Römisches Marschlager von Wilkenburg

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Das römische Marschlager von Wilkenburg aus der Zeit um Christi Geburt bot auf einer Fläche von rund 30 Hektar Platz für etwa 20.000 römische Soldaten und lag beim heutigen Wilkenburg in der Region Hannover. Die im Erdreich vorhandenen Spuren der Anlage wurden bereits Anfang der 1990er Jahre auf Luftbildern gesichtet und vorläufig als Römerkastell eingeschätzt. Der archäologische Nachweis als römisches Marschlager gelang erst im Jahr 2015 auf der Grundlage von Recherchen eines ehrenamtlichen Luftbildarchäologen. Seither finden auf dem Gelände archäologische Untersuchungen statt. Die Anlage ist das erste in Niedersachsen[1] entdeckte Lager dieser Art und das am weitesten nordöstlich im rechtsrheinischen Germanien (Germania magna) gelegene. Seit 2014 gibt es Bestrebungen, auf dem Fundgelände großflächig Kies abzubauen, was die archäologischen Hinterlassenschaften zerstören würde.

Hauptausgrabungsfläche im südwestlichen Torbereich des römischen Marschlagers von Wilkenburg, Oktober 2015
Lageskizze mit Bewuchsmerkmalen (rot eingefärbt) des römischen Spitzgrabens, grün der bewaldete Niederungsstreifen Dicke Riede

Lage und Fundgelände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das römische Marschlager befand sich etwa acht Kilometer südlich des heutigen Stadtzentrums von Hannover. Die Fundstelle liegt zwischen den Hemminger Ortsteilen Wilkenburg und Arnum im Landschaftsschutzgebiet Obere Leine. Westlich davon verläuft die Landesstraße 389 und im Osten befindet sich das Waldstück Im Häge. Der westliche Lagerteil befindet sich im Flurstück Eulenkamp und der östliche Lagerbereich im Flurstück Müggenwinkel. Dies Fundstelle ist etwa 2 km von der östlich verlaufenden Leine und etwa 1,2 km vom östlich liegenden Altarm Alte Leine entfernt. Das Marschlager lag zwischen Hannover und Sarstedt an der engsten Stelle der Leineniederung, die sich zur Querung eignete. Es wurde auf einer trockenen Sandkuppe der Niederterrasse am östlichen Rande der Flussniederung angelegt, wo eine trockene Rast möglich war. Es wird angenommen, dass es sich damals um eine freie Fläche handelte, die nicht bewaldet war.

Der gefrorene Bach Dicke Riede im bewaldeten Niederungsstreifen innerhalb des Marschlagers, 2017

Der Niederungsstreifen Dicke Riede mit dem gleichnamigen Wasserlauf, der bei geomorphologischer Betrachtung als Altarm der Leine anzusprechen ist, durchschnitt fast mittig den Lagerbereich. Dies dürfte der Wasserversorgung gedient haben, wobei die Eignung als Anlegestelle für Boote fraglich ist. Der licht bewaldete Niederungsstreifen ist etwa 100 Meter breit und mehrere hundert Meter lang.

Der frühere Lagerbereich ist im weiteren Umfeld im Süden, Osten und zum Teil im Norden von Teichen umgeben, die in jüngerer Zeit durch Kiesabbau in der Leineniederung entstanden sind. Auf dem Fundgelände wird Ackerbau betrieben.

Großräumig gesehen befand sich das Lager am Rande der fruchtbaren Calenberger Lößbörde in einer Gegend, die in der Zeit um Christi Geburt eine dicht besiedelte germanische Siedlungskammer war. Unweit im Bereich des heutigen Hannovers kreuzten sich wichtige Nord-Süd-Wege mit nördlich der Mittelgebirgsschwelle verlaufenden Ost–West–Verbindungen.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lager war eine fast quadratische Anlage von etwa 500 bis 600 Meter Seitenlänge mit einer Fläche von rund 30 Hektar. Es war von einem Spitzgraben der üblichen römischen Bauweise umgeben. Die Ausgrabungen im Jahr 2015 ergaben, dass der sich in den anstehenden Sand eintiefende Lagergraben heute noch eine Tiefe von 0,9 bis 1,3 Meter und eine Breite von 1,2 Meter hat. Zur zeitlichen Einordnung des Grabens trugen etwa 2000 Jahre alte germanische Keramikscherben bei, die sich in der Grabenverfüllung fanden. Von den ehemals vier geometrisch exakt gerundeten Ecken der Anlage (wie Spielkartenecken), haben sich drei im Boden erhalten. Die vierte, nordwestlich gelegene Ecke ist in jüngerer Zeit mit Wohnhäusern überbaut worden. Das Marschlager verfügte vermutlich an jeder der vier Seiten über einen Torbereich unbekannter Bauart, von denen das südwestliche Tor identifiziert wurde.[2] Es befand sich an der höchsten Stelle des Lagers, was typisch für römische Marschlager ist und den überlieferten Vorgaben aus dem Werk De munitionibus castrorum eines Pseudo-Hygin genannten Autors zum Bau derartiger Anlagen entspricht. Der etwa 20 Meter breite Tordurchlass zeigte sich als Unterbrechung des Spitzgrabens.

Während die Archäologen kurz nach der Entdeckung von einem sehr kurzen Aufenthalt der Legionäre zwischen ein bis drei Nächten ausgingen,[3] vermuten sie heute (2017) aufgrund der hohen Zahl an gefundenen Münzen (ca. 50) eine längere Nutzungsdauer[4] von bis zu mehreren Wochen. Sie halten die Anlage für einphasig, also nur ein Mal genutzt.

Gelände des früheren Marschlagers
Ackerfläche im Westbereich des Marschlagers mit Skizze zum Aufnahmeblickwinkel
Acker im Ostbereich des Marschlagers

Entdeckung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Luftbildarchäologe Heinz-Dieter Freese bei einem Vortrag zum Marschlager, 2016
Bekanntgabe der Entdeckung bei einer Pressekonferenz im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, Oktober 2015

Der Luftbildarchäologe Otto Braasch erkannte bei systematischen Flugprospektionen, die er im Auftrag des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege durchführte, erstmals 1990 an drei Stellen positive Bewuchsmerkmale auf einem Feld bei Wilkenburg. Dies deutete auf einstige Grabenstrukturen unter der landwirtschaftlichen Anbaufläche. Wegen des besseren und feuchteren Nährbodens wachsen Pflanzen über ehemaligen Gräben höher und haben, vor allem bei Getreide, eine kräftigere Grünfärbung. In den folgenden Jahren dokumentierte Otto Braasch die auffälligen Bewuchsmerkmale auf weiteren Luftbildern. Mit seinen Erfahrungen, die unter anderem 1985 zur Entdeckung des Römerlagers Marktbreit führten, schätzte Braasch das Wilkenburger Objekt als mögliches „Römerkastell“ ein. Beide Lager gehören zu den wenigen aus der Luft identifizierten römischen Lagern. Die von Otto Braasch in Wilkenburg gesichteten Bodenstrukturen ließen sich aber auch als Reste von neolithischen Erdwerken, Landwehren, Feldumhegungen, Bienenzäunen, Feldlagern aus der Franzosenzeit oder als moderne Leitungsgräben interpretieren. Da es 1992 einen Antrag auf Kiesabbau gab, untersuchte das Landesamt für Denkmalpflege das Gelände durch Begehungen und 1993 durch Grabungsschnitte näher. Gefunden wurden einzelne Keramikscherben aus der Eisenzeit, die auf eine frühere Siedlung an der Stelle hindeuteten. Obertägige Reste einer Befestigungsanlage oder Spuren aus der Römerzeit fanden sich nicht. Der Bereich wurde als archäologische Fundstelle unbekannter Zeitstellung eingestuft. Weitere Untersuchungen unterblieben, da das Kiesabbauverfahren nicht weiter betrieben wurde und das Bodendenkmal daher nicht von Zerstörung bedroht war.

Die Identifizierung des römischen Ursprungs der Anlage gelang erst Ende des Jahres 2014[5] durch Recherchen des ehrenamtlichen Luftbildarchäologen Heinz-Dieter Freese.[6] Er glich seine Luftbilder, die er als Angehöriger der Luftbild AG des Freundeskreises für Archäologie in Niedersachsen aufgenommen hatte, mit denen möglicher römischer Fundstellen aus dem Bestand des Landesamtes für Denkmalpflege ab. Die etwa 200 von Wilkenburg vorhandenen Luftbilder wurden entzerrt und überlagert, so dass sich auf dem Boden eine größere viereckige Anlage erkennen ließ. Entscheidend für das Erkennen des römischen Ursprung waren die abgerundeten Ecken der Anlage, die in keiner anderen archäologischen Kultur so gleichmäßig ausfallen.[7] Diese Feststellungen waren im April 2015 Anlass für erste archäologische Untersuchungen vor Ort.

Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege und die Universität Osnabrück teilten die Entdeckung des römischen Marschlagers von Wilkenburg der Öffentlichkeit am 15. Oktober 2015 bei einer Pressekonferenz im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) in Hannover mit.[8] Die Bekanntgabe fand ein breites überregionales Medienecho.[9]

Laut Medienberichten wurden nach Bekanntgabe der Entdeckung in einem Fall illegale Sondengänger des Areals des Römerlagers verwiesen und in einem anderen Fall kam es vermutlich zu Aktivitäten von Raubgräbern. Die Archäologen machten darauf aufmerksam, dass dort keine Fundstücke von finanziellem Wert zu erwarten sind, die Stücke in ihrem Fundzusammenhang aber für die Forschung von großer Bedeutung sind.[10]

Ausgrabungen und Untersuchungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabungsschnitt durch den Spitzgraben mit angezeichnetem Profil, im Vordergrund das „ausgelöffelte“ Profil des Spitzgrabens

Auf Grundlage der Luftbildbefunde führte das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege im April 2015 unter Leitung des für den Fundort zuständigen Bezirksarchäologen Friedrich-Wilhelm Wulf Sondagen im Bereich des Marschlagers durch. Parallel dazu unternahmen die beteiligten Einrichtungen geophysikalische und systematische Flächenprospektionen im Bereich des vermuteten Lagers, unter anderem mittels Metallsuchgeräten.

Geomagnetische Messungen und Bodenwiderstandsmessungen bestätigten den auf Luftbildaufnahmen erkannten Spitzgraben sowie die auf den Bildern erkennbaren Abfallgruben. Bei zwei Suchschnitten im April 2015 zeichneten sich in den Bodenprofilen V-förmige Spitzgräben römischer Bauweise ab. Im Oktober 2015 folgte eine flächenmäßig größere Grabung durch das Landesamt in Zusammenarbeit mit dem Seminar für Alte Geschichte Archäologie der römischen Provinzen der Universität Osnabrück. Dabei wurden durch zwei Grabungsschnitte der südwestliche Torbereich und der Umfassungsgraben untersucht.[11] Der Abschluss des Grabens ist im Sohlbereich rechteckig, gut 20 cm tief und mit 30 cm etwa schaufelbreit. Der Graben wird als „Reinigungsgräbchen“ angesehen, das bei römischen Wehrgräben üblich war und durch Forschungsarbeiten bekannt ist.

Die Untersuchungen im Jahr 2015 erfolgten nur kleinräumig und punktuell. Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (NLD) und die Ludwig-Maximilians-Universität München begannen 2016 ein gemeinsames Forschungsprojekt mit interdisziplinären Partnern. Weitere Forschungen mit verschiedenen Partnern wurden angekündigt.[12] Probegrabungen sollen auch das Niederungsgebiet Dicke Riede betreffen, dass sich durch den ehemaligen Lagerbereich zog.[13] Es wurde angekündigt, mittels paläobotanischer Untersuchungen durch das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung Erkenntnisse zum Zustand des Feuchtgebietes während der Anwesenheit der Römer erlangt werden. Dazu unternahm das NLD Anfang 2017 in dem Feuchtgebiet mit vermuteten anmoorigen Böden erste Bohrungen mittels eines Pürckhauer-Bohrstabes, jedoch ließen sich keine Torfschichten mit Pollen für paläobotanische Untersuchungen feststellen. Bei weiteren geophysikalischen Untersuchungen im Jahr 2017 wurde im nordöstlichen Lagerbereich ein neues Stück des Grabenverlaufs erkannt, so dass das Lager bis zu 40 Hektar Größe gehabt haben könnte. Im Jahr 2017 sind weitere Ausgrabungen geplant.

Laut den Archäologen sind im Gelände Abfallgruben und Reste von Latrinen sowie Backöfen zu erwarten, da die Römer üblicherweise in ihren Marschlagern Brot gebacken haben.[14] So fanden sich in den mehrfach genutzten Römerlagern Holsterhausen etwa 270 Backöfen. Parallel zu den Untersuchungen in Wilkenburg erfolgt die Auswertung der bisherigen Funde und deren Restaurierung im Landesdenkmalamt. Ebenso findet eine numismatische Begutachtung der gefundenen Münzen statt. Die archäometrischen Untersuchungen nimmt der Archäometallurg Robert Lehmann vom Arbeitskreis Archäometrie an der Leibniz Universität Hannover vor. Er fand bei zahlreichen Buntmetallobjekten, teilweise mit Oberflächenvergoldungen, Hinweise auf eine römische Herkunft. Dazu zählen eine Messingpinzette mit Versilberung, verzierte Messingknöpfe und das Fragment einer Schließe.

Funde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgrabungsstelle und markierter Verlauf des früheren Spitzgrabens

Die Untersuchungen führten bisher (2017) zu etwa 1700 Fundstücken aus Buntmetall, die sich alle im Pflughorizont fanden. Eine Herkunftsuntersuchung ist noch nicht bei allen Stücken vorgenommen worden.[15] Von den untersuchten Fundstücken haben bisher (2017) etwa 200 nachweislich eine römischen Herkunft.[16] Dazu gehören Schuhnägel, eine versilberte Pinzette aus Messing und eine halbmondförmige Lunula als Schmuck eines Pferdegeschirrs, die eine Reparaturstelle aus Zinn aufweist. Außerdem fanden sich bisher (2017) rund 55 Münzen[16] oder Teile davon, darunter Bronze- und Silbermünzen sowie Kupfermünzen als Soldatengeld der Römer. Nahezu alle gefundenen Münzen sind stark korrodiert, so dass sie anhand ihrer Münzbilder nur schwer zu identifizieren sind. Mehrere der gefundenen Kupfermünzen sind halbiert, was um Christi Geburt im Norden üblich war, da sie dort eine doppelte Kaufkraft gegenüber Italien besaßen. Eine der Kupfermünzen, ein As aus Nemausus mit einem Krokodilkopf, wurde während des 2. und 1. Jahrzehnts v. Chr. geprägt. Diese Münzen waren in der Zeit der römischen Okkupation Germaniens üblich; sie fanden sich auch im Nachschublager Hedemünden und im Römerlager Oberaden. Zu den Funden zählt ferner ein Münzmeister-As, das nach einer ersten Bestimmung durch den Numismatiker Frank Berger vom Historischen Museum Frankfurt unter C. Plotius Rufus 15 v. Chr. geprägt wurde. Es fanden sich des Weiteren ein republikanischer Denar und keltische Münzen, die auch als Kleinerze bezeichnet werden und die typisches Soldatengeld waren. Die älteste Münze ist ein Denar aus dem Jahr 113 v. Chr. Ein Gaius-Lucius-Denar, der von 2 v. Chr. bis 1 n. Chr. geprägt wurde, gilt derzeit (2016) als Schlussmünze. Das Münzspektrum unterscheidet sich deutlich von den im drususzeitlichen Römerlager Hedemünden sowie von den im varuszeitlichen Fundgebiet Kalkriese festgestellten Münzen. Die Münzfunde in Wilkenburg sind laut dem niedersächsischen Landesarchäologen Henning Haßmann ein sicherer Nachweis, dass sich römische Soldaten im zentralen Niedersachsen aufgehalten haben.[17]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Deutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Marschlager von Wilkenburg ist neben den Schlachtfeldern von Kalkriese und am Harzhorn, dem Römerlager Hedemünden sowie dem Fundplatz Bentumersiel einer der wenigen Fundorte mit römischen Befunden in Niedersachsen. Während sich römische Bezüge bisher nur in niedersächsischer Randlage fanden, liegt Wilkenburg in zentraler Lage und ist das am weitesten nordöstlich gelegene Marschlager in der norddeutschen Tiefebene. Die besondere Bedeutung des Marschlagers von Wilkenburg wird darin gesehen, dass es die bisherigen Erkenntnisse zu römischen Feldzügen revidiert und auf neue Marschwege zur Eroberung des rechtsrheinischen Germaniens (Germania magna) hinweist.[18]

Laut dem provinzialrömischen Archäologen Salvatore Ortisi, der die Arbeiten in der Fundregion Kalkriese wissenschaftlich leitete, ließen die Ausmaße des Lagers eine Unterbringung von etwa 20.000 Soldaten zu, was drei Legionen einschließlich Hilfstruppen samt Tross entspricht. Damit gehört es zu den größten bisher entdeckten römischen Lagern dieser Art rechts des Rheins.[1] Die nächsten Parallelen sind das Feldlager Haltern und eines der Marschlager von Holsterhausen.

Nach den bisher gewonnenen Erkenntnissen lässt sich das Lager grob in die Zeit zwischen 12 v. Chr. und 9 n. Chr. einordnen,[8] als die Römer mehrere Versuche einer militärischen Besetzung der Germania magna unternahmen.[19] Der Zeitraum für das Bestehen des Lagers beginnt mit der sogenannten Okkupationszeit durch die Drusus-Feldzüge, die der 9 v. Chr. verstorbene römische Heerführer Drusus führte. Der Zeitraum für das Bestehen des Lagers endet mit der Varusschlacht 9 n. Chr.

Anhand der Münzdatierungen ist es am wahrscheinlichsten, dass das Marschlager zwischen den Jahren 1 und 5 n. Chr. entstanden ist.[20] Für diesen Zeitraum überlieferte der römische Historiker Velleius Paterculus weitere Militäraktionen der Römer in Germanien, die er als Immensum bellum („gewaltiger Krieg“)[21] bezeichnete. Die Kriegszüge dienten der Unterwerfung germanischer Stämme, die sich gegen die römische Machtausübung rechts des Rheins erhoben hatten. Zu diesen Stämmen zählten auch die Cherusker im Leine-Weser-Harzgebiet und die Langobarden an der Elbe.[22] Velleius Paterculus erlebte als Offizier unter dem Oberkommando des Tiberius die Militäroperationen als Zeitzeuge mit. Nach eigener Aussage diente er ab dem Jahr 4 n. Chr. unter dem Kommando des Tiberius, zunächst als Reiterpräfekt [23].

Die Archäologen haben zwei historische Szenarien zur Einordnung des Lagers entworfen. So könnte das Marschlager während eines Feldzuges in der Germania magna entstanden sein, mit dem die Römer in Germanien, ausgehend von ihrem großen Standlager in Mainz, ihre Machtsphäre nach Osten auszuweiten versuchten. Die römischen Expeditionen bewegten sich, um den Nachschub effektiv transportieren zu können, auch entlang von Flüssen, an deren Ufern sich Militärbasen reihten, wie zum Beispiel die römischen Lager entlang der Lippe. Die Provinzialrömische Archäologin Bettina Tremmel von der LWL-Archäologie für Westfalen hält es für möglich, dass die Römer aus dem Lager Barkhausen nach Wilkenburg kamen und dass auf der Strecke noch zwei bis drei weitere Marschlager vorhanden waren.[16]

Im Fall von Wilkenburg wird das Marschlager zusammen mit dem Römerlager Hedemünden als Teil der römischen Strategie gesehen, den Leinegraben und darüber hinaus den Unterlauf der Leine als Aufmarschlinie zu nutzen. Die Wissenschaftler hoffen im Abstand von je 20 Kilometern ab Wilkenburg weitere Anlagen dieser Art zu finden, da diese Entfernung einem Tagesmarsch der Römer entspricht.[24]

Dem anderen Szenario zufolge könnte das Marschlager von Wilkenburg durch den 7 n. Chr. eingesetzten römischen Heerführer Varus angelegt worden sein.[25] Dagegen spricht derzeit (2017) das Fehlen von Münzen aus dieser Zeit, zum Beispiel mit Gegenstempeln des Varus aus den Jahren 7 bis 9 n. Chr..

Archäologische Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Marschlager von Wilkenburg gehört zu den größten römischen Lagern rechts des Rheins[26] und ist das größte römische Bodendenkmal in Niedersachsen.[27][28] Darüber hinaus ist es das einzige bekannte römische Marschlager nördlich des Limes, das nicht überbaut ist.[29] Außerdem ist es das nordöstlichste bisher gefundene Lager und stellt den ersten archäologischen Nachweis der schriftlichen Überlieferung des Immensum bellum („gewaltiger Krieg“) durch den römischen Geschichtsschreiber Velleius Paterculus dar.

Zur Entdeckung sagte die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur Gabriele Heinen-Kljajić (Bündnis 90/Die Grünen) im Oktober 2015:[8]

„Die Entdeckung des römischen Marschlagers bei Wilkenburg ist ein herausragender Erfolg der niedersächsischen Archäologie. Er beruht auf dem Einsatz moderner Prospektionstechniken sowie der engen Kooperation mit der Universität Osnabrück.“

Vor dem Hintergrund der Bedrohung des Bodendenkmals durch Kiesabbau (siehe unten: Bedrohung durch Kiesabbau) sieht das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (NLD) im Konsens mit der deutschen und internationalen Fachwelt ein herausragendes wissenschaftliches und öffentliches Interesse an seinem Erhalt. Die Bedeutung der Fundstelle bestehe darin, dass der Lagerbereich nicht überbaut worden ist.

Nach dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz besteht ein grundsätzliches Erhaltungsgebot für Denkmale, von dem nur in Ausnahmefällen abgewichen wird. Wenn wichtige öffentliche Belange überwiegen, sind die Befunde vor ihrer Zerstörung durch eine Rettungsgrabung zu dokumentieren. Im Fall von Wilkenburg fordern Archäologen darüber hinaus ein Schlämmen und Sieben des Oberbodens als fundführende Erdschicht, da die kleinteiligen und fragmentierten römischen Hinterlassenschaften nicht durch herkömmliche Ausgrabungen gefunden werden können. Laut dem NLD verbiete sich eine Rettungsgrabung bei dem römischen Marschlager von Wilkenburg aus fachlicher Sicht. Archäologen möchten die Fundstelle als Forschungsreserve bewahren, da in Zukunft mit weiteren verbesserten Untersuchungsmethoden zu rechnen sei.[30] Der für die Fundstelle zuständige Bezirksarchäologe des NLD Friedrich-Wilhelm Wulf äußerte sich zur Bedeutung des Fundortes folgendermaßen:

„Wir haben jede Menge Kiesgruben, aber nur dieses eine römische Marschlager“.[31]

Nach Ansicht des NLD habe der öffentliche Belang des Erhalts eines Bodendenkmals von europäischer Bedeutung vor öffentlichen und privatwirtschaftlichen Interessen zur Rohstoffgewinnung zu stehen.[32]

Im krassen Gegensatz zur Einschätzung des NLD als Obere Denkmalschutzbehörde und der übrigen Fachwelt stand die erste denkmalrechtliche Bewertung der Region Hannover als Untere Denkmalschutzbehörde vom Dezember 2016. Sie maß dem Bodendenkmal keine „herausragende Bedeutung“ bei, da vergleichbare Marschlager römischer Truppen bereits zu hunderten in Europa gefunden worden seien.[33] Nach damaliger Einschätzung der zuständigen Kommunalarchäologin Ute Bartelt habe das Bodendenkmal keine „europäische Bedeutung“, da es die Kriterien für das Europäische Kulturerbe-Siegel nicht erfülle.[34] Der niedersächsische Landesarchäologe Henning Haßmann äußerte dazu, dass es nicht Aufgabe der Region Hannover sei, die Einschätzung als Fundstelle von europäischer Bedeutung in Frage zu stellen.[35]

Präsentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vortrag des Bezirksarchäologen Friedrich-Wilhelm Wulf zum Marschlager im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, 2017

Seit der Bekanntgabe der Entdeckung des römischen Marschlagers von Wilkenburg am 15. Oktober 2015 wird die Öffentlichkeit regelmäßig über den historischen Hintergrund der früheren Anlage von staatlicher Seite durch die für die Fundstelle zuständige Stadt Hemmingen und das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege informiert.

Auf dem Fundgelände selbst sind keine Spuren des Marschlagers mehr sichtbar; es unterliegt heute einer landwirtschaftlichen Nutzung. Seitens der Stadt Hemmingen bestehen Überlegungen, das Areal touristisch zu nutzen[36] und es als außerschulischer Lernort für Schüler einzusetzen. Anfang 2017 stellte ein Lehrbeauftragter der Fakultät für Architektur und Landschaft an der Universität Hannover einen Entwurf für ein  Besucherzentrum mit Lehrpfad am Römerlager vor. Dieses würde aus einem 15 Meter hohen Aussichtsturm bestehen. Die Kosten belaufen sich auf etwa 350.000 Euro.[37]

Am Tag des offenen Denkmals 2016 bot das NLD auf dem Fundgelände öffentliche Führungen an, an denen rund 400 Personen teilnahmen. Dabei wurde im südwestlichen Lagerbereich, nahe einem einstigen Torbereich, eine erste Informationstafel [14] unter Beteiligung des Freundeskreises für Archäologie in Niedersachsen enthüllt.[38] Anfang 2017 wurde von der Römer AG Leine (RAGL), der Bürgeriniative gegen Kiesabbau in Wilkenburg und der Numismatischen Gesellschaft zu Hannover eine zweite Informationstafel aufgestellt.[39] Sie steht im nordöstlichen Lagerbereich am Ortsrand von Wilkenburg.[40] Im Sommer 2017 stellte die RAGL eine dritte Infotafel im südöstlichen Lagerbereich auf.[41]

Römer AG Leine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Führungen
Führung auf dem Areal des Marschlagers, 2016
Geländeführung, rechts ein Legionär in römischer Militärausrüstung, 2016
Lesung eines historischen lateinischen Textes durch Karola Hagemann

Kurz nach dem Bekanntwerden des Marschlagers gründeten fünf Personen 2015 die Römer AG Leine (RAGL) als interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft. Ihr gehören Experten aus unterschiedlichen Bereichen, wie Bodenkunde, Chemie, Graphik und Luftbildarchäologie an[42], darunter der Numismatiker Ulrich Werz, die Autorin Karola Hagemann und der Archäometallurg Robert Lehmann. Die Arbeitsgemeinschaft führt in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege Öffentlichkeitsarbeit zum Marschlager durch. Dies geschieht in Kooperation mit der Stadt Hemmingen, der Leibniz Universität Hannover, der Numismatischen Gesellschaft zu Hannover, dem Freundeskreis für Archäologie in Niedersachsen und dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen. Seit Anfang 2016 organisiert die RAGL regelmäßig Führungen an der Fundstelle unter Begleitung eines Legionärs.[43][44] Im Jahr 2016 wurden fast 1000 Interessierte über das Gelände geführt.[45]

Im Sommer 2017 begann die RAGL ein Projekt unter der Bezeichnung Hannover, Aleppo, Rom - verbunden durch die Römer ins Leben, bei dem sich Menschen verschiedener Nationen für den Erhalt des Römerlagers einsetzen. [46] Schirmherr des Projektes ist der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen Michael Fürst.[47]

Symposien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2016 veranstalteten die Universität Hannover, die Römer AG Leine, das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (NLD) und der Heimatbund Niedersachsen im Hemmingener Rathaus ein Symposium zum Thema Römerlager Wilkenburg.[48] Vor rund 90 Besuchern informierte der Bezirksarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf vom Landesamt für Denkmalpflege über den aktuellen Forschungsstand. Der Althistoriker Horst Callies vom Historischen Seminar der Universität Hannover referierte zum römischen Vordringen nach Germanien im Zusammenhang mit der Politik der römischen Kaiser Tiberius und Augustus.[49]

Ein zweites Symposium zum Thema Römerlager Wilkenburg fand im April 2017 im Hemmingener Rathaus statt.[50] Veranstalter waren die Universität Hannover, die Römer AG Leine, das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (NLD) und die Numismatische Gesellschaft zu Hannover. Vor rund 60 Besuchern verglich die Provinzialrömische Archäologin Bettina Tremmel von der LWL-Archäologie für Westfalen das Wilkenburger Lager mit den in Nordrhein-Westfalen entdeckten römischen Lagern entlang der Lippe.[16]

Bedrohung durch Kiesabbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fundgelände ist aufgrund eines Abbbauantrages des Unternehmens Holcim aus dem Jahr 2014 von einer Zerstörung durch Kiesabbau bedroht. Laut den im Sommer 2015 öffentlich ausgelegten Planunterlagen[51] sind auf über 30 Hektar im Landschaftsschutzgebiet Obere Leine in einem Zeitraum von etwa 10 Jahren an zwei Stellen (17 und 16 Hektar) Auskiesungen vorgesehen, durch die zwei Baggerseen entstehen sollen.[52] Laut dem Regionalen Raumordnungsprogramm Region Hannover (RROP) ist die Rohstoffgewinnung durch Kiesabbau grundsätzlich nicht mit den Belangen des Landschaftsschutzes vereinbar. Gleichwohl wird die geplante Abbaufläche als „Vorranggebiet Rohstoffgewinnung“ und „Lagerstätte 1. Ordnung“ bezeichnet, in der Belange des Landschaftsschutzes gegenüber Belangen zur Sicherung der Rohstoffversorgung zurückstehen.[53] Gegen den geplanten Kiesabbau sprach sich der Hemminger Stadtrat im Herbst 2015 aus,[54] ebenso die St.-Vitus-Kirchengemeinde Wilkenburg-Harkenbleck als Grundeigentümerin einer 30.000 m² großen Fläche.[55] 2017 gab die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Region Hannover bekannt, dass sie die Bestrebungen zum Erhalt des Marschlagers unterstützt. [56]

Planfeststellungsverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 2015 läuft bei der Region Hannover das Planfeststellungsverfahren für den Kiesabbau, das sich wegen der Entdeckung des römischen Marschlagers Ende 2015 verzögerte.[57] Einbezogen in das Verfahren sind als Denkmalschutzbehörden das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege und die Region Hannover als Untere Denkmalschutzbehörde.[58] Mit Stand vom September 2016 gab es in dem Verfahren 28 Stellungnahmen von Kommunen, Verbänden und Trägern öffentlicher Belange sowie etwa 250 Einwendungen von Privatpersonen.[59] Darin geht es neben dem Denkmalschutz für das Römerlager um die Belange von Natur-, Arten-, Lärm- und Hochwasserschutz unter Berücksichtigung eines Jahrhunderthochwassers.[60] 2016 wurde bekannt, dass es sich ebenso um ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz handelt.[61] Eine abschließende Entscheidung im Planfeststellungsverfahren trifft die Region Hannover nach dem im Verfahren vorgesehenen Erörterungstermin voraussichtlich im Sommer 2017. [62] Im Sommer 2017 gab das Unternehmen Holcim sein weiterhin bestehendes Interesse am Kiesabbau bekannt. Eine Realisierung macht das Unternehmen von den Auflagen der Denkmalschutzbehörde zu den archäologischen Arbeiten abhängig.[63] Derzeit (August 2017) wartet die Region Hannover als Denkmalschutzbehörde auf eine Stellungnahme des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur zu den Auflagen.[64]

Denkmalrechtliche Stellungnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2016 gab die Untere Denkmalschutzbehörde der Region Hannover im Planfeststellungsverfahren ihre fachliche Stellungnahme zum Fundort bekannt.[65] Darin stimmt die Denkmalpflege des Kommunalverbandes dem Kiesabbau auf dem Gelände des römischen Marschlagers unter Auflagen zu.[33] Laut dem zuständigen Umweltdezernenten der Region Hannover Axel Priebs habe das Unternehmen grundsätzlich ein Abbaurecht, wenn dem keine höher zu bewertenden öffentlichen Interessen entgegenstehen. Bei einer Entscheidung für den Kiesabbau wäre dieser unter der Auflage der Region Hannover möglich, die Fundstelle zuvor fachgerecht archäologisch untersuchen zu lassen.[33] Die Kosten der Untersuchungen obliegen nach dem im niedersächsischen Denkmalschutzgesetz verankerten Verursacherprinzip dem abbauenden Unternehmen.[17] Laut der Region Hannover könne sich die Summe auf mehrere Millionen Euro belaufen. Sollte wegen hoher Kosten kein Kiesabbau stattfinden, kündigte die Region Hannover an, keine weiteren archäologischen Erkundungen zu unternehmen.[33]

Zur fachlichen Stellungnahme der Unteren Denkmalschutzbehörde gab die Stadt Hemmingen im Dezember 2016 bekannt, dass es sich bei den Belangen des Denkmalschutzes nur um einen Teilaspekt des noch nicht entschiedenen Planfeststellungsverfahrens handelt.[60]

Kritik an der denkmalrechtlichen Stellungnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Information der Öffentlichkeit durch einen Pressetermin an der Fundstelle durch die Archäologen Friedrich-Wilhelm Wulf und Henning Haßmann (Mitte) sowie den Hemminger Bürgermeister Claus-Dieter Schacht-Gaida, 2017

Anfang 2017 kam zu der denkmalrechtlichen Stellungnahme der Region Hannover Kritik auf. Die Römer AG Leine (RAGL) forderte in einem „Offenen Brief“ von dem zuständigen Umweltdezernenten der Region Hannover Axel Priebs eine Neubewertung der Fakten zu dem Bodendenkmal.[45] Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur sah zunächst keinen Anlass, in den Expertenstreit einzugreifen[66], da die Region Hannover für den Gesetzesvollzug zuständig sei. Daraufhin forderte die RAGL in einem „Offenen Brief“ die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur Gabriele Heinen-Kljajić auf, zu intervenieren. In dem Brief kritisiert die Vereinigung das denkmalfachliche Gutachten der Region Hannover und sieht darin wissenschaftliches Fehlverhalten.[30] Kritik übte auch das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege. In einem Schreiben an die Region Hannover habe das Landesamt das Gutachten der Region „Punkt für Punkt“ widerlegt und wirft der Region vor, im Fall einer Rettungsgrabung für das Kiesabbauunternehmen zu lasche Auflagen vorgesehen zu haben.[67]

Anfang 2017 informierten der Hemminger Bürgermeister Claus-Dieter Schacht-Gaida (SPD) und der niedersächsische Landesarchäologe Henning Haßmann bei einem Ortstermin an der Fundstelle die Öffentlichkeit über das Römerlager und den drohenden Kiesabbau.[68] 2017 verabschiedete der Stadtrat eine von allen vier Ratsfraktionen getragene Resolution[69], die sich an die Verantwortlichen der Region Hannover und des Landes Niedersachsen richtet. Darin werden sie aufgefordert, die Planungen für den Kiesabbau zu beenden und das Römerlager zu erhalten.[70] Im Falle einer Genehmigung des Kiesabbaus kündigte die Stadt Hemmingen die Prüfung rechtlicher Schritte gegen eine solche Entscheidung an.[71]

Runder Tisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 schaltete sich das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur in den Streit um den Erhalt des Römerlagers ein.[72] Es formulierte Auflagen, die wissenschaftliche Untersuchungen und Ausgrabungen betreffen, und die das Abbauunternehmen im Falle einer Auskiesung zu erfüllen hätte.[73] Auch holte das Ministerium die beteiligten Denkmalbehörden, wie das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege, die Untere Denkmalschutzbehörde der Region Hannover und weitere Experten im Februar 2017 zu einem Fachgespräch an einen Tisch, um im Dialog über das weitere Vorgehen zu beraten.[74] Unter anderem nahm der provinzialrömische Archäologe Salvatore Ortisi teil, der die Ausgrabungen im Jahr 2015 in Wilkenburg leitete. Im Ergebnis sagte die Region Hannover zu, ihre denkmalrechtliche Stellungnahme zu aktualisieren. Dies erfolgt auf Grundlage umfangreicher neuer Unterlagen, die der Archäologe Salvatore Ortisi zur Verfügung stellte. [75]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henning Haßmann, Friedrich-Wilhelm Wulf: Großes römisches Heerlager in der Region Hannover entdeckt In:Heimatland des Heimatbund Niedersachsen, Heft 4/Dezember 2015, S. 140-143 (Online)
  • Henning Haßmann, Salvatore Ortisi, Friedrich-Wilhelm Wulf: Römisches Marschlager bei Hannover entdeckt. In: Archäologie in Deutschland, Nr. 6/2015 (Anfang online frei zugänglich) (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  • Rom an der Leine. Das römische Truppenlager bei Wilkenburg., Flyer, 2016, Hrsg.: Römer AG Leine (RAGL), Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Stadt Hemmingen
  • Henning Haßmann, Salvatore Ortisi, Friedrich-Wilhelm Wulf: Römer vor Hannover. Das augusteische Marschlager von Wilkenburg. in: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen, 4/2016, S. 190-193
  • Henning Haßmann, Salvatore Ortisi, Friedrich-Wilhelm Wulf: Luftbild mit Überraschung. Ein römisches Marschlager bei Hannover-Wilkenburg in: Varus-Kurier 18, Dezember 2016, S. 21-23 (Online, pdf)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Römisches Marschlager Wilkenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Römisches Marschlager bei Hannover entdeckt. Pressemitteilung der Universität Osnabrück vom 15. Oktober 2015.
  2. Riesiges Römerlager entdeckt! In: Bild.de vom 15. Oktober 2015.
  3. Im Römerlager Wilkenburg lebten 20.000 Soldaten. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 15. Oktober 2015
  4. Hannover: Römerlagerstreit geht weiter in: Neue Presse vom 6. Januar 2017
  5. Deutscher Preis für Denkmalschutz. „Silberne Halbkugel“ an F.A.N.-Mitglied Heinz-Dieter Freese. In: Freundeskreis für Archäologie in Niedersachsen (Hrsg.): FAN-Post 2015, S. 5 (PDF).
  6. Pastor erforscht das Land aus der Luft bei NDR.de vom 2. Mai 2016
  7. Mit Martfelds Pastor haben die Legionäre nicht gerechnet in: kreiszeitung.de vom 4. November 2015.
  8. a b c Das neu entdeckte römische Marschlager von Wilkenburg, Stadt Hemmingen, Region Hannover. Pressemitteilung des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege und der Universität Osnabrück vom 15. Oktober 2015 (PDF).
  9. Andreas Zimmer: Großes Medienecho auf Römerlager in Wilkenburg in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 30. Oktober 2015.
  10. Simon Benne: Sondengänger im Römerlager in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 29. Dezember 2015.
  11. Ein neuentdecktes römisches Marschlager bei Wilkenburg, Gde. Hemmingen, Region Hannover bei Universität Osnabrück, Historisches Seminar
  12. Illegale Schatzsucher im Römerlager in: Neue Presse vom 28. Dezember 2015
  13. War Kaiser Tiberius in Wilkenburg? in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 21. August 2016
  14. a b Tobias Lehmann: Infotafel Römerlager steht – Symposium folgt in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 11. September 2016.
  15. Römerlager oder Kiessee? So geht es weiter in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 9. Januar 2016
  16. a b c d Römerlager: Wo sind die Schuhnägel? in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 2. April 2017.
  17. a b Gräben und Münzen als Beweis: Die Römer waren hier! (Memento vom 16. Oktober 2015 im Internet Archive) In: NDR.de vom 15. Oktober 2015.
  18. Marschlager: Die Römer im Norden bei Leinetal Online News vom 10. Februar 2016
  19. Eine kurze Literaturübersicht dazu bei Klaus Bringmann, Thomas Schäfer: Augustus und die Begründung des römischen Kaisertums. Akademie, Berlin 2002, ISBN 3-05-003054-2, S. 292, Fn. 87.
  20. Siehe Literatur: Henning Haßmann, Salvatore Ortisi, Friedrich-Wilhelm Wulf: Römer vor Hannover. S. 193
  21. Velleius Paterculus, Historia Romana 2,104,2. Übersetzung nach Hans-Werner Goetz, Karl-Wilhelm Welwei: Altes Germanien. Auszüge aus den antiken Quellen über die Germanen und ihre Beziehungen zum römischen Reich. Teil 2. Darmstadt 1995, S. 39.
  22. Rom an der Leine. Das römische Truppenlager bei Wilkenburg., 2016, Hrsg.: Römer Arbeitsgemeinschaft Leine (RAGL), Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Stadt Hemmingen
  23. (Velleius Paterculus, Historia Romana 2,104,3).
  24. Römerlager und Römermünzen bei Hannover entdeckt bei: Deutsche Numismatische Gesellschaft
  25. Berthold Seewald: Varus kam bis Hannover. Dann musste er sterben. In: Die Welt vom 17. Oktober 2015.
  26. Fällt dieses Römerlager Kiesbaggern zum Opfer? in: NWZ vom 7. Januar 2017
  27. Archäologen werben für Erhalt von Römerlager Wilkenburg in: Neue Presse vom 6. Januar 2017
  28. Kiesabbau statt Denkmalpflege bei ndr.de vom 7. Januar 2017
  29. Torsten Lippel: AG wirbt für Erhalt des Römerlagers in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 9. Juli 2017
  30. a b Römerlager: Region will Kiesabbau genehmigen bei ndr.de vom 2. Februar 2017
  31. Archäologen sehen Römerlager Wilkenburg bedroht in: Die Welt vom 7. Januar 2017
  32. Siehe Literatur: Römer vor Hannover. Das augusteische Marschlager von Wilkenburg. in: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen, 4/2016, S. 190-193
  33. a b c d Mathias Klein: Region erlaubt den Kiesabbau im Römerlager In: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 13. Dezember 2016.
  34. „Römisches Marschlager“ in Hemmingen bei hannover.de vom 13. Dezember 2016
  35. Das Ringen um das Römerlager in: Neue Presse vom 3. Februar 2017
  36. Nina Reckemeyer: Wilkenburger Römerlager von Kiesgrube bedroht bei NDR.de vom 20. September 2016.
  37. Besucherzentrum am Römerlager? in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 9. Februar 2017.
  38. Mirjam Briel: Veranstaltungen des Landesamtes für Denkmalpflege zum Tag des offenen Denkmals. Reger Andrang am ehemaligen Legionärslager von Wilkenburg bei Hemmingen in: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 4/2015, S. 221-222.
  39. Quo vadis, Römerlager? in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 8. Januar 2017.
  40. Archäologen fürchten um Marschlager Wilkenburg in: Neue Osnabrücker Zeitung vom 6. Januar 2017.
  41. Achim von Lüderitz: Ein drittes Schild informiert über das Römerlager in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 7. August 2017
  42. Die Römer AG Leine (RAGL).
  43. Zeitreise ins Wilkenburger Marschlager (Memento vom 13. September 2016 im Internet Archive) in Leinetal Online News vom 14. Februar 2016.
  44. Auf den Spuren des "Roms an der Leine" in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 14. Februar 2016.
  45. a b Offener Brief der Römer-AG: Lager erhalten in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 27. Januar 2017.
  46. Neues Projekt am Römerlager in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 7. Juli 2017
  47. Arbeitsgemeinschaft setzt sich für Erhalt des Römerlagers in Wilkenburg ein in Leineblitz vom 5. Juli 2017
  48. Programm Symposium „Römerlager Wilkenburg“ 17. September 2016 11-15 Uhr (Memento vom 26. Dezember 2016 im Internet Archive) bei leinetal-online.news (pdf)
  49. Was denn nun: Kulturgut oder Kiesabbau? in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 18. September 2016.
  50. 2. Symposium „Römerlager Wilkenburg“ im Hemminger Rathaus in: LeineBlitz vom 30. März 2017
  51. Planfeststellungsverfahren zur Neuaufnahme eines Bodenabbaus in der Stadt Hemmingen – OT Wilkenburg. In: StadtHemmingen.de, 19. August 2015. Amtlicher Bekanntmachungstext vom 14. August 2014
  52. Andreas Zimmer: Zehn Jahre wird Kies abgebaut In: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 21. August 2015.
  53. Regionales Raumordnungsprogramm Region Hannover 2016 mit Stand vom 30. August 2016, Anhang (Entwurf), S. 37-40 (pdf, 5,2 MB).
  54. Tobias Lehmann: Hemmingen: Einstimmiges Votum gegen Kiesabbau. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 16. Oktober 2015.
  55. Andreas Zimmer: Wilkenburg/Arnum/Harkenbleck: Kirche sagt Nein zu Landverkauf für Kiesabbau. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 15. Oktober 2015.
  56. Römerlager statt Kies bei Ratsfraktion Hannover von Bündnis 90/Die Grünen vom 15. Februar 2017
  57. Grüne stellen Anfrage zum Kiesabbau in Hannoversche Allgemeine Zeitung von 7. August 2016.
  58. Antwort auf Anfrage der Grünen: Kiesabbau und Römerlager - Stand der Dinge beim Ortsverband Hemmingen von Bündnis 90/Die Grünen vom 20. September 2016
  59. Antwort der Region Hannover vom 16. August 2016 zur Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt Hemmingen zum Planfeststellungsverfahren für den geplanten Kiesabbau im Bereich Müggenwinkel/Wilkenburg (pdf)
  60. a b Stadt Hemmingen bezieht Stellung zum Kiesabbau im Römerlager in LeineBlitz vom 14. Dezember 2016
  61. Wilkenburger Römerlager von Kiesgrube bedroht bei NDR.de vom 20. September 2016
  62. Nun mischt sich die Ministerin ein in: Hallo Wochenende vom 11. Februar 2017, S. 17
  63. Holcim ist weiter am Kiesabbau interessiert in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 21. August 2017.
  64. Andreas Zimmer: Schon bald neue Anträge für Windräder? in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 11. August 2017.
  65. Region findet Kiesabbau wichtiger als Römerlager bei NDR.de vom 13. Dezember 2016.
  66. Info-Tafel soll auf Bedeutung von Römerlager hinweisen in: Neue Presse vom 7. Januar 2017
  67. Scharfe Töne im Streit um das Römerlager in: Neue Presse vom 1. Februar 2017
  68. Diskussionen um den Erhalt des Römerlagers dauern an bei leineblitz vom 2. Februar 2017.
  69. Andreas Zimmer: Rat verabschiedet Resolution zum Römerlager in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 10. März 2017.
  70. Andreas Zimmer: Rat soll Resolution zu Römerlager beschließen in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 8. Februar 2017.
  71. Tobias Lehmann: Weiter Kontroverse um Römerlager in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 2. Februar 2017.
  72. Simon Benne, Andreas Zimmer:Ministerin will Dialog über Römerlager in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 7. Februar 2017.
  73. Dialog zu römischen Marschlager Hemmingen-Wilkenburg Presseinformation des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur vom 7. Februar 2017.
  74. Kulturministerin will Römerlager in Hemmingen sichern in: Neue Presse vom 7. Februar 2017.
  75. Andreas Zimmer: Römerlager: Neue Stellungnahme kommt in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 2. März 2017.

Koordinaten: 52° 18′ 20,9″ N, 9° 45′ 13″ O