Mordenit

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Mordenit
Mordenite-178958.jpg
kugeliger Mordenit auf Stilbit aus Jalgaon, Maharashtra, Indien
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen
  • Arduinit[1]
  • Ashtonit
  • Flokit
  • Pseudonatrolith
  • Ptilolith
  • Steeleit
  • Steelit
Chemische Formel
  • (Na2,Ca,K2)4(Al8Si40)O96·28H2O[2]
  • (Na,Ca,K)6[AlSi5O12]8·28H2O[3]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Gerüstsilikate (Tektosilikate)
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.GD.35 (8. Auflage: VIII/J.22)
77.01.06.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-pyramidal; mm2[4]
Raumgruppe Cmc21 (Nr. 36)Vorlage:Raumgruppe/36[3]
Gitterparameter a = 18,11 Å; b = 20,46 Å; c = 7,52 Å[3]
Formeleinheiten Z = 1[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3 bis 4
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,12 bis 2,15; berechnet: 2,125
Spaltbarkeit vollkommen nach {100}, undeutlich {010}
Bruch; Tenazität uneben, spröde
Farbe farblos, weiß, gelblich, blassrosa
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz; Perlglanz bis Seidenglanz bei faserigen Aggregaten
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,472 bis 1,483[5]
nβ = 1,475 bis 1,485[5]
nγ = 1,477 bis 1,487[5]
Doppelbrechung δ = 0,005[5]
Optischer Charakter zweiachsig wechselnd
Achsenwinkel 2V = gemessen: 76 bis 104°; berechnet: 78 bis 88°[5]

Mordenit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung (Na2,Ca,K2)4(Al8Si40)O96·28H2O[2] und ist damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Natrium-Calcium-Kalium-Silikat. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Natrium, Calcium und Kalium können sich dabei in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals. Strukturell gehört

Mordenit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt meist prismatische bis feinnadelig-faserige Kristalle bis etwa 2,5 cm Größe in kugelförmigen Mineral-Aggregaten von weißer, gelblicher oder blassrosa Farbe bei weißer Strichfarbe. Auch farblose Kristalle sind bekannt.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Mordenit in einem der Aufschlüsse des North Mountain Basalt entlang der Bay of Fundy nahe Morden im Kings County in der kanadischen Provinz Nova Scotia. Beschrieben wurde das Mineral 1864 durch Henry How, der das Mineral nach seiner Typlokalität benannte.

Ein von Cross und Eakins 1886 beschriebenes und als Ptilolith (englisch Ptilolite) bezeichnetes Mineral[6] stellte sich bei späteren Analysen als identisch mit Mordenit heraus. Der Name wurde daher diskreditiert und gilt seitdem als Synonym für Mordenit.[7]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Mordenit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur allgemeinen Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate)“, wo er zusammen mit Boggsit, Dachiardit-Ca, Dachiardit-Na, Direnzoit, Edingtonit, Ferrierit-K, Ferrierit-Mg, Ferrierit-Na, Gottardiit, Laumontit, Mutinait und Terranovait die Untergruppe der „Faserzeolithe II“ mit der System-Nr. VIII/J.22 innerhalb der Zeolithgruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Mordenit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zeolithischem H2O; Familie der Zeolithe“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten von Fünfer-Ringen“ zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit Maricopait die nach ihm benannte „Mordenitgruppe“ mit der System-Nr. 9.GD.35 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Mordenit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Gerüstsilikate: Zeolith-Gruppe“. Hier ist er zusammen mit Epistilbit, Maricopait, Dachiardit-Ca, Dachiardit-Na, Ferrierit-Mg, Ferrierit-K, Ferrierit-Na, Boggsit, Gottardiit, Terranovait, Mutinait und Direnzoit in der nach ihm benannten Gruppe „Mordenit und verwandte Arten“ mit der System-Nr. 77.01.06 innerhalb der Unterabteilung der „Echten Zeolithe“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mordenit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Cmc21 (Raumgruppen-Nr. 36)Vorlage:Raumgruppe/36 mit den Gitterparametern a = 18,11 Å; b = 20,46 Å und c = 7,52 Å sowie einer Formeleinheit pro Elementarzelle.[3]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiß fluoreszierender Mordenit auf Amethyst
Gleicher Mordenit im Tageslicht

Gelegentlich zeigt Mordenit unter UV-Licht eine schwach weiße Fluoreszenz.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mordenit bildet sich entweder in Gängen und Adern von Eruptivgesteinen, als Hydratationsprodukt vulkanischer Gläser oder in Sedimentgesteinen. Begleitminerale sind unter anderem verschiedene Zeolithe, Calcit, Kaolinit und Glaukonit.

Als eher seltene Mineralbildung kann Mordenit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit gelten bisher (Stand: 2010) rund 330 Fundorte als bekannt.[5] Neben seiner Typlokalität Morden trat das Mineral in Kanada noch bei Cape Blomidon und Harbourville (Bay of Fundy) sowie im Steinbruch Arlington im Kings County und bei Margaretsville im Annapolis County in der Provinz Nova Scotia auf. Daneben fand sich das Mineral noch in der Provinz Québec, genauer im Steinbruch „Demix-Varennes“ bei Saint-Amable und einigen Steinbrüchen nahe Montréal.

In Österreich fand sich Mordenit unter anderem beim Tunnelbau für die Süd Autobahn (A2) nahe Klagenfurt in Kärnten, am Fellergraben im Zederhaustal in Salzburg sowie am Stradner Kogel, beim Bau des Tanzenbergtunnels, an der Weißen Sulm und im Steinbruch Aldrian bei Oberhaag in der Steiermark.

In Deutschland konnte das Mineral bisher nur am Wingertsberg bei Nieder-Ramstadt im Odenwald (Hessen) gefunden werden.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in der Antarktis, Argentinien, Australien, Brasilien, Bulgarien, China, Costa Rica, Dänemark, Ecuador, Frankreich, Griechenland, Grönland, Island, Indien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Neuseeland, Nicaragua, Portugal, auf Réunion, in Rumänien, Russland, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, im Vereinigten Königreich (Großbritannien), den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und Zypern.[8]

Auch in Gesteinsproben des „Ninety East Ridge“ aus dem indischen Ozeans wurde Mordenit gefunden.[8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. How: On mordenite, a new mineral from the trap of Nova Scotia. In: Journal of the Chemical Society. Band 17, 1864, S. 100–104 (rruff.info [PDF; 291 kB; abgerufen am 28. September 2017]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mordenite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 6. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2014, ISBN 978-3-921656-80-8.
  2. a b IMA/CNMNC List of Mineral Names; July 2017 – Mordenite (PDF 1,66 MB; S. 127)
  3. a b c d Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 705.
  4. Webmineral - Mordenite (englisch)
  5. a b c d e f Mindat – Mordenite (englisch)
  6. W. Cross, L.G. Eakins: On ptilolite, a new mineral. In: American Journal of Science. Band 32, Nr. 3, 1886, S. 117–121.
  7. Arthur Roe, John S. White, Jr.: A Catalog of the Type Specimens in the Mineral Collection, National Museum of Natural History. Washington 1976, S. 33 (si.edu [PDF; 4,0 MB]).
  8. a b Fundortliste für Mordenit beim Mineralienatlas und bei Mindat