Mukoziliäre Clearance

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Mukoziliäre Clearance, auch mukoziliäre Reinigung, mukoziliarer Transport, mukoziliärer Apparat oder Mucociliar Clearance (MCC) genannt, abgeleitet von mucus (lat. Schleim), Zilie (Flimmerzelle des Oberflächenepithels im Atmungstrakt) und clearance (engl. Reinigung), bezeichnet den Selbstreinigungsmechanismus der Bronchien.

Die Hauptbronchien bis zu den Bronchioli terminales (Ende des luftleitenden Abschnittes) sind mit einem respiratorischen Epithel ausgekleidet, ebenfalls Luftröhre, Kehlkopf, Nase und weite Abschnitte des Pharynx. Auf ihm befinden sich Flimmerzellen, die an ihrer Oberfläche haarförmige Strukturen (Zilien) tragen. Die Zilien sind umgeben von einer dünnflüssigen Schleimschicht. Darauf befindet sich eine zweite dickflüssige Schleimschicht, in der Fremdpartikel und Mikroorganismen, teilweise auch immobilisiert durch in der Schleimschicht befindliches Immunglobulin A, haften bleiben. Innerhalb der dünnflüssigen Schleimschicht führen die Zilien koordiniert Bewegungen mit einer Frequenz von 15 bis 25 pro Sekunde in Richtung Pharynx aus. Dadurch wird die dickflüssige Schleimschicht mitsamt ihrer Fracht mit einer Geschwindigkeit von 1 Millimeter bis 2 Zentimeter pro Minute in Richtung Mund abtransportiert, wo sie verschluckt oder abgehustet wird.

Wichtig für eine gute mukoziliäre Reinigung sind die Anzahl der Zilien, ihre Struktur, Aktivität und koordinierte Bewegung. Eine optimale Funktion der Reinigung setzt eine Temperatur von 37 °C und eine absolute Feuchtigkeit von 44 mg/l entsprechend einer relativen Feuchtigkeit von 100 % voraus. Bei unzureichender Wärme und Feuchtigkeit stellen die Flimmerzellen ihre Transportfunktion nach kurzer Zeit ein. Auch durch giftige Gase (z. B. Schwefeldioxid), Tabakrauch und Entzündungen wird der mukoziliare Transport gestört. Eine bakterielle Keimbesiedlung wird unter diesen Bedingungen erleichtert. Infektionen der Lunge und eine Schädigung des Lungengewebes können die Folge sein.

Hohe Luftfeuchtigkeit verbessert die Funktion der mukoziliären Reinigung. Zwei Methoden zur Unterstützung der Reinigung sind die aktive und passive Atemgasbefeuchtung, welche insbesondere bei der maschinellen Beatmung angewendet werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Lotz: Anatomie und Physiologie des Respirationstrakts. In: J. Kilian, H. Benzer, F. W. Ahnefeld (Hrsg.): Grundzüge der Beatmung. Springer, Berlin u. a. 1991, ISBN 3-540-53078-9, S. 3–45; hier: S. 8 f.
  • W. Oczenski, H. Andel und A. Werba: Atmen - Atemhilfen. Thieme, Stuttgart 2003. ISBN 3-13-137696-1
  • J. Rathgeber: Grundlagen der maschinellen Beatmung. Aktiv Druck, Ebelsbach 1999. ISBN 3-932653-02-5
  • S. Schäfer, F. Kirsch, G. Scheuermann und R. Wagner: Fachpflege Beatmung. Elsevier, München 2005. ISBN 3-437-25182-1