Wilkenburg

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Koordinaten: 52° 18′ 38″ N, 9° 45′ 24″ O

Wilkenburg
Stadt Hemmingen
Wappen von Wilkenburg
Höhe: 56 m ü. NHN
Fläche: 2,68 km²
Einwohner: 999 (1. Jan. 2009)
Bevölkerungsdichte: 373 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 30966
Vorwahl: 0511
Wilkenburg (Niedersachsen)
Wilkenburg

Lage von Wilkenburg in Niedersachsen

St.-Vitus-Kirche
St.-Vitus-Kirche
Überflutete Straße beim Hochwasser der Leine im Januar 2011

Wilkenburg ist ein Ortsteil der Stadt Hemmingen in der Region Hannover in Niedersachsen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilkenburg liegt am östlichen Rand des Calenberger Landes südlich der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover (8 km bis zum hannoverschen Stadtzentrum), linksseitig (westlich) der Alten Leine, einem ehemaligen Nebenarm der Leine, und grenzt an die Hemminger Ortsteile Hemmingen-Westerfeld, Arnum und Harkenbleck. Östlich des Ortes erstreckt sich die Leinemasch, auch Leineaue genannt, mit dem Naturschutzgebiet "Alte Leine". In der Wilkenburger Gemarkung liegen mehrere durch Kiesabbau entstandene Teiche (z. B. Schragesee, Steinfeldsee). Außerdem entspringt in Wilkenburg der Seniebach. Über Jahrhunderte war der sich nördlich der St.-Vitus-Kirche befindliche Gutshof als größter Arbeitgeber wirtschaftlicher Mittelpunkt des Ortes. Heute sind die weitaus meisten Einwohner Pendler, die im nahen Hannover beschäftigt sind. Südlich des dörflichen Kerns um Kirche und Gut sind nach dem Zweiten Weltkrieg überschaubare Wohngebiete mit Einfamilienhausbebauung entstanden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1992 wurde bei luftbildarchäologischen Prospektionen Spuren des etwa 30 Hektar großen römischen Marschlagers von Wilkenburg entdeckt. Anhand der ersten archäologischen Untersuchungen im Jahr 2015 lässt sich das Lager grob in die Zeit zwischen 12 v. Chr. und der Zeit der Varusschlacht 9 n. Chr. einordnen, als die Römer mehrere Versuche einer militärischen Besetzung der Germania magna unternahmen.

Ausgrabungen zwischen Wilkenburg und Harkenbleck, bei der Scherben von Tongefäßen, Teile von Bronzeschmuck, Lehmfragmente von Hüttenwänden und Knochen gefunden wurden, ergaben, dass sich dort eine Germanensiedlung aus dem 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. befand.

In einer undatierten, während der Amtszeit des Bischofs Sigward von Minden (1120–1140) gefertigten Urkunde wird der Ort als Welekenborge (Burg des Waleg oder Weleko) als Lehen des Bischofs erstmals urkundlich erwähnt. Neben der Siedlung gab es bereits früh eine Burganlage, vermutlich eine Wasserburg, ähnlich der am gegenüberliegenden östlichen Leineufer gelegenen Retburg und einen dazugehörigen Wirtschaftshof. Das langsam fließende Wasser der Leine wurde in den Burggraben umgeleitet und bot so zusätzlichen Schutz. Strategische Bedeutung hatte die Welekenborg, weil sie sich in der östlichen Ecke des Bistums Minden befand und so Teil der Grenzsicherung war. Am gegenüberliegenden Ufer lagen das Bistum Hildesheim und die Besitzungen der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg. Zudem konnten die Burgherren den Handel auf der damals schiffbaren Leine und den Verkehr auf zwei Handelswegen (Bremen–Sachsen, Lübeck–Frankfurt) kontrollieren, die sich in der Nähe kreuzten. Die heute nicht mehr existierende Burg, aus der das spätere Rittergut Wilkenburg hervorging, war von 1215 bis 1904 im Besitz der Familie von Alten.

Im Zuge der Gebietsreform verlor Wilkenburg seine kommunale Eigenständigkeit, als es am 1. März 1974 einer der sieben Ortsteile der neuen Gemeinde Hemmingen wurde.[1]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einen Ortsrat gibt es in Wilkenburg wie in allen Hemminger Ortsteilen nicht.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ortswappen von Wilkenburg zeigt in Blau eine gequaderte, silberne Zinnenmauer, überragt von dem silbernen Turm der Wilkenburger Kirche, der von einem gezinnten und einem spitzbedachten, silbernen Turm flankiert ist; im Tor der Zinnenmauer befindet sich ein senkrecht stehendes Dreieckschild mit dem Stammwappen der u. a. über Jahrhunderte in Wilkenburg ansässigen Familie von Alten (in Silber sieben schrägrechts aneinandergereihte, mit je einem goldenen Nagelkopf belegte rote Rauten).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die St.-Vitus-Kirche wurde erstmals in einer Urkunde des Mindener Bischofs Sigward erwähnt, die auf 1140 datiert wird. Zunächst als Eigenkirche der in Wilkenburg ansässigen Grundherrn errichtet, ist sie heute Gemeindekirche der evangelisch-lutherischen St.-Vitus-Kirchengemeinde Wilkenburg-Harkenbleck. Das Kirchenschiff des in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts als romanische Saalkirche erbauten Gotteshauses stellt den ältesten Teil des heutigen Kirchengebäudes dar. Der sich östlich anschließende Chor stammt vermutlich aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Ihre heutige Gestalt erhielt das Kirchengebäude im Wesentlichen durch umfangreiche Umbaumaßnahmen im 18. Jahrhundert (u. a. Vergrößerung der Fenster an der Südwand, Errichtung des Mansarddaches mit Dachfenstern, Aufmauerung einer neuen Westfassade, Bau des Fachwerkobergeschosses und der Dachhaube des Turms.)[2]
  • Drei Apfelsorten sind von dem aus Wilkenburg stammenden Pomologen Oberdieck nach Wilkenburg benannt: Wilkenburger Währapfel, Wilkenburger Herbst-Reinette und Wilkenburger Zitronen-Reinette.[3]
  • Der Steinfeldsee ist ein ehemaliger Kiesteich, der nach der Auskiesung der Natur überlassen wurde. Als Teil des Naturschutzgebiets "Alte Leine" ist er seit seiner Unterschutzstellung 1996 das einzige Gewässer in Hemmingen, das keiner menschlichen Nutzung unterliegt und daher ein vielgestaltiger Lebensraum insbesondere für seltene Vogelarten ist. Von Oktober bis März ist der Steinfeldsee Rast- und Überwinterungsplatz auch für seltene Vogelarten. Die am See liegende Beobachtungshütte bietet gute Möglichkeiten zur Vogelbeobachtung.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Liste der Baudenkmale in Wilkenburg

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überregional bekannt sind das jährlich stattfindende Reitturnier des 1974 gegründeten RV Wilkenburg auf dem Turniergelände an der Wilkenburger Straße sowie das Wilkenburger Kürbisfest, welches auf dem Gutshof der Familie von Campe stattfindet und mit ca. 7000 Besuchern, die größte Veranstaltung in Hemmingen ist.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die L 389 bestehen radwegbegleitete Straßenverbindungen nach Hannover-Wülfel und Arnum (hier Anschluss an die Bundesstraße 3) sowie nach Hemmingen-Westerfeld und Hannover-Döhren und über die K 222 nach Harkenbleck. Die Straßenverbindungen nach Hannover, Hemmingen-Westerfeld und Harkenbleck werden aufgrund von Hochwasser der über die Ufer tretenden Leine regelmäßig wegen Überflutung gesperrt. Buslinien der RegioBus Hannover GmbH (Linien 350 und 365) verbinden Wilkenburg mit dem hannoverschen Stadtbahnnetz.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wilkenburg – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 196.
  2. * Adam, Bernd und Michael A. Flechtner: Die-St.-Vitus-Kirche in Wilkenburg - Neun Jahrhunderte Planungs- und Baugeschichte. Celle: Ströher-Druck 2001
  3. BUND-Lemgo Obstsortendatenbank. In: www.obstsortendatenbank.de. Abgerufen am 14. April 2016.