017 (russisch): „Der DNI-Milizen-Bataillonskommandeur „Somalia“ Giwi gestorben“
  2. „"Givis" gewaltsames Ende: Tod eines Separatistenanführers“ – Spiegel-TV. Aufzeichnung des Beitrags auf YouTube
  3. დონბასელი მებრძოლი „გივი“ - ქართველებს: „თქვენს ქვეყანას მიხედეთ!“. Front News auf YouTube, 10. Dezember 2014, abgerufen am 8. Februar 2017 (16:50 Minuten, russisch).
  4. https://www.nzz.ch/international/mordserie-in-der-ostukraine-das-sterben-der-separatisten-ld.145364
  5. Interview with NAF commander Givi about his personal life. Veröffentlicht vom Department of military correspondents of DPR DM auf YouTube, 10. Oktober 2014, abgerufen am 8. Februar 2017 (4:17 Minuten, russisch, englische Untertitel).
  6. Diana Magnay: Pro-Russian rebels take Ukrainian town. CNN, 2. September 2014, abgerufen am 8. Februar 2017 (Video, 2:34 Minuten; englisch).
  7. Andrea Sceresini: Ukraine: Der Che Guevara des Donbass. In: Zeit Online. 14. Mai 2015, abgerufen am 10. Juni 2017.
  8. Andrea Sceresini, Lorenzo Giroffi: Ukraine: Der Che Guevara des Donbass. Zeit Online, 14. Mai 2015, abgerufen am 8. Februar 2017.
  9. Sarah Kaufman: This Russian Commander Is a Hot Hottie. (Memento des Originals vom 3. Januar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vocativ.com Vocativ.com, 15. Oktober 2014, abgerufen am 8. Februar 2017 (englisch).
  10. Glenn Kates, Olena Removska: Disturbing Videos Raise War-Crimes Concerns In Ukraine. Radio Free Europe/Radio Liberty, 27. Januar 2015, abgerufen am 8. Februar 2017 (englisch).
  11. Beschluss (GASP) 2015/241 des Rates vom 9. Februar 2015 zur Änderung des Beschlusses 2014/145/GASP über restriktive Maßnahmen angesichts von Handlungen, die die territoriale Unversehrtheit, Souveränität und Unabhängigkeit der Ukraine untergraben oder bedrohen. EUR-Lex. Amtsblatt der Europäischen Union. 15. Februar 2015, abgerufen am 8. Februar 2017.
  12. Mikhail Givi Tolstych durch Granate getötet. AP-Artikel bei CBC/Radio-Canada, 8. Februar 2017, abgerufen am 8. Februar 2017 (englisch).
    Prorussischer Militärkommandeur in Ukraine getötet. Österreichischer Rundfunk, 8. Februar 2017, abgerufen am 8. Februar 2017.
  13. Das Sterben der Separatisten
  14. http://www.stern.de/politik/ausland/ukraine--wurde-separatisten-fuehrer-giwi-von-eigenen-soldaten-umgebracht--7321090.html