Norman Stone

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Norman Stone (* 8. März 1941 in Edinburgh, Schottland; † 19. Juni 2019[1]) war ein britischer Historiker des modernen Europa, insbesondere Mittel- und Osteuropas.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1971 wurde er Studienleiter am Jesus College an der Universität Cambridge. 1975 veröffentlichte er seine Studie The Eastern Front 1914–1917, das seine Reputation begründete und dazu beitrug, den Ersten Weltkriegs nicht nur nach dem Geschehen auf dem westlichen Kriegsschauplatz zu betrachten. Stone erhielt dafür 1976 den Wolfson History Prize. Durch Glückspiel und Alkoholgenuß vernachlässigte er zunehmend seine Pflichten und wechselte schließlich nach Oxford.

Zwischen 1985 und 1997 war Stone Professor für Moderne Geschichte an der Universität Oxford. Seiner Lehrtätigkeit wurde 1997 mit einer Abfindung beendet. Von 1987 bis 1990 war auch außenpolitischer Berater der Regierung Thatcher. Ab 1997 arbeitete Stone in der Türkei, zuerst an der Bilkent-Universität in Ankara, ab 2005 an der Koç Universität in Istanbul.

In Deutschland wurde er vor allem durch sein Buch Hitler bekannt, welches von Guido Knopp im Fernsehen präsentiert wurde. 2004 bestritt Stone in den Zeitschriften Spectator und Times Literary Supplement – den Thesen Bernard Lewis’ folgend – einen Völkermord an den Armeniern.[2] Er wurde dafür teils scharf kritisiert, so z. B. von dem Schweizer Historiker Hans-Lukas Kieser, der ihm im November 2006 in der Weltwoche vorwarf, kritiklos den Argumenten des türkisch-nationalen PR-Apparats zu folgen[3], nachdem Stone in einer vorangegangenen Ausgabe derselben Schweizer Publikation den Völkermord an den Armeniern erneut bestritten hatte.[4]

Harsche Urteile über Kolleginnen und Kollegen, seine Trunksucht und unangemessenes Verhalten gegenüber Studentinnen ließen ihn als schwierige Persönlichkeit gelten. Der frühere Premierminister Edward Heath sagte über Stone in dessen Oxforder Zeit: “Many parents of Oxford students must be both horrified and disgusted that the education of our children should rest in the hands of such a man” (deutsch: „Viele Eltern von Studenten in Oxford müssen sowohl entsetzt wie abgestoßen davon sein, dass die Ausbildung unserer Kinder in den Händen eines solchen Mannes liegt.“)[5]

Von 1966 bis 1977 war er mit Nicole Aubrey verheiratet, der Nichte eines Finanzministers unter dem haitianischen Diktator François Duvalier. Mit ihr hatte er zwei Söhne. 1982 heiratete er Christine Booker, mit der er einen weiteren Sohn hatte, und die 2016 starb. Stone starb im Juni 2019.[6]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Obituary: Norman Stone, hard-living Glaswegian historian who became an advisor to Margaret Thatcher. In: The Herald, 20. Juni 2019. Abgerufen am 21. Juni 2019 (englisch).
  2. Norman Stone: Vote Turkey this Christmas.@1@2Vorlage:Toter Link/www.spectator.co.uk (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: The Spectator. 18. Dezember 2004, abgerufen am 13. Februar 2012.
  3. Hans-Lukas Kieser: Kern der Sache. In: Die Weltwoche. Nr. 44/2006, abgerufen am 13. Februar 2012.
  4. Norman Stone: Es war kein Völkermord. In: Die Weltwoche. Nr. 43/2006, abgerufen am 13. Februar 2012.
  5. Nachruf in The Guardian vom 25. Juni 2019, abgerufen am 26. Juni 2019
  6. Harry Mount: A tribute to Norman Stone. Nachruf in: The Spectator, 19. Juni 2019, abgerufen am 19. Juni 2019; vgl. sehr kritisch der Nachruf in The Guardian vom 25. Juni 2019, abgerufen am 26. Juni 2019
  7. Paul Lendvai: Nationalist tremors on the eastern edge of Europe. Rezension, in: Financial Times, 5. Januar 2019, S. L&A 8