Motorradreifen

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Ein Stapel Motorradreifen

Der Motorradreifen bildet mit der Felge das Rad eines Motorrads.

Aufgaben[Bearbeiten]

Motorradreifen werden auch unterschieden in ihren Aufgaben. Allgemein sind Brems-, Beschleunigungs- und Seitenführungskräfte zu übertragen.

Der Vorderradreifen hat mehr Bremskräfte aufzunehmen, der Hinterradreifen mehr Antriebskräfte bzw. Beschleunigungskräfte. Bei den Seitenführungskräften wird vom Vorderradreifen mehr Haftung verlangt als vom Hinterradreifen, da er im Allgemeinen eine geringere Aufstandsfläche hat.

Beim Bremsen verlagert sich das Gewicht eines Motorrads wegen des höheren Schwerpunkts sehr viel mehr als bei einem PKW auf die Vorderachse, sodass dort der Großteil der Bremskräfte übertragen wird, bei einem Abheben der Hinterrads sogar 100 %.

Beim Beschleunigen wiederum verlagert sich der Schwerpunkt nach hinten, sodass das Hinterrad, welches die Motorleistung überträgt, höher belastet wird. Dass hinten gleichwohl meist ein breiterer Reifen als vorne verwendet wird, liegt allein darin begründet, dass die Streckenführung bei Sport- und Renneinsätzen meist ein Beschleunigen in Schräglage erfordert und dabei die breitere Aufstandsfläche vorteilhaft ist.

Aus geometrischen Gründen erfordert ein breiterer Reifen wiederum eine höhere Schräglage bei gleicher Kurvengeschwindigkeit, sodass unter fahrdynamischen Aspekten ein schmalerer Reifen letztlich vorteilhaft sein kann.[1][2]

Reifendimension[Bearbeiten]

Ein Motorradreifen wird durch folgende Angaben bestimmt:

Diese Werte sind meist auf dem Motorradreifen seitlich aufgeprägt.

Alte Bezeichnungen[Bearbeiten]

Beispiel:

Vorne: 3.25 S19
Hinten: 4.00 S18

Die erste Zahl gibt bei Diagonalreifen die Reifenbreite in Zoll an. Bei Radialreifen ist diese Angabe in mm. Der Buchstabe steht für den zulässigen Geschwindigkeitsbereich und die Zahl dahinter für den Reifeninnendurchmesser von Wulst zu Wulst.

Der Wulst – bzw. der Innenring der Reifenflanken – sorgt für einen sicheren Sitz des Reifens auf der Felge. Der Wulstkern enthält einen oder mehrere Drahtkerne mit den darumgelegten Karkassenfäden. Über dem Wulstkern sitzt der Kernreiter aus Gummi. Damit lassen sich Reifenverformungen bei auftretenden Querkräften, die Lenkreaktion und der Federungskomfort beeinflussen.

Aktuelle Bezeichnungen[Bearbeiten]

So bedeutet die Aufschrift 160/60ZR17 (69W) TL M/C folgendes:

160 bedeutet der Motorradreifen ist 160 mm breit
60 gibt das prozentuale Verhältnis von Reifenbreite zu Reifenquerschnitt an, in unserem Beispiel sind das 96 mm.
ZR Radialreifen für Vmax über 240 km/h
17 gibt den Felgendurchmesser in Zoll an.
69W Tragfähigkeitsindex 69 (325 kg), der die maximal zulässige Last angibt. Speedsymbol W bedeutet eigentlich 270 km/h, es steht hier aber in Klammern und das bedeutet, dass der Reifen bis zu einer Geschwindigkeit von 270 km/h die angegebene Tragfähigkeit besitzt. Bei Geschwindigkeiten über 270 km/h nimmt die Tragfähigkeit prozentual ab.
TL ist eine Abkürzung für Tubeless und bedeutet schlauchlos.
M/C steht für Motorcycle (Pflichtkennung für Amerika). Diese Kennzeichnung, muss spätestens seit Mai 2003 auch auf Motorrad- und Rollerreifen in 13 Zoll bis 19 Zoll aufgebracht sein.

Die Aufschrift 130/80-18 69S TT bezeichnet einen Diagonalreifen und hierbei:

Der Bindestrich (anstelle ZR) deutet auf Diagonalbauweise hin.
TT Tube Type, Reifen mit Schlauch
S Geschwindigkeitssymbol, hier 180 km/h
andere Angaben siehe oben.

Reifenbindung[Bearbeiten]

Diese Angaben müssen in Deutschland mit den Daten in der Zulassungsbescheinigung-Teil2 (früher Fahrzeugschein) übereinstimmen. Ggf. ist auch eine spezifische Kombinationen aus Vorder- und Hinterradbereifung einzuhalten.

Bei einigen Motorrädern sind Hersteller und Modellbezeichnung der zu verwendenden Reifen genau vorgeschrieben. Um etwas freier bei der Reifenwahl zu sein, oder wenn die ursprünglichen Typen nicht mehr angeboten werden, kann man diese Reifenbindung „austragen“ lassen. Besteht kein Herstellereintrag, hat man die freie Wahl zwischen den Anbietern.

Eine weitere Möglichkeit ist die Freigabebescheinigung (Unbedenklichkeitsbescheinigung, UBB) eines Reifenherstellers. Die darin für den jeweiligen Motorradtyp genannten Reifen darf man nutzen. Die Freigabebescheinigung erweitert die Liste im Fahrzeugschein ohne bürokratischen Aufwand, d.h. eine Einzelabnahme nach §19(2)StVZO ist nicht erforderlich. Sie gibt es beim Reifenhändler oder -hersteller, heute meist per Download von deren Website.

Bauarten[Bearbeiten]

  • Radialreifen (R)
  • Diagonalreifen (–)
  • Diagonal-Gürtelreifen (B)

Luftdruck[Bearbeiten]

Die Fahrzeughersteller schreiben für jeden Fahrzeugtyp genau den Reifenluftdruck vor. Dieser beeinflusst das Fahrverhalten und damit die Fahrsicherheit sowie die Reifenlebensdauer. Die Tragfähigkeit des Reifens hängt vom Luftdruck ab. Daher wird dieser jeweils für das leere und das voll beladene Fahrzeug angegeben. Diese Informationen sind in der Bedienungsanleitung des Motorrads oder in den Empfehlungen des Reifenherstellers für den jeweiligen Motorradtyp ersichtlich. Die Reifenhersteller veröffentlichen dazu sogenannte Reifenhandbücher.

Profiltiefe[Bearbeiten]

Die Reifenprofiltiefe muss in Deutschland und der Schweiz mindestens 1,6 mm betragen (entspricht 2/32 Zoll), sonst ist der Reifen auszuwechseln. Um das leichter sichtbar zu machen, sind in einigen Profilrillen kleine Erhebungen eingearbeitet, die sogenannten TWIs = tread wear indicator. Bei den meisten Motorradreifen weisen die TWIs jedoch bei nur eine Höhe von 0,8 mm auf, da dies einer amerikanischen Normhöhe entspricht.[3]

In Deutschland hat der Motorradfahrer, der mit weniger als 1,6 mm Profiltiefe unterwegs ist, den gesetzlichen Grenzwert unterschritten (§ 36 Abs. 2 StVZO) und muss mit Bußgeld und 1 Punkt im Fahreignungsregister rechnen. Jedoch genügt bei Fahrrädern mit Hilfsmotor, Kleinkrafträdern und Leichtkrafträdern eine Profiltiefe von mindestens 1 mm.

Laufleistung[Bearbeiten]

Die Lebensdauer eines Reifens ist begrenzt. Die Reifenhersteller empfehlen einen Reifen, der fünf bis sechs Jahre alt ist, zu ersetzen. Ein Reifen altert auch im Stillstand, indem das Gummi verhärtet bzw. versprödet. Seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts ist auf der Seitenwand des Reifens auch die sogenannte DOT-Nummer einvulkanisiert. Die ehemals drei – heute vierstellige Zahl zeigt die Produktionswoche, sowie das Produktionsjahr an. Bei Reifen ab dem Jahr 2000 ist die Bezeichnung immer vierstellig, beispielsweise 2203 = 22. Produktionswoche des Jahres 2003. Die Produktionswoche kann sich um eine Woche von der Kalenderwoche des jeweiligen Jahres unterscheiden.

Ist eine Laufrichtung durch Pfeile auf der Seitenwand des Reifens angegeben, muss das Rad beim Fahren in Pfeilrichtung rotieren.

Die Laufleistung ist die Strecke, die ein Reifen vom Neuzustand bis zum (meist durch Verschleiß) notwendigen Wechsel zurücklegt. Bei Straßenreifen ist spätestens beim Erreichen der Mindestprofiltiefe ein Wechsel notwendig – umgangssprachlich „das Profil ist abgefahren“.

Beim Motorradreifen hängt die erreichbare Laufleistung von vielen Faktoren ab, darunter:

  • Reifenfabrikat
  • Reifentyp (Sport, Sporttouring, Enduro)
  • individuelle Fahrweise – häufiges Beschleunigen und Bremsen erhöht den Verschleiß
  • Geschwindigkeit – bei sehr hohen Geschwindigkeiten steigt der Verschleiß an
  • Reifendruck – bei falschem Reifendruck steigt der Verschleiß
  • Gewicht (Zuladung)

Wesentlich für die Laufleistung sind die verwendeten Materialmischungen. Man spricht dabei von „weich“ für Reifen mit großer Bodenhaftung und höherem Verschleiß und „hart“ bei geringerer Bodenhaftung und niedrigerem Verschleiß.

Die Reifenhersteller bieten für die unterschiedlichen Einsatzgebiete (Rennstrecke, Sport, Touren, Enduro) speziell abgestimmte Reifen an. Je nach Einsatzzweck sind die erreichbaren Laufleistungen dadurch sehr unterschiedlich. Ein weicher Reifen speziell für die Rennstrecke soll die bestmögliche Bodenhaftung haben, muss aber häufig schon nach wenigen 100 km gewechselt werden. Ein härterer Reifen für Tourenfahrten hat immer noch eine gute Haftungsfähigkeit, kann aber 10000 km und mehr erreichen. Einige Hersteller verwenden auch Mischformen für die Lauffläche: weiche Außenbereiche für hohe Schräglagenhaftung und ein härterer mittlerer Bereich für eine hohe Laufleistung bei der häufigeren Fahrt geradeaus.

Gilstern bezeichnet das Bearbeiten von Motorradreifen mit einem entsprechenden Werkzeug, dem Gilsterhobel. Dadurch soll die Straßenhaftung bei Regen und Schnee verbessert werden.

Umgang mit neuen Reifen[Bearbeiten]

Neue Motorradreifen müssen eingefahren werden, bevor sie vollumfänglich genutzt werden können. Neue Motorradreifen sind mit einer Versiegelungsschicht überzogen, die zunächst durch vorsichtiges Einfahren beseitigt werden muss. Für das Einfahren können bis zu 200 Kilometer nötig sein. Durch schrittweises Erhöhen des Neigungswinkels in den Kurven wird nach und nach auch die äußere Lauffläche des Reifens aufgeraut.[4]

Hersteller[Bearbeiten]

Auswahl von Herstellern:

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Motorradreifen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Motorradonline.de: Wie wirkt sich die Reifenbreite auf das Fahrverhalten aus?, abgerufen 22. November 2015
  2. Fahrtipps.de: Breitreifen ohne Ende?, abgerufen 22. November 2015
  3. Reifenprofil. Institut für Zweiradsicherheit, abgerufen am 6. März 2014.
  4. Umgang mit neuen Reifen. Motorradreifen Ratgeber, abgerufen am 12. November 2014.