Nathalie Loiseau

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Nathalie Loiseau (2016)

Nathalie Loiseau (geboren am 1. Juni 1964 in Neuilly-sur-Seine) ist eine französische Beamtin, Diplomatin und Politikerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nathalie Loiseaus Vater war Unternehmensberater bei Fusionen und Übernahmen. Sie machte mit 16 Jahren ihr Abitur in einem Pariser Gymnasium (Lycée Carnot). Sie schrieb sich in das Institut d’études politiques de Paris (Science Po) ein, das sie 1983 erfolgreich abschloss. Sie studierte dann Sinologie im Institut national des langues et civilisations orientales.

1986 bewarb sie sich in einem Auswahlverfahren für eine Tätigkeit im Außenministerium. Von 1990 bis 1992 war sie in Jakarta tätig, wo sie auch ihren Mann traf. Sie wurde dann Botschaftssekretärin (Legationsrätin) in Indonesien, Senegal und in Marokko. In Dakar freundete sie sich mit der Schriftstellerin Catherine Clément an. 1993 ist sie die jüngste Angehörige im Stab des Außenministers Alain Juppé.

Von August 2002 bis Juli 2007 wird sie Chef des Pressedienstes und Sprecherin der Botschaft von Frankreich in Washington. 2003, während des Irakkrieges, an dem Frankreich nicht teilnahm, kam es zur offenen Kritik seitens der amerikanischen Administration und Öffentlichkeit. Nathalie Loiseau und der Botschafter Jean-David Levitte reagieren: „Bush, der Kongress und die Dritte Macht waren gegen uns. Und alle unsere Gurus rieten uns, es sein zu lassen.“, erklärt Jean-David Levitte. „Mit Nathalie, die für die Kommunikationsabteilung verantwortlich war, beschlossen wir, Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen. Und wir haben gewonnen. Die ganze Zeit über blieb sie ruhig und gelassen. Sie hat Gelassenheit.“[1]. In einer ungewöhnlichen Initiative veröffentlichen Levitte und Loiseau einen Brief in der Washington Post. Die antifranzösische Stimmung in den USA beruhigte sich.[2]

Im Jahr 2007 wurde sie im Außenministerium zur stellvertretenden Leiterin für Nordafrika ernannt. Im Jahr 2008 wurde sie dann Direktorin für Nordafrika und den Nahen Osten und gleichzeitig Leiterin der Association Syndicale des Agents d'Orient (ASAO), einer Verbindung von Diplomaten im Nahen Osten, wo sie sich durch ihre Engagement gegen Diskriminierung auszeichnete. Im Jahr 2009 wurde sie zur Leiterin der Personalabteilung im Ministerium für Europa und Äußeres ernannt.

Im November 2011 ernannte Alain Juppé sie zur Generaldirektorin in der Verwaltung des Außenministeriums, eine prominente Position in einem Ministerium voller „Phallokraten“[2]. Ende August 2012 wurde sie jedoch wieder entlassen. „Die Tat des Prinzen, Laurent Fabius“, lässt sich einer ihrer diplomatischen Freunde vernehmen. „Bei der Reise nach Jerusalem fand sie sich ohne Stuhl wieder. Ein harter Schlag für sie.“[1]

Nathalie Loiseau 2017 mit dem seinerzeitigen niederländischen Außenminister Halbe Zijlstra

Loiseau war Direktorin der École nationale d’administration (ENA) von 2012 bis 2017 Ihre Arbeit verstand sie als: " ... auf die Schüler achten und ihnen Führungsqualitäten beibringen. Sie sind intelligent, aber das reicht nicht aus, um sie zu guten Managern zu machen".[2] Sie arbeitete auch an der Reform der Aufnahmeprüfungen, um die Diskriminierung zu begrenzen.[2]

Von 21. Juni 2017 bis 27. März 2019 war sie als Nachfolgerin von Marielle de Sarnez französische Ministerin für europäische Angelegenheiten im Kabinett Philippe II.[1][3][4][5] In dieser Funktion ist sie auch mit dem britischen EU-Austritt befasst. Zu diesem schleppenden Verfahren merkte sie Mitte März 2019 gegenüber einer Zeitung an, sie habe ihre Katze in Brexit umbenannt, weil „das Tier jeden Morgen laut miaut, um nach draußen gelassen zu werden, sich aber weigert, hinauszugehen, wenn ich die Tür geöffnet habe“.[6] Allerdings besaß Loiseau zu diesem Zeitpunkt keine Katze; es sollte nur ein „satirischer Scherz“ sein.[7]

In der Woche nach der Wahl des Europaparlamentes lud Loiseau, die offenbar von Präsident Emmanuel Macron dazu ausersehen war, Verbündete für seine Europapolitik zu gewinnen, zwölf Journalisten französisch-sprachiger Zeitungen zu einer später in der Presse als "unüblich" umschriebenen Zusammenkunft. Im Zuge der 45 Minuten dauernden Veranstaltung beleidigte sie in einer Schimpftirade potentielle Verbündete wie Guy Verhofstadt oder Angela Merkel. Nathalie Loiseau bestritt später die Beleidigungen und entschuldigte sich für ihre Äußerungen, so dass Fragen zu ihrer Eignung und Spekulationen zum Umfang des angerichteten politischen Schadens aufkamen.[8]

Loiseau ist Mutter von vier Kindern.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Choisissez tout, JC Lattès, 2014
  • La démocratie en BD, Casterman, 2016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nathalie Loiseau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Pascale Nivelle: Nathalie Loiseau. Femme d’Etat. In: Libération. 25. November 2012, abgerufen am 1. Juli 2018 (französisch).
  2. a b c d [1] aus Le Monde von 5. November 2012. Zitat: «Peu de femmes s'étaient hissées à ce niveau dans un ministère réputé phallocrate.»
  3. Denis Peiron: À la tête de l’ENA, Nathalie Loiseau bouscule les conformismes. In: La Croix. 13. März 2015, abgerufen am 1. Juli 2018 (französisch).
  4. Sylvie Kauffmann: Nathalie Loiseau, directrice de l’ENA, choisit carrière et vie privée. In: Le Monde. 8. September 2015, abgerufen am 1. Juli 2018 (französisch).
  5. Karl de Meyer: Nathalie Loiseau, elle fait l'Europe selon Macron. In: Les Échos. 8. Dezember 2017, abgerufen am 1. Juli 2018 (französisch).
  6. France’s EU minister names her cat ‘Brexit’ vom 18. März 2019 in The Independent
  7. „Europaministerin hat gar keine «Brexit»-Katze“ L'essentiel vom 22. März 2019
  8. Jon Stone: "Macron’s EU ambitions slipping away after top ally’s bizarre rant" independent.co.uk vom 13. Juni 2019