Schaumberg (Adelsgeschlecht)

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Stammwappen derer von Schaumberg nach dem Scheibler’schen Wappenbuch
Epitaph des Sylvester von Schaumberg in der Kirche St. Maria Magdalena in Münnerstadt
Epitaph des Gabriel von Schaumberg im Eichstätter Dom mit dem ursprünglichen Familienwappen
Der manieristische Epitaphaltar des Bischofs Martin von Schaumberg (1560-90) im südlichen Querhaus im Dom zu Eichstätt
Epitaph der Brigitta von Schaumberg, geb. von Heßberg in der Ritterkapelle Haßfurt
Konrad von Schaumberg, Riemenschneider, Marienkapelle Würzburg

Die Familie von Schaumberg ist ein weitverzweigtes fränkisches Adelsgeschlecht. Ausgangspunkt des Geschlechtes ist die Stammburg Schaumburg im fränkisch geprägten südlichen Thüringen an der Grenze zu Bayern. Die Schaumberger übten großen Einfluss auf den fränkischen Raum aus. Das Geschlecht ist 2002 im Mannesstamm erloschen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das castrum schaumburg wurde gemeinsam mit dem castrum sonneberg, dem Herrschaftssitz der Herren von Sonneberg, enge Verwandte der Schaumberger, im Zusammenhang mit der Stiftung des Klosters Banz 1071 in einer Abhandlung, die allerdings erst nach 1295 verfasst wurde, erstmals erwähnt. 1174 wurde die Burg Schaumburg im Schalkauer Land als Allod der Burggrafen von Meißen aus der Familie Sterker von Wohlsbach erstmals urkundlich genannt und 1216 ausdrücklich als Stammsitz des Geschlechtes von Schaumberg bezeichnet. Bis 1315 erweiterten die Herren von Schaumberg ihre Herrschaft auf das Sonneberger Unterland, wo sie zur Sicherung ihrer Interessen gegenüber den ebenfalls in dieser Region engagierten Vicedomini von Würzburg das „Newe Hus“, die in ihren Ausmaßen eher bescheidene Burg Neuhaus, anlegten.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Aussterben der Herzöge von Andechs-Meranien 1248 erhob die Grafschaft Henneberg Anspruch auf das Reichslehen dieser Region. Die Henneberger erhielten die Schaumburg 1260 im Langenstadter Rechtsspruch zugesprochen und verdrängten die Schaumberger auf das Rittergut Niederfüllbach, belehnten aber 1317 die Kinder Heinrichs des Älteren von Schauenberg mit dem verbliebenen Besitz ihrer inzwischen ausgestorbenen Verwandten, der Herrschaft Sonneberg. Daraus entstand die Linie Schaumberg-Rauenstein, die in Rauenstein, auf halbem Wege zwischen Schalkau und Sonneberg, einen neuen Herrschaftssitz anlegte. Diese Burg wurde 1349 als „Ruhestein“ erstmals urkundlich genannt. Heute ist sie eine Ruine. 1343 schloss Markgraf Friedrich II. von Meißen ein Schutzbündnis mit den Schaumbergern und belehnte sie in der Folgezeit mit ihren ehemaligen Besitztümern. So bewirtschaftete die Familie neben ihrem unmittelbaren Eigentum und Geschlechtsgut (Fideikommiss) zeitweise verschiedene Anteile am Reichslehen und zusätzlich ein Mannlehen, das von Generation zu Generation erstritten bzw. gesichert werden musste. Das Geschlecht von Schaumberg verzweigte sich weit im unterfränkischen und oberfränkischen Raum, wurde in die Reichsritterschaft in den Kantonen Rhön-Werra und Gebürg immatrikuliert und 1860 in den königlich-bayerischen Freiherrenstand erhoben.[1] Das Geschlecht erlosch im Mannesstamm 2002.

Wappen derer von Schaumberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ursprünglichste Wappen der Schaumberger ist geteilt; oben von Silber und Rot gespalten, unten blau.

Das gemehrte Schaumberger Wappen besteht aus vier Feldern, wobei sich zwei Motive abwechseln. Feld 1 und 4 enthalten das ursprüngliche Wappen, Feld 2 und 3 sind gespalten: vorne in Silber eine schwarze Schafschere, hinten in Silber ein roter Sparren. Zur Anzahl der Sparren, zu den Grundfarben und zu anderen Details existieren offenbar Varianten. Die zunehmende Komplexität von Wappenschildern und Helmzieren war nicht nur ein gewisser Modetrend des Adels, um den eigenen Stand entsprechend zu präsentieren, sondern zeigte auch sehr eindrucksvoll den übernommenen Besitz eventuell schon vorangegangener ausgestorbener Linien anderer Adelsgeschlechter. Die von Schaumberg übernahmen Besitz der Herren von Sonneberg.

Die Schaumberger haben mit ihrem Wappen Einzug in Gemeinde- und Landkreiswappen gefunden. Das Wappen des Landkreises Sonneberg griff beispielsweise die geschichtlichen Wurzeln auf, ebenso die Gemeinde Effelder-Rauenstein und deren Vorgängergemeinde Rauenstein, in Oberfranken die Gemeinde Pettstadt. Völlig identisch ist außerdem das Wappen von Westerstetten, dies deutet darauf hin, dass die Herren von Westerstetten mit den Schaumbergern verwandt waren.

Ortschaften mit Hinweisen auf die Schaumberger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thüringen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg Schaumburg mit Schalkau, Schloss Almerswind, Gut Katzberg und Rittergut Ehnes, Schloss Mupperg in Mupperg, Burg Neuhaus in Neuhaus-Schierschnitz, Schloss Effelder, Burg Rauenstein und Rauenstein in Effelder-Rauenstein, Grümpen und Theuern, Bachfeld, Siegmundsburg, Schloss Unterlind in Unterlind (Landkreis Sonneberg), Schweickershausen (Landkreis Hildburghausen), Ilmenau (1476–1498)

Oberfranken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ahorn (bei Coburg) mit Schloss Ahorn, Lauterburg bei Rödental-Oberwohlsbach, Niederfüllbach und Weißenbrunn vorm Wald (Landkreis Coburg), Heunischenburg bei Kronach, Schloss Strössendorf, Wasserschloss Mitwitz, Oberes Schloss (Mitwitz) und Mitwitz, Burg Fürth am Berg sowie Tschirn (Landkreis Kronach), Schney bei Lichtenfels (Landkreis Lichtenfels), Burg Wiesentfels bei Hollfeld (Landkreis Bayreuth)

Unterfranken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rothhausen und Thundorf (Landkreis Bad Kissingen), Schloss Gereuth im Untermerzbacher Ortsteil Gereuth (früher Schaumbergsgereuth) im Landkreis Haßberge, Bergrheinfeld (Landkreis Schweinfurt)

Mittelfranken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg Veldenstein bei Neuhaus an der Pegnitz im Landkreis Nürnberger Land

Oberbayern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eichstätt, Schloss Hirschberg und Burg Nassenfels im Landkreis Eichstätt

Epitaphien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Epitaphien von Sylvester und Cecilia[2] von Schaumberg in der Kirche St. Maria Magdalena in Münnerstadt
  • Grabdenkmal des Bischofs Martin von Schaumberg im Dom zu Eichstätt
  • Grabmal des Ritters Konrad von Schaumberg in der Marienkapelle in der Stadtmitte von Würzburg
  • Gedenkstein des Kardinals Peter von Schaumberg in der St.-Augustinus-Kapelle im Augsburger Dom zeigt den Verstorbenen als Skelett
  • Epitaph der Dorothea Sabina von Sparneck[2], geborene von Schaumberg, in der Kirche von Bernstein (bei Wunsiedel).
  • Epitaphien im Kloster Sonnefeld, einer Grablege des Geschlechts

Verwandte Geschlechter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bibra, Giech, Guttenberg, Hanstein, Heßberg, Rosenberg, Sparneck

Vertreter der Familie von Schaumberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alban von Dobeneck: Geschichte des ausgestorbenen Geschlechtes der von Sparneck (Teil 1 und 2). In: Archiv für die Geschichte von Oberfranken. Bayreuth 1905/1906.
  • F. Kipp: Silvester von Schaumberg, der Freund Luthers. In: G. Berbig: Quellen und Darstellungen aus der Geschichte des Reformationsjahrhunderts. Leipzig 1911.
  • B. Röttger: Die Kunstdenkmäler von Bayern. Landkreis Wunsiedel und Stadtkreis Marktredwitz. München 1954.
  • O. Schaumberg: Regesten des fränkischen Geschlechts von Schaumberg. Coburg 1930.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schaumberg (Adelsgeschlecht) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon Band 8, S. 99.
  2. a b Peter Braun: Die Herren von Sparneck – Stammbaum, Verbreitung, Kurzinventar. In: Archiv für die Geschichte von Oberfranken. Bayreuth 2002.