Noktara

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Noktara
Noktara - Nachrichten aus dem Morgenland, schon heute!.jpg
Beschreibung Noktara.de – Nachrichten aus dem Morgenland, schon heute!
Hauptsitz Mainz
Erstausgabe 10. September 2016
Gründer Derya Sami Saydjari und Soufian El Khayari
Erscheinungsweise täglich
Chefredakteur Soufian El Khayari
Weblink Noktara.de

Noktara ist eine deutschsprachige Website, die von Soufian El Khayari und Derya Sami Saydjari gemeinsam betrieben wird und täglich satirische Beiträge im Stil von Zeitungsartikeln und Agenturmeldungen veröffentlicht. Dabei widmet sich Noktara mit „hintergründig zynischem Humor“ religiösen Inhalten, dem politischen Tagesgeschehen und Lifestyle-Themen.[1] Durch die Themenwahl und den muslimischen Blickwinkel lässt sich Noktara als „Ethno-Satire“ einordnen.[2][3][4]

Geschichte und Namensbedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inspiriert vom Postillon und der brisanten Nachrichtenlage rund um Terrorismus, Rassismus, Rechtspopulismus, die Flüchtlingskrise, der LGBT-Community, Erdogan, Donald Trump, den IS, den Syrienkrieg, den Nahostkonflikt, die Integrationsdebatte, den Kopftuchstreit, das Burkaverbot und den Islam entstand 2016 während einer gemeinsamen Autofahrt die Idee für Noktara als eine satirische Antwort. Der Name Noktara leitet sich dabei aus den arabischen und türkischen Wörtern für Witz ab. Für den besseren Klang hängten die Macher noch die Silbe „ra“ an.[5] Der Slogan „Nachrichten aus dem Morgenland, schon heute!“ spielt auf die angebliche „Islamisierung des Abendlandes“ an, wie sie von Pegida propagiert wird. So beschreibt sich Noktara auch auf Facebook mit einem Augenzwinkern als „orientalische Lügenpresse und Propagandablatt der heimlichen Islamisierung des Abendlandes“ und droht auf Twitter allen, die nicht folgen, mit einer Steinigung.[6]

Inhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Slogan: „Gemeinsam lachen für eine bessere Welt“

Neben klassischen Satire-Nachrichten veröffentlicht Noktara in Anlehnung an Seiten wie Buzzfeed Listenbeiträge, mit dem Faktillon[7] vergleichbare „Fakten aus dem Morgenland“, verschiedenste Videos, Umfragen, Psychotests, Veranstaltungen, scherzhafte Aktienkurse und einen News-Ticker.

Öffentliche Wahrnehmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb weniger Monate sorgte Noktara über soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter mehrfach für Aufsehen und wurde von Journalisten als „muslimischer Postillon“ bezeichnet.[8] Als Hommage an diesen Titel veröffentlichte Noktara eine Auflistung von Postillon-Beiträgen, die sie gerne selbst veröffentlicht hätten.[9][10]

Dominosteine im Kaaba-Look.

In der Vorweihnachtszeit 2016 verwirrte Noktara Teile der muslimischen Community mit dem vermeintlich ersten islamischen Adventskalender[11] und forderte seine Leser dazu auf, täglich per Mausklick ein Türchen zu öffnen, um sie dann mit der inflationären Verwendung des Wortes „haram“ zu überraschen. Dieses Element entwickelte sich bei Noktara an weiteren Feiertagen wie Ostern, Halloween und zum Valentinstag zu einem Running Gag und gipfelte darin, „haram“ zum Wort des Jahres zu küren.[12] Ebenfalls zu Weihnachten 2016 brachte Noktara einen Beitrag in Umlauf, laut dem der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt eine neue Sorte Dominosteine für Muslime in den Handel bringen wolle, die optisch an die Kaaba erinnert und erhielt dazu Anfragen, wo man diese kaufen könne.[13]

Internationale Aufmerksamkeit erlangte Noktara nach einer Reportage des deutsch-französischen Fernsehsenders Arte, in dem Noktara als „Pioniere der deutsch-muslimischen Satire“ bezeichnet wurde.[14]

Anlässlich des internationalen Weltwassertags produzierte Noktara 2016 ein satirisches Werbevideo für den angeblichen Verkauf von Zamzam-Wasser durch den Großkonzern Nestlé und wurde damit zu einem Gesprächsthema für Mimikama.[15]

Im österreichischen Kulturmagazin Biber wurde Noktara neben den, mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichneten, Datteltätern[16] zum „Satire-Kalifat“ gezählt.[17]

Im Ramadan 2017 parodierte Noktara ein reales AfD-Plakat über Muslime mit einem Satire-Plakat, das von vielen Lesern für glaubwürdig gehalten wurde.[18] Im Ramadan 2018 veröffentlichte Noktara einen Satire-Artikel, in dem zu lesen war, dass die Stadt Essen aus Rücksicht auf die fastenden Muslime und als Zeichen des guten Miteinanders für die Zeit des Fastenmonats in „Fasten“ umbenannt werde. Die ungarische Nachrichtensendung Híradó des staatlichen Fernsehsenders MTVA sendete daraufhin die Meldung in den abendlichen Hauptnachrichten.[19][20]

Im April 2017 präsentierte das Noktara-Team seine Nachrichtensatire erstmals in einer Live-Bühnen-Show.[21]

Auch in der muslimischen Gemeinschaft hat sich Noktara insbesondere durch kontroverse Beiträge, den Umgang mit heiklen Tabuthemen und die Aufarbeitung innermuslimischer Probleme einen Namen gemacht.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Roswitha Buchner: Satire-Website Noktara: "Gemeinsam lachen für eine bessere Welt". In: Das interkulturelle Magazin. Bayerischer Rundfunk, 22. Januar 2017, archiviert vom Original am 22. August 2017; abgerufen am 2. August 2017.
  2. Franziska von Busse: Noktara: Ethno-Satire im Netz. In: Kultur am Mittag. WDR, 19. Januar 2017, abgerufen am 2. August 2017.
  3. Jenny Kallenbrunnen: "Wir wollen Muslime selbst für Humor und Satire sensibilisieren". In: Stern (Hrsg.): stern.de. stern.de GmbH, Hamburg 26. März 2017 (online [abgerufen am 2. August 2017]).
  4. Malcolm Ohanwe: Satireseite Noktara.de: Auch Muslime können über sich lachen. In: B5 PULS. Bayerischer Rundfunk, 12. Mai 2017, abgerufen am 2. August 2017.
  5. Dunja Ramadan: „Die Themen Flüchtlinge, Islam und Terror brauchen mehr Satire“. In: Süddeutsche Zeitung (Hrsg.): jetzt.de. Jetzt, München 29. Dezember 2016 (online [abgerufen am 2. August 2017]).
  6. Qantara.de: Satire-Webseite "Noktara" – Der muslimische "Postillon". In: Qantara.de – Dialog mit der islamischen Welt. Deutsche Welle, 1. Januar 2017, abgerufen am 2. August 2017.
  7. Faktillon
  8. Nazan Gökdemir: Noktara – (K)ein muslimischer Postillon? In: Freitagsforum. ZDF, 17. Februar 2017, abgerufen am 2. August 2017.
  9. Noktara: 9 geniale Postillon Beiträge, die einer Steinigung würdig sind. 25. Februar 2017, abgerufen am 14. August 2017.
  10. Michael Hollenbach: Noktara: Muslimische Satire im Netz. NDR, 6. Juli 2017, abgerufen am 2. August 2017.
  11. Noktara: Der erste islamische Adventskalender! 1. Dezember 2016, abgerufen am 14. August 2017.
  12. Noktara: Haram zum muslimischen Wort des Jahres gewählt. 9. Dezember 2016, abgerufen am 14. August 2017.
  13. Noktara: Weihnachtsgebäck: Lindt bringt Dominosteine für Muslime. 20. Dezember 2016, abgerufen am 14. August 2017.
  14. Leonie Kathmann: Noktara: Muslimische Satire aus Deutschland. In: ARTE Journal. ARTE, 19. Januar 2017, abgerufen am 2. August 2017.
  15. ZDDK | MIMIKAMA: Verkauft Nestlé wirklich ZAMZAM-Wasser? In: mimikama. mimikama – Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch, 25. März 2017, abgerufen am 2. August 2017.
  16. Grimme-Institut: Grimme Online Award 2017: Datteltäter. Abgerufen am 14. August 2017.
  17. Nour Khelifi: Das Satire Kalifat. In: dasbiber. Biber, abgerufen am 2. August 2017.
  18. Marc Röhlig: Es gehen gerade zwei AfD-Ramadan-Plakate rum. Eines davon ist ein Fake. In: bento. SPIEGEL ONLINE, Hamburg 26. Mai 2017 (bento.de [abgerufen am 13. August 2017]).
  19. WAZ: Satire-Portal macht zu Ramadan aus Essen die Stadt „Fasten“. 21. Mai 2018, abgerufen am 23. Mai 2018.
  20. Híradó vom 20. Mai 2018 (Memento des Originals vom 24. Mai 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mediaklikk.hu (ungarisch, etwa ab 6:30 Minuten)
  21. Staatsbetrieb Staatliche Kunstsammlungen Dresden: Noktara präsentiert Nachrichten aus dem Morgenland, schon heute! (Nicht mehr online verfügbar.) In: Salam Deutschland – Islam im GRASSI. GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, archiviert vom Original am 15. August 2017; abgerufen am 2. August 2017.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mvl-grassimuseum.de