Nikolaus Heinrich von Transehe

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Nikolaus Heinrich von Transehe (auch Nikolai von Transehe; lettisch: Nikolajs fon Tranzē; * 19. Juli 1886 in Neu-Wrangelshof (Livland); † 29. September 1969 in Walsrode) war ein deutsch-baltischer Ornithologe. Er war außerordentlicher Professor und Leiter des Lettischen Ornithologischen Zentrums (LOC).

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seinen ersten schulischen Unterricht erhielt Nikolaus von Transehe im elterlichen Heim, 1901 wurde er in die Quarta des humanistischen Stadtgymnasiums aufgenommen und legte 1906 seine Reifeprüfung ab. Bereits zu dieser Zeit entwickelte er ein großes Interesse an der Natur und begann mit eigenen naturwissenschaftlichen Untersuchungen. Im gleichen Jahr begann er auf der Universität Dorpat (damals offiziell Kaiserliche Universität Jurjew, Imperatorskij Jur'evskij Universitet) das Studium der Zoologie und Botanik mit dem Schwerpunkt der Flora des Kaukasus, es folgten Veröffentlichungen und wissenschaftlicher Berichte. Nach seinem bestandenen Examen der allgemeinen Zoologie und Botanik begleitete er 1908 Harald von Loudon (1876–1959) auf eine naturwissenschaftliche Reise und ornithologische Expedition in die Talyschebene (Süd-Ost-Kaukasus) und nach West-Turkestan.

1909 setzte er sein Studium an der Universität Leipzig fort und reichte 1913 seine Dissertation zum Doktor der Philosophie ein. Seine Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde einer Hohen Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig lautete: Studien über Temperaturwirkungen auf Daphnia magna, mit besonderer Berücksichtigung der Anpassungserscheinungen. Aus dem zoologischen Institut der Universität Leipzig.[1]

Während des Ersten Weltkrieges und der sich daran anschließenden lettischen Freiheitskämpfe war er zeitweise im Militärdienst. Seine erste Verwendung war im 16. Dragoner-Regiment im Kaukasus. In Folge einer Augenerkrankung wurde er vom aktiven Dienst abgezogen. 1916 erfolgte die Einberufung in das Russische Rote Kreuz, in dieser Zeit war er in Weißrussland und Rumänien im Sanitätsdienst eingesetzt. 1918 kehrte er als Flüchtling nach Lettland zurück und ließ sich in Jaunvāle nieder. Während der Befreiungskriege in Lettland diente er in der Baltischen Landeswehr und wurde in Anerkennung seiner Dienste mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet. Ab 1919 sah sich die Familie Transehe-Roseneck den Angriffen der Bolschewiki ausgesetzt, mehrere Familienangehörige wurden verhaftet und hingerichtet, einige Besitzungen und Güter wurden zerstört.

Im März 1920 wurde Nikolai Transehe als Assistenzprofessor an der neu gegründeten Universität Lettlands in Riga eingestellt. Er bot ornithologische Exkursionen in der Umgebung Rigas an, führte Lehrveranstaltungen, hielt Vorlesungen und hatte einen guten Kontakt zu Studenten, Lehrern und Förstern. Gleichzeitig baute er eine Federsammlung auf, die auf der Grundlage der über 12 000 Exponate von Louden entstand. Ab 1922 führte er regelmäßig Vorlesungen durch und reiste 1923 zur Vogelstation auf die Insel Helgoland. 1925 wurde unter Leitung Transehes und des Instituts für Zoologie das Lettische Ornithologische Zentrum (LOC) eingerichtet. Zwischen 1925 und 1927 führte er mehrere ornithologische Exkursionen durch und unterstützte Museen beim Aufbau einer zoologischen Ausstellung, gleichwohl vertrat er Lettland auf internationalen wissenschaftlichen Konferenzen. 1936 veröffentlichte er sein erstes Buch, dieses trug den Titel Latvijas putni („Lettlands Vögel“). Zum Ende des Jahres 1938 wurde Transehe zum Assistenzprofessor an die Universität Lettlands berufen, seine Lehrtätigkeit musste er mit Beginn des Zweiten Weltkriegs einstellen.

Im Zuge der von den in Deutschland herrschenden Nationalsozialisten durchgesetzten Umsiedlung der Deutsch-Balten musste Transehe mit seiner Familie nach Polen umsiedeln, sie wurden in Gostynin einquartiert. Zwischen 1941 und 1943 wurde er in Weißrussland zur der Forstverwaltung abgeordnet und unterrichtete an Forstschulen. 1943 wurde er in den Ruhestand versetzt und übernahm eine Tätigkeit im Naturschutz. 1944 hielt er sich für sechs Wochen in Lettland auf und schickte seine Familie nach Deutschland, er selbst kam 1945 für vier Jahre in polnische Gefangenschaft. Mit Unterstützung des Deutschen Roten Kreuzes wurde er aus der Gefangenschaft nach Honerdingen bei Walsrode entlassen. Nicolai von Transehe starb am 29. September 1969 im Alter von dreiundachtzig Jahren, seine letzte Ruhestätte fand er in Meinerdingen bei Walsrode. Er hinterließ mehr als 80 Veröffentlichungen und Bücher sowohl in Lettisch als auch in Deutsch.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1935 wurde Transehe für seine „Leistungen in der Ornithologie“ zum korrespondierenden Mitglied der Ungarischen Königlichen Ornithologischen Gesellschaft gewählt. Für die Veröffentlichung seines ersten Buches erhielt er vom lettischen Kulturfonds einen Ehrenpreis.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Adelsfamilie Transehe

Nikolai von Transehe-Roseneck stammte aus dem deutsch-baltischen Adelsgeschlecht Transehe-Roseneck (Linie Sackenhof-Neu-Wrangelshof). Sein Vater war Nikolaus Karl Michael Viktor von Transehe-Roseneck (1842–1919, ermordet von lettischen Bolschewiki), Herr auf Neu Wrangelshof, Sackenhof und Zempen. Die zweite Ehefrau des Vaters, Elise geb. Weiß (* 1861 in der Schweiz), war seine Mutter. Aus seiner eigenen, 1931 in Riga geschlossenen Ehe mit Elisabeth geb. Bejnarowicz (1898–1988) gingen die Töchter Dagmar (* 1934) und Ira (* 1938) hervor.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Lenz: Nikolai von Transehe 1886-1969. In: Jahrbuch des baltischen Deutschtums, Jg. 1971, Lüneburg 1970, S. 8–12.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1]
  2. Rīgas Zooloģiskais Dārzs
  3. Studentenvereinigung „Šalkone“ an der Universität Lettland
  4. Mitgliederverzeichnis der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft 1940 („1924 Transehe, N. von, Dr. phil“), Seite XXI., aufgerufen am 13. November 2017.