Migros-Magazin

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Migros-Magazin
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Beschreibung Schweizer Wochenzeitung
Sprache Deutsch
Verlag Migros-Genossenschafts-Bund
Erstausgabe 1942 (als Wir Brückenbauer)
Erscheinungsweise wöchentlich
Verbreitete Auflage 1'558'711 (Vj. 1'554'258) Exemplare
(WEMF-Auflagebulletin 2018[1])
Reichweite 2,371 (Vj. 2,358) Mio. Leser
(WEMF MACH Basic 2018-II)
Chefredaktoren Franz Ermel (Leiter Content Migros-Medien), Yvonne Zurbrügg (Leiterin Migros-Magazin)[2]
Herausgeber Migros-Medien
Weblink www.migrosmagazin.ch
ZDB 2432899-6

Das Migros-Magazin ist eine wöchentlich erscheinende Gratiszeitung des Schweizer Grossverteilers Migros. Früher hiess das von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler 1942 gegründete und vom Migros-Genossenschafts-Bund herausgegebene Magazin Wir Brückenbauer mit dem Untertitel «Wochenblatt des sozialen Kapitals» (auch kurz: Brückenbauer genannt).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung (1942)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wir Brückenbauer vom 26. August 1942

Gottlieb Duttweiler hat schon früh für die Migros publizistische Kanäle eingerichtet. Es begann 1925 mit einem Flugblatt mit dem Titel Migros – die Brücke, das alle drei bis vier Wochen erschien. Ab Dezember 1927 schaltete Duttweiler Textinserate in mehreren Zeitungen. Diese Zeitung in der Zeitung erschien insgesamt 727mal. Im November 1935 gründete Duttweiler die Zeitung Die Tat, die zuerst als Wochen-, ab Oktober 1939 als Abendzeitung erschien.[3]

Als die Migros 1941 in eine Genossenschaft umgewandelt wurde, stellte Duttweiler beim EJPD das Gesuch zur Gründung einer Wochenzeitung für die Genossenschafter. Erst am 21. Juli 1942 wurde die Lancierung genehmigt. Kurz darauf, am 30. Juli 1942, erschien die erste Ausgabe von Wir Brückenbauer.[4] Duttweiler gehörte der Redaktionskommission der neuen Zeitung an.[3]

Mit diesem Organ konnte die Migros besser als über die Zeitung in der Zeitung einen «Migros-Geist» an die Mitglieder bringen. Im Krieg hiess dies unter anderem, dass die Versorgungspolitik des Bundes aus eigener Sicht kommentiert und ein Gemeinschaftsgefühl aufgebaut und gepflegt wurde.[5] In seinem Leitartikel in der ersten Ausgabe forderte Duttweiler: «Es muss im Alltag ein Zustand geschaffen werden, der mit dem Wort: ‹Wir sind ein einzig Volk von Brüdern› in Übereinstimmung sein wird. Zurück zu eidgenössischen Grundsätzen, hinauf zu einem Christentum im Alltag – [...] das ist die Aufgabe des materiellen und geistigen sozialen Kapitals und ganz besonders unseres Organs ‹Wir Brückenbauer›.»[6]

Die Leserbindung wurde in den folgenden Jahren mit verschiedenen Rubriken wie Leserbriefen, Wettbewerben, Beratungsdienst, Leserreisen und Umfragen ausgebaut. Unterschiedliche Bevölkerungsschichten wurden porträtiert, aber auch die Vermarktung der auch im Krieg günstigen Migros-Produkte trug in der Krisenzeit zur Leserbindung bei. Besonders populär waren der Beratungsdienst und die Wettbewerbe, bei denen Leser Text- und Bildbeiträge einsenden konnten.[7] Die Auflage stieg in den ersten Jahren von 110'000 Exemplaren im Sommer 1942 auf 200'000 Exemplare im Jahr 1950. Wichtigster Wachstumsfaktor neben der Leserbindung war die kostenfreie Mitgliedschaft in der Genossenschaft.[8]

Neugestaltung (1987)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1987 wurde die Zeitung umgestaltet: Der Brückenbauer erschien nun vierfarbig und im Tabloidformat. Auch inhaltlich wurden Änderungen vorgenommen. Am 25. März 1987 erschien erstmals die neue Rubrik einer Such-Ecke, erst unter dem Titel «Wer sucht, der findet». Später hiess sie «Eine(r) weiss es sicher...». Die Such-Ecke wurde beim Publikum ein «echter Renner», wie die Zeitung im Mai 1987 schrieb: «So viele Menschen und Sachen aus vergangener Zeit wollen wiedergefunden sein – und in unserer grossen Leserschaft erinnert sich sicher in jedem Fall irgend jemand.»[9]

Pro Jahr erschienen sodann über 1000 Suchanfragen. Meist betrafen sie aus den Augen verlorene Freunde aus der Schul- und Berufsausbildung oder dem Militärdienst, daneben aber auch vergessene Liedtexte, Gedichte oder Hobby-Dinge. Die Einsendungen, welche mit oder ohne Foto veröffentlicht wurden, drückten oft die Rückbesinnung auf die verloren geglaubte dörfliche Lebenswelt aus. Die Einführung einer konservativen Rubrik zu Leserbindungszwecken entsprach dem damals dominierenden Marketingthema, dem Wertewandel, wie der Migros-Geschäftsbericht 1987 erwähnte. Diese Veränderungen wurden von der Migros sowohl als Chance wie als Bedrohung aufgefasst. Einerseits vermittelte die Rubrik angesichts neuer Krisenzeiten ein identitätsstiftendes Erinnerungsdepot, andererseits stärkte die Rückbesinnung auf die Vergangenheit auch das individuelle Lernen für die Zukunft.[10]

Umbenennung (2004)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Mai 2004 wurde die Zeitung in Migros-Magazin umbenannt, um so den Bezug zur Migros wieder zu verdeutlichen, nachdem die alte Symbolik des Detailhändlers als «Brückenbauer» zwischen Produzenten und Konsumenten in Vergessenheit geraten war. Das «Wir» verdeutlichte die Gemeinschaft und sollte eben die «Brücke» zwischen Produzent und Konsument herstellen.[11]

Die Umbenennung fiel in eine Phase der Erneuerung der Migros, zu der auch die Statutenrevision vom 9. November 2002 und die damit einhergehende Strukturreform sowie das neue Leitbild von 2003 gehörten.[12] Im Leitartikel schrieb Anton Scherrer, der Präsident der Generaldirektion MGB: «Das neue Magazin soll die frische, moderne Migros widerspiegeln – ohne dabei aktuelle gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Themen zu vernachlässigen.»[13] Die Struktur wurde leserfreundlicher gestaltet und die Typographie vergrössert.

Charakteristik heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Migros-Magazin wird jede Woche montags in mehr als anderthalb Millionen Exemplaren gedruckt und im Inland kostenlos an alle Mitglieder einer Migros-Genossenschaft sowie an alle Kunden mit der Kundenkarte «Cumulus» versandt. Die Zeitung ist u. a. auch in allen grösseren Migros-Filialen für jedermann gratis erhältlich. Sie hat eine WEMF-beglaubigte Auflage von 1'558'711 (Vj. 1'554'258) verbreiteten Exemplaren, davon 1'545'272 (Vj. 1'540'699) Mitgliederabonnemente,[1] und eine Reichweite von 2'371'000 (Vj. 2'358'000) Lesern (WEMF MACH Basic 2018-II).

Grösste Konkurrentin des Migros-Magazins ist die Coopzeitung, ein dienstags erscheinendes Wochenblatt des Grossverteilers Coop, welches etwa gleich hohe Auflage- und Leserzahlen aufweisen kann. Die NZZ nennt die beiden Zeitungen die «stillen Riesen» der Schweizer Medienlandschaft und meint zu ihrem journalistischen Wirken: Offenkundig findet das Konsumentensegment ebenso Gefallen an mehrheitsfähiger Alltags- und Lifestyle-Thematik wie an politisch austarierten Hintergrundberichten.[14]

Der Webauftritt des Migros-Magazins wurde im Sommer 2017 komplett überarbeitet. Neu steht der User im Zentrum der Website. Die Website kann personalisiert werden, man kann einzelnen Autoren oder Themen folgen, und die User können eigene Artikel einreichen, die auf Augenhöhe der Redaktion erscheinen und auch in der Printausgabe abgedruckt werden können. Die Website (d/f) erreicht im Jahresdurchschnitt gemäss Net-Metrix-Zahlen rd. 546’000 Visits, 282‘000 Unique Clients und rd. 2,5 Mio. Page Impressions.[15]

Anderssprachige Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Romandie erschien die Wochenzeitung der Migros in französischer Sprache zuerst unter dem Titel Pionnier Migros, danach als Construire, bis sie 2004 analog zur deutschsprachigen Ausgabe in Migros Magazine umbenannt wurde. Es erreicht eine WEMF-beglaubigte Auflage von 507'257 (Vj. 503'577) verbreiteten Exemplaren, davon 499'121 (Vj. 495'214) Mitgliederabonnemente,[1] und eine Reichweite von 660'000 (Vj. 662'000) Lesern (WEMF MACH Basic 2018-II). Das «KoMMbi» aus Migros-Magazin und Migros Magazine erzielt eine Auflage von 2'065'968 (Vj. 2'035'913) verbreiteten Exemplaren[1] und eine Reichweite von 3'031'000 (Vj. 3'020'000) Lesern (WEMF MACH Basic 2018-II). Die Migros-Genossenschaft des Kantons Tessin veröffentlicht eine italienische Wochenzeitung mit dem Titel Azione; diese wurde nicht umbenannt.[16] Sie erreicht eine WEMF-beglaubigte Auflage von 102'022 (Vj. 101'766) verbreiteten Exemplaren (alles Mitgliederabonnemente)[1] und eine Reichweite von 123'000 (Vj. 117'000) Lesern (WEMF MACH Basic 2018-II). Die «Kombinazione» aus Migros-Magazin, Migros Magazine und Azione erzielt eine Auflage von 2'167'990 (Vj. 2'159'601) verbreiteten Exemplaren[1] und eine Reichweite von 3'154'000 (Vj. 3'137'000) Lesern.[17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beat Grossrieder: Starkes Wir-Gefühl für schwierige Zeiten. Der «Brückenbauer» zwischen Kundenbindung und Krisenbewältigung. In: Katja Girschik, Albrecht Ritschl, Thomas Welskopp (Hrsg.): Der Migros-Kosmos. Zur Geschichte eines aussergewöhnlichen Schweizer Unternehmens. hier+jetzt, Baden 2003, ISBN 3-906419-64-9, S. 203–219.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f WEMF-Auflagebulletin 2018, S. 33 (PDF; 796 kB).
  2. Migros-Medien stellen sich neu auf: Franz Ermel wird Leiter Content. In: Werbewoche. 5. Oktober 2017.
  3. a b Grossrieder: Starkes Wir-Gefühl für schwierige Zeiten. 2003, S. 204.
  4. 75 Jahre Brückenbauer, In: Migros-Magazin. 3. Juli 2017.
  5. Grossrieder: Starkes Wir-Gefühl für schwierige Zeiten. 2003, S. 205.
  6. Gottlieb Duttweiler: Das soziale Kapital. In: Wir Brückenbauer. 30. Juli 1942.
  7. Grossrieder: Starkes Wir-Gefühl für schwierige Zeiten. 2003, S. 206.
  8. Grossrieder: Starkes Wir-Gefühl für schwierige Zeiten. 2003, S. 207.
  9. Grossrieder: Starkes Wir-Gefühl für schwierige Zeiten. 2003, S. 211.
  10. Grossrieder: Starkes Wir-Gefühl für schwierige Zeiten. 2003, S. 208 ff.
  11. Der geniale Vielschreiber. In: Migros-Magazin. 12. August 2013.
  12. Grossrieder: Starkes Wir-Gefühl für schwierige Zeiten. 2003, S. 219.
  13. Anton Scherrer: Liebe Mitglieder der Genossenschaften. In: Migros-Magazin. 25. Mai 2004.
  14. Stille Riesen – Mitgliederzeitungen als wichtige Akteure im Medienmarkt. In: NZZ. 14. Oktober 2005.
  15. Mediadaten Migros-Magazin 2018. Abgerufen am 12. Dezember 2017.
  16. Website von Azione, Wochenzeitung der Migros Tessin.
  17. WEMF Total Audience 2018-2, S. 8 (PDF; 609 kB).