Moorweg im Aschener Moor

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Aschener Moor, 2011

Der Moorweg im Aschener Moor, in der Fachsprache mit Pr 6 abgekürzt, ist ein vorgeschichtlicher Moorweg von ursprünglich 4,2 km Länge, der im Aschener Moor östlich von Aschen im niedersächsischen Landkreis Diepholz verläuft. Er entstand in der vorrömischen Eisenzeit um die Jahre 65 bis 40 v. Chr. und zählt zu den bedeutendsten Bohlenwegen in Nordwestdeutschland.[1] Die Wegkonstruktion hat sich aufgrund der günstigen Erhaltungsbedingungen für organisches Material im Moor bis heute erhalten. Erst durch maschinellen Torfabbau in jüngerer Zeit sind große Teile des Weges zerstört worden, so dass nur noch Teilstücke von insgesamt etwa einem Kilometer Länge im Untergrund vorhanden sind. Die Moorfläche wird auch in diesen Teilstücken regelmäßig entkusselt, um den Wasserhaushalt zu erhalten.

Aufbau und Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konstruktionszeichnung des Moorweges Pr 6 durch Hugo Prejawa, 1896, anhand der Ausgrabungsbefunde

Der etwa 2,5 Meter breite Moorweg weist zwei unterschiedliche Konstruktionsprinzipien. Er ist in Teilen als Pfahlweg mit einer Lauffläche aus Rundholz und als Bohlenweg unter Verwendung von gespaltenen Bohlen ausgeführt. Als Baumaterial dienten verschiedene Holzarten, wie Birke, Eiche, Erle, Esche, Kiefer und Pappel. Der Moorweg verlief in nordost-südwestlicher Richtung durch das Moor und verkürzte die etwa 40 km lange Strecke um das Moor herum. Die Verbindung verlief nicht gradlinig, sondern wich auf halber Strecke einem Moorkolk aus. Die Erbauungszeit ließ sich anhand dendrochronologischer Untersuchungen an Eichenbohlen auf die Zeit zwischen 65 und 40 v. Chr. bestimmen. Zu den bisherigen Fundstücken gehören Kleidungsstücke aus Leder, eine Wagenachse, ein Rad und zwei Messstäbe aus Holz mit regelmäßigen Einkerbungen.

Der Prähistoriker Mamoun Fansa bezifferte 1997 die Nutzungsdauer des Weges mit 175 Jahren [2], wobei dieser Zeitraum wegen Materialverschleißes von anderen Wissenschaftlern jedoch angezweifelt wird. Obwohl es sich um einen Handelsweg gehandelt haben könnte, vermuten Archäologen, dass der Weg vorwiegend der Landwirtschaft gedient habe. Darauf lassen gefundene Klauenteile von Kühen schließen.

Forschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Moorweg wurde 1817 nahe der Siedlung Lindloge im Osten des Aschener Moors entdeckt und erstmals vom Moorforscher Carl Heinrich Nieberding beschrieben. Inzwischen sind große Teile des einst 4,2 km langen Weges durch den maschinellen Torfabbau zerstört worden. Teilstücke sind auf einer Gesamtlänge von rund einem Kilometer noch vorhanden. Darunter ist ein 350 Meter langes Stück in einer sogenannten „Heilen-Haut-Fläche“ als einem bisher nicht abgetorftem Bereich. Dort liegt der Weg in 1,6 Meter Tiefe.

Aufgrund von zahlreichen Ausgrabungen im 19. und 20. Jahrhundert zählt der Moorweg im Aschener Moor zu den am besten erforschten Moorwegen in Niedersachsen. An den Untersuchungen waren vor allem der Moorforscher Hugo Prejawa und der Moorarchäologe Hajo Hayen beteiligt. Die Wegbenennung mit der Abkürzung Pr 6 erfolgte in Anerkennung der Leistungen von Hugo Prejawa, nach dem Moorwege in der Dümmer-Region benannt sind. Ab 1988 untersuchte das hannoversche Institut für Denkmalpflege (IfD) als Vorläufer des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege (NLD) mehrfach Wegabschnitte. Dabei standen Fragestellungen nach dem Zweck des Weges und seiner historischen Bedeutung im Vordergrund. Eine Ausgrabung des NLD erfolgte im Jahr 2011 auf einer Länge von 25 Meter.

Wegen der Austrocknung des Moores und der endgültigen Zerstörung des Moorweges dadurch fragte der Niedersächsische Heimatbund in seiner Roten Mappe im Jahr 2017 die Niedersächsische Landesregierung, welche Maßnahmen zur Erhaltung und Dokumentation geplant sind.[3] Die Landesregierung antwortete in der Weissen Mappe, dass ein naturnah erhaltener Moorabschnitt, in dem der Moorweg verläuft, als Heile-Haut-Fläche vom Torfabbau ausgenommen ist. Diesen Bereich kaufte das Land Niedersachsen im Jahr 2016 auf und stellte ihn unter Naturschutz.[4]

Wegen des fortschreitenden Torfabbaus ist geplant, im Rahmen des Projektes „Naturerlebnis am historischen Bohlenweg im Brägeler Moor“ von 2017 bis 2019 den verbliebenen Rest des Weges systematisch zu erkunden, auszugraben und zu dokumentieren. Die Länge wurde zunächst auf 300 Meter geschätzt, später auf 500 Meter. [5] Im Anschluss soll ein Teil des prähistorischen Weges auf etwa 1 km Länge mit einem barrierefreiem Steg und einem Aussichtsturm erlebbar gemacht werden. [6] 2017 wurde eine 40 Meter lange Teilstrecke freigelegt und dokumentiert. Die Ausgrabung nahm ein Grabungsunternehmen auf Kosten des abbauenden Torfunternehmens vor. Die aufgefundenen Hölzer werden anhand von Proben dendrochronologisch und dendroökologisch analysiert. Damit lassen sich Informationen zur Umwelt, zum Waldbestand und der Waldwirtschaft zur Bauzeit des Weges und den Jahrzehnte davor erlangen. Einige Hölzer wurden zur Konservierung im Industriemuseum Lohne geborgen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hajo Hayen: Der Bohlenweg VI (Pr) im Grossen Moor am Dümmer in: Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens 15, Hildesheim, 1977
  • Alf Metzler, Andreas Bauerochse: Ein "klassischer" Bohlenweg im Aschener Moor bei Diepholz. in: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen, 2/2002
  • Der Moorweg Pr 6 in: Moor Zeiten. 3 × Moor im Oldenburger Münsterland, veröffentlicht aus Anlass der gleichnamigen Ausstellung, Diepholz, 2003, S. 65-67
  • Marion Heumüller, Ingo Jüdes: Bohlenweg PR VI. Neue Untersuchungen am Bohlenweg Pr VI, Ldkr. Diepholz in: FAN-Post 2018 des Freundeskreises für Archäologie in Niedersachsen, S. 27 (Online, pdf)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Moorweg im Aschener Moor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Natur- und Denkmalschutz im NSG Aschener Moor/ Heeder Moor Presseinformation des NLWKN vom 24. Januar 2017
  2. Mamoun Fansa, R. Schneider: Der eisenzeitliche Bohlenweg VI (Pr) im Großen Moor am Dümmer zwischen der Geesthalbinsel Lindloge, Ldkr. Diepholz, und Kroge bei Lohne, Ldkr. Vechta. in: Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland, 20, S. 41–77
  3. Rote Mappe 2017, Bedeutende Bodendenkmale lösen sich buchstäblich in Luft auf: Der Bohlenweg „Pr VI“ und andere prähistorische Moorwege sind durch Austrocknung von der endgültigen Zerstörung bedroht!, S. 31–32 (pdf)
  4. Weisse Mappe 2017, Bedeutende Bodendenkmale lösen sich buchstäblich in Luft auf: Der Bohlenweg „Pr VI“ und andere prähistorische Moorwege sind durch Austrocknung von der endgültigen Zerstörung bedroht!, S. 18–19 (pdf)
  5. Ausgrabung des Bohlenwegs wird teurer als zunächst geplant in Kreiszeitung vom 23. Mai 2018
  6. Natur-Erlebnis am historischen Bohlenweg in Kreiszeitung vom 22. Juni 2017

Koordinaten: 52° 38′ 40,1″ N, 8° 19′ 11,4″ O