Neuhaus-Schierschnitz

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Neuhaus-Schierschnitz
Gemeinde Föritztal
Wappen von Neuhaus-Schierschnitz
Koordinaten: 50° 19′ 0″ N, 11° 15′ 0″ O
Höhe: 350 m
Fläche: 23,2 km²
Einwohner: 3103 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte: 134 Einwohner/km²
Eingemeindung: 6. Juli 2018
Postleitzahl: 96524
Vorwahl: 036764
Neuhaus-Schierschnitz (Thüringen)
Neuhaus-Schierschnitz

Lage von Neuhaus-Schierschnitz in Thüringen

Neuhaus-Schierschnitz war eine Gemeinde im Landkreis Sonneberg im fränkisch geprägten Süden des Freistaates Thüringen, die vom 1. April 1923 bis zum 6. Juli 2018 existierte. Im Zuge der thüringischen Gemeindegebietsreform 2018 wurde die Gemeinde aufgelöst und in die neu gegründete Gemeinde Föritztal eingemeindet. Sie besteht nun als Ortsteil fort.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuhaus-Schierschnitz liegt in einem südlichen Zipfel Thüringens zwischen dem Frankenwald[1] im Norden und dem Maintal im Süden. Der Ort liegt in einem Seitental der Föritz. Westlich von Neuhaus-Schierschnitz erhebt sich der 406 Meter hohe Schottenberg, östlich liegt der 465 Meter hohe Wirtemberg, über den die thüringisch-bayerische Landesgrenze verläuft. Neuhaus liegt auf der Ostseite des Tales, Schierschnitz auf der Westseite.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: FöritzStockheimMitwitz

Ortsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuhaus-Schierschnitz hat vier Ortsteile:

Das Ortsgebiet besteht aus den Gemarkungen:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlossberg Neuhaus
Schlossberg mit Burg (links) und Schloss (rechts)

Die Burg Neuhaus wurde als freier Besitz des Adligen Eberhard von Schaumberg 1310 erstmals urkundlich genannt, aber bereits 1315 war sie Lehen der Grafen von Henneberg. Diese vergaben die Burg 1319 wieder an die Schaumberger. Später war dann die Veste mit sächsischen Vögten besetzt. 1532 wurde Hans Georg von Gotsmann belehnt. Im Dreißigjährigen Krieg brannte die Burg 1634 bis auf den Torturm nieder. Der Bankier Hermann Walther ließ sie um 1903/04 rekonstruieren. Heute steht sie leer.

Das neue Schloss war seit 1932 Zechenhaus und 1862–80 Wohnsitz des Bergwerksdirektors Richard von Swaine. Heute sind die Bauten ein Kurheim des Deutschen Roten Kreuzes.[2][3]

Im 18. und 19. Jahrhundert gab es in der Umgebung zahlreiche Steinkohlezechen. Viele Einwohner der Orte waren damals im Bergbau tätig. Das Gemeindegebiet mit dem Marktflecken Neuhaus im Mittelpunkt gehörte bis 1920 zum Herzogtum Sachsen-Meiningen. Neuhaus-Schierschnitz entstand am 1. April 1923,[4] als die Orte Neuhaus und Schierschnitz sowie die kleineren Nachbarorte Gessendorf, Mark und Buch vereinigt wurden.

Mit Beginn der Zeit des Nationalsozialismus setzte die Verfolgung politischer Gegner ein, aber es begannen auch kommunistische Einwohner Widerstandsarbeit zu leisten, die deswegen 1935 gerichtlich verfolgt wurden. Im gleichen Jahr fand in der Kirche ein überregionaler Kirchentag der Bekennenden Kirche (BK) statt, worauf der Prediger und der Ortspfarrer Friedrich Schnittger kurzzeitig ihr Amt verloren. Während des Zweiten Weltkrieges mussten 981 Frauen und Männer aus Russland, Frankreich, der Ukraine, Polen und Jugoslawien Zwangsarbeit im Siemens-Schuckert-Isolatorenwerk verrichten.[5]

Die erzwungene Trennung von den Franken, die den Ort umgeben, wurde von den Einwohnern, vor allem in den ersten Jahren des Bestehens der DDR, nicht unwidersprochen hingenommen. Die Behörden im Kreis Sonneberg berichteten an das ZK der SED im Mai 1952 vor der Verschärfung des Grenzregimes von zwei Vorfällen in der Region. Einer in Mengersgereuth-Hämmern, einer auf dem Gebiet des heutigen Kreises Sonneberg. Fußballer aus Neuhaus-Schierschnitz und Heidersdorf [sic!] - gemeint war von den offenbar ortsfremden Parteifunktionären wahrscheinlich Heinersdorf - hatten sich mit einer fränkischen Mannschaft aus einem benachbarten Ort zu einem Spiel verabredet. Als die Grenzbehörden der DDR den direkten Übertritt der Franken über die Grüne Grenze verweigerten, und den Umweg über den Grenzübergang Probstzella verlangten, kam es zu vehementen Protesten gegen die Staatsmacht. Demonstranten versammelten sich vor dem Gebäude der Grenzpolizei und beschimpften die Beamten als „Lumpen“. Angehörige der FDJ entledigten sich ihrer Blauhemden und traten diese mit Füßen. Zertrampelt wurden auch sozialistische Spruchbänder. Polizisten, die versuchten die Menge zu beruhigen und sich mit dem Gruß „Freundschaft“ näherten, wurden mit dem Gegenruf „Feindschaft“ zurückgewiesen.[6]

Am 6. Juli 2018 wurde die Gemeinde aufgelöst und die Ortsteile in die Gemeinde Föritztal eingegliedert.[7]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[8][9]
Wahlbeteiligung: 57,4 % (2009: 58,2 %)
 %
60
50
40
30
20
10
0
55,5 %
18,8 %
15,2 %
10,4 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+1,2 %p
-0,9 %p
+3,8 %p
-4,2 %p

Ehemaliger Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Neuhaus-Schierschnitz bestand bei der letzten Kommunalwahl aus 16 Ratsmitgliedern:

Listenname Stimmenanteil Sitze Veränderung
CDU 55,5 % 9 (±0)
Die Linke 18,8 % 3 (±0)
FW 15,2 % 2 (±0)
SPD 10,4 % 2 (±0)

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Geviert von Silber und Schwarz, in 1 ein linksgewendeter wachsender steigender roter Steinbock, in 2 ein goldener Adlerkopf, in 3 ein goldenes Schlägel und Eisen und in 4 ein roter Schräglinksdoppelzahnbalken.“

Wappenerklärung: Schlägel und Eisen in Feld 3 stehen für die Bedeutsamkeit des Bergbaus in der Ortsgeschichte, die übrigen Figuren entstammen Wappen bedeutsamer Familien.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1906 gründete Armand Marseille aufgrund geeigneter Sandvorkommen in Neuhaus eine weitere Porzellanfabrik. 1913 verkaufte er diesen Betrieb an die Siemens-Schuckertwerke, welche in der Porzellanfabrik Neuhaus Kreis Sonneberg technische Porzellane für die Energieversorgung produzierte. 1733 Mitarbeiter waren dort im Jahr 1939 beschäftigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Werk in eine Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG) umgewandelt, 1950 als VEB Porzellanfabrik Neuhaus-Schierschnitz in deutsche Verwaltung übergeben und als VEB Keramische Werke Neuhaus (KWN) sowie später unter dem VEB Elektrokeramische Werke Sonneberg (EKS) weitergeführt. Die wirtschaftlichen Umbrüche nach der Wende machten die Produktion unrentabel und das Werk musste im Jahr 1990 geschlossen werden. Teile der Fabrik sind inzwischen abgebrochen. Nur die Zündkerzenproduktion, die im November 1991 an das Unternehmen BERU verkauft wurde, existierte mit noch 60 Mitarbeitern weiter. 2006 waren 180 Mitarbeiter im Beruwerk beschäftigt.

Auf Grund der Lage zur ehemaligen innerdeutschen Grenze (1 Kilometer östlich) wurde seitens des DDR-Regimes in dem Ort nur wenig Industrie angesiedelt. Viele Menschen verließen Neuhaus-Schierschnitz, genau wie die anderen Grenzdörfer, zu DDR-Zeiten. Nach 1990 wurde im Süden des Ortes ein Gewerbegebiet gegründet.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945 hatte Neuhaus-Schierschnitz einen Bahnhof an der durchgehenden Bahnstrecke Sonneberg–Stockheim. Der Abschnitt nach Sonneberg hatte noch bis 1967 Personenverkehr und bis 1970 Güterverkehr. Der Ort liegt an der B89, die ebenfalls zwischen Sonneberg und Kronach verläuft.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karli Coburger (* 1929), von 1984 bis 1989 Leiter der für Observation, Ermittlung und Festnahmen verantwortlichen Hauptabteilung VIII des Ministeriums für Staatssicherheit

Persönlichkeiten die im Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Neuhaus-Schierschnitz wird Itzgründisch gesprochen, ein mainfränkischer Dialekt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neuhaus-Schierschnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinz Späth: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 141 Coburg. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1987. → Online-Karte (PDF, 5,0 MB)
  2. Thomas Bienert Mittelalterliche Burgen in Thüringen Wartberg Verlag 2000 ISBN 3-86134-631-1 S. 297 u. 298
  3. Burg
  4. Thomas Schwämmlein: Doppelnamen prägten die erste Reform. In: Freies Wort, 14. Februar 2013
  5. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrgg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. In: Heimatgeschichtliche Wegweiser. Band 8. Thüringen, Erfurt 2003, S. 286, ISBN 3-88864-343-0
  6. Bericht der SED-Kreisleitung des Kreises Sonneberg über Vorfälle an der Demarkationslinie an das ZK der SED vom 15. Mai 1952, in: Bennewitz, Inge/Potratz, Rainer, (Hrsg.), Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze. Analysen und Dokumente, 4. Auflage, Berlin 2012, S. 250
  7. Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt Nr.7 2018 vom 5. Juli 2018, aufgerufen am 6. Juli 2018
  8. Kommunalwahlen in Thüringen - Wahlergebnisse
  9. Kommunalwahlen in Thüringen - Wahlergebnisse 2009